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nicht sehr groß, doch mit großem Interesse wurde der Vor­trag entgegengenommen, der das Erbbaurecht umfaßte. An Hand von Plänen, die Herr Bärrn mitgebracht, erläuterte er den Baukomplex in Frankfurt. Eine lange und anregende Diskussion schloß sich dem Vortrag an Oberbürgermeister Mecum ergriff mehrere Male das Wort und erklärte unter anderen, daß auch er ein Anhänger dieser Wohnungsreform sei. Er wolle auch in der Gemeinde Gießen, die noch viel Bauge­lände besitze, dafür sorgen, daß das Erbbaurecht seinen Ein­zug halte.

* Militär- Konzert, ausgeführt vom Trompeter­forps des 1. Oberelsäss. Feld- Artillerie- Regts. Nc. 15, un­ter persönlicher Leitung des Stabstrompeters Herrn und unter Mitwirkung des bestens bekannten Kammervirtuosen Herrn Kümmel vom Hoftheater in Darmstadt, findet heute Abend in Steins Garten statt.

Der evangel. Arbeiterverein besichtigte am Sonntag unter Erläuterung des Herrn Prof. Sauer die Kunstsammlung der Universität.

§ Deutschlands Konkurse. Nach einer statisti­schen Mitteilung wurden im ersten Vierteljahr 1903 2770 Konkurse angezeigt. Hiervon betrafen: physische Personen 2146, Nachlässe 442, Handelsg sellschaften 108, Genossen­schaften 10, andere Gemtinschuldner 34 Eröffnet wurden davon 2357 Konkursverfahren, während 413 Anträge wegen Mangels einer zur Kostendeckung reichenden Masse zurückge­wiesen worden sind.

*** Der Großherzog als Kläger. Ein eigenartiger Hechtsstreit mit der Rubrik: Großherzog Ernst Ludwig von Hessen gegen Hofmöbelfabrikant Glückert, hier", beschäftigt das Darmstädter Landgericht. Glückert erwarb seinerzeit von der Großh. Kabinetts­direktion in der sogenannten Künstlerkolonie auf dem Alexandraweg zwei Grundstücke, die er bebaut hat. Nach dem geschlossenen Vertrag hat er sich verpflichtet, keine Wäsche auf dem Dache zu trocknen, was als dingliche Gerechtigkeit zu Gunsten des dem Großherzog gehörigen Nachbargrundstücks gewahrt wurde. Nun trocknet er doch Wäsche und ist auf Unterlassung solcher Handlung gerichtlich belangt.

Der Imker lebt jetzt in der schönen Zeit der Voltracht. Wo starke Völfer mit jungen Königinnen herangezüchtet wurden, füllen sich jetzt die Honigräume zusehends und verheißen reichen Lohn für die mühevolle Arbeit eines Jahres. Man warte aber nicht mit dem Schleudern bis die letzte Zelle verdeckelt ist, sondern ent­nehme alles, was etwa zur Hälfte verdeckelt ist und stelle leere Waben dafür ein. Völkern mit alter Königin, die nicht recht vorwärts wollen, fange man jezt die Königin ab und lasse eine neue Königin nachziehen, damit der Stock bis zum Herbst volksstark und wenig stens für nächstes Jahr nußbringend wird. Andernfalls gehen Königin und Volk sicher im nächsten Winter ein.

Die Heuernte hat begonnen und überall flirren die Sensen. Die Qualität des Grases ist wohl überall mit gut zu bezeichnen, während die Quantität hinter den ge­hegten Erwartungen zurückgeblieben ist. Nur wo die Wiesen gebessert sind, ist eine gute Ernte zu verzeichnen. Für den Landmann ist mit der Heuernte etne schwere Zeit ange­bro hen, in der es gilt, die freißigen Hände von morgens früh bis in den spät n Abend hinein zu regen. Sorgenvoll ist da der Blick so manches Mal zum Himmel gerichtet, wo fleine Wölfchen gar oft in regenschwere Wolfenmassen sich verwandeln und die Ernte bedrohen, von wo aber auch die Sonne glühend und brennend ihre Strahlen herniedersendet manchen Schweißtropfen von der Stirn der gern und und unverdrossen ausharrenden Mäher rinnen läßt. Frohe Laune und guter Humor helfen über die schwere Arbeit hinweg und ist die Heuernte glück ich vorüber, so ist der Landmann einer großen Sorge led g und mit doppelt frohem Mute geht es dann aufs Feld, wo die Sense im wogenden Aehrenfeld erklingt und die Ernte des Getreides weitere saure Wochen für tausende von Schnittern mit sich bringt.

