Ausgabe 
14.2.1903 Erstes Blatt
 
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ne ganz gebrigen Aufhanger gratis! Die Reijerin lachte hell auf über diese drastische Antwort. Auch die Wohlfahrtseinrichtungen wurden vom Raiserpaar ein­gehend besichtigt.

* Die Verhandlungen in der Venezuelafrage haben, wie aus Washington gemeldet wird, zu einem befriedigenden Ergebnis geführt, sodaß die Unterzeich­zung der Protokolle Sonnabend oder Sonntag zu er varten ist. Die deutschen Forderungen werden von England und Italien als durchaus billig angesehen.

Dem Reichstage wird noch ein Nachtragsetat wegen der venezolanischen Expedition zugehen. Die höhe des Etats wird erst nach der Aufhebung der Blockade ermittelt werden.

* Kronprinz Friedrich August von Sachsen ist on seinem Knöchelbruch so weit geheilt, daß a ſeil inigen Tagen wieder in der Reitbahn reitet.

* Der Großherzog von Oldenburg ist in Stutt­zart zum Besuche des Königs von Württemberg einge toffen.

* In Karlsruhe ist der Staatsminister a. D. Wil helm Nott nach längerem Leiden gestorben.

* Die Wahl des konservativen Reichstagsabgeordneten . Oldenburg- Januschau( Elbing- Marienburg) ist von her Wahlprüfungskommission für ungiltig erklärt worben.

* Infolge schwerer Erkrankung der Erzherzogin Eli­jabeth ist tönigin Maria Christine von Spanien mit der Infantin Maria Teresa nich Wien gereist.

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* Den Meldungen über türkische Rüstungen Jowie über eine Mobilisierung wird von Konstantinopel aus widersprochen. Damit ist freilich ganz und gar nicht gesagt, daß sie nicht doch Tatsache wären. In der mazedonischen Ortschaft Tikwesch wurde vor einigen Tagen ein Kind eines Türken tot aufgefunden. Der Verdacht wurde auf die christlichen Einwohner des Dorfes gelenkt, infolge dessen richteten die Türken unter diesen ein furcht­jares Gemezel an. Dreißig Christen sollen getötet sein.

20. Sigung.

Preussischer Landtag.

Haus der Abgeordneten.

Eigener Bericht. Prozeß Kardenfötter und Justizbeschwerden. Eine Sensation des Tages kam bei der zweiten De ratung des Justizetats zur Sprache: der große Kur pfuscherprozeß Nardenkötter und die Entweichung des Hauptangeklagten. Der nationalliberale Abg. Dr. Eckel gab seiner Verwunderung Ausdruck, daß dieser Kurpfuschei gegen die kleine Kaution von 15 000 Mart auf freien Fuß gesetzt wurde.

Justizminister Dr. Schönstedt erwiderte, er sucht stets den Schein zu vermeiden, als ob er auf Gerichts­beschlüsse Einfluß ausübe. Er wisse nicht, welche Gründe bei der Kautionsfestsetzung für Nardenfötter maßgebend gewesen seien. An dem Fall trage mit Schuld die un glaubliche Torheit des großen Publikums. Der Minister ging dann auf die Klagen über ungerechtfertigte Verhaf tungen ein. Die neuesten Fälle, erklärte er, würden in der Presse übertrieben. Andererseits bestreite er nicht, daß bei der Behandlung der Untersuchungs- und Strafgefan­genen den bestehenden Vorschriften nicht immer entsprochen werde. Er erinnerte an die von ihm und dem Minister des Innern erlassene Verfügung über die Fesselung der Gefangenen. Außerdem habe er alle Bestimmungen über die Behandlung der Untersuchungsgefangenen zusammen. stellen und den Gefängnisbeamten überall mitteilen lassen.

In der weiteren Debatte wurde die Errichtung neuer Amtsgerichte in Westdeutschland gefordert, eine Anre­gung, die der Minister wohlwollend zu behandeln ver­sprach. Auf eine Bemerkung des Abg. Schmit( 8tr.), der die Wiedereinbringung der vorjährigen Vorlage über das juristische 7 Semester- Studium empfahl, erwiderte Mi­nister Schönstedt, die Vorlage sei bisher nicht wieder eingebracht worden, weil die Frage noch nicht geklärt sei. Ein Redner wandte sich gegen die Errichtung eines neuen Oberlandesgerichts in Düsseldorf und bemerkte u. a.: Hoffentlich sei der Justizminister ein Feind dieses Projekts und lasse sich nicht durch die Düsseldorfer Ehren­jungfrauen verführen.( Große Heiterkeit.)

