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lich ein Brief mit lautem Stnall explodierte, dem Postboten mehrere Finger weggerissen und außerdem noch schwere Verlegungen zugefügt wurden. Der Daumen flog gegen die hohe Decke. Man brachte den Verlegten nach der nächsten Unfallstation, wo ihm Notverbände angelegt wur­den. Die Ermittelungen nach dem Absender des Briefes ergeben den Kaufmann Leopold Jacobowicz als den Ur­heber des Unglücks. J. hat eingestanden, daß er in dem Briese seinem Vater eine Knallquecksilber- kapsel zusenden wollte. Er sieht nunmehr seiner Bestrafung wegen Ueber­tretung des Postgefeßes und wegen Körperverlegung ent­

gegen.

)-([ Der Altoholismus der Normandie.] Der ,, Matin" beröffentlicht einen von den Aerzten Deriès und Lersh berfaßten Bericht, der die Wirkungen des Alkoholismus In der Normandie darlegt. Danach verbraucht die Stadt Rouen allein jährlich 700 000 Liter Alkohol. In man­chen Gegenden des Departements wird sogar neugebore nen Kindern Alkohol eingeflößt, denn dort ist es Sitte, daß man den Täuflingen gleich nach der Taufe einen Löffel Bider gibt. Später ist der Lehrer gezwungen, den Kindern aus den Frühstücksförbchen, die sie in die Schule mitbringen, die Weinflaschen wegzunehmen. Be­merkenswert sind die Schulhefte der Schüler, wenn ih­nen die Aufgabe gestellt war, den Verlauf des letzten Ferientages zu beschreiben; in den meisten Aufsägen kehrt Bann als naiver und doch so furchtbarer Schlußsaz wieder: Um Mitternacht waren alle betrunken!" Dies scheint also der natürliche Schluß aller Familienfeste zu sein!

[ Ein Roman als Gesetzesvorlage.] Mit schwerer Vergeltung droht der junge Abgeordnete George D. Clarck, der zum ersten Male in der Legislatur des Etaates Newyork sigt, seinen Kollegen, weil sie ihm bis jetzt eine Beteiligung an den Debatten nicht ge­statteten, teine einzige seiner Vorlagen sie betrafen besonders die Einschränkung der Parlamentsdrucksachen

von den Ausschüssen, an welche sie verwiesen wor­den waren ,,, einberichten" ließen und ihn auf die schwarze Liste seßten, so daß er selbst in den Ausschüs­fen, in welchen er Mitglied ist, zur Untätigkeit ver­dammt zu sein scheint. Clark ist im ,, Nebenamte" Schrift­steller, und darauf baute er seinen furchtbaren Rache­plan auf. Um den Kollegen zu zeigen, wie absurd es ist, alle Vorlagen drucken zu lassen, will er seinen lez­ten Roman als ,, Bill" einreichen, so daß er auf Staats­tosten gedruckt werden muß. Das Manuskript ist mir" so soll er erzählt haben- ,, von allen Verlagen, welchen ich es zugesandt hatte, zurückgeschickt wor­den. Es enthält ungefähr 35 000 Worte, und meine Be­scheidenheit gestattet mir nicht, ein Urteil über den litte­rarischen Wert der Arbeit zu fällen. Meine Kollegen jol­len entscheiden, ob das Werk druckreif ist. Ich reiche es als Vorlage ein, es wird gedruckt, und ich werde verlangen, daß der Clerk das ganze Werk der Assembly borliest." Wenn Herr Clark seinen Zorn nicht mäßigen sollte, wird die Legislatur schwer dafür büßen müssen, daß von den Parteiführern in so unverantwortlicher Weise an ihm gesündigt worden ist.

Kurzes Allerlei. Anläßlich seines Jubiläums erhielt der Papst bisher über eine Million Bargeld Pilger­Spenden. Er hat seinerseits dem Generalvikar die Summe bon 50 000 Lire für die Armen Roms übergeben, ferner 20 000 Lire für die Armen von Perugia. Andere 10 000 Lire sind für den Geburtsort des Papstes, Carpineto, bestimmt und dem schon existierenden Fonds zur Unter­stüßung bedürftiger Nonnen sind 20 000 Lire beigefügt worden.

