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Boonekamp

Oberhessische Familienzeitung.

gerade ausgefertigt, als der Freiherr sich unerwartet zur Audienz meldete. Ginzuschalten ist, daß dieser feit 12 Jahren verheiratet war und sehnsüchtig aber bergebens einen Stammhalter erwartete. Endlich traf dieser ein, und freudig erregten Herzens eilte der Freiherr an den Hof, um dem König das frohe Ereignis zu melden.

Ew. Majestät", rief er aus, als der König ihn begrüßt hatte, und in der Aufregung gegen die Etikette dessen Frage nicht abwartend, mir ist so­eben ein junger Freiherr geboren worden."

" Sagen Sie: ein junger Graf", rief der König lächelnd, ihm damit die Standeserhöhung ber­fündend.

Mit Recht hat man den König mit Kaiser Wilhelm dem Ersten verglichen. Neben anderen Charakterzügen hatte er mit ihm auch den der Ein­fachheit gemein. Es dauerte verhältnismäßig lange, bis er einen von ihm vielgetragenen Rod ganz ab­legte, und sein Kammerdiener hatte alle Mühe, ihn zum Anpassen eines neuen Kleidungsstückes zu be wegen. Als er einst nach einer solchen Anprobe in den großen Rittersaal des Dresdener Schloffes trat, sagte er seufzend:" Wie gut hatten es die alten Ritter in ihren ehernen Rüstungen! Die konnten keine überflüssigen Falten werfen!"

Selten finden sich bei den Eingaben, die der König durchsah, Randglossen von seiner Hand, doch find von humoristischen Bleistiftbemerkungen folgende bekannt:

Auf die Eingabe eines Hauptmanns a. D., der um die Erlaubnis nachsuchte, seine Uniform tragen zu dürfen, und von dem es bekannt war, daß er start unter dem Pantoffel seiner Frau stand, schrieb er: Meinetwegen, wenn seine Frau es erlaubt."

-

Und als eine der Primadonnen des Hoftheaters um Gehaltserhöhung bat, notierte er am Rande: Ist nicht nötig. Die muß ohnehin bald die Altersrente erhalten."

Sind diese Aeußerungen des föniglichen Humors nur spärlich, so konnte der sächsische Herrscher selbst viel Bergnügen empfinden, wenn Personen seiner Umgebung ihrem Wig die Zügel schießen ließen. Einst tam der Kommerzienrat R., ein älterer fahl­föpfiger Herr, zur Audienz, um sich für einen ihm berliehenen Orden zu bedanken.

"

Wie? Das scheint ja Ihr erster Ordensstern zu sein?" fragte er, als er den einsamen Stern auf dem Frack des Kommerzienrats bemerkte.

" Jawohl, Majestät!" erwiderte dieser seufzend, und auf seinen Kahlkopf deutend, fügte er hinzu: ,, Bei uns vom Zivil kommen die Sterne immer erst, wenn der Mond aufgegangen ist."-

Ueber diese witzige Aeußerung amüsierte sich der König ebenso sehr, wie über die einfältige des Bürgermeisters eines erzgebirgischen Städtchens, welches der König besuchte. Als er fragte, ob die Stadt vielleicht einen Wunsch habe, erwiderte der Bürgermeister:

Majestät, wir bitten, unseren Ort zum Kurort ernennen zu wollen."

Und die guten Leute waren glücklich, als der König diese Ernennung" auf der Stelle vollzog.

Guter Rat.

Jage nicht dem Ruhme nach

Thöricht Menschenfind,

Wie ein schimmernd Rosenblatt, Trägt ihn fort der Wind.

Jage nicht dem Glücke nach, Kind'scher Menschenthor, Wie ein Irrlicht lockt es nur Dich in Sumpf und Moor.

Auf der breiten Straße bleib' Freudlos und allein, Wenn Du eine Schenke triffst, Trink den sauren Wein.

Goldene Worte.

Seite 4.

* Lern' glücklich sein! Es wird dem Erdenleben Der Schmerz als ernste Prüfung mitgegeben. Bern' glücklich machen! Dadurch allein Lernst du am besten glücklich sein.

* Irrtum verläßt uns nie, doch ziehet ein höher Be­

dürfnis

Immer den strebenden Geist leise zur Wahrheit hinan.

Humor und Wiz.

( In der stillen Zeit.) Kommis( zum Kollegen): Wohl herzlich wenig zu thun jezt?"" Na, ich sage Dir, bei uns auf dem Kontor hat schon jede Fliege ihren Vor- und Zunamen!"

( Stimmt.) Cohn ist pleite! Was sagst Du dazu?" Nu, was soll'n mer denn verlieren darum noch viele Worte? Ist es nicht genug, daß wer verlieren viel Geld?"

