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dem Gebiete der Telegraphie herbeizuführen berufen erscheint. Der Schnelltelegraph beruht auf einer ingenieusen Verbindung von Telegraph und Telephon. Statt des bisherigen ,, Tasters" unserer Telegraphen weist der Zeichengeber" des Schnelltelegraphen einen Papierstreifen auf, der in zwei Reihen durchlocht ist. Die Walze, auf die der Streifen zunächst gewickelt wird, wird mittelst eines Uhrwerkes oder eines Motors in schnelle Bewegung gesezt und schiebt so den durchlochten Streifen vorwärts. Ueber den Streifen sind mun zwei Platinbürstchen angebracht, derart, daß die eine mit dem positiven Pol der einen Batterie, die andere mit dem negativen Pol der anderen Batterie( und für die Rückleitung umgekehrt) in Verbindung steht. Sobald jetzt infolge der Durchlochung des Papierstreifens die eine oder die andere Bürste mit der Metallwalze in Berührung kommt, so fließt ein positiver oder negativer Strom durch die Fernleitung zum„ Empfangsapparat". Dieser Empfangsapparat zeigt ein sehr empfindliches Telephon, dessen Membran durch den verschiedenen Stromschluß ganz wie beim Sprechen durch das Telephon in Schwingungen versetzt wird. Da diese Bewegungen aber ungeheuer gering sind, nur Tausendstel Millimeter betragen, mußte man daran denken, sie zweckmäßig zu vergrößern. Diese Aufgabe lösten Pollak und Virág in geradezu genialer Weise. Vor der Membran ist ein kleiner Spiegel angebracht, der durch den einen Pol eines Stahlmagneten zunächst festgehalten wird. Der andere Pol des Magneten steht durch ein federndes Plättchen mit der Menbran des Telephons in Verbindung. So übertragen sich die geringsten Schwingungen der Membran mit Hilfe des Magneten auf den sich deutlich bewegenden Spiegel. Ein kleines Glühlämpchen erleuchtet den Hohlspiegel und die reflektierenden Strahlen fallen, durch eine Linse gesammelt, im Bilde eines leuchtenden Fadens auf einen Streifen lichtempfindlichen Papiers, das durch Walzendrehung wie beim Zeichengeber schnell an dem Spiegel vorbeigeführt wird, mit anderen Worten: sie werden photographiert. Auf dem Papiere der photographischen Platte also sehen wir dann in bestimmter Weise auf- und niedergehende Zeichen.
Es würde uns zu weit führen, auf die zahlreichen genialen Konstruktionseinzelheiten des Schnelltelegraphen einzugehen; wir wollen nur erwähnen, daß die Zeichen geschickt zu dem in der ganzen Welt üblichen Morsealphabet" ( Punkte und Striche für die einzelnen Buchstaben) in Beziehung gesetzt sind. Das Pollak- Virágsche System hat bereits mehrfach die praktische Probe bestanden. Es wird namentlich im Zeitungsbetriebe von unerseßlichem Werte sein. Zur Depeschierung einer 16 Seiten starten Zeitung sind 25 Minuten erforderlich, während ein geschickter Telearabbist nach dem alten System mindestens 30 Stunden zur Abgabe einer solchen Depesche benötigen würde. Auch die Raum- und Materialersparnis ist eine bedeutende. Die erwähnte Depesche erfordert nach dem neuen System einen Papierstreifen von 52 Meter Länge, nach dem Morse- System aber einen solchen von nicht weniger als 5600 Meter Länge! Sehr intereſſant, wenn auch zunächst noch von geringer praktischer Bedeutung, sind jene Fortschritte, die die Telegraphie auf dem Gebiete der Uebertragung von Bildern und wirklichen Schriftzügen in den letzten Jahren zu verzeichnen gehabt. Schon 1855 hatte der italienische Physiker Caselli einen Apparat konstruiert, der es ermöglichte, beliebige Linien telegraphisch zu übertragen. Dieser Pantelegraph" wurde auch in den sechziger Jahren in Frankreich und Rußland praktisch erprobt und soll ganz gute Erfolge gehabt haben. Seitdem sind eine ganze Reihe verschiedener Apparate ersonnen worden, die dem gleichen Zweck dienen sollen, ohne daß jedoch einer eine wirklich praktische Verwendung hätte finden können. Erst in den letzten Jahren sind zwei Erfindungen veröffentlicht worden, von denen eine praktische Verwertung vielleicht zu erhoffen steht.