Justizminister Schönstedt entgegnete, er nehme eine ganz objektive Etellung zu dieser Frage ein. Der an­tisemitische Abg. Werner kritisierte das hohe Straf­maß gegen den Redakteur und Verleger der ,, Staats­bürger- Beitung und bemängelte das Verhalten Staatsanwaltschaft. Justizminister Schönstedt erklärte, auf diesen Prozeß hier nicht eingehen zu wollen. Dann trat Bertagung ein,

Nab und fern.

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Zur Dresdener Ehescheidung teilt der in dieser Frage gut unterrichtete Fränkische Kurier" mit, daß die böllige Scheidung auf direkten Antrag des Kronprinzen Friedrich August selbst erfolgt ist. Das Blatt weist zu­gleich auf die Möglichkeit hin, daß der im kräftigen Mannesalter stehende Erbe der Krone Sachsens die Ge wissensfrage als guter Katholik durch den Ehegerichts. hof im Vatikan entscheiden lassen wird, um den Kin­dern eine Mutter, dem Lande eine spätere Königin zu geben. Entgegen den bisherigen Nachrichten soll die Prin zessin Luise bei der Mitteilung der Scheidung in Wein­trämpfe verfallen sein. Daß der Papst direkt oder in­direkt einen Einfluß auf die Prinzessin zwecks deren Ueber­siedelung nach La Metairie ausgeübt habe, erklärt das Blatt für unwahr. Die Prinzessin sei allerdings in einem Zustande tiefer seelischer Depression, man dürfe ihr aber nicht andichten, daß sie geistig gestört ſei. Selbstmordversuche habe die Prinzessin nie gemacht. Ihrer Reue würde fein rechter Glaube geschenkt, vor allem hielte Kaiser Franz Josef daran fest, daß sie sich nicht dauernd von Givon trennen wolle. Er habe deshalb der Verwendung der Großherzogin von Toskana für ihre Tochter kein Gehör gegeben. Doch wolle diese sich noch mals darum bemühen, daß ihre Tochter wenigstens ihre Kinder ab und zu sehen dürfe. Am toskanischen Hose sei man durch die Fassung des Urteils peinlich berührt. Giron, der wieder in Brüssel weilt, will eine Massen­flage gegen alle Blätter anstrengen, welche ihn als Erpresser und Verführer schildern. Er wolle sich gänzlich von der Prinzessin trennen, sobald dieser ein sie be

*[ Ein deutsch- franzöftsches Berbrüderungsiŋa. Im Bariser Ambigu- Theater wird gegenwärtig ein Rühr stück augeführt, das Die letzten Patronen" betitelt ist. Es behandelt eine oft erzählte, in vielen Bildern und Gedichten verherrlichte Episode aus dem deutsch- franzö­sischen Kriege. Der damalige französische Oberst Lam­bert verteidigte sich in einem Bächterhäuschen bei Ba­zeilles mit einem Häuflein Soldaten tapfer gegen die instürmenden Bayern unter dem Hauptmann Lijfig­nols, und die kleine Schar streckte nicht früher die Waj fen, als bis die legten Patronen verschossen waren und fast alle Verteidiger des Pächterhauses als Tote oder Schwerverwundete den Kampfplaz bedeckten. Hauptmann Lissignolo drückte den überlebenden Franzosen ob die­ser heldenmütigen Verteidigung einer unhaltbaren Po sition seine höchste Bewunderung aus und ließ sich zv dem lebensgefährlich verwundeten Kommandanten Bam­bert führen, dem er tieferschüttert die Hand reichte Jezt gibt nun das im Ambigu" aufgeführte Stück einem französischen Blatte Veranlassung, eine Art Fort segung der ,, Episode von Bazeilles" zu erzählen: Ginige Jahre nach 1870 machte ein Offizier vom Regiment des Obersten Lambert eine Studienreise nach Deutschland, auf welcher er auch München berühren sollte. ,, Erkun digen Sie sich doch nach Lissignolo," sagte ihm Oberst Lambert, der inzwischen gesund geworden war, beim Abschied ,,, und bringen Sie mich ihm in Erinnerung." In München besuchte der Offizier Herrn Lissignols, der dort als Major a. D. lebte, und entledigte sich des Auftrages, den ihm Lambert gegeben. Kaum hatte Lissig nolo den Namen Lambert gehört, als er von seinem Siße aufsprang und ausrief: Lambert! Lambert ist nicht tot! Und wir trauern um ihn." Dann rief er seine Frau und seine Tochter und sagte, ohne sie vorher von dem Gegenstande der Unterhaltung in Kenntnis gesezi zu haben, mit vor Rührung zitternder Stimme: ,, Wir hatten uns getäuscht! Er ist nicht tot." Und die beiden Frauen weinten, und der französische Offizier fühlte wie auch ihm ein Tränlein ins Auge stieg. Es gibt doch noch gute, liebe Menschen!

