Ausgabe 
14.2.1903 Erstes Blatt
 
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18.

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vorübergehend 2 Klaffen unterzubringen, werden 500 Mt., zur Anschaffung von Schulbänken zc für diese Klassen 660 Mt. gefordert und von den Stadtverordneten bewilligt. Die Stadt Dresden hat beschlossen, bei der Reich regierung vorstellig zu werden, damit das Reich die Pension der für die Oktroierhebung im städtischen Dienst fret wer­denden fest angestellten Beamten, falls das Oftroi mit dem Jahre 1910, dem Beschlusse des Reiche tags entsprechend, in Fortfall tommt, auf das Reich übernommen wird. Ob­gleich für Gießen nur der Oftroi Inspektor in Frage fommt, hat die Finanz- Deputation beantragt, man möge sich dem Antrag der Stadt Dresden anschließen, welchen Antrag die Bersammlung zum Beschluß erhebt. Der durchschnitt iche Tagelohn wird für Gießen für die Zwecke der Invalidengesetzgebung wie er bisher war neu festgesezt.-

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Ein Antrag der Gemeinde Lollar wegen Beteiligung am Gewerbegericht Gießen hat die Sozialpolitische und die Finanz- Deputation beschäf­tigt, welche beide der Ansicht sind, der Zeitpunkt, um dem Antrag zu entsprechen, sei augenblicklich recht ungeeignet. Die Bahlen zum Gewerbegericht müssen endlich vorgenommen werden und sind bereits ausgeschrieben, man will auch die Aufregung einer Gewerbegerichtswahl in einem Jahre zwei Mal vermeiden und die Wahl würde, wolle man dem An­trage Lollar näher treten, im Herbst dieses Jahr neu vor zunehmen sein. Stadtv. Krumm bedauert verhindert ge­wesen zu sein bei der Beschlußfassung über diesen Antrag in der Sozialpolitischen Kommission, er hatte dafür gestimmt, wie er dies heute in der Versammlung auch tun werde. Er würde der Ansicht Ausdrud gegeben haben Lollar, Wieseck, Heuchelheim 2c. an unser Gewerbegericht anzugliedern. Beigeordneter Georgi erflärt, daß Krumms Wünsche eine gewisse Berechtigung haben Gewiß würden jene Orte gern einen Teil der Kosten übernehmen, aber außer andern schwer wiegenden Bedenken sei die Frage schwer zu lösen, wer wird den Vorsitz bei einem erweiterten Gewerbegericht übernehmen, dem Oberbürgermeister diese Arbeitslast aufzu­bücben, sei nicht angängig. Wird man später erst in der Lage sein, einen ständigen Vorsitzenden für die gewerbliche Rechtsprechung beschäftigen zu fönnen, dann läßt sich die Sache weiter behandeln, dann kann man derselben näher treten, er halte darum den gemachten Borschlag der Sozial­politischen Kommission für richtig. Stadtv. Loeber wünscht eine Prüfung wie viel Arbeiter falls Lollar zum Gewerbegericht Gießen zählen würde, dessen Rechtsprechung dann mehr unterstehen. Stadtv. Orbig wünscht man möge den Fall formell anders behandeln, man möge heute prinzipiell sich dahin aussprechen, daß man für ein erweiter tes Gewerbegericht später zu haben sei. Stadtv. Seichel­heim ist der Ansicht, daß der Zeitpunkt für ein erweitertes Gewerbegericht erst gekommen sein wird, wann wir die Kaufmannsgerichte haben, die ja den Gewerbegerichten an­gegliedert werden sollen. Der Oberbürgermeister erklärt, das was der Kollege Orbig wünscht, sei ja schon im An­trag der Sozialpolitischen Kommission gesagt, worauf die Bersammlung deren Antrag in der Sache zum Beschluß erhebt. Oberbürgermeister Mecum hat den Antrag ge= stellt einen städtischen Wohnungs- Nachweis zu errichten. Kosten würden, wie der Antragsteller ausführte, der Stadt daraus nicht erwachsen, da die Einrichtung an den städtischen Arbeitsnachweis angegliedert werden würde und dessen Beamte einen erheblichen Mehraufwand an Arbeit dadurch nicht erwachsen wird. Die Mieter von Wohnungen sollen dieselben kostenlos nachgewiesen erhalten, nach seiner Ansicht sollte die Vermietung von fleinen Wohnungen überhaupt für beide Teile fostenlos geschehen und erst bei Wohnungen mit einem jährlichen Wohnungspreis von über 500 Mt. von dem Vermieter eine Gebühr von 1 Mt. er­hoben werden. Die sozialpolitische Komm ssion beantragte mit 3 gegen 2 Stimmen; die Versammlung wolle beschließen den Wohnungsnachweis einzurichten vom Vermieter aber bei Wohnungen zu 300 Mt. 20 Pfg., zu 500 Mt. 50 fg. und über 500 Mt. Jahresmiete 1 Mt. Gebühren erheben zu lassen. Der Oberbürgermeister rechtfertigt in­gehend die Vorteile der Einrichtung eines städtischen Woh­nungsnachweises für Vermieter und Mieter besonders aber würde dieser wohlthätig wirken im Interesse der fleinen Leute, welche billige Wohnungen brauchen und suchen. Stadtv. Ballenfels begrüßte mit Freuden den Antrag Mecum, der einem gewissen Bedürfnis entspreche. Stadtv. Heichel­heim hat die Ansicht, für Vermietung großer Wohnungen bedarf es der Einrichtung nicht, denn solche Wohnungen vermieten sich von selbst. Für die Miete von fleinen Wohn­ungen könne der Wohnungsnachweis ein Bedürfnis sein, darum wolle er nicht dagegen stimmen. Stadtv. Betri

