Ausgabe 
11.7.1903 Erstes Blatt
 
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Sikung der Stadtverordneten.

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Beltershain. Am Sonntag findet das Bezirks­friegerfest hier statt. Die Leitung liegt in bewährten Händen, so daß das Fest, zu dem eine Anzahl auswärtiger Vereine erwartet werden, gut zu werden verspricht.

+ Rothenburg. Am 1., 2. und 3. August wird hter das sechste hessische Bundesschießen abgehalten werden. Die Vorbereitungen sind schon in vollem Gange.

|| Usingen. Unsere Stadt beabsichtigt ein Elektrizitäts­werk zu bauen.

Gemünden a. W. Nächsten Sonntag findet ein Vortrag eines Ingenieurs über die geplante Wohrathalbahn statt.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruderet, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1873) für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

* Die gestern Nachmitttag stattgefundene Beerdigung| stellt. Mit einer Weiherede wird die Fahne überreicht. Eine des Ortsgerichtsmannes und Defonomen Christian große Anzahl Vereine wird an der Feter teilnehmen. Haubach I fand unter selten zahlreicher Beteiligung seitens der Bevölkerung Gießens statt. Der Veteranenverein, dessen Mitbegründer der Verstorbene war, und der evang. Kirchenvorstand gaben ihm mit umflorter Fahne das letzte Geleit. In der Friedhofskapelle hielt der amtierende Geist­liche Pfarrer Dr. Naumann, eine wirklich ergreifende Leichen­rede; schilderte den Verstorbenen als einen Mann der Arbeit und des Verdienstes. Wir bedauern nur, daß die Leichen­halle nur Raum für etwa den 20. Teil der Erschienenen hatte. Nach der Feier in der Kapelle erfolgte die am offenen Grabe. Hierbei ereignete sich nun etwas, was in der Geschichte Gießens noch nicht dagewesen ist. Herr Pfarrer Dr. Naumann hatte nach altem evang. Kirchengebrauch, der bisher bestand, wenn auf einem neuen Friedhof der erste Erwachsene im Beisein eines Geistlichen bestattet wird, die gesamte evang. Bevölkerung eingeladen, und der Knaben- und Mädchenchor sollte mit dem Gesang einiger Kirchenlieder zur Erhöhung der Feier mit beitragen. Was hörte die Versammlung aber? Statt der auch in unserer Zeitung angekündigten Weihrede, statt des Grabgesanges, hörte und vernahm man eine mit lauter Stimme verlesene Erklärung des amtierenden Geistlichen. Wir bitten unsere verehrl. Leser und Leserinnen den Artikel Der neue Friedhof" auf gegenüberstehender Seite hier zur gefl. Kenntnis zu nehmen. Eine gewisse Unruhe und Er­regung war während der Verlesung dieser Erklärung unter den Anwesenden zu verspüren. Die ganze hieran sich an­schließende Amtshandlung des Pfarrers bestand dann in der Verrichtung des Gebetes und der Einsegnung der Leiche. am 11., 12. und 13. Juli 1903 Es erfolgte zum Schluß das Niederlegen eines Lorbeerkranzes durch Herrn Louis Petri III. im Namen des Veteranen­Vereins und eines zweiten Kranzes durch den Ortsgerichts­vorsteher Herrn Groos.