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[ Eine russische Straßenbahnscene.] Aus Jaroßlan wird russischen Blättern folgendes Geschichtchen berichtet: Einen Wagen der Jaroßlawschen elektrischen Straßenbahn besteigt eine verabschiedete ,, Exzellenz". Sie nimmt einen Plaz in der ersten Klasse des Wagens ein und blickt von hier aus mit großem Mißvergnügen auf das in demselben Wagen befindliche sehr gemischte Publikum, das in der zweiten Klasse sitzt. Der Wagen seßt sich endlich nach langem Warten in Bewegung, rollt aber fast im Schnecken­gang dahin, womit die Exzellenz, wie man es an ihrem Gesichtsausdruck wohl wahrnehmen kann, durchaus nicht zufrieden ist. Mit Ungeduld schaut die Exzellenz durch die Fenster des Wagens uno ruft endlich mit gebieterischer Kommandostimme: Anhalten!" Man vernimmt den scharfen Ton einer Glocke, der Wagen vermindert die Schnelligkeit seiner Fahrt und hält endlich vollständig an. Die Exzellenz steigt hierauf gravitätisch aus dem Wagen und wendet sich zum Kondukteur mit folgendem Befehl: ,, Sieben Minuten auf mich warten!" Der Kondukteur er­laubt sich sehr bescheiden zu bemerken: Exzellenz, es ist uns streng verboten, unterwegs auf irgend einen Bassa­gier zu warten." Still geschwiegen!" brüllt die Erzel­lenz. ,, Hast du nicht gehört, was ich dir befohlen habe? Es ist dir gesagt worden, daß du parten sollst, und du hast zu warten!" Hierauf musterte die Exzellenz mit dra­hendem Blicke den ganz zerschmettert dastehenden Kon­Sutteur, wendet sich ab und geht in ein Haus hinein. Der Kondukteur aber kraut sich den Kopf und wartet ge­duldig, bis es der Exzellenz gefällig ist, zurückzukommen und die Erlaubnis zur Fortseßung der Fahrt zu geben. Das übrige Publikum murrte natürlich darüber, aber nur ganz leise und verstohlen.

In Paris verwundete der Graf Contades Merz auf offener Straße mit einem Revolverschuß den Verführer seiner Frau, seinen Hausarzt Dr. Bouchet, während die­ser mit der Gräfin von einem Stellbichein kam. Die Verlegung Bouchets ist nicht lebensgefährlich.

Wie aus Krakau gemeldet wird, explodierte beim Bau eines Tunnels in der Nähe von Chrow eine Dyna­mitpatrone zur unrichtigen Zeit, und mehrere Personen wurden aetötet. andere verletzt.

Kurzes Allerlei. Eine alte Bäuerin, welche fürzla auf der Bregenzerwaldbahn nach Bregenz fuhr, be­merkte, daß sich in dem betreffenden Zuge viel mehr Fremde als Vorarlberger befanden. Dies ärgerte sie und bei der nächsten Haltestelle sagte sie zu einigen Frem­den: Jetzt macht, daß Ihr hinauskommt, die Bahn gehört uns Vorarlbergern!"

-Ein bejahrter Mann ist kein alter Mann. Der ein­undneunzigjährige Moses Hönig in der ungarischen Stadt Tisova, welcher den 48er Freiheitstampf als Honvéd- Feld­webel mitmachte, hat sich mit einer sechzigjährigen Frau ( Fräulein?) vermählt. Das ,, junge Paar" zählt zusammen anderthalb Jahrhunderte.

