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Die Sicherheitsgewähr

der Hypothekenbanken.

- Zur Vertagung des Pommernbankprozesses. CB. Der Beschluß des Gerichtes im Prozeß gegen die Di rektoren und Tayatoren der Pommernbank, die Verhandlung behufs Beschaffung neuer Beweise zu vertagen, hat mi Recht allenthalben das größte Aufsehen erregt, denn es wurde darin mit aller Deutlichkeit ausgesprochen, daß das Be­weismaterial, das die Anklagebehörde nach jähriger Vor­bereitung vorgeführt hat, völlig unzureichend ist. Wahr. scheinlich dürfte sich das Bedenken des Gerichtshofes darauf stigen, daß die Abschäzungen der von der Staatsanwalt­schaft geladenen Sachverständigen und der S. hverständigen der Verteidigung sich durchaus widersprechen und daß namentlich die erste Kategorie von Gutachten eine ſumma­rische Fassung erhalten hat, daß ferner die Liſten, sowie die Einzelausweise über das Zustandekommen der gegen die Bankdirektoren und Tayatoren gerichteten Abschätzungen fehlten. Indem die Ermittelungen der Gerichtsgutachter dem Gerichtshof zweifelhaft wurden, mußten auch Zweifel entstehen, ob der Zusammenbruch der Werte und der Pom­mernbank selbst nicht das Ergebnis eines spekulativen An­griffes anderer Banken gewesen ist. Wenn dies der Fall ist, so wäre der Grad des Verschuldens bei den Bankdirek­toren wesentlich vermindert. Daß aber ein Verschulden orliegt, darüber war der Gerichtshof selbst nicht im Zweifel, und er hat ja auch in seiner Entscheidung betont, daß ein , hinreichender Verdacht" gegen die haftentlassenen Direktoren noch vorliegt. Aber für die Abmessung der Schuld und demgemäß auch für die Abmessung der Strafe fehlte die Jenügende Unterlage.

tischen Stellen weiter verkürzt wurde. Das Wetturnen mit glänzenden Leistungen hat sich ebenfalls reger Anteilnahme eitens der Zuschauer zu erfreuen, doch erregten naturgemäß beim nicht turnerisch gebildeten Teil der Zuschauer die man­nigfachen Turnspiele, wie Barlauf, Faust-, Fuß-, Schlag-, Schleuder, Gernz, Korb-, Kreis- und Tamburinball und Stafettenlauf, die größtenteils von beiden Parteien mit Fin digkeit, Ausdauer und eminenter Geschicklichkeit ausgeführt werden, das größte Interesse. Großes Interesse erregten auch die graziösen Produktionen der Engländerinnen vom Battersea Politechnik London, deren Stabübungen und Keu­lenschwingen Eleganz und Gewandtheit vereinigt. Diese Vorführungen zeigten ebenso wie das eigenartig anziehende Seilspringen, daß das Damenturnen feineswegs die natür­liche Anmut des Weibes beeinträchtigt. Im Festzuge figu­ierte übrigens, wohl von den wenigsten bemerkt, die älteste iller deutschen Turnerfahnen, die des Vereins Augsburg. Der Verein ist 1847 gegründet worden und hat sich gleich eine Fahne in schwarz- rot- gold zugelegt. Als diese Farben 1848 staatsgefährlich wurden, hat man die Fahne versteckt gehalten; später kam sie auch nach Amerika.

Der Zar und die deutschen Schiffsjungen. Ueber den Aufenthalt des deutschen Schulschiffes Großherzogin Eli­sabeth" vor Petersburg wird mitgeteilt, daß die Schiffs­jungen in der russischen Metropole herrliche Tage verlebten. Der ganzen Besatzung wurde durch Vermittlung der deutschen Kolonie daselbst u. a. freier Eintritt in den Zoologischen Garten gewährt und außerdem stiftete die Kolonie der Be­satzung täglich 200 Liter Bier. Als der Zar von dem Eintreffen des deutschen Schiffes Kenntnis erhielt, verfügte er die äußerst seltene Bevorzugung, daß den jungen ,, Sec­bären" die eingehende Besichtigung seiner Sommerresidenz Peterhof zu gestatten sei, und ließ die jungen Leute auf dem Bahnhofe mit einem Frühstück bewirten.