W. Gießen, den 10. Juli 1903. ( Schluß). Die evang. Kirchengemeinde hat den Antrag eingebracht, hinter der Johanniskirche zur Beleuchtung des Weges zwischen Schoorgraben und Kirche eine Gaslaterne aufzustellen und begründet den Antrag damit, daß bei der dort herrschenden Dunkelheit des Abends junge Burschen und Mädchen aller­hand Unfug treiben. Die Deputation schlägt vor die Laterne dort aufzustellen, wenn die Kirchengemeinde die Kosten der Beleuchtung mit jährlich 67 Mark übernimmt. Stadtv. Krumm äußerte, die Stadt und nicht die Kirche habe den Beruf hier für Ordnung zu sorgen und damit dem Zustand hinter der Johanniskirche, der zum Himmel schreit, ein Ende gemacht wird, soll die Stadt auch die Kosten der Beleuch tung tragen. Stadtv. Loeber spricht sich eben dahin aus. Stadtv. Het helheim will, daß die Polizei an diesem Blaze mehr kontrolliere. Stadtv. Schaffstaedt ist der Ansicht, die Kirchengemeinde soll einfach den Weg abends durch ein Gitter, welches ja bei Tage offen stehen kann, absperren. Stadtv. Wallenfels meint, man fönne die in der Nähe aufgestellten Laternen so verteilen, daß auch die dunklen Stellen erleuchtet werden. Stadtv. Schmall giebt dem Kollegen Krumm vollständig recht. Der Betrag von 67 Mark sei so geringfügig, daß die Stadt im Interesse der öffentlichen Sicherheit und Sittlichkeit denselben wohl aufwenden könne. Stadtv. Faber schlägt vor, daß die Versammlung sich die Situation an Ort und Stelle ein Mal ansehen soll, damit über die Sache entschieden werden fann. Damit ist man allseitig einverstanden. Für die Personenstandsaufnahme durch die Schußmannschaft werden wie alljährlich 300 Mark gefordert und bewilligt. Stadtv. Jughardt ist nicht gegen die Bewilligung und wünscht nur, daß die Beamten die Aufnahme sorgfältiger und zuver­lässiger besorgen, damit es nicht wieder vorkommt, daß Je­mand als Steuerzahler zwei Jahre in Gießen wohnt und demselben keine Steuern abgenommen werden können, weil es 2mal übersehen wurde ihn in das Personenstandsver­zeichnis aufzunehmen, wie dies tatsächlich vorgekommen sei. Der Oberbürgermeister bemerkt, daß Bersehen über­all vorkommen fönnen, er verweist aber darauf, daß wir ja nächstens über ein städtisches Steuerbureau ver­fügen werden, welches den Schußleuten die Arbeit abnimmt und daß es wohl die legte Bewilligung der Art sei, welche die Versammlung genehmigt hat. Zum Schluß bringt der Oberbürgermeister vor, daß wohl in Rücksicht auf den nächsten Punkt der Tagesordnung Ferien" in letzter Stunde bei ihm eine Reihe kleinerer Anträge eingegangen sind, die er noch zu erledigen bittet, obgleich sie nicht auf der Tagesordnung stehen.

a) Gesuch des Bauunternehmers Scheppelmann, Dispens um Vergrößerung eines Backsteinmacher häuschens am Wißmarerweg, der bewilligt wird. b) Antrag um Verlängerung der Gas- und Wasserleitung in der Bismarckstraße bis zum Schmidt'schen Neubau, wird ebenfalls genehmigt.

c) Urlaubsgesuche auf je 3 Wochen vom Baumeister Goebel, Bautechnifer Köhler und Stadtrechner Doepfer, welche nach Befürwortung durch den Oberbürgermeister bewilligt werden.

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-h- Akademische Vorträge. Der lezte der aka­demischen Vorträge findet am Freitag d. 17. Juli in der Universitäts- Aula statt. Herr Professor Dr. Albert, der uns mit nächstem Semester verläßt, hat als Gegenstand seines Vortrages gewählt: deutschen Landwirtschaft" und wird seine Darle­seines Vortrages gewählt: Sonst und jest in der legungen durch zahlreiche Lichtbilder erläutern.

d) Mitteilung daß die der Bersammlung schon vorgelegte Rechnung des Gas- und Wasserwerts für 1901/02 von den Stadtverordneten Heichel heim und Huhn geprüft und richtig befunden wurde, worauf die Ver­sammlung die abgeschlossene Rechnung gut heißt. e) Die 4 hiesigen Wohltätigkeits Vereine wollen am 2. Auguft im Philosophenwald ein Fest arrangieren, fie bitten um die Ueberlassung des Waldes zu diesem Zweck. Der Ertrag soll für Wohltätigkeits­zwecken in unserer Stadt Verwendung finden. Der Wald wird unter den üblichen Bedingen an die Ver­eine herzugeben beschlossen, ebenso sollen die von der Stadt für die Jugendfeste beschafften Spiele den Ver­einen zur Verfügung gestellt werden.

