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Nr. 47.

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Gratisbellagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) Oberheffifche Beitschrift für Landwirtschaft, Obft- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmittags.

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Mittwoch, den 25. Februar 1903.

Gießener

12. Jahrgang.

Insertionsprei 81 Die einfpaltige Petitzeile für Gießen wi ganz Oberbeffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg fonft 15 Pfg.: Reklamen die Petitseile 30 refp. 40 Bfg.

Bostzeitungsliste No. 8269.

Redaktion und Expedition: Gießen Nenenweg 38. Fernsprechanschink Nr. 368.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Das mazedonische Reformprojekt

angenommen.

mit Schneller, als man wohl allgemein angenommen hatte, ist die Antwort der türkischen Regierung auf das österreichisch- ungarisch- russische Memorandum erfolgt: ſie

Hofmannstr. 14. lautet, wie nicht anders zu erwarten war, zustimmend. Jerfegung des Serra Nachdem der Ministerrat sich zu gunsten des Reform Beder ist deffen feit projekts ausgesprochen hatte, erging ein Jrade des Sul­egehabte Wohnung in tans, welches die Annahme der in der Note der beiden se Afterweg 29 11 für Mächte enthaltenen Vorschlage genehmigt. Der türkische

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Vorstellung.

Jung.

Minister des Aeußern Tewfit Pascha überreichte darauf persönlich den Botschaftern Rußlands und Desterreich- Un­garns in Form von gleichlautenden Noten die Annahme­erflärung der Pforte. Die türkische Note spricht aus, daß diese Vorschläge eine Ergän ung dessen scien, was bie Regierung des Sultans bereits selbst beschlossen und auszuführen begonnen habe, und stellt se, daß die Re­gierung die ihr in freundschaftlichem Geiste gemachten Sorschläge annimmt und deren Ausführung befohlen hat. Ter Ministerrat hat sich schon mit den Ausführungsver­ordnungen beschäftigt.

So ist denn der erste Teil des Reformiertes erfolg reich beendet und Graf Lamsdorff, der Vater der mit so viel Geräusch in Szene gesezten Aktion, mag sich zu dem Gelingen beglückwünschen. Größeren Schwierigkeiten als der Anfang dürfte die Fortsetzung des Unternehmens begegnen, doch werden bei gutem Willen und loyalem Verhalten der türkischen Regierung auch diese Schwierig­teiten zu überwinden sein. Immerhin wird längere Zeit vergehen, ehe die in dem Memorandum der beiden Groß­Straßen außerge urächte vorgeschlagenen Maßnahmen durchgeführt sind. faule Aepfel und Eine andere Frage ist die, welche Wirkung die Nachricht geworfen werden von der Annahme der Reformvorschläge durch die Pforte in der christlichen Bevölkerung Mazedoniens hervorrufen n geraten könnte, wird. Daß die Aufständischen sich nunmehr sofort ent­-2 Uhr einen Umschließen werden, die Waffen niederzulegen und zum häus­ent. Bugteilnehmer lichen Herde zurückzukehren, glaubt wohl ernstlich niemand. meister zu melden. Die Bestrebungen der Führer gehen bekanntlich über die in egierungsamt. dem österreichisch- ungarisch- russischen Memorandum vorge­sehenen Einrichtungen weit hinaus; sie zielen auf voll­ig. ständige Selbstregierung unter einem christlichen, von der daß ein State forte möglichst unabhängigen Generalgouverneur nach dem Vorbilde Kretas ab. Es muß abgewartet werden, ob gewiffefte Kenn die Leiter der mazedonischen Bewegung, dem Druck der pf und die ihm Mächte nachgebend, aus ihr Programm verzichten, oder was, wenn dies nicht geschieht, die Mächte zur Durch­segung des ihrigen beschließen.

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Daß die Kampflust der Mazedonier sich bis jetzt nicht gemindert hat, geht aus den letzten Nachrichten aus Sofia und Philippopel hervor. Am Sonntag fand in dieser Stadt unter den Anspizien des örtlichen ma ei onisch n komi ees eine zahlreich besuchte Versammlung statt, in der gegen die bulgarische Regierung wegen ihres Vorgehens gegen die Komitees heftige Angriffe gerichtet wurden. Zugleich wurde erklärt, daß das mazedonische Befreiungswert fort­gesetzt werden würde. Waffen und Munition sind in gro­Ber Menge in Mazedonien eingeschmuggelt worden, was die Hoffnung auf den Sieg der Bewegung neu belebte.

