Ausgabe 
12.9.1903 Erstes Blatt
 
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Was ist Wahrheit?

Mit bewundernswerter Standhaftigkeit fehrt in verschiedenen landwirtschaftlichen Fachblättern die Lehre von dem hohen Wert des phosphorsauren Stalfes wieder. In endlosen Tiraden singen die Anzeigen und der gert das hohe Lied vom Futterfalf; in den meisten Fällen mag man ja im guten Glauben handeln; aber sollte sich denn wirklich kein Fachmann finden, der den Kon­sumenten Aufschluß giebt über die horenden llebertreib ungen, die bei dieser Reklame unterlaufen? Fürwahr, das wäre ein Armutszeugnis, wie man es im Interesse unserer Landwirtschaft nicht annehmen darf. Es ist eine altbekannte Sache, daß Stalf- und Phosphorsäure in einigen Futtermitteln, wie Hackfcüchten, Getreidestroh, Heu von saur n oder sandigen Wiesen, nicht in so ge­nügender Menge vertreten ist, daß daraus der gesamte Bedarf des tierischen Organismus gedeckt werden könnte. Eine Ernährung des Milchvichs ausschließlich mit solchem Futter ist darum unrentabel; ebenso wird bei der Aufzucht mit derartiger Nahrung niemals ein be­friedigendes Resultat zu erzielen sein. Dies liegt aber nicht allein an dem Fehlen der Mineralstoffe, sondern es lommt dabei auch das Manto organischer Nährstoffe in Betracht. Wollen wir diesem leßteren Mangel ab Helfen, so werden wir in den weitaus meisten Fällen auch den Gehalt des Futters an Kalf und Phosphor­säure aufbessern, denn diese genannten Kraftfuttermittel

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stroh 2c bietet reichliche Mengen Kalf. Eine sachge mäß zusammengefeßte Ration wird darum durchgehends alle Min ralbestandt ile in größtenteils genügender Menge darbieten. Was speziell die Ausbildung eines sta fen Stnochengerüsts beim Jungvich anbetrifft, so ist von einem richtig ausgewählten Futter alles, von dem Futterfalk aber so gut wie nichts zu erhoffen. Man verstehe uns recht Der Futterfalt fann unter günstigen Umständen verdaut, in das Blut übergeführt werden, auch ist es möglich, daß er zur Neubildung von Knochen masse Verwendung finden fan; aber wo ist der übe. zeugende Beweis dafür? Die Urteile aus der Praxis gehen in dieser Beziehung weit auseinander; nur wenige Landwirte wollen, wenn es sich um die Her ausbildung starker Knochen und nicht um Knochenfrant­heiten handelte, einen Vorteil in der Verabfolgung von Futterfalk gefunden haben, während die Mehrzahl einen zweckentsprechenden Nutzen in Abrede stellt. Letzteres ist auch sehe wahrscheinlich, wenn man be­deuft, daß der Kalk in den Futtermitteln a organische Stoffe gebunden ist und erst mit diesen, besonders mit den Eiweißkörpern zusammen zu tierischer Substanz ver­arbetet wird Wir können uns voll und ganz dem Urteile anschließen, das Dr. Gräfe in seiner Fütter ungslehre fällt: Wollen wir leistungsfähige Tiere mit einem gefunden, fräftigen Knochenbau heranziehen, so müssen wir, meiner Ueberzeugung nach, den phosphor­sauren Stalk mit den übrigen Nährstoffen chemisch ver­

nächste Ziebung am 15. Septbr. cr.

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heu verabreichen. Dasselbe gilt auch für die Ernähr ung tragender Mühe, um eine gute Entwickelung des Embryos im Mutterleibe herbeizuführen." Dabei braucht die Fütterung feineswegs fostspielig zu sein, namentlich wenn man darauf bedacht ist, den Lieren eine derart leistungsfähige Verdauungskraft zu schaffen und zu erhalten, daß eine bis an die Grenze der Mög. lichkeit gesteigerte Ausnutzung der Nährstoffe stattfinden kann. Zu diesem Zwecke bedient man sich heute in vielen tausenden landwirtschaftlichen Betrieben mit dem größten Vorteil des altbekannten Milch- und Mast­pulvers ,, Bauernfreude". Dieses Diätetikum ist vermöge seiner meisterhaften Zusammensetzung als unübertrefflich zu bezeichnen, es hebt den Appetit der Tiere, stärkt die Verdauung und erhöht die Ausnugung des Futters; ebenso sorgt es für regelmäßige und leichte Ausscheid­ung der Erkremente. Daß" Bauernfreude" die Ren­tabilität der Viehhaltung erhöht, ist aus der gesteigerten Leistungsfähigkeit der Tiere und der Hebung des Ges ſundheitszustandes derselben tausendfach praktisch er­wiesen. Kein vernünftiger Landwirt wird daher die geringe Ausgabe für Bauernfreude" scheuen. Er wird sich im Gegenteil von der Chemischen Fabrik Th. Lauser in Regensburg sogleich eine Probe kommen lassen, und wir sind sicher: Der Versuch führt bestimmt zu Nachbestellungen, da der Nußen, den Bauernfreude" bietet, sehr rasch und klar zu Tage tritt.

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FELD

Nr.

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Samstag, den 11.

September

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1903.