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Nr. 143

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9tr. 143.

Elftes Kapitel

Oberhessische Familienzeitung.

Bristos agen heute früb zu Mittag und machten nachber Toilette, aber nur der Colonel und Miles waren anwesend, Mrs. Parish war viel zu geschäftig, überall die letzte Hand anlegend, während Alice den Thee auf ihrem Zimmer allein

zu haben wünschte.

Als Mr. Miles nach oben ging, um sich umzulleiden, fiel das rote Sonnenlicht noch in schrägen Strahlen in das geöffnete Fenster. Sein Zimmer, mit der Aussicht auf den Flug, war groß und anheimelnd.

fit letje bor i fobien in ausgezeichneter Laune au ſein. Er

eins von Alices Liedern- ein rubiges Lächeln buschte um seine Mundwinkel, aber des langen, dichten Schnurrbarts wegen war es nur durch den Ausdruck seiner Augen bemerkbar. Er ging sehr leise, beinahe geranschlos umber diese Eigentümlichkeit war ihm zur Gewohnheit geworden.

Sein Anzug lag bereits auf dem Bett ausgebreitet, er schien noch nie getragen worden zu sein. Sein Reisekoffer, welber in einer Ede stand. schien ebenfalls wenig benust zu jein, man fonnte taum eine einzige Schramme auf der Ober­fläche entdecken, und das glänzende Leder des Deckels trug erst einen Zettel von einer Station. Aber natürlich waren Viles Sachen neu, eine frische Ausrüstung von Kopf bis zu Fuß ist keine kleine Lockung für jeden Australier in London.

Will man sich für einen Ball ankleiden, muß man sich zuerst entkleiden und vor allem seine Taschen leeren. Dies war bei Mr. Miles beinabe eine interessante Arbeit, da es verschiedener Spisfindigkeiten dabei beducfte und eine ganze Zeit in Anspruch nahm.

Er ließ die Jalousien vorher sorgfältig berunter und verriegelte die Thür.

Dann zündete er das Gas an und fühlte in seine Brust­tasche. Das erste, was er herausnahm, war ein durch seinen Inhalt beträchtlich dicker Umschlag, der in den Kamin geworfen wurde, nachdem ersterer herausgenommen war. Diesen breitete er strahlenden Blides auf dem Kaminsims aus, es waren sehn englische Pfund in Banfnoten. Er zählte sie, faltete sie möglichst klein zusammen und schob sie in die Hosentaschen feines Gesellschaftsanzugs Dabei lächelte er so sehr, daß das Pfeifen plöglich abbrach.

Das nächste, was er aus derselben Brusttasche nahni, war weniger leicht irgendwo unterzubringen; statt des früheren Lächelns kam ein Stirnrunzeln, dem eine Ladung Flüche folgte, als sein Frad sich ohne Brusttasche erwies. Uebrigens gehört Fluchen zu den bekanntesten Angewohnheiten der achtungswertesten Buschleute, sodaß es bei einem Mann wie Miles nichts bedeutete. Dann versuchte er es mit der anderen Sosentasche, aber obgleich der Gegenstand als solcher besonders flein war, zeigte er sich doch für eine solche Tasche zu groß und für die Hintertaschen des Fracks zu schwer. Mr. Miles war in ernster Verlegenheit; sein Gesicht trug genau den Ausdruck, welcher beim Aufgeben einer Lebensgewohnheit, die zur zweiten Natur geworden ist, hervorgerufen wird; in Aerger und Verzweiflung ließ er das Ding- es war ein Revolver­in seinen Koffer fallen, verschloß ihn sofort ängstlich und stedte den Schlüssel zu den Banknoten in die Tasche.

Seite 2.

welcher an beiden Seiten an je einem Ende des Bandes fest­genäht wurde. In diesen fleinen Sad schob er nun sorgfältig mit den Spigen seiner Finger die blonde Lode binein, nachdem er fie in seiner flachen Hand gehalten und sein Gesicht so tief über fie geneigt batte, baß, wenn die Annahme nicht bei einem Mann wie Mr. Miles zu abgeschmadt gewesen wäre, man bätte schwören mögen, daß er sie gefüßt hätte. Dann begann er sofort die Deffnung zuzunähen und sab so traurig dabei aus, als wenn er alles Liebe damit begrübe. Als der Faden befeſtigt und abgeriffen war, öffnete er ſeinen Stragen und bie Knöpfe seines Hemdes und hing das Säckchen um seinen Hals. In diesem Augenblid schlug die Uhr auf dem obersten Treppenabsag dreiviertel auf acht und gebot ihm. sich 3: 0 beeilen, wenn er noch unten sein wollte, ehe die Gäste kamen.

