Ausgabe 
18.3.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 65.

Erstes Blatt.

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Grattebellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt ascheint an allen Werktagen nachmittage.

Mittwoch, den 18. März 1903.

Gießener

12. Jahrgang.

Juiertionsprei di Die einspaltige Petitzeile für Gießen wi ganz Oberbeffen, die Streise Wezlar und Marburg 10 Pfa soni 15 fg. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 fg.

Boftzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 38. Fernsprechanschluß Nr, 868.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Unabhängige Tageszeitung

( Gießener Beifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Vekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen

Die Politik.

Kaiser Wilhelm in Dresden.

Der Kaiser wurde bei seiner Anfunft auf dem Haupt­bahnhofe in Dresden von dem König Georg überaus herz­lich begrüßt. Beide Monarchen umarmten und füßten fich. Sodann begrüßte der Kaiser den Prinzen Johann Geora, worauf die beiden Monarchen nach dem föniglichen Schloß fuhren von dem zahlreich versammelten Bublifum mit lauten Zurujen begleitet. Im Schloß wurde der Kaiser von den Prinzessinnen Mathilde und Johann Georg em pfangen. Bald darauf fand ein Familientee statt.

König Georg and sein Volk.

|: Das amtliche Dresdener Journal" veröffentlicht einen Erlaß des Königs von Sachsen an sein Volk, wo­rin der Monarch vor dem Antritte seiner Reise allen benen, welche bei Gelegenheit des schweren Unglücks in der Königlichen Familie ihm herzliche Teilnahme ge geben, dankte und die Hoffnung ausspricht, daß die burch die betrübenden Vorgänge entstandene Unruhe und Aufregung endlich der Ruhe und dem früheren Ver­trauen Plaz machen wird. Dann heißt es: ,, Glaubet nicht denen, die Euch vorstellen, daß hinter all dem Unglücklichen, das uns betroffen, nur geheimnisvoller Lug und Trug verborgen sei, sondern glaubet dem Wort Eures Königs, den Ihr nie als unwahr erkannt habt, daß dem unendlich Schmerzlichen, das über uns hereingebrochen st, lediglich die ungebändigte Leidenschaft einer schon lange im stillen tief gefallenen Frau zu Grunde liegt."

Die Expedition nach Ostasien.

In der Budgetkommission des Reichstags tam gestern u. a. der Etat für die Expedition nach Ostajien zur Ver­handlung. Von verschiedenen Seiten wurde auf zurück­ziehung der Truppen gedrungen. Der Abg. Richter bean­iragte, fünf Millionen zu streichen. Der Staatssekretär v. Richthofen erwiderte, man solle das Vertrauen zu der Regierung haben, daß sie die Zurückziehung der Truppen vornehmen werde, sobald das möglich sei. Der Kriegs­minister v. Goßler erklärte, man habe auf Grund inter­nationaler Abmachungen handeln müssen und sich streng nach diesen gerichtet. Der Abg. Richter schlug hierauf eine Resolution vor, den Reichskanzler zu ersuchen, in internationale Verhandlungen wegen Zurückziehung der Truppen einzutreten. Er ermäßigte seinen Antrag auf Abstrich von fünf Millionen auf drei Millionen Mark. In dieser Form wurde der Antrag Richter genehmigt. Der Streit um Tripolis.

In der italienischen Teputiertentammer sand eine Interpellationsdebatte über die Mittelmeerfragen statt, in der auch die Tripolisfrage berührt wurde. Tripolis ist unbestreitbar türkischer Besit, aber in Italien hat man seit Jahren nicht übel Lust, diese Provinz zu annektieren, um den Franzosen in Algier und Tunis und den Eng­ländern in Egypten ein Gegengewicht zu bieten. Aber auch die Engländer scheinen auf Tripolis zu spekulieren, das ihnen zur Stärfung ihrer Position in Egypten sehr willkommen sein müßte. Nach einem französischen Kon­sularbericht hätten die Engländer seit Jahresfrist in dem tripolitanischen Golf von Bomba im stillen bereits Fuß gefaßt und Rohlendepots errichtet, und ihre Mannschaften treten auf, wie wenn sie daselbst zu Hause wären. Der Abgeordnete de Marini wies in der italienischen Depu Hertenkammer hierauf hin, ohne daß jedoch der anwesende Unterstaatssekretär des Acußern, Baccelli, auf die An­gelegenheit einging. Sie wird jedoch von den römischen Blättern ziemlich erregt besprochen, die sich auch nicht beruhigen wollen, nachdem von offiziöser Seite erklärt worden ist, daß die Angaben über die Besetzung der Bucht bon Bomba nicht zutreffend sind.

