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in der ein Wechsel zur Fälligkeit reif wird, ist sein Ver­brechen schon entdeckt. Also können wir dem Publikum nur zurufen: Uebt Selbstschutz!

Ganz auffällig ist es aber, daß die Spekulationen von Bankangestellten in Berufsfreisen so wenig auffallen. Hier muß doch unter allen Umständen über kurz oder lang ein Schaden zum mindesten für das Bankhaus eintreten, denn der betreffende Beamte gewöhnt sich entweder bei günstigem Verlauf seiner Spekulationen eine über seine Verhältnisse hinausgehende luxuriöse Lebenshaltung an, oder aber er vergreift sich bei ungekehrtem Verlauf an fremdem Eigen­tum. Der Profuriſt der Firma Kempner& Co., Levy, hat das wohl gewußt und deshalb die Ges häfte auf den Namen seiner Firma abgeschlossen. Der Banfier Jakobus der Firma Schindler aber hat diese Bankgeschäfte vollständig offen unter seinem eigenen Namen betrieben. Man sollte meinen, daß die Bankwelt ein gemeinsames Interesse daran hätte, derartige gefährliche Elemente aus dem Beruf aus­zumerzen; deshalb sollte sich nicht nur jeder Inhaber einer Banffirma entschließen, Beamte, die privatim spekulieren, sofort zu entlassen, sondern die einzelnen Bankfirmen sollten sich auch in vertraulichen Briefen davon in Kenntnis ſetzen, wenn sie derartige Neigungen oder Vorkommnisse bei irgend einem Bankangestellten beobachtet haben. Würde in dieser Hinsicht für die nötige Sicherheit Sorge getragen werden, dann würde sich auch wohl die Zahl der Eigentumsverbrechen bei der Bankwelt nach unserer Ueberzeugung ganz erheblich vermindern.

Aus dem Gerichtsfaal.

boten täglich Wunder: Lahme und alle Kranken werden gesund, Blinde werden sehend. Die Ansammlung von Wall­fahrern hat in Sarowo schon jetzt ungeheure Dimensionen angenomen. In riesigen Baracken außerhalb der Wüste und der Klöster finden die Wallfahrer Unterkunft. Es wurden auch neue Straßen angelegt, um den Verkehr zu erleichtern. Die Kosten der Ceremonie, welche die Heilige Synod trägt, werden schon jetzt mit einigen Millionen Rubel beziffert.

§ Die im Gerichtssaal erfolgte Verhaftung eines Polizei­beamten wegen dringenden Verdachts des wissentlichen Mein eides erregt gegenwärtig in Braunsberg( Ostpreußen) großes Aussehen. Es handelt sich um den dortigen Polizei­kommissar Nießkowski, der auf höhere Anordnung bereits seit dem 16. d. Mts. vom Amte suspendiert ist. Die Ver­haftung erfolgte unmittelbar nach Schluß der Verhand­lungen in einem Beleidigungsprozeß, den der Polizei­kommissar gegen den Kaufmann Malina angestrengt hatte und zu dem Zeugen aus Königsberg, Danzig, Elbing, Dt. Eylau und Braunsberg geladen waren. Der Beklagte wurde freigesprochen und Niezkowski sofort in Unter­suchungshaft abgeführt.

Der Tod des schlafenden" Schußmannes wird aus Blankenburg a. H. gemeldet. Wie erinnerlich, war dort kürzlich der städtische Schuhmann Ernst Bünger nach der Rückkehr vom Nachtdienst in einen schlafähnlichen Zustand verfallen, von dem er erst am dritten Tage erwachte, um nach kurzer Zeit wiederum einzuschlafen. Jetzt ist Bünger nach zehntägigem Schlafe verstorben. Die eigentümliche Gr­frankung wird auf einen Sturz zurückgeführt, bei dem B. eine schwere Kovsverletzung erlitt; seitdem klagte er zeit­weilig über heftige Kopfschmerzen. Der bedauernswerte Beamte hat ein Alter von nur 34 Jahren erreicht; er hinterläßt eine Witwe mit fünf unmündigen Kindern.