Dann folgten noch aus der Westentasche: Taschenmesser, Bleistiftfutteral, Uhr und Kette und zulegt ein seinen ganzen Gesichtsausdrud plöglich beränderndes Etwas. Es lag in einem Stüdchen gedruckten Papiers und schien, nach dem gierigen Blid zu urteilen, mit dem er es verschlang, als das Bapier auseinandergefaltet war, bon noch größerem Wert für ibn als die Bantnoten und ihm noch unentbehrlicher als der Revolver zu ſein- und doch war es nur eine Lode bell­blonden Haares.

Mr. Miles schloß seinen Koffer wieder auf und entnahm ihm ein Badet geölter Leinemand, eine Schere, Nadel, Band und Zwirn; nach der Gewohnheit vieler Reisender führte er so etwas stets bei sich. Miles erwies fich beim Gebrauch dieser Sachen besonders geschickt, sodaß er nach Verlauf von zehn Minuten einen sehr zierlichen kleinen Sad zustande brachte,

Im Drawingroom fand er Colonel Briſto und Mrs. Parish. In dem mehr wohlwollenden als energischen Gesicht des alten Herrn lag nichts, was den ehemaligen Helden der Krim verraten hätte. Außer einem damit unvereinbaren ge= wissen schüchternen Auftreten hätte man ihn viel eher für einen wohlhabenden Aftienbeißer halten können. Heute abend war der militärische Ausdruck in der That niehr der Gesellschafts­dame eigen, denn wie sie ungeduldig in ihrem schönen, schwarz­seidenen Kleid einherrauschte, und wiederholt beim vermeintlichen Hören des Räderfahrens aufiprang, erinnerte fie deutlich an ein altes, die Schlacht witterndes Kriegsroß. Sie bewillkommnete Mr. Miles sehr geräuschvoll bei seinem Eintritt, der aber sowohl ihr wie Colonel Bristo wenig Aufmerksamkeit schenkte, sondern schnell durch das Zimmer sah und sich enttäuscht auf die Lippen biß. Miß Bristo war noch unsichtbar. Er durch­schritt die Halle mit einer Art Instinkt und sah in den Ball­saal, und dort fand er sie. Sie war in diesem Augenblick heruntergeschwebt in einem Kleid, welches ganz aus creme Atlas und Tüll wie aus einem crystallenen Wasserfall und feinem silbernen Strahl zusammengesezt schien. Wenigstens erschien es ihrem Tänzer so, dessen Kenntnis in solchen Sachen natürlich nich: funstgemäß war.

Ein anderer, der ihren Namen bei der Vorstellung nicht behalten, da er, ein gänzlich Fremder, unter dem Schuß einer Dame mit einer Menge Töchter erschienen war, schrieb auf seine Karte einfach Ellenbogenärmel!" und dieser junge Mann mußte scharf beobachtet haben, da die Aermel- eine künstliche Zusammenstellung zwischen lang und kurz für Kenner eine auffallende Erscheinung waren; anderen wieder imponierte ihr Fächer. Aber die Jüngeren sahen nur ihr Gesicht, und das stand ihnen vor Augen- bis zum nächsten Ball.

Mr. Miles war indessen der Glückliche, dem der erste Anblick dieser lieblichen Erscheinung zuteil ward. Er sah auch nur in ihr Gesicht, nach dem ersten flüchtigen Ueberblid. Ob sie noch böse auf ihn war? Ob sielit ihm sprechen, die Tänze, auf die er sein ganzes Herz gefest hatte, ihm ab= schlagen würde? Dann wollte er auf den Knien Abbitte thun. Aber er sab sofort, daß es nicht nötig sein würde.