Bei den

befürchtet für die Folge durch die zu schaffende Einrichtung eine allzugroße Belastung des Beamten der damit betraut werden soll und es sei zu befürchten, daß es später doch zu einer Anstellung, wenn auch nur einer jungen Kraft tommen wird. Stadtv. Krumm ist bei der Unruhe die in der Versammlung herrscht und weil er auch leise spricht, für die Berichterstatter nicht zu verstehen. Beigeordneter Georgi erklärt sich für die Vorlage, es wäre ihm aber sympathi­scher, wenn man Wohnungen zum Mietspreis von 300 Met. und darunter kostenlos vermitteln würde. Stadtv. Hanau spricht sich ganz entschieden dagegen aus.- Der Woh nungsnachweis wird dem Antrag der Kommiffion entspre­chend und ebenso die hierzu festgesezten Sagungen von der Versammlung angenommen.

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Wegen der Bullenhaltung interpelliert Stadtv. Loeber den Oberbürgermeister. Die Versammlung habe vor längerer Zeit Beschluß gefaßt, Bullen Simmenthater Rasse einzustellen, es sei auch dieserhalb ein Ausschreiben erfolgt, man habe aber in der Versammlung nichts weiter gehört, wer den Zuschlag erhalten. Der Ober­bürgermeister bemerkt, daß Herr Simon der Mindestfordernde gewesen und daß diesem auch der Zuschlag erteilt werden wird. Wegen einer

Eingabe von 15 Kunst- und Handelsgärtnern an die Bürgermeisterei resp. die Stadtverordnetenversamm lung interpelliert Stadtv. Hanau und bemerkt, daß er zwar nicht wisse was in der Eingabe stehe, dieselbe solle aber wie ihm versichert worden sei, vom 16. Juni v. J. datieren und er frage an, wie es mit dieser Angelegenheit stehe. Der Oberbürgermeister erklärt die Sache sei jetzt erst durch die Kommission spruchreis geworden und werde demnächst der Versammlung zugehen. Es stehe aber zu erwarten, daß die Versammlung den Antrag der Gärtner ablehnen werde.

Giessener Cagesneuigkeiten.

** Bund deutscher Bodenreformer. Eine kleine, aber ausgewählte Schar von Männern war es, die sich Mittwoch Abend im Cafe Ebel zusammenfand, um einer Einladung des Bundes deutscher Bodenreformer zur ersten Vereinssizung Folge zu geben. Nach ein­leitenden Worten des Einberufers Herrn Dr. Vogt erhielt das Wort Herr Generalagent Schmidt, um über Boden reform und Stadtgemeinde zu reden. Lebhaft gestaltete sich die anschließende Diskussion. Herr Oberbürger­meister Me cum berichtete von den Stadterweiterungs­fonds, und von Wünschen, die die neue Bauordnung hoffentlich erfülle. Weiter hörte man durch ihn und durch Herrn Dr. J. A. Meyer, der die Gießener Boden- und Wohnungsverhältnisse zum Gegenstand seiner besonderen Studien gemacht hat, von Gießener Bodenpreisen, von auch hier befindlichen Monopolbe­strebungen aus den letzten Jahren. Die erste Vereins­fizung schloß mit der Wahl eines Ausschusses, bestehend aus Vertretern der verschiedensten Parteilagern.

** Dienstag wird Herr Pfarrer Schulte aus Beuern im Cafe Ebel einen Vortrag über die Spinn­stuben im nördl. Oberhessen halten. Der Vor­tragende ist einer unserer besten Kenner des Ober­hessichen Volkslebens, und der von ihm gewählte Gegen­stand wird gewiß in weiten Kreisen lebhaftem Interesse begegnen. Wie aus der Annonce im heutigen Blatte ersichtlich ist, sind auch Gäste willkommen.

Die Plazmusik findet morgen auf der Südan­lage mittags 12 Uhr mit folgendem Programm statt: Krönungsmarsch Krönungsmarsch von Mayerbaer; Dankgebet von Vallerius, Valsebleu von Marquis, Fantasie über Ver­lassen" von Reindel.

** Die Contentia hält morgen Sonntag in beiben Sälen von Stein's Etablissement ihr Mastenkränzchen ab. Es bedarf wohl feines besonderen Hinweises, daß gerade die Festlichkeiten dieses Vereins sich immer eines großen Zuspruches erfreuen. Dieses Mal möchten wir aber doch noch besonders darauf hinweisen, daß etwas Gediegenes und Neues auf dem Programm mit steht; also doppelt zahlreich die Mitglieder sich einfinden sollten.

