Nr. 160.
Erstes Blatt.
Woguementopreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ' s Haus gebracht 60 Bfg., durch die Boft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50.
Grattabellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffifche Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Contenben, fowie bie Gießener Getfenblasen( widentlich). 2st Blatt feed an allen Burktage sadmitag6.
Samstag, den 11. Juli 1903
Gießener
12. Jahrgang.
Jufertion pret 0: Die einfaltige Betttelle für Gießen wi ganz Oberheffen, die Kreise Weglar und Rarburg 10 Bke. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Betitzetle 30 resp. 40 g.
Boftzeitungsliste No. 3900. Rebattion und Expedition: Gießen Nenen Fernsprechauff
98.
Neuelle Nachrichten
( defener Tageblatt)
Knabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
Bekanntmachung.
Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß in der 3 it vom 1. August bis Mitte September d. Is voraussichtlich keine Sigungen der Stadtverordneten- Versammlung abgehalten werden. Dringliche, die Beschlußfassung der Stadtverordneten- Versammlung erfordernde Angelegenheiten sind daher spätestens bis 25. d. Mts. bei uns einzubringen. Gießen, den 11. Juli 1903.
Der Oberbürgermeister.
Mecum.
Bekanntmachung.
Die Mat Etstraße wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Montag, den 13. 1. Mts. cb bis auf weiteres für den Fuhrwerts- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 11 Juli 1903.
Großh. Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Der Kampf mit dem Tode.
Rom, 10. Juli.
Die anscheinende Besserung im Befinden Zeos XIII. wat nicht von langer Dauer. Am gestrigen Nachmittag trat zu den bisherigen Krankheitserscheinungen noch Tiarrhoe hinzu, an der der Papst bis dahin niemals gelitten hatte. Infolgedessen beschlossen die Aerzte Dr. Mazzoni und Lapponi, noch einen der hervorragendsten Aerzte Roms, Professor Rossoni, hinzuzuziehen. Die drei Aerzte fanden den Papst völlig erschöpft, seine Stimme war fast nicht mehr vernehmlich, und die Augen vermochte er nur noch mit Mühe zu öffnen. Ehe Rossoni das Gentach des Papstes be trat, gab Dr. Lapponi mit vieler Vorsicht dem Papst die nötige Aufklärung; der Papst war sehr schwach, aber bei boller Geistesklarheit. Die Untersuchung, bei der vermieden wurde, den Papst zu sehr anzustrengen, dauerte ungefähr zwanzig Minuten. Es wurde festgestellt, daß wahrschein lich nötig sein werde, den Brusthöhlenstich zu wiederholen, da die Flüssigkeit in der Brusthöhle sich wieder stark ver mehrt hatte und die Herztätigkeit behinderte. Der Puls wai kaum bemerkbar, 90 Pulsschläge in der Minute wurder gezählt. Als Rossoni das Gemach verließ, sprach er den Papste wieder ermutigend zu; der Papst reichte ihm mi sichtlicher Anstrengung die Hand und dankte ihm. Der vor den Aerzten daraufhin abends ausgegebene Krankheitsbericht bezeichnete den Zustand des Papstes als sehr erregt.
Abends um 103/4 Uhr traf Professor Mazzoni wieder im Vatikan ein, um, wenn nötig, den Brusthöhlenstich zu wiederholen. Er fand den Papst besser, als er gedacht hatte der Brusthöhlenstich erwies sich als nicht sofort notwendig Der greise Pontifer war während des Besuches Mazzonis, wit überhaupt am ganzen Tage, völlig geistesklar, nur sehr apathisch.