** Der Lindenbaum. Lieblichen Duft strömen die zahllosen Blüten der Linden aus. Schon seit altersgrauer Beit war dem Germanen die Linde ein trauter Baum. Wie man die Eiche preist als die Verförperung der deutschen Kraft und fester, unbeugsamer Sinnesart, so ist die Linde ein Bld deutscher Gemü stiefe und Innigkeit. Unter der

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Gerichtslinde versammelte sich der Gau, um den Spruch des Rechts entgegen zunehmen; unter der Dorflinde auf dem Kirchenplage fand sich in trauter Dämmerstunde die jugend­liche Schar zusammen, um beim Klange der Fiedel sich wirbelnd im lustigen Tanz zu drehen. Unter der Linde vor des Hauses Tür saß nach des Tages Müh' der Greis, um seinem Sohne von längstvergangener Zeit Kunde zu geben. Des Hauses Schmerzens- und Freudentage schnitt man ein in die Ninde des Lindenbaums, damit er dieselben den kommenden Geschlechtern überliefere zu späterem Gedenken. Und wie die Linden engverwachsen war mit dem Staats-, dem Gemeinde­und dem Familienleben unserer Vorfahren, so wurzelt sie noch heut im Herzen unseres Volkes.

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Am Brunnen vor dem Tore, Da steht ein Lindenbaum, Ich träumt in seinem Schatten So manchen süßen Traum. Ich schnitt in seine Kinde

So manches liebe Wort, Es zog in Freud' und Lide Zu ihm mich immer fort.

Grünberg, 30. Juni. Bei dem Hauptschießen am Sonntag erhielt den ersten Preiz, bestehend in einer Tisch­lampe, der Kaufmann Rud. Ritter- Laubach.

+ Grünberg, 30. Juni. Eine Krankenschwester wird Es wird im Herbst d. Is. hier ihre Tätigkeit aufnehmen. damit einem lange gefühlten Bedürfnis entsprochen.

Grünberg, 29. Juni. Unter großer Beteiligung und bei schönstem Wetter ist gestern die Martharuh" bei Saasen, welche bekanntlich von dem Herrn Staffelmann aus Frankfurt a. M.- eine in Grünberg gern gesehene und beliebte Persönlichkeit die Stadt für die Jugend als Ges schenk erhalten hat, ihrer Bestimmung übergeben worden. Die Feier verlief in recht patriarchalischer Weise; es wurde getanzt, die Kinder erhielten Geschenke oben auf dem Fest­plaze und am Abend zog man mit Fackeln wieder nach Hause.

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Saasen. Am Sonntag fand unter Beteiligung der ganzen Einwohnerschaft die Einw ihung des Aussichtsturmes Martha Ruh" statt.

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Helpershain, 30. Juni. Wie tif auch hier die Wahlbewegung ging, ist daraus zu entnehmen, daß ein Straßenanwärter, der vor einigen Wochen ein Bein gebrochen, sich mit dem Wagen des Dr. Buchhäuſer von Ülrichstein nach dem Wahllokal fahren ließ.

Groß Felda, 30. Juni. Unser beliebte und allge­mein geachtete M tbürger, der Landwirt With Völzing IV., ist gestern gestorben. Sein biederer Chara't r ſich rt ihm ein dauerndes Andenken.

** Groß- Felda, 30. Juni. In dem hochgelegenen Viertel von Groß- Felda mangelte es bisher an Gemeinde­trinkwasser- Brunnen. Die Bewohner gaben ein Bittgesuch an den Ortsvorstand, was bezwecken sollte, daß diesem Uebel abgeholfen würde. Da durch Erbauung einer neuen Hof­raite der Gemeindebrunnen im Schnepfenhain nicht mehr so gut ist wie früher, war von dem Ditsvorstand beschlossen worden, für die Gemeinde eine Wasserleitung zu bauen und wurde voriges Jahr auf dem Grundstück eines hiesigen Land wirts Ausgrabungen ausgeführt, jedoch ohne Erfolg. Mit Uebereinstimmung der Ortsvorstände von Groß- Felda und Reßrich haben in neuester Zeit auf Kosten der Gemeinde Groß- Felda in einem der Gemeinde Keßrich gehörigen Grund­ſtück Ausgrabungen nach Quellen stattgefunden, die zu einem Ergebnis führten. Beide Gemeinden können m't Wasser voll befriedigt werden. Die Gemeinde Keßrich tritt die Quellen unentgeltlich ab. Da hingegen muß die Gemeinde Groß- Felda das Hauptrohr durch die Gemeinde Keßrich bauen, so daß die Bewohner die Leitungen in ihre Ge= bäude legen fönnen. Das Wasser soll bei der Untersuchung in Gießen für gut befunden worden sein. Hoffentlich wird die Erbauung der Leitung baldigft in Angriff genommen.

Nieder- Gemünden. In dem Gehöft des Karl Stroh I. ist die Rotlauffeuche ausgebrochen.