Eine ruchlose Kirchenschändung hat der 16jährige Knecht Andreas Böttcher im Dorfe Kaznaje bei Stuhm ver übt. Er drang furz vor 7 Uhr in ein Fenster der Sa­fristei ein, riß die Goldfranzen des Abendmahltuches ab und zertrümmerte das Kruzifir. Ferner beschädigte er die Orgel erheblich und verunreinigte die Sakristei. Böttcher wurde in Grünhagen verhaftet.

§ Die Folgen einer seltsamen Wette. Ein Komitee des englischen Hauses der Lords wies die Ansprüche des angeb lichen Viscount Hinton, früheren Drehorgelspielers, auf den Titel und das Vermögen des Earl Poulett einstimmig ab. Es wurde als erwiesen betrachtet, daß der sechs Monate nach Schließung der ersten Ehe des verstorbenen Earl Poulett 1849 geborene angebliche Viscount Hinton in Wirklichkeit der Sohn eines Hauptmanns Granville war, dessen Maitresse die spätere Gräfin Poulett vorher gewesen war. Earl Poulett hatte seine Gattin verlassen, als er ihren Zu­stand gemerkt hatte, und den dann geborenen Sohn, den die Mutter mit dem Vornamen des Hauptmanns Granville und dem Zunamen Boulett hatte taufen lassen, nie anerkannt. Den Grund zu der Eheschließung gab eine seltsame Wette. Cord Poulett, der Gardeoffizier war, machte in der Wein­laune während einer Auslandsreise mit mehreren Kamie raden eine Wette, daß er die erste Frau heiraten würde. welcher er bei seiner Bandung in England begegnen würde. In der Tat heiratete er dann der Wette getreu die Tochter eines Lotsen, um mit ihr die oben geschilderten bösen Er­fahrungen zu machen.

Nab und fern.

festes im Jahre 1897 rund 3000 Sektoliter Bier auf dem Nürnberger Festplaße ausgeschänkt worden sind.

A[ Die größte chemische Fabrik der Welt] befindet sich, wie ein Fachblatt mitteilt, in Deutschland. Es ist die Ba­dische Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen am Rhein. Sie beschäftigt 148 wissenschaftlich gebildete Chemiker, 75 Ingenieure und Techniker und über 6000 Arbeiter.

Ein ländliches Drama, das von einer unglaublichen Noheit der Sitten zeugt, spielte sich in dem Rhöndorfe Rüttersfeld ab. Funfzehn Ortseingesessene drangen nachts n das Anwesen des vor kurzem hinzugezogenen Schneiders Leopold Schäfer, der als Ortsfremder" allerlei Hänseleien ausgesetzt war und mehrfach im Wirtshaus Streit gehabt hatte. Als Schäfer den Angreifern entgegentrat, wurd hm mit einer Hacke der Schädel gespalten, so daß er nad furzer Zeit den Geist aufgab; seine Mutter und Schwester wurden bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen und zertreten. Sie schweben in höchster Lebensgefahr. Dann demolierter die Wüteriche Haus und Wirtschaftsgebäude und stachen und vürgten das Vieh tot. Vier Haupträdelsführer sind ver haftet.