* Gemütlich. Bauer:" Was machen Sie denn da auf meinem Apfelbaum?"

Handwerksbursche:" Na, heer'n Se, mei Kutefter, Sie fennen aber emal dumm fragen!"

*

-

Die Grafen D. rühmen sich, das älteste Adels­geschlecht des Landes zu sein, viel älter als das er­habene Herrscherhaus. Der Landesfürst fragt mal einen Grafen D.: Na hätten Sie nicht Luft, Rammerherr zu werden?" ,, Werden?" Nee, halten möcht' ich mir so'n Kerl," war die Antwort. ( Wie sieht ein Volksschullehrer aus?) Der Bankbuchhalter Franz Bolda, gebürtig aus Bobau, Kreis Pr.- Stargard, welcher in einem größeren Bankhause als Staffierer angestellt war, ist nach Verübung erheblicher Defraudationen flüchtig geworden. Er hat Wechsel im vorläufig festgestellten Betrage von 20 000 Mark gefälscht- Ob noch andre Veruntreuungen borliegen, muß erst die momentan noch nicht abgeschlossene Revision ergeben. Der Ver­haftbefehl erwähnt, daß Bolda 45 Jahr alt ist und eine Brille trägt; er sei früher Volksschullehrer ge­wesen, und sein Aussehen sei dementsprechend."

*( Saison- Beginn.)

Münchener Kutscher ( zu seinem Pferd):" Bräundl, jezt kommen die Frem den, da siehst a paar Monat lang nig mehr als's Hofbräuhaus!"

Rätselede.

Gleichklang.

Tönt im Innern dir das Wort,

Freu' dich, daß das Lämpchen glüht"; Trifft's dich aber, ist sofort

Auch dein Dasein schon verblüht.

Auflösung der Nätsel in Nr. 138#. 139: Suaheliaus- Eli.

Tauschentäuschen.

Nr. 143.

Dienstag, den 24. Juni

Oberbessische Familienzeitung.

Unterhaltungs- Beilage

der Gießener Neueste Nachrichten.

Drud und Verlag der Gießener Verlagsbruderet, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1788); verantwortlich: Albin Klein.

12]

Der Auftralier.

Roman von EW Hornung.

( Nachdruck verboten.)

Wenn Du einen Tag später abgesegelt wärest, würdest

Du michr gehört haben."

Was?" rief nun Did wieder.

Das er entflob."

.Entfloh?"

.In derselben Nacht. Er brach aus den Polizeibaraden so hieß das kleine Stadtgebiet in Mount Clarence

-

aus. Sie bekamen ihn nicht wieder, und man glaubt, daß es ihm gelang, außer Landes zu entflieben, wahrscheinlich nach Amerika."

,, Bei Gott, ich bedaure es nicht", rief Did aus.

" Hier sind einige Zeitungsausschnitte darüber", fuhr Flint fort, indem er die Zettel aus seinem Taschenbuch nahm und fie Did einhändigte. Lies sie später, sie werden Dich interessieren. Er wurde mit einem anderen Burschen zusammen ergriffen, aber der war bereits tot, durch das Herz geschossen. Das muß derselbe gewesen sein, den sie" Ben" nannten. denn der dicke Schurfe, welcher Dich niederstechen wollte, verschwand schon einige Zeit vorher. Als fie ergriffen wurden. war es bekannt, daß sie irgendwo eine Menge Geld verstedt denn sie hatten haben mußten ich meine Sundown gerade die Mount Clarence- Bank gesprengt." Ja, ich hörte es mit der Gefangennahme zugleich." .Nun, man nimmt an, daß Sundown einen Angriff der Bolizei fürchtete, den Fang irgendwo verbarg, nach seiner Flucht dorthin zurückkehrte und mit dem Ganzen verschwand. Aber Bestimmtes weiß man nicht, denn weder von Sundown noch dem Golde wurde je etwas wiedergesehen."

-

.Mama, freuſt Du Dich nicht auch, daß er entfam?" rief Fanny mit glühenden Wangen. Es mag unrecht sein aber ich kann nicht ander? Nun, was würdest Du also thun, Did?" Wozu darüber sprechen", sagte Did.

"

Dann will ich Dir jagen, was ich thun würde. Ich würde diesen Sundown vor dem Gericht schüßen, ich würde ibm Gelegenheit geben, ein ehrlicher Mann werden, als zu Dant, ja, das würde ich thun. Und wenn ich an Deiner Stelle wäre, würde ich mich immer und immer darnach sehnen."

Flint konnte sich nicht enthalten, zu lächeln. Dids Gefühle bei dieser Angelegenheit waren wirklich schon übertrieben genug. aber nun erst diese junge Dame! War dieser sonderbare, romantische Zug denn in der ganzen Familie zu finden?