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Die türkischen Soldaten werden von den Aufstän­dischen nicht sehr gefürchtet, da sich die Insurgenten in fleine Guerillabanden von je 30 Mann aufgelöst haben und nur dann zum Angriff schreiten, wenn die Chancen ihnen günstig sind.

266. Sigung.

Deutscher Reichstag.

- Verschiedene Fragen.

Eigener Bericht.

nern gegenüber darauf hin, daß das jetzige Weingesetz gut gewirkt habe. Eine sachgemäße und sachverständige Nahrungsmittelkontvolle tönne von den Organen der all­gemeinen Polizei gar nicht ausgeführt werden; besondere Reichsbeamte dazu anzustellen, sei bedenklich. Die Wünsche wegen einer strengeren Nahrungsmittelkontrolle gehörten in die Einzellandtage. Nach weiterer unwe­sentlicher Debatte über diesen Gegenstand vertagte sich das Haus.

Die Politik.

Neue Schwierigkeiten mit Venezuela. )-( Die Ausführung des deutsch- venezolanischen Frie­densprotokolls scheint sich nicht so glatt abzuwickeln, als man gehofft hatte. Der deutsche Gesandte in Washington hatte in Auftrage des Grafen Bülow den Gesandten Bo­wen gefragt, wann Castro die 27 500 Dollars der ,, erst­flassigen" deutschen Forberung zahlen wolle und hinzu­gefügt, die Deutschen in Venezuela seien darüber unge­halten, daß, während die Briten bereits den ihnen zu kommenden Betrag erhalten hätten, er den Deutschen noch nicht ausgezahlt worden sei. Die deutsche Regierung habe Venezuela eine dreißigtägig Zahlungsfrist der ersten Rate zugestanden, doch sei sie der Ansicht, Bowen könne dem Präsidenten Castro raten, sofort den betreffenden Betrag zu zahlen. Bowen erwiderte, daß er nach unterzeichnung der Protokolle in der Angelegenheit nicht mehr kompetent sei, und daß ein Gesuch um Geld durch den beutschen Ber­treter in Caracas anzubringen sein würde, sobald dieser dort angekommen sei.

Bei schwacher Besetzung des Hauses erledigte der Reichstag eine Reihe von Fragen, die innerlich grund­verschieden sind. Dr. Paasche verlangt eine schärfere leberwachung der Ausführung des Reichsseuchengefeßes; eventuell sollten, wie im Hunsrück, die Kosten auf die Staatskassen übernommen werden. Dr. Südekum von der Sozialdemokratie wünscht einen schärferen Schutz der Arbeiter von Pinselfabriken gegen die Gefahr des Milz brandes, während der nationalliberale Abg. Dr. Wehl darauf aufmerksam machte, daß viele erotische Wild­häute durch ihre Milzbrandgefahr die Interessen der Arbeiter gefährden. Staatssekretär Graf Posadowsky betonte nach einer kurzen Rede des Abg. Hoffmann­Hall, daß die Regierung durch ihre scharfe Ueber­wachung der Betriebe die Epidemien zurückgedrängt habe. Abg. Münch Ferber plädiert dafür, die Essigessenz dem freien Verkehr zu entziehen, was den Staatssetre­

lisationsarbetten der tär zu der Bemerkung veranlaßte, zu bemerken, daß

39 Minuten.

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neral- Lügner bafelbft

Justigo Karl.

Die Heeres- Reorganisation in England.

cichteten Rundschreiben wird betont, daß jiuje.em Ber­nehmen nach" zwischen den Regierungen des deutschen Reiches und Rußlands der Entwurf des neuen Zollver­trages bereits vereinbart sei. Er werde zunächst den Re­gierungen der Einezlstaaten zur Begutachtung vorgelegt Wir geben die Mitteilung unter Vorbehalt