Heute Vormittag nach 10 Uhr sah sich Mazzoni aber doch genötigt, eine
neue Brusthöhlenöffnung borzunehmen. Es wurden etwa 1000 Gramm blutig Serumflüssigkeit entfernt. Der Papst ertrug auch diese zweite Operation, nach der sich sofort die Atmung und Herz tätigkeit besserten, sehr gut. Die Blaufärbung der Glied. maßen hörte allmählich auf. Während der Operation waren im Nebenzimmer die beim Vatikan beauftragten Botschafter Desterreich- Ungarns, Portugals und Spaniens, sowie 14 Kardinäle anwesend. Die Aerzte trafen bei ihrem Eintrit! den Papst im Lehnstuhl sizzend, worauf sie ihn ersuchten, sich zu Bett zu begeben. Nach der Operation wollte der Papsi die Kardinale sprechen, doch ließen es die Aerzte nicht zu. Aus allen Teilen der Welt gehen den Aerzten Lapponi und Mazzoni unzählige Depeschen und Schreiben
zu, in denen sie angefleht werden, den Papst zu retten oder in denen ihnen Heilmittel aller Art angeboten werden. Sc schrieb ein Familienvater, einer seiner Söhne habe ebenfalls zehn Jahre an Hepatisation der Lunge gelitten und sei durch ein Kraut geheilt worden, von dem er eine Probe schickte. Sogar aus Amerika werden wundertätige Arzneien, Tropfen und Pomaden geschickt, durch deren Gebrauch der Papst an geblich sofort gesunden würde. Weniger sympathisch als diese Beweise der Teilnahme und Verehrung waren ander Anträge: So telegraphierten zahllose Maler und Bildhauer, sie wollten das Porträt oder die Totenmaske des Papstes abnehmen. Ueber zweihundert Chemiker und Apotheke wollen den Papst einbalsamieren, und einer verspricht so gar, durch ein von ihm entdecktes Verfahren den Leichnam des Papstes so zu präparieren, daß er für ewige Zeiten al Statue im Petersdom aufgestellt werden könne. Angesichts der Tatsache, daß der Papst die Augen noch nicht geschlossen hat, berühren diese Gesuche und Ancrbietungen höchst wider pärtig. Ebenso häßlich ist die charakteristische Erscheinung, daß die Krankheit des Papstes als Unterlage zum Lotto spiel benutzt wird. Für die Ziehung, die am morgigen bend stattfindet, sind lauter Bahlen gefeßt, die sich aui
Hauptdaten in Leos Leben bezichen. Sympathischer berührt die bekannt gewordene Tatsache, daß nicht weniger als 12.000 Depeschen im Vatikan eintrafen, die Genesungswünsche für den Todfranken enthielten.
Das Personal des Vatikans erhielt die Weisung, zwe Kapellen herzurichten. In einer derselben soll der Paps nach dem Tode im Papstornat zur Schau gestellt werden und zwar in der Weise, daß die Füße aus dem Gitter her ausragen, damit die Gläubigen sie füssen können. In der anderen Kapelle soll der Papst provisorisch beigesetzt werden In seinem Testament hat der Papst den Wunsch aus gesprochen, in der Kirche San Giovanni im Lateran bei gesetzt zu werden. Für
das Konklave
verden bereits alle Vorbereitungen getroffen. Die Kardi näle von Sidney und Baltimore sind bereits nach Ron unterwegs. Möglicherweise kommt es vor dem Zusammen tritt des Konklaves noch zu großen Weiterungen. Ein fran zösischer Journalist bringt eine seltsame Enthüllung: Da nach wäre die Ernennung der Kardinäle in dem jüngster Konsistorium null und nichtig. Der Papst, dem die Teil nahme an dem Konsistorium nur möglich war, nachdem Zapponi ihm auf Rampollas Befehl scharse Reizmittel ge geben hätte, habe die Bulle, die die Ernennung der Kardinäle bestätigte, nicht mehr unterschrieben, die Unterschrift sei vielmehr gefälscht.
Das Vetorecht bei der Papstwahl besteht nach einer interessanten Ausführung des öster reichischen Hofrates Scherer trotz aller gegenseitigen An sichten noch immer zu Recht und ist auch bisher besonders von Desterreich, Spanien und Frankreich des öfteren aus geübt worden. Die dardinäle äußern sich zwar immer da hin, es sei ein Unrecht, lassen es aber stets gelten. Von der letzten Papstwahl im Jahre 1878 erzählt man sich, daß der Vertrauensmann der französischen Regierung autorisier war, ein Veto geyer ordinal Bilio zur Geltung zu bringen. Das Veto wurde indes gegenstandslos, da Bilio, wie sich aus dem Wahlgange ergab, tatsächlich für die Wahl nicht in Be tracht kam.
Kein Kaisergebet für den Papst.
Halbamtlich wird die Meldung für erfunden erklärt, de Kaiser habe am letzten Sonntage beim Schiffsgottesdiens auf der Hohenzollern" ein Gebet für den Papst gesprochen Erfunden sei auch die weitere Meldung, daß der Kaiser sich in Falle des Todes des Papstes zu den Beiseßungsfeierlich feiten nach Italien begeben wolle.
Die Politik.
Die Pfalzbahnen und der bayerische Staat.