Aber Dick sah ernsthaft auf seine Schwester. Ihre Augen glübten wie lebendige Kohlen in dem Zwielicht des in Schatten gehüllten Zimmers. Sie besaß eine große Einbildungskraft, und die Geschichte von Dick und dem Buschräuber rief sofort ihr tiefstes Mitleid wach. Sie sah den nächtlichen Angriff in dem schweigenden Wald deutlich vor sich, und ein Gesicht von wilder, malerischer Kühnheit, das Ideal eines Räubers, tauchte in lebhaften Farben vor ihrem geistigen Auge auf.

Fanny, ich glaube, ich könnte in Versuchung kommen, ähnliches zu thun", sagte Did sanft. Einer von meinen wenigen Grundsägen ist der, daß, wer mir Gutes getban bat, es mit Zinjen zurüd erhält. Einen ähnlichen habe ich aber auch für den, der mir Böses thut."

So ist es also ein großes Verdienst, einen Mann, den man scha angegriffen hat, nicht noch zu berauben?" bemerkte Flint ironisch.

Es ist ein gutes Werk, jemand das Leben zu retten."

Schr wahr, aber Du scheinst mehr an Dein Geld als an Dein Leben zu denken."

Ich glaube, vor vier Jahren that ich es", sagte Dick lächelnd, aber das Lächeln erstarb, als Flint nach der Uhr sab und haftig aufftand.

Did stritt mit ibm, bis ein regelrechter Lärm entstand, aber alles umsonst. Flint schüttelte den Damen schon die Hand. Mein lieber Junge", sagte er, ich verlasse heute abend schon dies Ufer, es find meine Ferien. Ich bin im Begriff, meine Bauern in Paris und Italien für ein paar Wochen zu vergessen. Wenn ich diesen Zug verpasse, erreiche ich heute abend das Boot nicht mehr, ich habe nachgesehen, ehe ich kam. So leb' denn wohl, mein

,, Nein, ich gehe mit zum Bahnhof", sagte Did, diesen legten Liebesdienst lasse ich mir wenigstens nicht nehmen."

Mrs. Edmonstone sagte, daß fie hoffe, Mr. Flint als ihres Sohnes bester Freund werde es möglich machen, auf seiner Heimreise einen oder zwei Tage bei ihnen zu bleiben. Mr. Flint versprach es, dann berließ er mit Did das Haus. Sie waren faum auf dem Wege, als Flint stehen blieb, sich umwandte, auf je von Dids Schultern eine Hand legte und sofort sein herz erleichterte:

..Es ist etwas nicht in Ordnung. Ich fab es sofort. Sage es mir!"

Blick.

Did sentte seine Augen vor seines Freundes forschendem O. Jad", jagte er traurig, es ist alles aus!"

-

Ehe sie den Bahnhof erreichten, wußte Flint alles, was geschehen war eine abgefürzte, aber ungeschminkte Schilderung bon dem Wellen und Sterben der Hoffnungen Dids. Sie sprachen leise zusammen, bis der Zug bineindampfte. Dann fam Did im legten Augenblid auf eine faum berührte Sache zurüd.

-

.Auf den Ball heute abend- sagst Du muß ic geben?"

Natürlich mußt Du; es geht nicht, daß Du fortbleibst. Einesteils möchte Colonel Bristo sich gekränkt fühlen, und bedenke, daß er jest Dein bester Freund ist. Dann mußt Du ein bergnügtes Gesicht zur Schau tragen; fie darf es nicht sehen, daß Du Dich nach dem ersten Zusammentreffen so grämst. Beinahe möchte ich glauben, daß noch nicht alles zu Ende ift. Du kannst es nicht wissen."

Did schüttelte seinen Kopf.

Lieber ginge ich nicht. Es wird zu bitter sein, Du weißt, wie es wird, die beiden zusammen zu sehen. Und ich weiß, es ist alles vorbei. Du verstebst Frauen nicht, Jad." Du vielleicht?" fragte ber andere schlau.

Sie konnte es nicht leugnen, daß- daß ich kann es nicht aussprechen, Jad."

Ja, aber Du fordertest fie zuerst heraus. Auf jeden Fall mußt Du heute abend aber schon der Deinigen wegen hingehen. Deine Schwefter freut fich unendlich darauf, sie ist bisher noch nie auf einem Ball mit Dir zusammen gewesen, sagte sie mir. Wahrhaftig, ich wollte, ich könnte mitkommen Ich wollte, Du könntest anstatt meiner." Unfinn, ich sage Dir, halte den Kopf bo! Bebewohll Fort braufte der Zug mit Jad Flint. Und Did ftand allein auf der Plattform und fühlte noch den Druck der treuen Freundesband und hörte noch den liebevolen Ton seiner guten Worte, während sein Herz ihm schwer und immer schwerer ward.

von Heinrich Joff

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