Die bitteren Lehren des Burenkrieges sollen in Eng­land nicht ungenußt bleiben, darüber ist dort alle Welt einig. Also Heeresreform! lautet die Parole. Der Kriegs­minister Brodrick hat auch einen Entwurf zur Reorganisa­tion der englischen Arme ausgearbeitet, der sich jedoch nur geringen Beifalls erfreut. Für uns in Deutschland genügt es, daß der Entwurf mit dem alten überlebten Prinzip des Werbe- und Söldnertums keineswegs bricht. Auch bei der zur Zeit im Unterhause geführten Adreß­debatte wurde der Entwurf bes Herrn Brodrick erörtert, und es zeigte sich dabei, daß sein Projekt nicht nur auf. der Linken Gegner hat. Im Gegenteil war es der Kon­servative Becket, welcher ein Amendement einbrachte, das die Unzufriedenheit mit dem Brodrichschen Entwurf aus­spricht, und der Konservative Major Seely unterstützte das Amendement. Der Kriegsminister suchte seinen Plan zu rechtfertigen, so gut er es vermochte. Seine Absicht sei, so betonte er, eine möglichst geringe Anzahl von Truppen unter den Fahnen und möglichst viel in der Reserve zu haben. Beinahe komisch berührt es uns, wenn wir sehen, wie sich der Minister eifrig dagegen verwahrte, deutsche Einrichtungen nachahmen zu wollen. Wenn er das täte, so wäre das am Ende noch nicht das schlechteste!

das Nahrungsmittelgejez völlig zur Verhütung von Miß­ständen ausreiche. Die Abgg. Fiz( nation.), Schüler ( 3tr.), Dr. Blankenborn( nationall.) Dr. Dein­hardt( nationall.) und Dasbach( 3tr.) treten für eine Kontrolle der Weinkellereien ein, wozu zwei Bundesrats­bevollmächtigte sich entgegenkommend äußerten. Der Staatssekretär Graf Posabowsky wies den Vorred­

Frankreich und Marokko.

verden. vieder.

-

29. Sigung.

Preussischer Landtag.

Baus der Hbgeordneten.

- Die Tarifreform.-

Eigener Bericht.

Die Erörterungen über eine geeignete Ausg staltung des Tarifwesens wurde im preußischen Abgeordne enhause fortgesezt. Die Regierung und die Mehrheilsparteien varen darüber einig, daß es nicht so sehr auf eine Ver­billigung, als auf eine Vereinfachung der Personentarife antomme; es sollten also möglichst die Rückfahrbegünsti­gungen aufgeho en un die ein a ten Ja rg ü rei etwa auf die Hälfte des heutigen Betrages feft, ejezt werden. Bei den Gütertarifen sei eine möglichste Vielgestaltigkeit von höchstem Werte. Der Eisenbahnminister Bud de verwies auch noch darauf, daß die sächsischen Tarije in Preußen burchaus ungeeignet sein würden. Im übrigen hält er baran fest, daß die Disziplin bei den Bahnbeamten aufrecht erhalten werden müsse; insbesondere soll mit großer Rüd­sichtslosigkeit gegen etwaige Mitglieder des Hamburger Verbandes vorgegangen werden. Der Minister teilte noch mit, daß er 200 Güterwagen mit je 20 Tonnen Lade­gewicht in Auftrag gegeben habe. Zum Schluß hin verfor sich die Debatte in Einzelwünsche verschiedener Gegenden.

Taß die französische Regierung ihr Auge auf Marokto geworfen hat, wußte man längst. Neuerdings haben diese Spekulationen, wie es scheint, greifbare Gestalt angenom­men, worüber der Pariser Korrespondent des ,, Standard" interessante Einzelheiten zu berichten wüßte. Danach plant Herr Telcassé, der französische Minister des Auswärtigen, nichts geringeres als eine Teilung Marokkos, dergestalt, daß Frankreich den östlichen Teil des Sultanats mit Algier vereinigte und Spanien die nördlichen Küstendistrikte be­fäme, England aber überlassen wäre, sich an der Westküste zu entschädigen. Daß auf französischer Seite solche Arron­dierungsprojekte bestehen, darauf scheint eine Meldung des ,, Echo de Paris" hinzudeuten, wonach Minister Del­cassé und der Gouverneur von Algier, Herr Reboil, eine Zusammenkunft des Herrn Loubet mit dem Sultan von Marokko während der bevorstehenden Algierreise des Prä­sidenten der französischen Republik betreiben. Defters schon wurde die Ansicht laut, daß Frankreich bei den Wirren in Marokko seine Hand im Spiele habe, das glaubt auch Senor Bonelli, ein in marokkanischen Angelegenheiten wohlbewanderter spanischer Polititer. Er zweifelt nicht daran, daß Frankreich damit umgehe, seine algerische Grenze gegen Marokkó vorzuschieben, und würde es für einen schweren Fehler erachten, wenn Spanien die fran­zösischen Eroberungsgelüfte ermutigen würde.- In Tan­ger eingetroffenen Nachrichten zufolge wäre der Präten­Bent Bu Hamara in dem legten Gefecht schwer verwundet worden. Ein Entscheidungskampf ist vor seiner Wieder­herstellung nicht zu erwarten.