In ganz Deutschland wird jetzt lebhaft die Frage des Anschlusses der pfälzischen Eisenbahnen an das bayerische Staatsbahnnetz erörtert. Die pfälzische Bevölkerung drängt auf die Uebernahme dieser Bahnen, die zur Zeit noch Privatbahnen unter Staatsgarantie sind, durch den bayerischen Staat. Eine Zeitlang schien es, als sollte diese Uebernahme auch erfolgen. Aber plötzlich ließ die Münchener Regierung verlauten, sie sei jetzt nicht in der Lage, die Bahnen zu übernehmen. Welcher Art auch die Gründe gewesen sein mögen, weshalb der bayerische Staat auf die Erwerbung der Pfalzbahnen für jetzt verzichtet hat: jedenfalls war es nicht, wie man in Bayern vielfach annahm, die Abneigung gegen eine Vervollständigung des Bahnnetzes. Das ergibt sich daraus, daß die bayerische Regierung nach zuverlässigen Mitteilungen willens ist, in der Pfalz auf Staatskosten eine ganze Anzahl Lokalbahnen zu bauen. Dem bayerischen Landtage wird schon in seiner nächsten Session eine entsprechende Vorlage zugehen.
Kein Zarenbesuch in Rom.
Man erinnert sich noch der stürmischen Szenen, die in der italienischen Deputiertenkammer vor einigen Wochen von den Sozialisten hervorgerufen wurden, als dort die Affäre des angeblichen russischen Nihilisten Götz erörtert wurde. Die Vergewaltigung Finlands war durch die neuesten Maßnahmen Bobrikows wieder in den Vordergrund des politischen Interesses gerückt. Dazu kamen die Vorgänge in winew. Die Forderung Rußlands, Italien solle Göß ausliefern, schlug dem Faß vollends den Boden aus: Die Sozia listen drohten, dem russischen Tyrannen" bei seinem Be suche in Rom einen Empfang zu bereiten, wie ihn noch kein Herrscher in der Hauptstadt einer befreundeten Macht ge funden. Die Drohung hat gewirkt. Erst kam die Nachricht. der Zarenbesuch sei auf September, spätestens Oktober verschoben. Bald darauf hieß es, erst im November könne der Zar eintreffen, und neuerdings heißt es, er werde erst im Jahre 1904 kommen. Das heißt mit anderen Worten: Der Zar kommt überhaupt nicht!
Der Aufstand in Marokko nimmt eher zu als ab. Im ganzen Norden Marokkos kommen Unruhen vor, und das Ansehen der Regierung geht immer mehr verloren. Alle Truppen, über die man in Zanger verfügte, sind am 8. Juli eingeschifft worden, um nach einem Punkte in der Nähe der französischen Grenze transportiert zu werden. Buhamara Lindet in ienem Teil
des Landes immer mehr Anhänger. Nach einer Wielding aus Tanger wurde eine Gesellschaft angesehener Marokkaner von dort durch die Beni- Jgdir- Kabylen gefangen genommen, unter ihnen der Bruder des eingeborenen Sekretärs der englischen Gesandtschaft und ein eingeborener Artillerieoffizier. Die Gesellschaft befand sich auf einer Wallfahrt. Erbauliches aus Venezuela.
Trotz der Erklärung des Führers der venezolanischer Aufständischen, des Generals Matos, er wolle die Waffer ſtrecken und sich mit der Regierung und dem Präsidenten Castro aussöhnen, dauert der Aufstand doch weiter fort. Mar erwartet einen Angriff der Regierungstruppen unter General Gomez auf Ciudad Bolivar. Gomez wird jedoch, ehe er angreift, dem General Rolando, der die Revolutionärer fommandiert, im Namen des Präsidenten Castro die Präsi dentschaft in einem der venezolanischen Staaten anbieten für den Fall, daß der General zur Regierungspartei übertritt Rolando wird sich wohl nicht lange bitten lassen und statt der Taube auf dem Dache lieber den Sperling, der ihm in die Hand gegeben werden soll, nehmen. Erfreulicherweise ernten jetzt auch die Yankees den gebührenden Dank der Venezolaner für die Dienste, die Herr Bowen der Krakehler. republik in dem Streit mit den europäischen Mächten ge leistet hat. Nach einer Meldung aus Trinidad haben die venezolanischen Regierungstruppen am letzten Mittwoch be Apuro 3 amerikanische Dampfer weggenommen. Zwei weitere amerikanische Dampfer wurden von den Aufſtändischen bei Ciudad Bolivar fortgenommen.
Kurze politische Nachrichten.