Das 5. Mitteldeutsche Bundesfest der Fleischergehilfen Gießens wird sich, wenn das Wetter ihm günstig ist, zu einem recht großartigen gestalten. Ein Festzug, der sich morgen Mittag durch die Straßen bewegt, weißt verschiedene Gruppen auf, so wird unter anderem auch die Bundeslade der Mezger, die das ehrwürdige Alter von ca. 300 Jahren hat und sich seit 1899 im hiesigen Museum befindet, im Zuge mitgeführt, Herolde, Radfahrer, Festreiter, Ehrendamen, zwei noch lebende Gründer der Brüderschaft", die Megger- Innung mit ihrem Obermeister, eine große An­zahl Wagen und auch ein paar geschmückte, feiste Ochsen werden im Zuge mitgeführt. Das Fest findet auf der Pulvermühle am Sonntag und Montag statt. Wir wünschen dem Fest einen guten Verlauf und dürfen wohl nicht zu biel sagen, wenn wir den Feftzug als eine Sehenswürdigkeit bezeichnen.

t) Chr. Rühl beantragt die Vergrößerung eines Erb­begräbnisses auf dem alten Friedhofe zum Zwecke der Aufstellung eines Monumentes, zu dem Zweck ist nötig, die Mauer, die sich am Erbbegräbniß hinzieht und jetzt dieses abschließt, zu durchbrechen. Die Ver­sammlung lehnt den Antrag ab. g) Der Landwirtschaftliche Provinzial= Verein beantragt zu der hier am 11.- 13 Sep­tember geplanten landwirtschaftlichen Ausstellung die Ueberlassung der Triebs, fostenlose Hergabe von Wasser aus der städtischen Quellwasserleitung und Lieferung von Rundholz zu den Ausstellungsbauten aus dem städtischen Wald zu den tarifmäßigen Preisen. Dem wird von den Stadtverordneten entsprochen.

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Jugendfest. Nach den bis jetzt so zahlreich ein­gegangenen Anmeldungen der Kinder aller Stände, ver­spricht das am 2. August d. Js. im Philosophenwald ge= plante Jugendsest mit Boltsfest einen schönen Verlauf zu nehmen. Es set jetzt schon darauf hingewiesen, daß alle an­gemeldeten Kinder ein Geschenk erhalten, daß der Eintritts­preis für Erwachsene auf 25 Pfg. festgesezt und der Ueber

Eine Rechnung von Mt. 422,58 für freihändig dem Pflastermeister Hofmann übertragene Reparaturarbeiten wird nachträglich genehmigt. Die Versammlung beschließt, am 30. Juni vor den Ferien noch eine Sigung abzuhalten und dann 6 Wochen, also bis Mitte September, in die Ferien zu gehen. Folgende Wirtschaftsgesuche werden in der Weise erledigt: Friedr. Kopp für Bismarck­straße 30; Bedürfnis verneint. Philipp Hofmann, Weßsteinstraße 14, wünscht provisorischen Ausschant von Flaschenbier, während dem er für seine schon bestehende Wirtschaft ein neues Haus baut, Bedürfnis bejaht. Joh. Gg. Seipp für Liebigshöhe, Bedürfnis bejaht. Deinrich Koch Wallthorstraße 3um Schwanen", Bedürfnis be­jaht. Damit ist die Tagesordnung der öffentlichen Sigung erledigt.

Lokales.

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3. Kreis- Krieger­

Verbandsfest

des

Kreises Biedenkopf

зи

Rodheim a. d. B.

Programm.