- Der erste Gedichtband einer elf ährigen Dichterin, der Kleinen Antonie Coullet, ist soeben in Paris erschienen; er ist von ihrem Vater, der Professor am Lyceum in Caen ist, ohne ihr Wissen herausgegeben. Antonie, die am 10. Januar 1892 in Roche- sur- Yon geboren ist, hat die Gedichte zumeist als kaum Zehn ährige geschrieben.

- Ein altes römisches Schiff wurde im Lago Mag­giore zwischen Gavignano und Gattes aufgefunden. Die italienische Regierung verfügte sorgfältige Untersuchung und Hebungsversuche.

Bunte Chronit. Der Buchhalter Wendland aus Frankfurt a. M., der im September 1901 nach Unterschla= gung von 50 000 Mark flüchtig geworden war, hat sich freiwillig der Polizei gestellt. Von dem unterschlagenen Gelde besitzt Wendland nichts mehr.

Die Mainzer Polizei verhaftete bei einem Einbruch zwei elegant gekleidete Männer und brachte sie zur Wache, wo man sie in verschiedenen Zellen einstweilen inter­nierte. Während man nun den einen verhörte, schnitt sich der andere den Hals durch. Die hierdurch entstehende Verwirrung benußte der erstere, um zu entfliehen.

Der Gerichtshof in Steinamanger verurteilte den Privatier Georg Stieder, welcher den Advokaten Geza Ernuszt im Duell tötete, zu 22 Jahren Staatsgefängnis. Das Duell war daraus entstanden, daß Stieder den Advo­taten, der in einer Prozeßsache die Gegenpartei, den Gra­sen Emerich Festetich vertrat, tätlich beleidigte.

Die Petersburger Kriminalpolizei hat die Berliner Bolizei benachrichtigt, daß die, wie erinnerlich, bei dem Einbruch in die dortige Kapelle zum heiligen Isaak er­beuteten Brillanten im Werte von 50 000 Rubeln wahr­scheinlich in Berlin verkauft werden sollen.

Vermischtes.

[ Ein Sandregen in Bayern.] Der Besizer der Villa Carsala in Reichenhall schreibt den M. N. N.": Heute Morgen waren die ganzen Fenster meiner Villa nach Süden und Westen mit Regentropfenflecken, um­geben von feinem, gelben Sand, bedeckt, nachdem heute Nacht der Föhn bei 14 Grad Reaumur Wärme geweht hatte. Jedenfalls handelt es sich, wie voriges Jahr, um afrikanischen Wüstensand, da in den letzten Tagen in Spanien der Levechesturm( Sandsturm) wütete. Viel­Leicht sind an anderen Plätzen ähnliche Beobachtungen gemacht worden! Die Berge waren gestern mit einem sonderbaren weißen Schleier bedeckt.

( 4)[ Ein fetter Konkurs.] Postanweisungen auf ,, Einen Pfennig" lautend, wurden dieser Tage in München zur Bost gegeben. Diese ,, riesigen" Beträge kamen aus dem Konkursverfahren gegen einen Architekten an die Gläu biger zur Verteilung. Es bezifferte sich die Verteilungs­quote der nicht bevorrechteten Forderungen auf 0,78

Prozent. Ein Rechtsanwalt, der 600 Mark zu fördern hatte, befam etwas über 5,50 Mt. An zwei Gläubiger wurden Postanweisungen mit je einem Pfennig, an einen mit zwei Pfennig, an einen mit vier Pfennig verschickt, und so gings hinauf bis zum Betrage von fast einer Mark. )[ Die diebsgewerbesteuer.] Ein geniales Projekt hat die russische Zeitschrift ,, Otetschestwo", ersonnen: Sie gibt den Behörden den Rat, die Pferdediebe zur Gewerbe­Steuer heranzuziehen. Die Polizei solle Listen der Pferde­diebe eines bestimmten Bezirks aufstellen und die Sipp­schaft als Verband der Pferdediebe" anerkennen. So­bald nun in dem betreffenden Bezirk ein neuer Dieb­stahl vorkommt, wird, falls der Täter unentdeckt bleibt, der Verband gezwungen, eine Steuer zu bezahlen, die den dreifachen Wert des gestohlenen Pferdes betragen soll. Es muß bemerkt werden, daß die Zeitschrift ,, Otet­schestwo" kein Witblatt ist.