[ Privattelegramm.] Bei der heute Vormittag er­folgten Ziehung der 5. Klasse der Hessisch- Thüringischen Landeslotterie wurden folgende Nummern mit den Hauptgewinnen gezogen: Die Prämie von 60 000 Mt. auf Nr. 50578, welche zuletzt mit 20 000 Mt. gezogen wurde( nach Oldenburg), 40 000 Mt. auf die Nr. 50 848( nach Offenbach), 10 000 Mt. auf Nr. 53 842 ( nach Offenbach), je 5000 Mt. auf Nr. 63 193 und 85 109 nach Offenbach, je 3000 Mt. auf Nr. 51 364 ( Oldenburg) und 89 711, je 2000 Mt. anf Nr. 20 033,

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in der Nähe von Sungen niedergelassen. Ein Ein Gesund beter hat sich in einem Dorfe Bauersmann hatte dem frommen Mann auch seine Frau zum Gesundbeten überlassen. Ferner hatte der Heilige an einem noch nicht 14 Jahre alten Mäd­chen sein Stur angewendet, dabei aber den§ 176 Ab­fab 3 außer Acht gelassen. Hierdurch kam die Sache sonderbare Heilige dadurch entziehen wollte, indem er zur Kenntnis der Staatsanwaltschaft, der sich der einen Selbstmord- Versuch ausführte. Jezt liegt der Geſundbeter im Krankenhause wo hoffentlich die Kunst der Aerzte den Heiligen wieder soweit curiert, damit er sich vor dem Gießener Landgericht verantworten fann.

Aus Hessen und nachbargebieten.

Holzheim, 11. Febr. Bei der heute stattge­habten Neuwahl des Bürgermeisters hat Holzheim wiederum Zeugnis davon abgelegt, welch schönes Ver­hältnis zwischen Ortsoberhaupt und Einwohner besteht. Der seitherige Bürgermeister Herr P. Kloß wurde ein­stimmig mit 230 Stimmen( ca. 90% der Wählerschaft) zum dritten Male wiedergewählt.

Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde.

Ju der Stadtkirche. Sexagesimae. Sonntag, den 15. Februar. Gottesdienst.

Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Scheunemann. Bormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst.

Pfarrer Euler. gemeinde. Pfarrer Scheunemann. Nachmittags 2.30 Uhr: Kinderfirche für die Marfut­

Abends 6 Uhr: Siehe Johannesfirche. Donnerstag, den 19. Februar, abends 8 1hr im unteren Konfirmandensaal, Kirchstr. 9, Bibelstunde. Marc. 6. Pfarrer Scheuneman.

In der Johanneskirche. Bormittags 9.30 Uhr: farrer uler. Nachmittaps 2 Uhr: Kindergottesdienst für die Pufas­gemeinde. Pfarrer Euler.

Abends 6 Uhr Pfarrer Dr. Naumann. Sonntag, den 15. Februar, abends 8 Uhr Versammlung und Bibelbesprechung im Konfirmandenfall der Joannes­firche. Phil. 2, 1-11.

Montag, den 16. Febr., abends 8 Uhr Bibelstunde im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Pfarrer Euler.

Katholische Gemeinde.

Svuntag, den 15. Februar. Sexagesima. Bormittags von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. um 7 Uhr: Die erste heil. Meffe, vor und in derselben usteilung der heil. Kommunion. um 8 Uhr: Die zweite hf. esse.

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Militär gottesdienst mit Predigt.

um 9.30 Uhr: Hochamt mit Bredigt. achmittags um 230 Uhr: Christenleyre; darauf fatra­mentalische Brudschafts- Andacht.

Methodistengemeinde, Asterweg 16. Sonntag, den 15. Februar, abends 8 Uhr Predigt. Mittwoch, den 18. Frebruar, abends 8 Uhr. Bibelstunde.

Marttbericht.

Gießen. 14. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarlt lofteten Butter per Pfd. 0.85-1.00 Mr. Hühnereter 1 St. 7-8 Bfa., Entencier St. -00 Bfg., Käse per St. 5-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Bfg.. Erbsen ver Liter 21 Bfg., Linsen per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar T. 0.80-1.10, Hübner per Stud Mr 1.00-150, Hahnen, ber Stüd Mt. 0,90-2.40, Enten per Stid 2.00-2.50, Gänie p. Bid.

54-60 Bfg., Ochsenfleisch per Pfd. 66-76 Bfa, Rindfleisch

per Bfb. 60-66 Pfg. Schweinefleisch per Pfo. 66-76 Big. Schmeine­fleisch gesalzen per Pfund 0.80 Bfa., Kalbfleisch per Bfd. 66-72 Bia., Hammelfleisch ber Pfd. 52-72 Bfg., Kartoffeln per 100 til 6.50-7.00 Mt., Zwiebeln per 3t. Mr. 6.00-7.00, Milch ber Liter 18 Bfg.

Drud und Verlag der Gießener Verlagsbruderei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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