Samstag, den 11. Juli:

Abends 8 Uhr: Zapfenstreich mit darauffolgendem Kommers auf dem Festplatz. Sonntag, den 12. Juli:

Morgens 6 Uhr: Neveille. Vorm. 101 Uhr: Delegiertensißung

im Gasthaus des Kameraden Bechtold. Vorm. 11 Uhr: Empfang der auswärtigen Vereine. Mitt. 12 Uhr: Aufstellung des Feftzuges und Zug. durch die Ortsstraßen nach dem Festplay. Nach Ankunft daselbst Begrüßung der Vereine und Ansprache.

Konzert

und Vortrag der hiesigen Gesangvereine. Die Musit wird ausgeführt von dem gesamten Musikkorps des Hess. Feld- Art.- Regt. Nr. 47 zu Fulda unter persön licher Leitung des Stabstrompeters Herrn Sandow. Ball.

Montag, den 13. Juli 1903. Vorm. 10 Uhr Großes Frühschoppen- Konzert a. d. Festplak. Nachm. 2 Uhr: Frftzug durch den Ort; dann

soll. Unmeldungen der Kinder fönnen noch bis zum 15. Konzert, Ball, Volksbelustigung.

d. M. bei den im heutigen Anzeigenteile ersichtlichen Steden erfolgen.

Gießen, ben 11. Juli 1903. Zum ordentlichen Professor ernannt wurde der außerordentliche Professor bei der philosophischen Fakultät Dr. Wilh. Sievers.

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* Spätzug Gießen Lich Hungen. Die von den Interessenten wiederholt angeregte und von der Handelskammer befürwortete Einlegung eines Spätzuges Gießen- Lich- Hungen soll in diesem Sommer probeweise August wird ein Spätzug Gießen- Lich- Hungen ber. zur Ausführung kommen. In den Monaten Juli und suchsweise an Sonn- und Festtagen befördert werden. direktion die fünftige Beförderung des Zuges abhängig Von dem Ergebnis dieses Versuches wird die Eisenbahn. machen.

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* Besizwechsel. Das Haus des Bauunternehmers Scheppelmann ging zu 24 000 mt. an Eisenbahnwagen­meister Schulmeyer über. Letterer hatte bekanntlich letter deckermeister Carlé verkauft, wofür er 13 200 Mt. erhielt. Tage sein auf dem Neuenweg belegenes Haus an den Dach­

** Verurteilt wurde zu 3 Monaten Gefängnis in Darmstadt der in Offenbach rohnende Barbier F. W. Simon aus Gießen. Der Angeklagte hatte sich Urkunden­fälschung und Betrug zu schulden kommen lassen.

** Zur Beförderung von Reisegepäc sind jezt auch einfißige Motorzweiräder im Gewicht bis zu 60 Kilo zugelassen.

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Gr.- Linden, 10 Juli. Am Donnerstag abend wurde auf dem Bahnhof eine 17jährige Fabritarbeiterin, welche aus dem verschlossenen Schrank des Fabrikanten Braun 150 Mark gestohlen, verhaftet. 118 Mt. waren bei der Verhafteten noch in Besitz.

Homberg a. D., 10. Juli. Bei der stattgefundenen Bürgermeisterwahl übten von 238 Wahlberechtigten 217 ihr Wahlrecht aus. Es entfielen auf Herrn Gottfr. Ludw. Repp 174 und auf Herrn Schuhmachermeister Theodor Löchel 43 Stimmen.

= Nieder- Gemünden. Ein sehr reichhaltiges Pro­gramm ist zu der am Samstag, Sonntag und Montag stattfindenden Fahnenweihe und Bezirksfest des Hassia- Bezirk Homburg a. b. O, das mit der Feier des 25jährigen Be­stehens des Bezirks in Nieder- Gemünden stattfindet, aufge­

Abend Großes Fenei werk, die nahe gelegene Mühle wird vollständig bengalisch beleuchtet. Eintritt: Samstag frei.

Sonntag 30 Pfg.

Montag 20 Pfg.

Der F stplatz liegt nahe der Station Rodheim. Es gehen von Station Rodheim mehrere Extrazüge in der Richtung nach Gießen ab; der letzte Zug fährt nachts 11 Uhr ab.

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1.2

2.2

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