=[ der Bullenbeißer mit der Gollombe.] Ein Fall, der in der Zahnheilkunst einzig dastehen dürfte, hat sich in Pottsville( Ver. Staaten) zugetrigen. Der Besitzer Myers brachte seinen großen Bullenbeißer, der sich beim Knochenfressen einen Edzahn ausgebrochen hatte, zu einem der besten Zahnärzte der Stadt und ließ dem Tiere die Zahnlücke mit Gold auskitten. Der ,, New- York Herald", der über dieses sensationelle Ereignis in be sonders drastischer Weise ein Telegramm veröffentlicht, erklärt mit patriotischem Stolz, daß kein zweiter Hund in der Welt einen Zahn mit einer Goldplombe aufweisen fönnte.

£[ Auch eine Gabe.] Eine unerwartete Antwort wurde bor turzem einem bekannten Würdenträger der anglifa­nischen Kirche zu teil, der begierig war, sich mit den Sitten und Gewohnheiten der unteren Klassen vertraut zu machen und deshalb oft in eine Wagenabteilung dritter Klasse der frühmorgens zwischen den Lodɔner Vorstädten und der City verkehrenden Arbeiterzüge stieg. Obwohl er nachgerade schon etwas gewöhnt worden war, fiel es ihm eines Morgens doch auf, daß die Arbeiter sich so besonders ,, starker Ausdrücke" bedienten, und er fragte den einen entsetzt, wo er denn solche Sprache gelernt habe. ,, Lernen, Ew. Ehrwürden? Das können Sie nicht lernen, das ist eine Gabe!"

::][ Friedhof- Aktien] stehen gegenwärtig in Schottland in hoher Nachfrage und erzielen an der Börse in Edin­burg vorzügliche Preise. Der sonst so religiöse Schotte nimmt daran keinen Anstoß, sein Geld in derartigen Werten anzulegen, zumal da ihn dabei der praktische Gesichtspunkt leitet, daß der Nominalwert der Aktien kaum eine Veränderung erleidet oder erleiden wird. Viel­leicht spricht aber auch noch der Umstand mit, daß die Besizer solcher Börsenpapiere für den Fall, daß sie durch unglückliche Spekulationen um ihr Vermögen gebracht werden, um ein anständiges Begräbnis keine Sorge zu tragen brauchen, und daß es unter allen Um­ständen nicht nötig ist, der Gemeinde mit einem Armen­begräbnis zur Last zu fallen.

(!)[ Der Künstler und sein Lohn.] Folgende Geschichte erzählt der Gaulois": In einem fieinen fernliegenden Königreiche( Serbien?) stirbt der König. Sein Sohn und Nachfolger wünscht, daß die Tugenden des Ver­storbenen in Bronze oder Marmor verherrlicht und ver­ewigt werden. Man schreibt an einen der bekanntesten französischen Bildhauer und fordert ihn auf, das Denk­mal herzustellen. Seiner Mühe Lohn sollen 250 000 Fr. sein, und da der Künstler in die Hauptstadt jenes Lan­des reisen muß, sollen ihm von der Gesandtschaft, die das Königreich in Paris hat, von den 250 000 Francs sɔ­fort 40 000 als Reisevergütung und Kostenvorschuß aus­gezahlt werden. Einen Tag vor seiner Abreise nimmt ihn ein Minister, der es gut mit ihm meint, bei Seite und sagt: ,, heben Sie das Geld ab, bevor Sie ab­reisen."- ,, Aber-" ,, Kein aber- heben Sie das Geld ab, rate ich Ihnen."- ,, Der Schein ist doch vom Finanzminister unterschrieben."- ,, heben Sie es trotz­dem ab!" Der Künstler aber will nicht hören. Nach seiner Rückkehr aus dem fernen Lande kann er von der Gesandtschaft zunächst keinen Pfennig bekommen. Troß­dem geht er mit Fleiß ans Werk und hat bald den ersten Entwurf fertig. Jezt kann die Gesandtschaft nicht mehr anders: sie muß ihm wenigstens die 40 000 Francs auszahlen. Der Künstler wird aufgefordert, sich das Geld zu holen. Man führt ihn in ein Zimmer des Gesandt­schaftsgebäudes, wo auf einem großen Tische drei rie­sige Säcke aufgestellt sind. Was soll das sein?" fragt er. Ihre 40 000 Francs!". Er öffnet einen der Säcke und prallt entsetzt zurück: es blinkten ihm lauter Fünf­( rankenstücke entgegen! Er verlangt statt des Silber­Jeldes einen Check. Unmöglich!" Nun springt er ent­chlossen in eine Droschke, fährt zu einer Bank und bringt sich einen Kassenbeamten mit, der ihm das Geld fort­schaffen soll. Als vorsichtiger Mann zählt dieser aber erst das Geld nach. Es waren in der Tat 40 000 Francs in den Säcken, aber 2500 Francs waren entwertetes oder falsches Geld.