Denn, wenn Alice auch noch ärgerlich auf Mr. Miles war, zürnte sie sich selbst zehnmal mehr und zehntausendmal mehr Did. Ihr Wesen war in gewisser Weise kalt, aber sie schien die grobe Unverschämtheit von Mr. Miles am Nachmittag ver= gessen zu haben; auf jeden Fall kam sie nicht mehr darauf zurück. Sie ſaate ihm verschiedene Tänze zu, als er ihr eine Tanzkarte brachte, aber dabei dachte sie nicht an Mr. Miles. Sie gab ihm so großen Spielraum in die Hand, aber nicht. um ibn oder sich selbst zu befriedigen. Es gab zu wenige Wege für sie, um die Beleidigungen von heute nachmittag zu bestrafen; hier bot sich wenigftens einer wenn nicht der Gegenstand ihrer Gedanken unsichtbar blieb.

( Fortiesung folgt.)

( 2.2)

Der Verbrauch alkoholischer Getränke in den bedeutendsten Staaten. Belgien Dänemark Deutschld. England Frankrch Holland Italien Norwegen

Y

96

15,9

Y51

V

4,6

81

1,1633 singi

910

Bier

Spirituosen

Wein in Litery

in Litern

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Kopi

Kopf

in Litern pre

Kopf

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94,1

1,2

866

1057

124,9

175117

143,9

917

28

1

352

88 99 003

330 m ads

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Oest Ungarn Portugal Russland Schweden Schweiz Spanien Ver Staat

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Unsere Alkohol- Statistik.

88

3,3

0,5

67

0,33

46 STS

50

Von der britischen Regierung ist im Auftrage des Unterhauses eine Uebersicht über die Herstellung und den Verbrauch'von alkoholischen Getränken( Wein, Bier und Spirituosen) in den verschiedenen Ländern Europas, den Vereinigten Staaten von Amerika und den bedeutendsten britischen Kolonien zusammen­gestellt worden. Das umfangreiche Zahlenmaterial ist zum Teil in den Veröffentlichungen des Kaiser­lichen Gesundheitsamtes" wiedergegeben, denen wir die folgenden Angaben über den Verbrauch von alkoholischen Getränken in den bedeutendsten Staaten entnehmen. Die für Deutschland angeführten Zahlen stimmen mit der Reichsstatistik genau überein. Zum leichteren Verständnis für die Allgemeinheit haben wir den Verbrauch an Alkohol pro Kopf der Be­bölferung in einer bildlichen Statistik verauschaulicht. Wir können uns daher hier darauf beschränken, lediglich die Gesamtzahlen des Verbrauches wiederzu­

Anekdotiſches aus dem Leben des Königs Albert von Sachsen.

Von R. v. M.

( Nachdruck verboten.) Es ist charakteristisch für den König Albert, daß Schlag oder Wigworte, die aus seinem Munde famen, während seiner ganzen Regierungszeit fast gar nicht in die Presse gelangten. Das lag weniger daran, daß solche Worte ganz fehlten, als an der wohl bescheiden zu nennenden Zurückhaltung des Königs, der es nicht liebte, in anderer als offizieller Art an die Oeffentlichkeit zu treten.

13.3

Burmeister Berlin

you diat

geben. Es wurden verbraucht im Jahre 1900 an Hektolitern sür

in Belgien in Dänemark in Deutschland in England in Frankreich in Holland

in Italien

in Norwegen

Spirituosen

Wein

Bier

647 000

300 000 14 763 000

0

31 000 1800 000

2450 000

37680 000

2065 000

3697 000 60 449 000

712 000 58 365 000

1783 000 44689 000 10 827 000 409 000 92 000 18 100 000 368 000 28158 000

72 000

in Desterreich- Ungarn 5100 000

in Portugal

in Rußland

in Schweden

in Schweiz in Spanien in Verein. Staat.

19 100

186 000

503 000

6638 000 20506 000

19 000 4636 000 fehlt

25 000 2533 000

2198 000

31342 000 32189 000 52655 000 433 000 19 189 000 2105 000 315 000 16268 000 362 000 4279 000 1339 000 53746 000

Daß es dem König aber nicht an Humor fehlte, erhellt aus privaten Aeußerungen, die am sächsischen Hofe zum Vergnügen der Angehörigen desselben die Runde machten, und von denen wir hier einige anführen wollen.

Besonderes Interesse hatte der König für die Familiennachrichten der bei Hofe verkehrenden Damen und Herren. Als ihm einst gemeldet wurde, die vierzigjährige, aber noch sehr wohl erhaltene Baronin von S. sei im Begriffe den vierten Mann zu heiraten, meinte er: Die ist wohl Sammlerin."

Einmal beabsichtigte er, dem Freiherrn von Sch. den Grafentitel zu verleihen. Das Diplom war

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