Nene Krise i Bayern.

Uns wird geschrieben: Als der bayrische Minister präsident Gras Grailsheim seinen Abschied nahm, hieß es in München gleich, daß verschiedene seiner Kollegen ihm früher oder später in den Ruhestand nachfolgen würden. Als reif dafür wurden der Minister des Innern v. Feilißsch und der Finanzminister v. Riedel aenannt. Nun wird auch bereits dem ersteren von Polttttern, ote sta ben Anschein geben, unterrichtet zu sein, das Sterbeglöcklein geläutet. Der Rücktritt des Herrn v. Feilißsch, so wird versichert, werde in turzent eine vollzogene Tatsache sein. Fragt man nach den Gründen, so weisen die Unterrichteten der bayrischen Hauptstadt auf den Prozeß Heusler hin, in welchem das Ministerium des Innern allerdings em­pfindlich bloßgestellt worden ist. Wie man sich erinnert, ist das Münchener Maximiliansstift direkt der Aufsicht dieses Ministeriums unterstellt, doch hat dies von seinem Aufsichtsrecht nie mehr Gebrauch gemacht, als unumgäng lich nötig war. Wegen dieser Gleichgiltigkeit, andere sagen Pflichtvergessenheit, wurden nun in der Presse dem Mi­nisterium des Innern und zum teil Herrn v. Feiliksch persönlich, die schwersten Vorwürfe gemacht. Natürlich fonnte es nicht ausbleiben, daß diese Beschuldigungen zur Kenntnis des Vrinaregenten gelangten, der von der

Sorglosigkeit des Ministeriums des Innern keineswegs erbaut ist. In einer Audienz, welche Herr v. Feilißsch bei dem Prinzregenten hatte, dürfte diese Angelegenheit zur Sprache gekommen sein. Daneben sollen Meinungs­verschiedenheiten zwischen dem Ministerium des Innern und dem Justizministerium in der Krise eine Rolle spielen, Herr v. Feilißsch hat bei dieser wegen der im Heusler Prozeß von der Staatsanwaltschaft an seiner Verwaltung geübten Stritif reklamiert; in richterlichen Kreisen herrscht darüber große Aufregung.

Deutsch- österreichischer Handelsvertrag. )-( Nachdem unlängst von der Reichsregierung die Verhandlungen mit Rußland wegen des Abschlusses eines neuen Handelsvertrages eingeleitet worden sind, hat die deutsche Regierung nun auch in Wien wegen Eröffnung von Unterhandlungen über den neuen deutsch- österrei chisch- ungarischen Handelsvertrag angefragt. Das Wie­ner Auswärtige Amt antwortete nach Einholung der Aeußerungen der Regierungen beider Reichshälften, daß zur Zeit nur unverbindliche Vorbesprechungen möglich seien, da der österreichisch- ungarische Ausgleich und der gemeinsame autonome Zolltaris, auf dessen Grundlage der neue Handelsvertrag abzuschließen sein wird, von den Barlamenten noch nicht erledigt sind. Zu solchen Vor­besprechungen hat sich das Wiener Auswärtige Amt bereit erklärt. Eine Rückäußerung Deutschlands ist bis­her in Wien noch nicht eingetroffen.

Chamberlains Triumph.

Sein erstes Erscheinen im englischen Unterhause nach der Rückkehr aus Südafrika gestaltete sich für den Kolonialminister zu einem wahren Triumph. Eine glän­zende Versammlung hatte sich eingefunden, um den we­gen seiner fragwürdigen Erfolge in England überschweng­lich gefeierten Staatsmann zu begrüßen. Als Herr Chamberlain, der so frisch und blühend aussah, wie nur je, mit einem heiteren Lächeln, dem unvermeid­lichen Monocle und der obligaten Orchidee im Knopf­loch eintrat und auf der Ministerbank seinen Plaz ein­nahm, exscholl auf der Regierungsseite brausender Ap­plaus, in den auch eine Anzahl liberaler Abgeordneten einstimmte. Der Beifall wiederholte sich, als Herr Cham­berlain sich zur Beantwortung einer Anfrage über süd­afrikanische Angelegenheiten erhob. Der Kolonialminister verlas dabei ein Telegramm des Gouverneurs von Na­tal, welches die Begnadigung der noch in Haft befind­lichen Aufständischen und den Erlaß einer Amnestie an­fündigt. Das war seit dem Tage, an dem er den Friedens­schluß von Pretoria bekannt gab, der glücklichste Tag in Joe Chamberlains politischer Laufbahn. Wir in Deutsch­land dürfen ihm seinen Triumph ruhig gönnen; auch für Herrn Chamberlain kommt wohl noch die Stunde, wo er die Wandelbarkeit der Volksgunst an sich erfährt. Kurze volitische Nadicsten.

