Ausgabe 
24.12.1903 Zweites Blatt
 
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mein liebes, geliebtes Weib! Da bin ich wieder! Du hast mich nicht mehr erwartet, meine liebste Hanna wie?"

Ein Jubelruf dringt vom Bette her. Friedrich- mein Gatte- du- du?"

Nach vier vollen Jahren kehrt der Gatte und Vater aus Süd- Amerika heim, wohin er gegangen, um lohnende Ar­beit zu finden. Vier lange Jahre so lange es ihm schlecht erging, ließ er nichts von sich hören, doch mit dem ersten größeren Gewinn eilt er ins Vaterland heim- heim, zu Weib und Kindern.

Nun regt die Freude" ihre weißen, glänzenden Schwingen.

Da schlugen auch die Kinder die Hände jubelnd zusam men: Du bist es? Du, Väterchen, liebes gutes? Und hast du uns auch etwas Schönes mitgebracht?"

Wie der Mann die Seinen herzt und küßt! Dann geht's an das Auspacken all der Herrlichkeiten, und wo bis jetzt die bitterste Not geherrscht, da gibt es nun fast Ueberfluß. Und wie es ihnen schmeckt, nach allen den Entbehrungen! Die bleichen Gesichtchen röten sich, die roten Plappermäul­chen werden mit seltenen Leckerbissen gestopft die Mutter aber hängt am Halse des Gatten, des heimgekehrten lieben Gatten und im Ueberfluß des Glückes fallen ihr Tropfen um Tropfen über die bleichen Wangen.

Und die Freude"? Sie denkt sich: Hier bin ich mun überflüssig."

Schon strahlt die Mondesleuchte, und der No: dwind möchte heim in den Himmel, weil er in der Christnacht feinen Sturm machen soll.

Komm, eile dich, Liebste! Sie werden ohne uns im Himmel bescheren," jagt der Nordwind. Die Freude" aber lächelt und meint: Ohne mich gewiß nicht!"

Nun rafft sie in einem Zipfel ihres Kleides Schnee zu­sammen, haucht ihn an und streut, dem Himmel zufliegend, die kleinen weißen Gebilde da- und dorthin. Und wo die glizernden Flöckchen sich hinverlieren, da blitt ein erleuch teter Christbaum auf, und jubelnde Kinderstimmen er­schallen.

Und auch diesmal vermag die Freude" nichts von ihrem Erdenerlebnis zu erzählen nur Gott- Allvater ver­stand seinen Liebling: Nicht droben im Himmel, nicht hier auf Erden läßt sich wahre Freude und wahres Entzücken schildern. mitemvfinden muß man beides.

nus ven Handen des Erzengels Gabriel empfing die Freude" wiederum ihren weißen Lilienzweig, den sie ihm zur Aufbewahrung anvertraute. Bescheiden setzte sie sich zu den Füßen Gottes nieder; aber sie bat berzinnig: Ach, sende mich doch recht bald wieder zu den Menschenkindern! Es gibt so viele, die nach mir verlangen!"

Du irrſt, mein Liebling." Gott- Allvater sah ihr liebe­voll in die Augen. Du irrst. Sie würden deine Gegen­wart nicht oft ertragen."

,, Aber, nicht wahr, doch wenigstens immer zur Weih­nachtszeit?" bat die Freude" schmeichelnd. Laß mich am Christabend immer recht viele Glückliche machen!"

Diese Bitte hat Alvater seiner Lieblingstochter erfüllt. und daher kommt es, daß am Christabend so viel Kinder­jubel in der Welt zu hören ist.

Mara Melik off.

Vermischtes.

[ Das ordenssüchtige Prinzchen.] Prinz Paul, der Sohn des Prinzen Arsen Karageorgewitsch und Neffe des Serbenkönigs Peter, ein Kluger, aufgeweckter Junge von neun Jahren, schwärmt sehr für den Sava- Orden. Er hat wiederholt seinen Theim gebeten, ihm diesen Orden, wenn auch letter Klasse, zu verleihen. König Peter schlug aber dieje Bitte jedesmal ab, indem er dem kleinen Prinzen er klärte, daß der Sava- Orden nur für besondere Verdienste, namentlich aber an Gelehrte, Schriftsteller und Journa­listen, verliehen werde. Als Prinz Paul sah, daß alle seine Bitten umsonst seien, nahm er sich vor, den ersehnten Orden zu verdienen. Er ging unter die Schriftsteller und begann eine Beschreibung der Reise König Peters nach Topola, die er mitgemacht hatte. Es scheint damit freilich nicht leicht zu gehn, denn Prinz Paul hat sein Werk" noch nicht beendet, aber hoffentlich wird er sich damit den Sava Orden ver­dienen.

[ Ein Held gesucht.] In Madrid besprtast man lebhaft eine Testamentsbestimmung des fürzlich verstorbenen Erz­bischofs von Balenzia, Herrero, der, wie wohl noch erinner­lich, während des Konklave zur Papstwahl in Rom erkrankte. Wie verlautet hat Herrero 50 000 Besetas für denjenigen

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Schmugglergeschichten. Aus dem ostpreußischen ei Oletzko fuhr dieser Tage ein Gutsbesitzer über die rus Grenze, um zwei Paar langschäftige Stiefel zu kaufen, dort für das halbe Geld zu haben sein sollen. Er trug ausgediente Holzschuhe( Klumpen), und auch der Kutih batte solche angelegt. Sie passierten die Grenze und kaufe dort für 20 M. Stiefel. Die alten Klumpen wurden fr jeworfen und die neuen Stiefel angelegt. So ging es mi er nach Preußen zurück. Heda, so früh zurück? Nichts au verſteuern und zu verzollen?" fragte der Wächter des setzes. Nichts, nichts!" Aber, mein Lieber, wie fumma denn die funkelnagelneuen Dinger da an Ihre Füße? fuhren doch mit Pantinen über die Grenze und kommen je mit Stiefeln zurück. Bitte, ziehen Sie sie aus!" Der Gu herr mußte parieren und der Kutscher auch. Beide Pacte wurden einem herbeigerufenen Schuhm hermeister zur schäßung übergeben. Reine Schandarbeit," ttelte dieja Faum 6 M. wert."" Bitte, mein Herr! Die Stiefel fojto 20 M.," fuhr der Gutsherr dazwischen. Das wollte ich n hören," schmunzelte der Beamte. Sie sind so freundi 80 M. als verwirkte Zollsteuer zu deponieren." Der Gu Herr verzog sein Gesicht, als ob es sieben Tage aufeinand regnen sollte. Er hat den Vorsatz gefaßt, keine billigen Stiefel mehr in Rußland zu kaufen.

Das Neueste aus dan Witzblättern. Ermahnung. Bauer( beim Abschied von seinem als tefrut eingezogenen Sohn): Nun halt' dich hübsch brav, daß der Herr Hauptmann sich nicht über dich beim Kaiser zu schweren braucht."

Eine Schlaubergerin. Hausfrau:, Auguste, die Sachen müssen Sie besser rein machen, Sie müssen träftiger opfen." Dienstmädchen: Aber dann staubt's ja so."

Aus einem modernen Märchen.... Dor hte der schöne Prinz, unter der Nase eine goldene Schnure artbinde.

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Nr. 302

Donnerstag, den 24 Dezember

1903.