Elpenrod. Nachdem die unter den Geflügelbeständen in der Gemeinde ausgebrochene Geflügelcholera erloschen ist, werden die angeordneten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben. Alsfeld, 30. Junt. In Fischbach und Reiber­

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A Alsfeld, 30. Juni. Stichwahl ergiebt:

Das amtliche Refutat der

Dr. Wallau Binde ald

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Dr. Wallau ist also mit einer Mehrheit von 1079 Stimmen gewählt.

Bad Nauheim, 30. Juni. Am Sonntag tam der Großfürst Wladimir von Rußland hier an und begab sich nach Besichtigung des Badehauses und der Sprudel nach dem Schloß in Friedberg. Bis zum 25. Juni betrug die Frequenz 10637 Personen.

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[;] Wörrstadt, 30. Juni. Sein erstes Bundesfest, zu dem auch der Großherzog erschienen war, hielt am Sonntag der Rheinhessische Sängerbund. 32 Bundesvereine waren erschienen.

** Mainz, 29. Juni. Die Ochsenmezger haben die Bevölkerung mit einer Preis erhöhung des Ochsen­fleisches von 8 Pfg. per Kilo überrascht. Dieser Ausschlag wird mit den andauernd hohen Viehpreisen begründet.

Aus dem Gerichtssaal.

Straffammer.

Gießen, dn 27. Juni. Das Gericht hat sich heute ausschließlich mit Privat­flagesachen wegen Beleidigung, als Berufungsinstanz zu be­fassen. In Sachen Berufung des Landwirts Karl Schult­heiß von Bermutsyain, wegen Beleidigung des Land­wirts Ernst Pfannenstiel von dort. Die Verh ndlung er­giebt, daß Schultheiß im Herbsteiner Anzeiger" ein Ein­gesandt erscheinen ließ, welches den Privatkläger zu be­leidigen geeignet ist. Angeklagter beruft sich auf den seiner Ansicht nach erbrachten Wahrh its beweis, wonach er unbe­straft ausg hen müss: Die Entscheidung soll in der Sizung vom 3 Juli verkündet werden. Auf Privatflage des Postschaffners Loren Rühl von Alsfeld wurde der Satt­lei meister Ferdinand Berk von dorten wegen eines an das dortige Postamt gerichteten Briefs, welcher Beleidigungen des Klägers enthielt, zu 20 Mt. Geldstrafe verurteilt. An­geklagter bedauert heute, den Brief geschrieben zu haben, nimmt die Vorwürfe zurück und erklärt sich bereit, die sämtlichen Kosten zu zahlen, worauf Kläger die Klage zu­rücksicht. Die Privatflage bezw. Wiederflage des Georg Scharmann von Bobenhausen II. gegen Heinrich Jung von da wird vor Eintritt in die Hauptverhandlung erledigt. Die Sache des Steinbruchsbesizers Christian kniß von Büdingen, und des Steinbruchsaufsehers Johannes von Ortenberg, wird wegen Ausbleibens der Barteien vertagt.

Geschäftliches.

Herr R. aus Como( Italien) schreibt uns: Die fürzlich gekaufte Fußschweißseife hat sich vorzüglich bewährt, ich habe noch fein solch günstiges Mittel gegen dieses fatale Leiden gehabt. Namentlich bei Bergtouren habe ich das lästige Brennen der Füße nicht mehr verspürt, auch der üble Ge­ruch verschwindet völlig. Die hiesigen Verkaufsstellen sind aus dem Anzeigenteil zu ersehen.

Marftbericht.

Gieken, 30 Juni. Auf dem heutigen Wochenmartt tosteten Butter per Bfd 0. 80-1.00 Mt. Hühnereter 6 Pfg., 2 St. 11-13 Pfg., Enteneter St. 6-7 Pfa., Käse per St. 5-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfg. Tauben per Paar Mr. 1.00-1.20, Hühner per Stüd Mt. 120-240, Hahnen, per, Stüd Mr. 1.00-1.80, Enten per Stüd 2.00-2.40, Gänse p. Pfd. 54-60 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 Pfg., Rindfleisch per Pfd. 60-66 Pfg. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 Pfg. Schweine­fleisch gesalzen per Pfund 0.80 Pfa., Kalbfleisch per Pfd. 68-74 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 56-74 Bfg., Kartoffeln per 100 kilo 8.00-8.50 mt., Zwiebeln per 3t. Mt. 9.00-10.00, Kirschen per fund 35-50 Pfg. Milch ver Liter 18 Pfa.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1873) für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Bekanntmachung.

Betr.: Reichstagswahlen.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß in dem 1. Wahlkreise des Großherzogtums Hecr Kommerzienrat Louis Heyligenstaedt zu Gießen mit 10 601 bon 18 446 giltig abgegebenen Stimmen zum Reichstags­eventuell mit 2 Betten sofort zu abgeordneten gewählt worden ist.

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