Die gesamte Presse von Berlin äußert ihr größtes Er­taunen über den seltsamen Verlauf des Prozesses. Die Vossische Ztg." sagt unter anderem: Man sieht, daß auch in Rechtsleben das Unwahrscheinlichste Ereignis werden ann." Das sozialdemokratische Organ der Reichshauptstadi faßt die ganze Frage von der grundsätzlichen Seite aus an und erblickt darin den Beweis, daß unsere Gesezgebung mit ber Entwickelung des kapitalistischen Geschäftslebens nicht mehr gleichen Schritt zu halten vermag. Man kann diese auf die politische Ausbeutung des Falles berechnete Dar­stellung füglich beiseite lassen und doch zu dem Ergebnis kommen, daß tatsächlich unsere Gesetzgebung in den Bestim mungen über die Hypotheken- Aftien- Banken durchaus un zureichend ist. Die Hypotheken- Banken, sofern diese aus Aktien gegründet sind, sollten prinzipiell dem Spekulation geschäft fern gehalten werden, denn da ihre Errichtung von der Genehmigung der Staatsbehörden abhängig ist und diesen auch eine Kontrolle zusteht, da ferner die Hypotheken- Banken ein weitherziges Erefutive haben, so genießen sie im Publi­fum ein ganz besonderes Vertrauen. Das war speziell auch bei der Pommernbank der Fall, deren Werte bekanntlich fast mündelsicher erklärt worden wären. Man sollte annehmen, daß namentlich die Ausgabe von Pfandbriefen nur so weit gestattet sei, als dafür Deckung vorhanden ist. Denn wenn in dieser Hinsicht den Direktoren eine unbeschränkte Be­wegungsfreiheit zugestanden wird, wenn sie für schuldlos befunden werden, sofern sie auf Gutgläubigkeit und bona fide Grundstücke zu hoch beliehen haben, dann erhält der Käufer von Pfandbriefen ebensowenig Sicherheit, wie un­gefähr der Käufer von Industrie- Aktien. Die ganze Staats­fontrolle über die Hypotheken- Banfen aber hat ja den Sinn, daß die Inhaber von Pfandbriefen gegen ausbrechende Krisen sicher gestellt sind. Die landschaftlichen Hypotheken anstalten beleihen deshalb den Grund und Boden im Höchst. falle mit zwei Drittel des tarierten Wertes, so daß Taxationer der Landschaftsinstitute im Gegensatz zu den Abschätzungen der Pommernbank sehr niedrig bemessen sind.

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Vermischtes.

[ Wohin man reisen soll.] Folgende Reiseziele werden den verschiedenen Berufsarten von einem Wigbold empfoh len. Es sollen reisen: die Rezensenten nach Rügen, die Ver­liebten nach Süßnacht, die gern Küssenden nach Dortmund, die mit Appetit gesegneten nach Essen, die Schlächter nach Darmstadt, die Verkaterten nach Heringsdorf, die Starken nach Herkulesbad, die Aufgeregten nach Wildbad, die Aristo­traten nach Adelsberg, die Kahlköpfigen nach Harburg, der Klerus nach Bischofswerda, die Hizigen nach Eisleben, die Tenöre nach Singen, die Ingenieure nach Zweibrücken und endlich die Armen nach Geldern.