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Giessener Cagesneuigkeiten.

[ 8ur Reichstagswahlbewegung.] Unser bis­heriger Reichstage abgeordnete, Bürgermeister Köhler­Langsdorf wird bei den nächsten Richetagswahlen, trotzdem uns vorher gegenteiliges mitgeteilt wurde, wieder fandi dieren. Soweit wir informiert sind, wird also auch Gießen einen interessanten Wahlkampf erleben. Es treten demnach in Konkurrenz: Liberale( Freifinn mit National liberalen), Antisemiten und Sozialdemokraten. Jetzt fehlten nur noch das Centrum und die Addeutschen. In Limburg stellte eine Vertrauens- Männer Versammlung des Bundes der Landwirte den Landwirt Hazmann- Niederneisen als Kandidaten für die bevor­stehende Reichstagswahl im 4. naff. Wahlkreis( Lim burg- Diez- Weilburg) auf.

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Die Gewerbebant hält nächsten Mittwoch, den 4. März im Hotel Einhorn ihre 44. ordentliche General versammlung statt. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Erstattung des Geschäftsberichtes pro 1902. 2. Erfah wahl ausscheidender Mitglieder d s Aufsichtsrates. 3. Beschlußfassung über die Genehmigung der Jahres rechnung und Bilanz pro 1902 und der dem Vorstar de und Aufsichtsrat zu erteilenden Decharge. 4. Verteilung des Reingewinnes. 5. Mitteilung des Berichtes des Verbandsrevisors über die am 28. Mai 1902 borgenommene Revision der Gewerbebant. 6. Be schlußfassung über Genehmigung der gemäß§ 11 des Statuts entworfenen Gesd äftsanweisung für den Vor­stand und der gemäß§ 25 des Statuts aufgestellten Geschäftsanweisung für den Aufsichtsrat. 7. Beschluß: fassung über die Genehmigung der Verträge mit den Mitgliedern des Vorstandes gemäß§ 6 des Statute. Zur Verteilung kommen 49,729 Mt. 38 Pfg., wörüber die Generalversammlung verfügt.

** Des Hauses Zier ist Reinlichkeit. Im Deutschen Reichstage wurde in den letzten Tagen bei einer Be­sprechung der Wurmkrankheit, die augenblicklich im Rhein­lande und Westfalen herrscht, von dem Handelsminister Möller die Ansicht vertreten, daß größere Reinlichkeit der Bergleute viel zur Beseitigung dieser ansteckenden Krankheit beitragen fönnte, wie auch vor Jahren in dem oberschlesischen Industriegebiet die dort herrschenden Ma­gen- und Darmleiden auf die mangelnde Reinlichkeit zurück­geführt wurde. Die öffentlichen Gewalten tun ja außer­ordentlich viel zur Verbesserung der Verhältnisse. Licht, Luft und Reinlichkeit ist das Prinzip bei Städteanlagen, und seitdem haben die Landplagen, wie Cholera, Pest und schwarzer Tod ihre Schrecken verloren. Aber gerade die Bevölkerung in den Industriegebieten neigt zur Unrein­lichkeit nicht bloß bei uns, sondern auch anderwärts. Zola schildert in seinem bekannten Bergwertscoman, daß sich ganze Familien nur an den Vorabenden von Sonn­und Feiertagen gebadet haben und dann alle in einem Bottich, dessen Inhalt nachher wie dick gewordene Tinte aussah! Aber von Zeit zu Zeit kommen solche Straf­gerichte, wie vor 10 Jahren in Hamburg und jetzt am Rhein, um nachdrücklich auf Generationen hinaus die ewige Wahrheit zu predigen: Des Hauses Zier ist Rein­lichkeit.