* Ueber eine neue Ehrung der Offiziere des amerikanischen Geschwaders in England wird aus London berichtet: König Eduard hat die Offiziere im Buckingham- Palast zu Gaſte ge laden. Der Prinz von Wales und die meisten Minister waren zugegen.
Der auf der„ Weser"-Werft gebaute neue deutsche Kreuzer L ist am Donnerstag vom Stapel gelaufen. Das Schiff erhielt den Namen„ Bremen".
* Unter den Hafenarbeitern des Norddeutschen Lloyd ist eine neue Lohnbewegung entstanden. Der Lloyd hat die Erhöhung der Löhne abgelehnt. Zu einem Streik kommi es nicht.
* Dem Gemeinderat von Paris hat König Eduard VII. sein Bild in Feldmarschalls- Uniform übersendet.
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Hof und Gesellschaft.
* Der Kaiser besuchte auf der Rhede von Swinemünde das russische Kriegsschiff„ Svjetlana" und gab den russischen Offizieren ein Diner an Bord der„ Hohenzollern". Die Raiserin und zwei kaiserliche Prinzen unternahmen eine Ausfahrt mittels Motorboots auf dem Swinestrom und machten sodann einen Waldspaziergang. Später begaben sie sich an Bord der Iduna", wo auch der Kaiser und zwölf Herren bes kaiserlichen Gefolges nach einem Wagenausflug, der sich nach Heringsdorf erstreckt hatte, eintrafen.
Hus dem Gerichtsfaal.
§ Das Urteil im Prozeß Terlinden lautete für den Haupt angeklagten Terlinden auf 6 Jahre Zuchthaus und Ehr verlust auf die gleiche Dauer. Gegen Kosbadt wurde weger Beihilfe auf 6 Jahre Gefängnis unter Anrechnung vor 1 Jahr 11 Monaten auf die Untersuchungshaft erkannt. Frau Terlinden und Frau Kosbadt wurden freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte gegen Terlinden 10 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaus sicht, gegen Kosbadt 8 Jahre Gefängnis beantragt. Die beiden Verurteilten werden gegen das Erkenntnis Revision einlegen.
§ Zum Prozeß Hüssener wird aus Kiel gemeldet, daß die Entscheidung des Gerichtsherrn über die etwaige Einlegung der Revision zur Zeit noch aussteht. Fähnrich z. S. Hüssener wird sich voraussichtlich bei dem gegen ihn erkannten milden Urteil der Berufungsinstanz beruhigen und auf Einlegung der Revision Verzicht leisten. Er wartet nur noch die Ent scheidung seiner Familie ab, um die endgiltige Verzichtserklärung abzugeben.
§ Die Bromberger Streifexzesse vom 1. April d. I. geegentlich des Maurerstreifs führten bei einer zweiten Gruppe on 24 Angeklagten wiederum zu schweren Strafen. Es vurde auf Zuchthausstrafen von vier und fünf Jahren und Gefängnis von ein bis drei Jahren erkannt.
Kleine Gerichts- Chronik. Das Elberfelder Schwur Jericht verurteilte den Kaufmann Kurt von der Schulenbur mus Ohligs, der des Gattenmordes angeklagt war, weger Totschlags zu 12 Jahren Zuchthaus.
-Vom Straßburger Kriegsgericht wurden wegen Mein eides die Feuerwerker Ommerborn, Niederquell und Hell nich zu zwei resp. je einem Jahre Zuchthaus und Entfernung aus dem Heere verurteilt.
-Wegen Sittlichkeitsverbrechens an einem 8 jähriger Mädchen und seiner eigenen 9 jährigen Stieftochter wurd Der Harmonikamacher Franke in Gera zu 2 Jahren Gefäng nis und 3 Jahren Ebrenverlust verurteilt.
von der Veranda aus zusah, heulte vor Entzücken, drückte
Eristu, der mit Mirius und Gefolge dem Aufzug
vel eintrat, ben man im Begriffe ſtand die Aufmerksamkeit ab, indem er energisch gegen den Fre den man gegen die herrlichen, weitschatten
Testament, daß diese genter ihrer Kreise abzuführen hätten.
werden, die ihrerseits bestimmte Gelder
an die
Bedürftigen
Stipuliert war aber im sein mußten und
Später erfuhr ich, daß mein
Freund und Begleiter ein Schlepper"
oder
gewefen.
Sucker" au deutsch) Zuppen Geld bei mir gehabt! Ber
Es war doch gut, daß ich