Das Beste aus den Witblättern. Moderne Ehe. Herr: Ihr Mann tut mir immer leider geht in so ärmlicher Garderobe und traut sich kaum ein Glas Bier zu trinken." Frau Doktor: Ja, er muß erst meine Schulden aus der Studentenzeit bezahlen!" Kostspieliger Ehrgeiz. ,, Schon dreiviertel Jahr schulden Sie mir die Miete Sie müssen jetzt aus ziehen!" Was glauben Sie denn, ich ziehe aus, ohne bezahlt zu haben?! Niemals!!"

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Billiger Vorschlag. ,, Kaufen kann ich dir feinen neuen Theatermantel, liebe Rosa, aber ich will dir suggerieren lassen, ich hätt' dir einen gekauft."( Fl. BL.) Das Ziel. Dichterling( der auf einer Auktion einen großen Krug Tinte erstanden hat, für sich): ,, Na, wenn ich den leer gedichtet habe, werde ich wohl unsterb­lich sein."

Frechheit. Räuber( zum Ueberfallenen): Ihre einzige Banknote, die ich Ihnen abgenommen habe, scheint mir noch nicht einmal echt zu sein schließlich komme ich Jhretwegen noch mit der Polizei in Konflikt."

Ein nobler Chef. Chef: ,, Heute können die Herren einmal um sechs ühr fortgehen, weil mein Na­menstag ist." Buchhalter: Das wird schwer gehen, Herr Kommerzienrat, es ist nämlich schon acht Uhr."

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- Entschuldigung. Sie sind Automobilist, Herr Baron? Haben Sie auch schon Menschen überfahren?" ,, Nur zwei, Gnädigste, ich bin noch Anfänger."( M. H. BL.)

Hellischer Landtag. Darmstadt, 13. Febr. Die Zweite Rammer nahm vorgestern ihre Beratunge wieder auf. Der erste Präsident Geh. Reg.- Rat Haas er öffnete die Sigung um 10 Uhr 40 Min. Für giltig er flärt werden die Wahlen der Abgg. Reinhart, Reh, Schön berger, Möllinger, Bennrich, Dr. Gutfleisch, Braun, Lang Seelinger, Jous und Schmalbach. Die übrigen Wahlprüf ungen werden von der Tagesordnung abgesezt. Eine An zahl zur vorläufigen Beratung stehender Gegenstände wir zumeist den zuständigen Ausschüssen überwiesen.

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Sierauf wird in die Beratung des Hauptvoranschlag der Staats- Einnahmen und-Ausgaben für 1903/04 einge treten mit einer Generaldebatte, in der zunächst Finanz minister nauth das Bort ergreift. Derselbe giebt eine Erläuterung der allgemeinen Finanzlage, die zwar nicht allzu günstig sei, aber auch feinen Anlaß zu Kleinmut biete.

Hierauf giebt Abg. Möllinger einige Erläuterungen zum Bericht des Finanzausschusses. Abg. Molthan legt die Stellungnahme seiner Freunde zur allgemeinen finanziellen Lage dar. Staatsminister Rothe erwidert auf einige feiner Ausführungen, worauf Abg. Ulrich Bertagung auf Freitag früh 9 Uhr beantragt; das Haus stimmt dem zu, vorher sollen die Anträge der Abgg. Haas und Reinhart auf Wahl bon Sonderausschüssen für die Wahlrechtsvoriage und di Aenderung der landständischen Geschäftsordnung zur Beratung gelangen. Darmstadt, 13. Februar.

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Präsident Haas eröffnete die Sigung. beschloß dem Antrag Haas- Darmstadt und Gen., der die Wahl eines Sonderausschusses zur Vorberatung der gierungsvorlage, die Landstände betr., berlangt, zuzu stimmen, sowie den Antrag Haas and 44 Genossen, betr

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in der Sozia wie er dies he der Ansicht Seuchelhe

bie Revision der landständischen Geschäftsordnung ebenfalls Beigeordneter

einem Sonderausschuß zu überweisen. Die Wahl der Aus schußmitglieder soll später stattfinden.