* Der Reichstag wird, wie wir erfahren, am 28. März in die Ferien gehen und danach noch einmal für eine kurze Zeit zusammentreten.

* Das Befinden des Abgeordneten v. Heereman ist noch immer bedenklich. Die große Schwäche des greisen Patienten hält die Aerzte in Sorge.

* Der Bund der Kaufleute hat nun in Berlin jeine Agitation in der weiteren Deffentlichkeit aufgenom men. Eine nach der Tonhalle" einberufene Versammlung mit der Tagesordnung Was will der Bund der Kauf­leute?" war ungemein zahlreich besucht. Die Beteiligung an der Diskussion war sehr lebhaft, doch gab sich in der Bersammlung gerade keine Begeisterung lund.

44. Sigung.

Preussischer Landtag.

Haus der Abgeordneten.

Eigener Bericht.

Kunst und Wissenschaft. Die Fortsetzung der Beratung des Kultusetats führte zu dem Kapitel Kunst und Wissenschaft", zu welchem eine Anzahl Wünsche von meist lofalem Interesse vorge­bracht wurde. Auf eine bezügliche Anfrage erwiderte ein Regierungsvertreter, daß die Versuche mit dem Ha­gelschießen nicht das erhoffte Ergebnis gehabt hätten. Mehrere Redner befürworteten eine Erhöhung der Aus­gaben für die Denkmalspflege, namentlich der älteren Kirchen. Eine längere Debatte fnüpfte sich an den Aus­gabetitel für die erste Rate von einer Million Mark zum Neubau der königlichen Bibliothef, der Universitäts­Bibliothek und der Akademie der Künste auf dem so­genannten Akademie- Viertel. Der Abg. Gcaf Limburg Stirum warf hierbei unter lebhaften Beifallsrufen der Rechten die Frage auf, ob nicht Berlin, die Stadt, die so viel Vorteile von den vielen Staatsinftituten habe, zu Beiträgen herangezogen werden könne. Der Kultus­minister Dr. Studt rechtfertigte das Bauprogramm, worauf die Etatsposition angenommen wurde. Bei dem Kapitel Technisches Unterrichtswesen" hrte Abgeord­

neter Brütt Beschwerden darüber, daß die ewmick Hochschule in Charlottenburg ganz ungebührlich bevor zugt werde. Abg. Marco beklagte, daß für die tech. nischen Hochschulen nicht entfernt soviel aufgewendet werbe, wie für die Universitäten.

Hof und Gefellschaft.

Das Besinden des Kronprinzen und fei­nes Bruders, des Prinzen Eitel Friedrich macht erfreuliche Fortschritte. Die Krankheit des Kronprinzen hat den Höhe­punkt überschritten und Prinz Eitel Friedrich hat sogar bereits das Bett verlassen lönnen. Man hofft, daß die Prinzen innerhalb zehn Tagen ihre Reise nach dem ur­sprünglich festgestellten Programm fortseßen können.

*** Fürstin Elisabeth von Windisch- Graez, di: Tochter der Gräfin Lonyay, die in Nizza, wie erinnerlich, schwer erkrankt war, ist wieder hergestellt. Wie der Arzt mitteilte, war die Fürstin seit etwas über vier Monaten guter Hoffnung; in der vorigen Woche habe ste In Cannes die Blumenbataille mitgemacht; sie sei dabei von einem großen Blumenbouquet getroffen worden, und infolge des dadurch hervorgerufenen Schrecks trat eine Fehlgeburt ein. Fürst und Fürstin Windisch- Graez werden nächster Tage nach Prag abreisen können.

*** Königin Alexandra von England tritt am 24. dieses Monats eine Reise nach Kopenhagen an, wo sie mit dem Kaiser Wilhelm zusammentreffen wird.

Nab und fern.