Ein moderner Leander. Ein Schwimmstücklein, das an die antike Mär von Hero und Leander erinnert, voll­brachte in Wilhelmshaven ein Matrose von S. M. S. ,, Kaiser Karl der Große". Er hatte beim Tanz in den Armen seiner Hero die Abfahrtszeit der Pinasse vertrödelt, die ihn an Bord des Schiffes bringen sollte. Kurz entschlossen machte er nach zärtlichem Abschied von der Geliebten aus allen Kleidungsstücken ein Bündel, das er sich auf den Rücker schnürte, und dann hinein in die Flut und mit starkem Arm dem Schiff zugesteuert, das weit draußen auf der Reed lag. Der pflichteifrige Schwimmer wurde von Bord an bemerkt und von einem Boot aufgenommen.

Da voraussichtlich der Prozeß aufs neue und jedenfall viel genauer noch als seither geführt werden wird, so wollen wir uns einstweilen einer Besprechung der jüngsten Gerichts entscheidung enthalten. Eins aber sei jezt schon aus: gesprochen, daß der kommende Reichstag wohl allen Grund hat, sich mit den Bestimmungen über Hypotheken- Aktien­Banken eingehend zu befassen und die Pfandbriefe gegen die Stürme der Krisen bei Katastrophen zu sichern, indem die Bestimmung getroffen wird, daß kein Pfandbrief über den Wert des vorhandenen Aktienkapitals ausgegeben werden darf.

Aus dem Gerichtsfaal.

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*[ Ein gefährliches Mittel.) Ein gutes" Mittel gegen das Schwanzschlagen der Kühe beim Melfen hat ein Be­wohner eines thüringischen Dörfchens erfunden. Er band nämlich ein Gewicht an den Schwanz der Kuh. Nun ist aber( wie man an jeder Ochsenschwanzsuppe sehen kann), ein Rinderschwanz ziemlich kräftig, und so kam es, daß besigte Kuh ruhig weiter wedelte und mit dem angehängten Ge­wicht dem Bauer beim nächsten Melken fünf Zähne einschlug.

Ueberfall auf ein Stationsgebände. Unbekannte Täter versuchten einen Einbruch in das Bahnhofsgebäude der Station Branowiz an der österreichischen Nordbahn. Der diensthabende Beamte Josef Tinzek warf sich, als er das Ge­räusch hörte, den Einbrechern entgegen, doch diese feuerten mehrere Schüsse auf ihn ab, die ihn lebensgefährlich ver­letzten.

Selbstmord oder Mord? Eine rätselhafte Wendung nimmt die Untersuchung in der Affaire des Berliner Ban fiers Schindler, der in einem Hamburger Hotel erschossen aufgefunden wurde, nachdem sein Buchhalter Jacobus nac großen Unterschlagungen sich nach Argentinien geflüchtei hatte. Man nahm zunächst an, daß Schindler sich selbst er schossen habe, da er an den Veruntreuungen beteiligt geweser und in Hamburg von seinem Komplizen in Stich gelassen sei. Wie die Ermittelungen aber ergaben, ist zur Zeit voi Schindlers Tod seine Ehefrau bei ihm im Zimmer gewesen. Es steht noch nicht fest, ob diese, nach der die Hamburger Polizei jezt eifrig sucht, nicht ihren Mann erschossen hat Auf jeden Fall muß sie die Leiche nach dem Tode Schind lers in die Lage gebracht haben, in der diese gefur den würde. Frau Schindler hatte aus Hamburg an Verwandte de peschiert, daß sie sich das Leben nehmen wolle. Sie ist 20 Jahre jünger als ihr Mann.

§ Ein Attentat auf den Gerichtspräsidenten verübte ir einer Straffammersihung des Landgerichts Erfurt der Dach becker Schreier. Nachdem er wegen Diebstahls zu zwe Jahren vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war, be gann er den Staatsanwalt und den Gerichtshof in gemein ster Weise zu beschimpfen, bog sich nach dem Gerichtsschreibei hin, ergriff ein schweres Buch und warf es nach dem Vor sigenden, Landgerichtsdirektor Rieß. Zum Glück wurde nu dessen Schreibzeug getroffen, sodaß die Tinte umherspritzte Die Gerichtsherren sprangen auf und die Zuhörer waren starr vor Schreck. Der Gerichtsdiener hatte große Mühe, den Wütenden zu bändigen.