A Ueber eine Huldigung norddeutscher Turner vor dem Prinzregenten von Bayern wird aus Herrenwörth folgen­des gemeldet. Nach Beendigung des X. deutschen Turn­festes in Nürnberg haben die meisten der dort anwesend gewesenen fremden Turnverbände Gelegenheit genom­men, Ausflüge in das schöne Bayernland zu unternehmen. Unter anderem traf auch eine starke Abteilung norddeut­cher Turner auf der Herreninsel im Chiemsee ein, als ge­rade der Prinzregent Luitpold nach genommenem Bade in den Anlagen vor dem alten Schlosse Herrenwörth einen Spaziergang machte. Nachdem die Turner des greisen Fürsten ansichtig geworden waren, brachten sie ihm eine ipontane Huldigung durch ein dreifaches Gut Heil!" Der Regent dankte, sichtlich erfreut über diese unerwartete Ova­tion, und erkundigte sich sodann in der leutseligsten Weise bei den Turnern über ihren Aufenthalt in Bayern, worau die Turnerschaar im strammen Parademarsch an dem Ne­genten vorbeidefilierte.

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[ Einem Esel einen Anzug angemessen], d. h. einem leibhaften vierbeinigen Esel, dieses Kunststück hat ein An­gestellter eines Berliner Geschäftes für Teater- Ausstattun­gen fertig gebracht. Aus Amsterdam war eine Bestellung auf einen Eselsanzug eingelaufen, der bei einer lustigen Festlichkeit Verwendung finden sollte. Zwei Jungen soll­ten hineinfriechen und das Grautier darstellen. Wenn die Hülle völlig naturgetreu ausfallen sollte, so mußte nach einem lebenden Modell gearbeitet werden. Zu diesem Zweck begab sich ein Angestellter des Geschäftes nach den Ställen des Tierschutzvereins, ließ sich einen noch jungen, kleinen, aber schön gewachsenen Esel vorführen und nahm ihm Maß nach allen Regeln der Kunst und mit Anstand und Würde, wie nur je ein Damenschneider einer jungen Dame zu einem neuen Ballkleid Maß genommen hat. Das Tier soll sich dabei so geduldig benommen haben, daß es manche Kundin eines Damenschneiders beschämen könnte.

Lynchjustiz in Ungarn und Amerika. Im Dorfe Bo­dony bei Arad wurde ein Bursche, der die sechzehnjährig Tochter Katharina des Bauers Nagy vergewaltigt hatte, vor dem erbitterten Vater und seinen Leuten gelyncht. Durch; furchtbare Hiebe mit Sensen und Spaten wurde der Un­In Amerika ist Richter hold buchstäblich in Stücke gehackt. Lynch eifrig weiter an seiner blutigen Arbeit. In Dan­ville( Illinois) stürmte ein Volkshaufe das Gefängnis, um einen Schwarzen, der eine weiße Frau angegriffen hatte, zu lynchen. Die Gefängniswächter schossen scharf, töteten einen Weißen und verletzten drei schwer. Der Volkshaufe gewann schließlich die Oberhand, trampelte einen Neger zu Tode und verbrannte einen anderen, welcher einen Weißen verwundet hatte.

Die Trauung Leopold Wölflings mit Wilhelmine Ada­mowich hat inzwischen in aller Stille im Dörfchen Veyrier bei Genf stattgefunden. Die Civilehe wurde vom dortigen Maire vollzogen. Zeugen waren der Bruder des Maire und sein Adjunkt. Das Paar war sehr einfach gekleidet, die Braut trug ein grauseidenes Kleid. Der Civilege folgte die Trauung, die in der Kirche des kleinen Dorfes vom Dorfpfarrer vorgenommen wurde. Sodann hielt der Pfar­rer Blanchard Grunde von der Elisabeth- Kirche in Genf an die Vermählten eine kurze Ansprache, in der er das Baar herzlichst healüminichte

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[ Wann fliagt er denn?] Der Heldentenor Kammer­fänger Heinrich Zeller zu Weimar hat eine Sammlung von Gedichten in oberbayerischer Mundart unter dem Titel Frisch auf!" herausgegeben, aus denen wir folgendes als besonders gelungen herausgreifen:

Einem furchtbaren Bootsunglück fielen 10 Teilnehmer an einer galizischen Hochzeitsfeier zum Opfer. Sie mußten zusammen mit anderen 9 Personen in einem kleinen Kahn einen Fluß passieren. In der Mitte des Stromes schlug das gebrechliche Fahrzeug wn, und zehn Frauen und Mäd­chen ertranfen.