Luise von Tostana hat die geplante Reise nach Eng land wirklich endgültig aufgegeben. Ihr Advokat Lache­nal konnte ihr die formelle Zusage des jächsischen Ho­fes übermitteln, daß die Prinzessin nicht dazu ange­halten werden solle, das zu erwartende Kind auszulie­fern. Infolgedessen wird die Prinzessin ihre Nieber­funft in Lindau abwarten. In der Deutschen Juristen­jeitung" veröffentlicht Professor Opet einen interessan­ten Aussaz, der sich mit der Frage beschäftigt, welcher Name der ehemaligen Kronprinzessin nach ihrem Aus­scheiten aus dem Hause Wettin zukomme. Er kommt darin zu folgendem Resultat: Führte sie vordem die Bezeichnung Kronprinzessin Luise Antoinette Maria von Sachsen( Wettin), so steht ihr jetzt lediglich die Bezeich­nung Luise Antoinette Maria von Sachsen( Wettin) zu. Nimmt die Kronprinzessin dagegen wieder ihren vor­ehelichen Namen an, so hätte sie sich als Luise Antoinette Maria von Lothringen- Habsburg- Toskana zu bezeichnen. Zusäße, die dem wahren Sachverhalte entsprechen, kann 5te vormalige Kronprinzessin ihrem nunmehrigen Fa­miliennamen stets beifügen, etwa die Zusäße ,, vormalige Kronprinzessin von Sachsen", geschiedene Frau des Kron­prinzen von Sachsen", geborene Erzherzogin von Loth­ringen- Habsburg- Toskana". llebrigens verlautet in tos­tanischen Hoftreisen, daß die Zurücknahme des Ver­botes für die ehemalige Kronprinzessin, den Titel einer österreichischen Erzherzogin zu führen, bevorstehe.

::: Ein gefährlicher Hauslehrer. Rudolf Koch, der fünfzehnjährige Sohn des Direktors der Deutschen Bant zu Berlin, ist in Drosendorf bei Bamberg, wo er sich zur Erholung aufhielt, von seinem Hauslehrer buchstäblich zu Tode geprügelt worden. Der herzlose ,, Pädagoge" traf tierte den jungen Menschen derartig mit Fußtritten, daß er während der Mißhandlung an Herzlähmung verschied. Dippold soll nach einer Version geistig gestört sein. Anders kann man sich diese unglaubliche Roheit eines Lehrers seinem Schüler gegenüber auch kaum erklären. Dippold wurde sofort verhaftet.

() Lebendig begraben sind seit zwei Tagen auf der Zeche Moltke bei Gladbeck ein Steiger und sechs Berg­leute. Seit gestern früh vier Uhr ist von den Verschütteten feine Antwort mehr gekommen. Man fürchtet daher, daß die Rettungsarbeiten, die unverzüglich ins Werk gesezt worden sind, schließlich doch nur Tote ans Tageslicht be­fördern werden.

[ Ein notwendiges Requisit.] In einem Pariser Bor. stadttheater sollte ein militärischer Schwant ,, Die Ein­quartierung" gegeben werden. Der Saal war zum Er­drücken voll, die für den Beginn angesezte Zeit längst verstrichen. Das Publikum wurde ungeduldig und be­gann zu trampeln. Der Regisseur erschien vor der Rampe und hielt folgende feierliche Ansprache: ,, Meine Damen und Herren! Die Direktion bittet Sie, die Verspätung zu entschuldigen. Sie ist nicht daran Schuld. Heute Nach mittag, als der Hausmeister abwesend war, sind Diebe in Das Theater eingedrungen und haben die Hosen des Ma­jors gestohlen. Die Direktion nuß erst Ersas beschaffen." Ein höllisches Gelächter erhob sich. Endlich, nach Verlauf einer weiteren Stunde, fonnte die Vorstellung beginnen. Aber der Major mußte seine Rolle in einer alten, von einem Sergeanten abgelegten Hose spielen, die man bei einem Tröbler aufgetrieben hatte,

blid darauf, daß werde die morte des pereurs stießen ihn wieder u seine Unschuld an den dag kommen er hoffte jeden Augen­

Eingabe wäre abgeschickt und

Sie unterbrach ihn traurig: Mit diesem einem Wort,

Ich hatte

ir, schließest du mir leider den Mund. Gründe bereit, um deine Auseinandersehungen zu

Renntier verirrt sich nicht See, weil es sehr gut weiß, daß dort kein Geschöpf irgend Offenbar mußten Menschen in der Nähe sein, denn ein aus; überall erblickte man eine Anzahl von Renntieren. allein auf einen gefrorenen

sichtshalber

geladen hatte, weu inzwischen

Leichtes Büchsen­

Echo von Berg und Tal licht eingetreten war, da hörten sie einen schwachen Knatt inät" fnurrte der Oberförster, nunt der in dugendfachem

von der Göttereiche herüber Serhund weitersprang.