Es erfolgte nachdem die Generaldebatte über den Etat. Abg. Ulrich bemerkt dazu, daß unsere Finanzlage eine un günstige sei. Es bleibe ein Defezit von über zwei Mia. Mt. zu dicken, eine außerordentlich hohe Summe, für die mar fast sämtliche Reserven heranziehen müsse. Die vom Finanz minifter im vorigen Jahre ausgesprochene Hoffnung, daß wir die beschlossene Erhöhung der Vermögenssteuer von 55 Pfg auf 75 Pfg. bald wieder würden fallen lassen fönnen, sei einfach unerfüllbar. So stehen wir denn vor der Frage: Was nun? Und da antwortete er furz: Er

höhung der Bermögenssteuer, stärkere Progession derselben und der Einkommensteuer bei den großen Einkommen, viel leicht auch eine weitere Ausdehnung unserer Erbschaftssteuer. Auf die Nebenbahnen kommend, sagte Ulrich: Wenn jemand behauptet habe, daß man einen Nebenbahnsport in Hessen treibe, so müsse er das entschieden zurückweisen. Der Bau von Nebenbahnen sei eine höchst wichtige Kulturarbeit. Finanzminister nauth widerlegt in längeren Aus. führungen die vorgebrachten Beschwerden.

Eine längere Geschäftsordnungsdebatte entspinnt sich über einen Antrag des Abg. Dr. Gutfleisch, in Bufunft den Samstag regelmäßig von Rammersizungen frei zu halten, wie den Montag. Dann habe jeder Abgeordnete 3 aufeinanderfolgende Tage für die Erfüllung seines bürger lichen Berufes frei. Präsident Ha as weist dem gegenüber auf das Recht des Bräsidenten hin, die Zeit für die Siz ungen nach seinem Ermessen zu bestimmen. Abg. Rein hart erklärt sich nur dann mit dem Antrag einverstanden, wenn wenigstens noch allwöchentlich eine Nachmittagsfizung abgehalten würde. Abgg. Dr. Heidenreich und Cramer sind für, Abg. Erk ist gegen den Antrag. Staatsminister Rothe erklärt auf Befragen des Präfi­denten, daß die Regierung nicht gegen die Freilaffung des Samstage sei. Der Antrag Gutfleisch wird schließlich mit großer Mehrheit angenommen, ebenso der Antrag wöchent lich je eine Nachmittagssigung abzuhalten. Hierauf Fort setzung der Generaldebatte des Etats. Finanzminifter Gnauth bemerkt, er würde sich freuen, einmal in der Staats­taffe mit glänzenden Ueberschüssen rechnen zu können. Er wolle aber die Mitglieder des Hauses heute nicht ausein­ander gehen lassen, ohne ihnen noch einen Beweis für das Vertrauen in die Bufunft zu geben. Dieser Beweis sei ous einem anderen Lager als den bisher hier berührten, nämlich von der Börse. Er habe gestern eine neue hessische Staatsanleihe zu drei Brozent im Nominalwert von 252 Millionen Mark zum Abschluß gebracht und zwar zu 90,93.

Sihung der Stadtverordneten.

W. Gießen, 12. Februar. ( Schluß.)

Die Firma Jäger u. Rumpf, welcher mit Genehmigung der Bersammlung freihändig die Weiterführung des Siel baues entlang der Lahn übertragen worden ist, beantragt

ihr die normierten

10.000 Marf Raution welche sie eigentlich für die gute Ausführung der Arbeit zu stellen hat, in Rücksicht darauf zu erlassen, weil die Firma der Stadt erstens bereits eine Sicherheit von 15000 m. ge leistet hat und durch die verträgliche Einbehaltung von 10% für den Wert der fertig gestellten Arbeiten die Stadt weitere 7500 Mt. Sicherheit in Händen hat und weil weiter durch diese 10% die Stadt nach Fertigstellung der zuerst surch Submission übernommenen Arbeiten durch Jäger u. Rumpf der Stadt weitere 7500 Mt. zufließen also im Ganzen 30 000 Mt. Sicherheit für die Stadt vorhanden sein wird. Tiefbauamt und Bau- Deputation schlagen vor, der Firma zur Zeit die Rautionsstellung zu erlassen. nach Fertigstellung der übernommenen Arbeiten aber außer den schon gestellten 15000 Mt. Raution von Jäger u. Rumpf durch den 10% Abzug gebildeten Gut­haben weitere 8500 Mt.als Raution zurückzubehalten, womit die Versammlung sich einverstanden erklärt. Bur Teilung des Zeichensaales der Stadtknabenschule, um darin

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