Der Ziagler geht in Münke( München) drin in die Oper nein

Heunt is, Der fliagad Holländer"

Und der is fein.

Auf was er si am meisten freut

is no' net g'scheg'u.

Er isch schon voller Ungeduld

nud möcht's bald seh'gn.

Und wia die zwoati Paus'n ist,

und d' Lent aufsteh'n,

Ta fragt der Ziagler g'schwind an Herrn: ,, Wann fliagt er denn?"

+[ Die transportable Kirche.] Die Bewohner des klei­nen Ortes Ober- Eichwald in Böhmen haben auf sonder­bare Art eine Kirche erhalten. Fürst Clery- Aldringen, der in der Gegend von Ober- Eichwald große Güter besitzt, sah in Venedig die Kirche der Madonna Dell' Orta, und war von ihr so entzückt, daß er beschloß, in Ober- Eichwald eine Kopie errichten zu lassen. Der Architekt Pietro Bigaglia in Venedig erhielt den Auftrag und ging sogleich ans Wert. Aus istrischem Kalk und Veroneser Marmor wurden die Teile der Kirche hergestellt, numeriert, in Kisten verpackt und nach Ober- Eichwald geschickt, wo man d. Kirche in der Art aufbaute, wie man eine Maschine montiert. Das Gebäude ist 55 Meter lang, der Turm 50 Meter hoch. Der Stil des venetianischen Originals ist getreu nach­geahmt worden.

Dover als Hafen für den Weltverkehr. Der neue Dampfer der Hamburg- Amerika- Linie Prinz Sigismund" hat, mit Generaldirektor Ballin, Direktor Wolff, Oberinspek­tor Sachse und dem Vorsteher der nautischen Abteilung Ka­pitän Polis an Bord, auf seiner Ausfahrt nach Amerika den Hafen von Dover angelaufen. Er ist der erste trans­atlantische Dampfer, der die im Bau befindlichen, für den Weltverkehr bestimmten Landungsanlagen in Dover praf­tisch erprobte. Der Versuch gelang vortrefflich. Die Passa­giere wurden ohne Schwierigkeit gelandet. Generaldirektor Ballin und Direktor Wolff waren voll Lobes über die neuen Anlagen. Der Kaiser richtete anläßlich des gelungenen Ver­juchs an Direktor Ballin ein Glückwunschtelegramm, in dem es heißt: Mit der Aufnahme Dovers ist ein von englischer Seite an mich herangetretener Wunsch in Erfüllung ge­gangen, und es wird das sicherlich dazu beitragen, die so vielseitigen friedlichen Beziehungen der beiden Nationen noch weiter auszugestalten und enger zu knüpfen."

[ Beneidete Versuchskaninchen" sind eine Anzahl von Leuten, die Professor Dr. Wiley, der Chef des amerikanischen Chemiedepartements, sich ausersehen hat, um an ihnen die Einwirkung des Tabafgenusses auf die Funktionen der Lungen, des Herzens, der Verdauungsorgane u. s. w. zu studieren. Da den zu Untersuchenden während einer gewissen Beit alle Arten von Zigarren, Zigaretten, Pfeifentabat, Rau­tabat und Schnupftabat verabfolgt werden, so liefen un­zähliche Anmeldungen von passionierten Rauchern ein, von denen nur eine beschränkte Zahl berücksichtigt werden konnte. Unser Schulschiff Stein" in Petersburg. Der Ver­weser des russischen Marineministeriums, Admiral Avellan, und der Chef des Marinestabes, Roschestwenski, besichtigten das im Hafen von Petersburg anfernde deutsche Kadetten schulschiff Stein". Die Kadetten besuchten die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten. Einem Gottesdienst an Bord wohnten der deutsche Botschafter Graf von Alvensleben und der deutsche Generalfonsul Maron mit den Herren der Bot­schaft und des Konsulats Oberst von Siegsfeld und Frei­herrn von Schimmelmann nebst Gemahlin bei.