Nab und fern.

Des Wilderers Ende. Auf eigentümliche Weise hat der als Wilderer bekannte 36jährige Schuhmacher Johann Kirchner in Wildflecken( in der Rhön) sein Leben verloren. Am Abend war er mit einem Gewehr in den Wald gegangen; als er einen Mann kommen sah, wollte er die Waffe rasch verbergen, der Kolben schlug aber auf den Boden auf, wo­bei das Gewehr sich entlud und die zwei Schüsse dem Kirchner die Brust durchbohrten. Er war sofort tot.

Ein pestverdächtiger englischer Dampfer wurde in Genua angehalten. An Bord des aus Bombay ein­getroffenen Dampfers Spithead" erkrankte ein Matrose unter Erscheinungen, die für Best gehalten wurden. Das Schiff, die Mannschaft und achtzig Hafenarbeiter wurden borläufig isoliert.

Reicher Lohn einer guten Tat. Eine unerwartete große Erbschaft hat ein Einwohner des englischen Städtchens Cheltenham gemacht. Der Betreffende lieh vor etwa zehn Jahren einem oberflächlichen Bekannten 500 Mark, damit dieser nach Südafrika zur Ausbesserung seiner Gesundheit gehen könne. Der Kranke verblieb dort und gewann ein großes Vermögen, dessen Wert auf 60 Millionen geschäß wird. Kürzlich ist er nun verstorben und hat seinem Freunde und Gönner in Cheltenham den vierten Teil seines Ver mögens testamentarisch hinterlassen.

Ein gefährlicher Ausbruch des Vesuvs hat durch einen mächtigen Lavastrom das Führerhaus zerstört. Die Aus: brüche dauern in heftiger Form an. Das Gelände um den Vesuv ist nicht gefährdet worden. Zu gleicher Zeit fan den auf Sizilien heftige Erdbeben statt.

Angebliche Verstimmungen am Weimarischen Hofe. An die plötzliche Abreise der Großherzogin Caroline von Sachsen­Weimar nach einem Schweizer Kurort haben sich Gerüchte von einer hochgradigen Verstimmung derselben gegen einige in hervorragenden Stellungen befindliche Persönlichkeiten des Hofstaates gefnüpft. Die junge Fürstin habe ihre ſelb. ständigen Ansichten; sie wünsche z. B. wie jede andere Frau Herrin in ihrem Haushalte zu sein und beanspruche auch für sich das Recht der Selbstbestimmung in den Aeußerlichkeiter des täglichen Lebens. Die betreffenden Persönlichkeiten, die jeit Jahren gewohnt sind, am Weimarischen Hofe zu leiter und zu regieren, sollen sich nun aber verschiedentlich in Wider spruch mit diesen Ansichten der Großherzogin gesetzt haber und bestrebt gewesen sein, ihre eigenen Ansichten zur Richt schnur für die Großherzogin zu machen. Das konnte natür lich der Landesfürstin nicht gleichgiltig sein. Man spricht davon, daß die Folge dieses Konfliktes möglicherweise Ver­änderungen im Großherzogl. Hofstaat sein werden.