Da ist zunächst der„ Telediagraph" Hummels zu nennen, ein Bildertelegraph, der bereits in Amerika mehrfach verwendet wird, und zwar sind dort die bedeutendsten Zei= tungen, wie der New- York Herald", der„ Chicago- TimesHerald" und die hervorragendsten Blätter von Philadelphia und St. Louis, telediagraphisch" miteinander verbunden.
( Schluß folgt.)
Hausdoctor
Warum soll der Mensch baden? Abgesehen davon, daß das Bad dazu dient, den Körper im heißen Sommer abzukühlen, benutzt es der Mensch, um sich zu reinigen. Der Mensch wird wie jedes Gerät verunreinigt; alle Stoffe seiner weiteren und nächsten Umgebung lagern sich in Staubform auf ihm ab und dringen bei so vielen Gewerben so tief in die Haut ein, daß sie für längere Jahre charakteristisch ge= färbt wird. Zu diesen Dingen kommt der Schmutz des Menschenleibes selbst. Die Haut schuppt sich in so bedeutendem Maße ab, daß, wer sich durch Jahre täglich abwäscht, doch täglich ein trübes Waschwasser liefert. Die Haut trägt einen mehr oder weniger starken fettigen Ueberzug, die Millionen Talgdrüsen halten sie mit ihren zahllosen Tröpfchen geschmeidig, wasserdicht und widerstandsfähig. Aber das Hautfett wird auch ranzig und bedarf der mechanischen Abscheuerung. Dazu kommt noch eine unerhebliche Ab
sonderung von Kohlensäure, die zwar lange nicht so groß ist, wie die in den Lungen, aber doch bei Erwachsenen 3 bis 9 Gramm täglich und bei Kindern die Hälfte beträgt. Mit dieser Kohlensäure gehen kleine, schwer meßbare, aber schon riechbare Mengen von Gasen durch die Haut ab. Schließlich ist auch die Wasserverdunstung durch die Haut eine sehr bedeutende; es wird etwa ebenso viel Wasser durch die Lunge wie durch die Haut ausgeschieden. Bestän dige Abscheuerung der Haut ist notwendig, am einfachsten geschieht dies durch die Abreibung der Wäsche und der Kleider. Stark ge= brauchte Leibwäsche hat auf je 100 Pfund ihres Gewichtes 1 bis 4 Pfund Schmutz aufgenommen. Wir schicken, wie Liebig sehr gut sagt, an unserer Statt unsere Leibwäsche ins Bad. Täglich frische Wäsche anzuziehen ist der gesundeste Aufwand, den man machen fann; leider ist diese Ausgabe für viele unerschwinglich, und wer das Geld dazu hat, glaubt es besser für andere Dinge zu verwenden. Farbige Hemden aber, zumal Flanellhemden, die das Waschen schlecht vertragen, sind allzu oft ein Abonnement" auf Schmutz, Rheumatismus und Brustkatarrh. Der Mensch wird mürbe in seiner eigenen Beize. Besser als bloßer Wechsel der Wäsche ist die Abwaschung, weil sie zugleich die Haut aufweicht, scheuert und den Schmutz abspült. Setzt man dem Wasser Seife zu, so gelingt die Reinigung um so besser. Der Schmutz tötet mehr Leute als der Hunger. Liebig hat gesagt, daß man den Kulturzustand eines Volfes am besten an seinem Seifenverbrauch bemessen kann; aber auch die Bäder und Abwaschungen sind ein solcher Maßstab.„ Es muß einer schon ein schmieriger Mensch sein, wenn er nötig hat, sich jeden Tag zu waschen," sagte ein Rekrut, der sich mit" Reinlichkeit sein Lebtag nicht viel abgegeben hatte. Ein sauberer Mensch riecht ganz anders als ein schmutziger. Bei schmutzigen Menschen riecht sowohl der Körper als die Wäsche und die Kleider. Gine tägliche vollständige Abwaschung ist nicht nur angenehm und bald unentbehrlich, ſondern auch geſund wegen der Abhärtung; ſchließlich kostet sie gar kein Geld und sehr wenig Zeit. Man macht sie mit ein Paar Waschhandschuhen, taucht diese in das Wasser, wie es im Schlafzimmer vorrätig ist, und fährt damit über den ganzen Körper hin, fest aufdrückend, mehrmals neu eintauchend und rasch. Man wird in einer Minute mit dem ganzen Körper bequem fertig. Je wärmer der Raum ist, in dem man sich abreibt oder abwäscht, um so kälter darf das Wasser sein. Im kühlen Schlafzimmer ( unter 6 Grad R.) können nasse Abreibungen nur von Kräftigen, seit Jahren Gewöhnten gemacht werden. Abwaschungen vor dem Schlafengehen regen oft auf und machen munter. Im Winter entziehen sie dem Körper zu viel Wärme, weil der Gewaschene nachher sein ganzes Bett ärmen muß. Zur gründlichen Reinigung des Körpers gehört ein warmes Bad mit Seife. Leider können sich nur die Reichen den Luxus eines Badezimmers in der Wohnung gönnen; die Mehrzahl muß in den öffentlichen Badeanstalten baden. Daß aber eine Warmwasser- Badeanstalt noch immer für 18 000 Deutsche völlig ausreicht, ist betrübend. Es beweist, daß die Mehrzahl der Menschen überhaupt nicht badet.