Schreckenstat eines Wahnsinnigen. In einem plök­lichen Tobsuchtsanfall erschoß in Altona der seit Mai d. Js. vom Amt suspendierte Amtsrichter Baur am Totenbette seiner Mutter deren Dienstmagd, seinen Bruder, den Rechts­anwalt Baur, und endlich sich selbst. Der Täter war seit cinem halben Jahre schon nervenleidend, und durch den Schmerz um den Tod seiner Mutter kam der Wahnsinn bei ihm zum Ausbruch.

Die Wallfahrt des Zareupaares. In Gegenwart des Zarenpaares werden am 26. d Mts. in der im Gouverne ment Nischni- Novgored belegenen Sarowwüste die Ge­beine des heiligen Seraphim unter großen Festlichkeiten in einen vom Baren gespendeten Silberschrein gebettet und nach dem Dunajewkloster übergeführt werden. Die Leibwache des Zaren hat sich bereits nach dem Orte der Wallfahrt be­geben. Am Grabe Seraphims und an der in der Nähe be­findlichen Suelle geschehen nach dem russischen Regierungs­

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[ Ironie der Elemente.] Bei Ziegenhals in Ober­schlesien wurde durch die Gewalt der entfesselten Fluten auch ein Bergrutsch verursacht. In der Nähe der Unglücksstelle stand eine Tafel mit der warnenden Inschrift: Das Hin­unterrollen von Steinen ist streng verboten!" An dem Gebäude des Wilhelmsbades bei Ziegenhals stand vor der Katastrophe zu lesen: Kneippsches Kur- und Badehaus"- nachher: Kneippsches Kur- u. B..." adehaus" war fortgerissen wie mit einem höhnenden Abschiedsgruß: Ade, Sous!

Landfriedensbruch. In Kiel kam es bei der Ver­haftung eines Arbeiters zu einem förmlichen Aufruhr. Das Publikum bombardierte die Schußleute mit Steinen und verletzte mehrere schwer, ebenso mit Messerstichen einen Sergeanten des Seebataillons, der den Beamten zu Hilfe fam. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Gegen 15 Arbeiter aus Zabrze ist wegen Landfriedensbruchs, begangen durch Wahlkrawall vor dem Geschäftshaus des Oberschlesischen Wanderers" in Gleiwitz, Anklage erhoben

worden.

Eisenbahnfatastrophe. Auf der schottischen Station Saint- Enoch ereignete sich gestern ein schweres Eisenbahn­unglück, bei dem 13 Personen getötet und 20 verletzt wur­den. Zwei Wagen des Zuges wurden ineinandergeschoben. Der Zug führte viele Ausflügler mit sich, die von der Insel Man zurückkehrten.