Ein grauenhafter Lustmord wurde in der öster­reichischen Gemeinde Marchtrenk bei Wels begangen. Im Gesträuch bei einer Kapelle auf dem Felde wurde die fünf­einhalbjährige Tochter Theresia der Eheleute Riedl mit auf. geschlittem Leibe tot aufgefunden. Die Eltern des Kindes waren mit Kornschneiden beschäftigt und hatten inzwischen ihre drei kleinen Kinder bei der Kapelle zurückgelassen. Als bie Eltern nach Schluß der Arbeit ihre Kinder holen wollten, fanden sie nur die zwei jüngsten vor, während die fünfein. jalbjährige Theresia verschwunden war. Nach kurzem Suchen vurde dann die Leiche gefunden. Vom Täter fehlt iede Svur Der verirrte Bruder Straubinger. em getteres Vorkommnis ereignete sich kürzlich bei einer Sitzung des Schöffengerichts in Eisenberg. Mitten in der Verhandlung klopfte es bescheiden an der Tür und als der Gerichtsdiener öffnete, stand vor ihm ein böhmischer Bettler, der mit der unschuldigsten Miene um eine kleine Gabe bat. Der Stro­mer wurde sofort in Haft genommen. Da es bei der jetzigen schönen Jahreszeit ganz unwahrscheinlich ist, daß sich der Mann ein Unterkommen auf Staatskosten verschaffen wollte, fann nur vollkommene Ahnungslosigkeit den Vagabunden in die Höhle des Löwen geführt haben.

Ein folgenschwerer Eisenbahnzusammenstoß fand in Ka nada auf der Brücke über den Great River bei Galt statt Zwei Wagen stürzten in den Fluß. Vier Leichen wurder bisher gefunden und man nimmt an, daß mehrere Personer Verletzungen davongetragen haben.

A Vom X. deutschen Turnfest in Nürnberg. Das Feſt. spiel lockt jeden Abend viele tausende an, doch wird darüber jeflagt, daß der Genuß der Aufführung, der durch die große Unruhe der riesigen Menschenmenge ohnehin schon gestört wird, durch oftentatives Pfeifen bei verschiedenen batrio­

Um eine Tasse Kaffee zum Mörder geworden. It Budapest ermordete der 67 jährige Portier Franz Jháß sein Frau, mit der er 35 Jahre hindurch gelebt hatte. Er er schoß seine Gattin wegen einer geringfügigen Ursache; si hatte ihm nach beendetem Mittagmahl schlechten schwarzer Raffee verabreicht. Nach dem Attentat ergriff der Mörde die lucht; er feuerte auf seine Verfolger mehrere Revolver schüsse ab, welche aber glücklicherweise fehlgingen. Es ge lang schließlich, den Mörder zu entwaffnen und einem Poli zisten zu übergeben.

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[ Ein Kleid aus Glas] hat sich eine amerkanische Schau­spielerin, Miß Ellen Jaqua, weben lassen. Die Toilette, die aus spinnwebenfeinen Glasfaden hergestellt ist, wirkt auf der Bühne bei Lichtschein geradezu blendend und hat Farben­töne, die von hellgrün und blaßlila bis zu fleischfarben und elfenbeinweiß gehen. Bei ganz schwachem Licht geht von dem Kleide ein Glanz aus, wie Mondstrahlen ihn auf einer polierten Silberfläche erzeugen. Zur Herstellung dieses Kleides waren die geschicktesten Arbeiter fünf Monate tätig, um alles Glas zu spinnen. Das Material wurde in Dresden angefertigt, während die Toilette selbst in Paris gezeichnet und auch gearbeitet wurde. Zu dem Kleide wurden 14 Meter' besonders breiten Glasgewebes gebraucht, 35 Meter Tressen und 25 Meter Volants, im ganzen also 74 Meter; trotzdem wiegt das ganze Kleid nicht mehr als das leichteste Ballkleid, so weich und leicht ist der Stoff.

Der verbotene Mäßigkeitsverein. Wie ein fiskalisches Schildbürgerstücklein nimmt sich die folgende Nachricht aus Kolozsvar in Ungarn aus. In einem der umliegenden Dörfer war der Geistliche seit Monaten emsig bemüht, der immer mehr um sich greifenden Trunksucht zu steuern. Schließlich gelang es ihm auch, sich Gehör zu schaffen, heute den einen, morgen den anderen zu nüchternem Lebenswandel zu befehren, und jüngst wollte er nun zur größeren Ver­breitung seiner Lehren einen Mäßigkeitsverein gründen. Die Statuten dieses Vereins aber wurden vom Minister des Innern nicht genehmigt, und zwar aus dem gewiß plausiblen, wenn auch vielleicht ethisch anfechtbaren Grunde: daß die Gründung eines Vereins, dessen Bestrebungen eine Vermin­derung der ärarischen Einnahmen zur Folge hätten, nicht gestattet werden könne.