Die Gefährlichkeit des Schmutzes an den Stiefelfohlen. Wer mit schmutzigen Stiefelfohlen ein Zimmer betritt, denkt nicht daran, wie viel ansteckende Keime er mit hineinschleppt. Gar manche Krankheit mag ihren Ursprung hiervon haben, namentlich auch bei Kleinen Kindern, die auf der Erde umherkriechen und den Schmutz ahnungslos mit ihren Händchen in den Mund bringen. Deshalb sollte jedermann seine Stiefelsohlen vor dem Eintritt ins Zimmer gehörig abfragen.
Nr. 48.
Dienstag, den 1. März
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
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Gießener Neueste Nachrichten.
Sand and Bering bar Chafener Berlagsbruderet, vorm. Bih. Reller'sche Sunbrudeset( gegr. 1788);
( 11. Fortsetzung.)
Der Goldmarder.
Original Roman von M. Bezold.
„ Und wenn du Recht behieltest, was dann? Vater seine Einwilligung geben?"
Wird ihr Welche Gründe könnte er geltend machen, um sie zu verweigern? Du bist reich und angesehen, du hast ein blühendes Geschäft
„ Alles gut und wohl, aber ich bin nicht der Mann, den Spangenberg sich als Schwiegersohn wünscht. Ich habe kein hohes Amt, keinen Titel, keinen Einfluß bei Hofe, ich bin nur ein schlichter Bürger, und Geld ist dem reichen Direktor
Nebensache."
Dem reichen Direktor?" fragte da mit unverkennbarer Ironie. Ich habe früher auch an seinen Reichtum geglaubt, man sagte ja, er habe viel geerbt, aber diesen Glauben hege ich heute nicht mehr. Einige Aeußerungen Irmas weckten Zweifel, die durch meine Beobachtungen ihre Bestätigung gefunden haben. Direktor Spangenberg hat ein großes Haus gemacht und immer offene Tafel gehalten, das kostet Geld, viel Geld, da mag die Erbschaft in alle Winde zerstoben sein. Und wenn diese Vermutung richtig ist, dann wird Spangenberg dir gerne die Zukunft seiner Tochter anvertrauen, dir lieber, als irgend einem Manne, dessen Existenz nur von der Laune des Fürsten abhängt."
Martin hatte seine Wanderung wieder aufgenommen, der ernste, nachdenkliche Ausdruck seines Gesichts bekundete, daß er den Worten seiner Schwester noch immer kein rechtes Vertrauen schenken konnte.
„ Und selbst, wenn Spangenberg im ersten Augenblick seine Zustimmung verweigern sollte, so wird Irma mit ihrer Willensfestigkeit dir treu zur Seite stehen," nahm da wieder das Wort ,,, und vereint mit ihr mußt du in diesem Kampfe fiegen."
„ Wir kennen den ſtarren Kopf Spangenbergs ,, Gewiß, Martin, aber dieser starre Kopf wird sich doch auch beugen müssen, wenn er erkennt, daß er euren Willen nicht bezwingen kann. Ueberlege dir das alles und zeige, daß du ein Mann bist, der handeln und wagen kann! Ich muß jetzt in die Küche, heute mittag will ich deinen Entschluß hören; kann ich dir beiſtehen, ihn auszuführen, so soll es gerne geschehen."