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Das Körpergewicht der Säuglinge galt bisher allge. mein als der zuverlässige Maßstab für die Gesundheit der fleinen Erdenbürger. Jede junge Mutter strahlt vor Stolz, wenn sie Angehörigen und Gevattern ihren Liebling in recht feiſtem Zustande mit einer dicken Fettschicht auf Aermchen und Beinchen präsentieren kann. Bei den Babyausstellungen, die letzthin in Mode gekommen sind, erhalten meistens auch die fettesten Kinder den Preis, als handle es sich bei einer ratio. nellen Ernährung um eine Mästung. Wie eine ärztliche Zeitschrift schreibt, drängen diese formlosen kleinen Massen von Menschlichkeit", deren eigentliche Körperanatomie unter einer Masse von Wülsten und Fettpolstern gänzlich ver­schwindet, jedem nachdenkenden Menschen die Frage auf, ob wirklich für ein Kind dieselbe Körperbeschaffenheit ein Zeichen von Gesundheit sein sollte, die beim ermachsenen Menschen zweifellos einen unerwünschten, wenn nicht gerade­zu frankhaften Zustand bedeutet. Bei einer fieberhaften Er­krankung ist das Fett, das alle Organe des Kindes ein­schließt, stets ein wesentliches Hindernis für eine schnelle Heilung. Außerdem sind fette Kinder, wenn nicht An­steckungen, so doch sicher Erkältungen und den gewöhnlichen Kinderkrankheiten stärker ausgesezt als andere. Nament­lich im Sommer zeigt sich die Wahrheit dieser Tatsache mit aller Schärfe. Die fetten Kinder schwißen in dieser Jahres­zeit mehr, sie werden leichter wund, sie schlafen schlechter und sind bei irgend welcher ernsten Erkrankung Nerven­zufällen mehr ausgesezt. Ein Kind von geringerem Gewicht, aber festem Körperbau ist gesunder und widerstandsfähiger, als ein kleiner Fettklumpen.

Bunte Chronik. Bei Cocroy stürzte Prinz Philipp von Chimay mit seinem Automobil in einen Graben. Der Führer ist tot, der Prinz schwer verletzt.

-- Das Schulschiff des deutschen Schulschiffvereins Groß­herzogin Elisabeth" ist wohlbehalten in Eckernförde ein­getroffen und geht am 11. August nach Christiania weiter.

Vermischtes.

[ Der Durst der deutschen Turner.] Beim soeben be endigten X. deutschen Turnfest in Nürnberg sind während der fünf eigentlichen Festtage auf dem Festplatz etwa 3000 Heftoliter Bier ausgeschänkt worden, nämlich am Sonn. abend 545, am Festsonntag 637, am Montag, Dienstag und Mittwoch je 600 Hektoliter. Rechnet man die voraus. gegangene Fest- Vorwoche hinzu, so tonimt man auf die respektable Leistung von rund 4000 Heftolitern. Bemerki sei hierbei, daß in den zehn Tagen des deutschen Schüßen­

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[ Der Freund des Königs Kalakaua.] In Honolulu starb Richter Robert William Wilcox, der intime Freund und Berater des verstorbenen Königs Kalakana und über­haupt des hawaischen Königshauses, infolge einer Opera­tion an Blutvergiftung. Wilcor war eine Autorität in der hawaischen Sprache und war vollständig vertraut mit der Geschichte und dem Gesez des hawaischen Inselreiches, wie er überhaupt seit vielen Jahren eine der interessantesten und hervorragendsten Figuren der Geschichte Hawais ge­wesen ist. Er wurde im Jahre 1855 in Hawai geboren und genoß seine Ausbildung in den Schulen Hawais, um sie dann durch einen Kursus in der italienischen Militär­akademie zu Turin abzuschließen. 1880 wurde der junge Mann in die hawaische Legislatur gewählt, wo er sich bald zum Führer der Konservativen emporschwang und im Jahre 1889 den Putsch leitete, der die Wiedereinführung der alten Verfassung bezweckte. Im Jahre 1894 organi­sierte er einen neuen Putsch, der nichts geringeres beabsich­tigte, als die Königin Liliuokalani wieder auf den Thron des Inselreiches zu sehen. Der Putsch mißlang und Wilcor wurde von den hawaischen Gerichten zum Tode verurteilt. Das Urteil wäre auch vollstreckt worden, wenn die ameri­fanische Regierung nicht für Wilcox ein gutes Wort ein­gelegt hätte. So kam er mit einer Verurteilung zu 35 Jah­ren Zuchthaus bei harter Arbeit davon. Bereits im fol­genden Jahre wurde er jedoch begnadigt und im Jahre 1901 zum Delegierten Hawais im Vereinigen Staaten. Kongreß zu Washington gewählt.

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