Bunte Chronik. Eine deutsche Nationalkonferenz zur Be. kämpfung des Mädchenhandels wird unter dem Vorsitz des Rammerherrn der Kaiserin, Grafen v. Keller, am 27. und 28. Oktober in Berlin stattfinden.

- Bei Neumark im Vogtlande wurde durch die Nach. lässigkeit eines Schlagbaumwärters ein Kutscher von einem Schnellzug getötet. Der Wärter ertränkte sich aus Verzweif lung.

Der Hauptbegründer des Schiffstrusts, der Schwieger. john Vanderbilts, Dresser, wurde in Newyork wegen betrü­gerischen Bankrotts verhaftet.

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Von dem Lar

Mit nerbigem Auch hier gib Die der lech Doch was w Flöß nicht

[ Das trauliche Du" gibt einem ungarischen Jour­nalisten Anlaß zu einer heiteren Plauderei, in der er über die in Ungarn herrschende Sitte, daß zwischen zwei Per­sonen gleichen Standes ohne weiteres das Du" Plaz greift, verschiedene komische Vorkommnisse berichtet. Die hübscheste Szene ist folgende. Ein Redakteur eines ungarischen Tageblattes sagte einem blutjungen dichterischen Anfänger, der ihm ein äußerst grünes Frühlingspoem zu freundlicher Abdruckung brachte, nach Durchlesen der Verse: Lieber Freund, darf ich Ihnen ohne weiteres das Duwort an­bieten?" Bis in die Erde hinein geschmeichelt und ob der unerwarteten Ehrung auf seinem Antlitz alle sieben Farben des Regenbogens erscheinen lassend, erklärte sich der Musen­säugling mit dem Antrag des Gewaltigen einverstanden. Dieser aber sette fort: Siehst du, lieber Freund, jetzt kann ich ohne Umschweife dir meine Meinung sagen. Ein solches Rindvieh wie du ist mir in meinem Leben noch nicht unter­gefommen." Und es konnte kein Duell daraus werden. Waren sie doch miteinander per Du...

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[ Rußland und die Ereignisse von 1870. Eiren eigen artigen Beitrag zur Vorgeschichte des deutsch- französischen Krieges liefert General Faverot im Gaulois". Er berichtet, daß der bekannte General Fleury geäußert habe, der Krieg sei nur deshalb zum Ausbruch gekommen, weil Napo­leon III. England nicht aufgeben wollte". General Fleury, der damals als Gesandter in Petersburg weilte, sei auf An­weisung Napoleons zum Zaren Alexander gefahren, um ihn um seine Intervention beim König von Preußen zu bitten, damit das Blutvergießen vermieden würde. Zar hat aber als Preis für seine guten Dienste die Aufhebung des Pariser Vertrages von 1856 verlangt. Diese Forde­rung sei von Paris aus mit Rücksicht auf den treuen Bun­desgenossen England" abgelehnt worden und Rußland inter­venierte infolgedessen nicht nur nicht, sondern verpflichtete sich Deutschland gegenüber sogar, sofort zu seinem gunsten die Waffen zu ergreifen, falls Desterreich Frankreich unter­stützte. Die ganze schöne Erzählung ist wohl weiter nichts als ein durchsichtiger Versuch, dem neuen Freund" Eng­land zu zeigen, daß man bereits große Opfer für ihn ge­bracht habe, damit er nach dem Grundsage: Eine Hand wäscht die andere, gelegentlich auch zu solchen bereit sei. John Bull fällt aber auf derlei Mäßchen so leicht nicht hinein.

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