Sie war vor dem Bruder stehen geblieben, ihre kleine Hand lag auf seiner Schulter, ein ermutigendes Lächeln umspielte ihre rosigen Lippen.
" Ich danke dir," sagte er, indem er sie an sich zog und einen Kuß auf ihre Stirne drückte, du weißt ja, wie un sagbar glücklich mich die Erfüllung dieser Hoffnung machen würde! Und eben deshalb kann ich noch immer nicht glauben, daß dieses Glück mir wirklich zu teil werden soll"
,, Weil dir der Mut fehlt, die Hand danach auszustrecken," unterbrach sie ihn, tue es, und der Erfolg wird dir beweisen, wie unbegründet deine Zweifel waren!"
Damit verließ da das Zimmer, und bald nach ihr ging auch Martin hinaus, um in der Werkstätte seine Arbeiter zu beaufsichtigen.
Etwa eine Stunde später traten Adolph Spangenberg und der Adjutant in den Laden.
( Nachdruck verboten.)
Meine Uhrkette ist entzwei," sagte Adolph, als Martin die Freunde empfangen hatte, sieh einmal nach, ob die Reparatur noch der Mühe lohnt, im anderen Falle kaufe ich eine neue."
Dazu habe ich dir längst raten wollen," scherzte Martin, „ das dünne Kettchen paßt nicht für dich, ich glaube, du hast es schon auf der Schulbank getragen?"
,, Mein Vater schenkte es mir am Tage meiner Sonfirmation," bestätigte der Doktor.
Nun, dann hat es dir lange genug gedient," sagte Martin, während er die Kette betrachtete, es ist ehrlich verschlissen. Ich fann es wohl reparieren, aber von langer Dauer wird es nicht sein."
,, Na, dann gib mir eine neue!"
Martin 30g an der Glockenschnur und holte aus dem Schaufenster eine reiche Auswahl goldener Ketten.
,, Und womit kann ich Ihnen dienen, Herr Adjutant?" fragte er.
Alfred v. Bodenlauben drehte mit verlegener Miene an den Spizen seines braunen Schnurrbärtchens und begrüßte da, die eben mit einer Flasche und einigen Gläsern eintrat, mit einer tiefen Verbeugung.
,, Augenblicklich habe ich leider noch keine Verwendung für Ihr Geschmeide," sagte er mit einem bedauernden Achselzucken, aber, was nicht ist, kann noch werden. Ich besize einen uralten Familienschmuck, prachtvolle Steine, aber die Fassung ist unmodern, ich muß Ihnen einmal den Schmuck bringen, vielleicht kann er anders gefaßt werden."
,, Wenn Sie es wünschen, so kann es geschehen," erwiderte Martin, während Ida den Herren ein Glas Madeira anbot, ,, aber die antike Fassung wird jetzt wieder modern. Sehen Sie hier," fuhr er fort, während er aus einer Schublade ein Etui holte und es öffnete, dies ist auch ein alter Familienschmuck, Eigentum des Fräulein v. Derendorf, antife Fassung, er soll nur gereinigt werden."
Ah, ah, der Brautschmuck!" spottete der Adjutant. Also scheint die Sache doch richtig und bereits in Ordnung zu sein." ,, Welche Sache?" fragte Martin.
Die Verlobung des Fräulein v. Derendorf mit- na, ich glaube, es soll einstweilen noch Geheimnis bleiben, da werde ich wohl aus Rücksicht auf Durchlaucht schweigen müssen."
Adolph, der noch immer mit der Wahl einer Kette beschäftigt war, blickte ruhig auf.
" Das Geheimnis ist schlecht gehütet worden," sagte er, man spricht bereits in allen Kreisen davon, daß mein Onkel sich mit Fräulein v. Derendorf vermählen werde." Und dieses Gerücht ist Wahrheit?" fragte
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Jawohl, gnädiges Fräulein," antwortete der Adjutant, nur hat der Herr Doktor vergessen, hinzuzufügen, daß diese Vermählung ein Wunsch Seiner Durchlaucht ist."
Und die Verlobung soll bereits stattgefunden haben?" sagte Martin in einem Tone, der starke Zweifel verriet. ch kann das nicht glauben; Fräulein v. Derendorf ist unab
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