Kurze politische Nachrichten.

* Der Reichskanzler hat Erhebungen darüber ange­ordnet, ob nach den seit dem 1. April 1895 gesammelten Erfahrungen die Aufhebung oder Einschräniung einzel­ner Ausnahmen von der geseßlich vorgeschriebenen Sonntagsruhe zulässig.

* In einem vom Vorsitzenden des Verbandes deut­icher Leinenindustrieller an die Verbandsmitglieder ge­

Nab und fern.

Prinz Eitel Friedrich auf dem Kölner Karneval. Dem diesjährigen prächtigen Rosenmontagszuge in Köln sahen vom Balkon der Wohnung des Polizeipräsidenten aus Prinz Eitel Friedrich und Prinz und Prinzessin Adolf zu Schaumburg- Lippe zu. Prinz Karneval, der Köl­ner Bauer, die Kölner Jungfrau, die beiden Präsidenten der beiden großen Karnevalgesellschaften und die Kom­mandeure der Funkentorps wurden dem mit der Müze der blauweißen Funken dekorierten Prinzen und übri­gen hohen Herrschaften vorgestellt. Prinz Eitel Friedrich unterhielt sich längere Zeit hindu ch aufs angelegent­lichste mit den ersten Kämpen des Faschings und äußerte seine große Freude darüber, daß er den weltberühmten Kölner Rosenmontagszug in Augenschein nehmen könnte. Die Garde des Prinzen Karneval, die lustigen Kölner Funken, marschterten an dem Balkon des Prinzen und ihrer Kommandeure in strammem Parademarsch vorbei. )=( Einen Mordv rsuch aus verschmähter Liebe mahte der Berliner Architelt Wolpact auf die Stelinerin Marta Tarsfy. Wollstatt, der die Tars y seit längerer Zeit ver­geblich mit Liebesanträgen verfolgte, begab sich in das Lolal, in dem sie serviert, bestellte sich ein Glas Bier, und als nach kurzer Zeit das Mädchen fam, feuerte er zwei Schüsse auf sie ab mit den Worten: ,, Du mußt sterben! Ein Schuß traf die Lunge, der zweite drang in den Oberschenkel. Die im Lofal anwesenden Gäste hielten den Revolverhelden zurück und übergaben ihn der Polizei, die ihn in Fesseln legte und zur Wache brachte; von dort erfolgte dann die Ueberführung in das Unter­suchungsgefängnis nach Moabit. Das Mädchen ist schwer berlegt, unmittelbare Lebensgefahr ist jedoch nicht vor­handen; sie wurde in das Krankenhaus am Urban gebracht.

::: Leopold Wölfling, der Bruder der Prinzessin Luise von Tostana, faßte infolge finanzieller Schwierigkeiten den Entschluß, Genf zu verlassen und nach Amerika zu ceisen, um dort als Seeoffizier in die amerikanische Marine einzutreten. Der Großherzog von Toskana bezahlte alle Schulden, die Wölfling vor seiner Flucht gemacht hat. Wölflings Bitten um weitere materielle Unterstüßung blie­ben unberücksichtigt.

) Ein Lebensversicherungs- Spezialist ist der in Berlin verhaftete Generalagent Bidert aus Neu- Streliß, der dort eine Berliner Gesellschaft vertrat. Er war seit acht Tagen flüchtig, nachdem er schwere Urkundenfälschungen, Unter­schlagungen und Betrügereien verübt hatte. Er ließ ver­schiedene versicherte Personen, deren Geburtsurtunden er ich verschaffte, einfach sterben" und schickte die gefälschte Urkunde der Gesellschaft ein. Diese zahlte, 3. strich die Summe ein und führte die Leute als tot in den Büchern. Der Zufall wollte aber, daß ein bereits ,, Gestorbener" aus Neu- Strelig der Gesellschaft einen Wohnungswechsel an­zeigte. Daburch wurde 3. entlarot. Die Anzahl der von ihm geschaffenen Todesfälle" fonnte er bei seiner Ver­haftung selbst nicht angeben.

Explosion eines Briefes. In dem Hauptpostami in der Königstraße zu Berlin war der Postbote Beilfuß mit dem Abstempeln von Postsachen beschäftigt, als blöß­