** Stadttheater. Tas Benefizstück für Fräulein Mar garete Feige Mutter segen" gelangt endgiltig morgen Don nerstag den 26. ds. Mts. zur Aufführung. Ferner sei schon heute darauf aufmerksam gemacht, daß Herr Hubert Dietsch vom Stadttheater in Freiburg i. B. der vor einigen Jahren an der hiesigen Bühne als erster Held und Liebhaber enga giert war, demnächst ein zweimaliges Gastspiel absol vieren wird.

** Der gestern vom Fechtverband Gießen Lahr abgehaltene Maskenball in den Räumen des Café Leib) er freute sich eines vollbesetzten Hauses. Wer nicht zur Zeit fam mußte Stihplatz einnehmen. Bier, Wein und Selt blieb nicht unberührt, denn man konnte sehen, wie wantelmütige Gestalten sich heute morgen früh nach ihrem Schlummerfissen tewegten. Wir nehmen an, daß der Verein einen größeren Ueberschuß zu Wohlthätigkeitszwecken er zielt hat.

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** Vom Karneval. Noch einmal weilte gestern Prinz Karneval unter uns, und mit Schwinden des Tages gings ans Abschiednehmen von der schönen Faschingszeit, die seit Wochen alle Welt in ihrem phan­tajievollen Bann geschlagen hat. Er schwang daher zum letzten Male umso kräftiger sein Szepter, um feinen die furze aber würzige Zeit seines Regimentes bergessen zu lassen und die Sehnsucht zu wecken nach der nächstjährigen Wiederkehr. Es scheint auch als ob alle noch einmal von seinem Zauber gepackt waren; ob Groß oder Klein, alles war ihm unterthänig und folgte in blinder Ergebenheit ihm nach in den Strudel aus­gelaffener Touheit. Alles war wie umgewandelt, Giner neckte den Andern, und sagte ihm unter dem Schutz der Narrheit die Wahrheit unter die Nase und sprach dabei oft das Urteil über sein eigenes Jch, ohne daß er es merkte. Die Karnevalszeit ist ja auch die Zeit des Humors und der Satire, alles Verkehrte wird da zum Gebot und so kommt die ganze aufgesparte Lebens. lust des Einzelnen zum Ausbruch. Wir scheinen unsere Lebensgewohnheiten mit denen des Karnevals vertauscht zu haben. Ironie, Wizz und Humor finden da fruchtbaren Boden und gedeihen prächtig. Die Maskenbälle mit ihrem Mummenschanz bringen Amors Rechte zur Geltung und geben so dem Bilde einen geschmackvollen Rahmen. Der Karneval ist bekanntlich schon sehr alt; schon zu Zeiten der Römer huldigte man dem Gott Jokus und wid mete ihm eine kurze Zeit im Jahre, in der er das Regiment führte. Mit den Jahrhunderten hat naturgemäß auch das Wesen des Karnevals eine Aenderung erfahren; man ver steht heute nicht dasselbe darunter wie zu jenen Zeiten. Das naive Sinnenleben des Mittelalters ist von dem er höhten Bewußtsein des Menschen der Jeztzeit eingeschränkt werden und nicht zuletzt sind die veränderte Lebensführung der gesamten Kulturmenschheit, die Berufspflichten mit ihren Folgen verhängnisvoll für den Karneval geworden. Andererseits wird das Bedürfnis nach Selbstfiitik und Ironie schon durch soviel andere Gelegenheiten, von denen wir die Presse, das Theater und das Parlament nennen wollen, befriedigt, daß die Karnevalsatire in ihrer Wichtig feit ziemlich abgeschwächt wird. Doch wird dies Alles nicht imstande sein, den Karneval, der den Geist durch die per­sönliche Mitwirkung des Einzelnen auf ein anderes ideales Gebiet führt, ganz zu verdrängen, wenigstens wird er in unserem Zeitalter noch weiter leben.

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Von den einzelnen, Spezial- Aufführungen" in unserer Stadt dürfen wir nennen den tradionellen Umzug der Studenten mit Musik und den dabei unvermeidlichen Biergläsern. Närrische Stopfbedeckung und einige Musen söhne in Kostümen brachten etwas Abwechslung in den Gänsemarsch. Auf dem Marktplag erfolgte der übliche Fastnachts- Salamander und zum Schluß die Verwand­lung der Biergläser in einen Haufen ungezählter Glas­scherben. Das Treiben der Narren war damit für den

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Möbliert

mit oder ohne