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Auswärts verbreitete Meldungen von Finanz schwie­rigkeiten Ses werden von serbischer Seite als voll­kommen erfunden bezeichnet. Deshalb hrauchen sie noch nicht unrichtig zu sein.

Kurze politische Nachrichten.

Der preußische Finanzminister Freiherr von Rhein. baben ist von seiner Amerikareise wieder in Deutschland eingetroffen.

* Außer dem Rücktritt des bayerischen Finanzministers von Riedel wird jetzt auch der des Kriegsministers bon Asch als bevorstehend bezeichnet. Auch verlautet, der Minister des Inneren, Freiherr von Feilipsch werde zurücktreten.

* Londoner offizielle Depeschen wissen von einer Nieder­lage des tollen Mullah, die ihm die Messynier beigebracht haben sollen, zu berichten.

Aus dem Gerichtssaal.

§ Der Prozeß Terlinden wird zur Zeit in Duisburg ver handelt. Wie erinnerlich, hatte Terlinden, der aus seiner Fabrik von Patentstühlen und Kochherden mit Hilfe der Westdeutschen Bank in Düsseldorf und der Nationalbank eine Aktiengesellschaft gegründet hatte, nach Zusammenbruch des Unternehmens die Flucht nach Amerika ergriffen, wo er aber verhaftet und ausgeliefert wurde. Mit ihm zugleich ist sein früherer Prokurist Rosbadt angeklagt, auf den Terlinden die ganze Schuld am Zusammenbruch schiebt. Dieser habe ihm trok seines Drängens eine volle Aufklärung über den Stand der Geldangelegenheiten nicht gegeben; er habe das ihm ge­schenkte Vertrauen schließlich schnöde mißbraucht. Kosbadi habe Wenigmann, einen seiner( Terlindens) Feinde, An­gaben über die Wechselzuschüsse gemacht und damit den Zu sammenbruch des Geschäftes herbeigeführt; Kosbadt und Wenigmann hätten ihn in letter Zeit systematisch betrogen. Diese Entdeckung habe ihn zur Flucht getrieben. Er habe nach Amerika nur ſein ehrlich erworbenes Geld mitgenom men. Terlinden beteuert dies unter Thränen. Kosbadi wieder erklärt die Angaben Terlindes für Lügen.

§ Die opulenten Diners der Pommernbank- Direktoren brachten eine humoristische Abwechslung in die Verhandlung Nachdem die Quittung über ein Diner bei Dressel, in wel cher die Rahl der verzehrten Austern, Sektflaschen, getrüffel­těr Puten u. 1. tv. genau angegeben war, berlesen worden fragt Justizrat Wronker: Ob es denn wirklich notwendig sei, hier die Einzelheiten der bei Dressel veranstalteten Esser borzuführen. Daß die Herren nicht Selterwasser und Schlack wurst verzehrt haben, sondern bei Dressel getrüffelte Pute und französischen oder deutschen Seft getrunken haben wer den, ist doch selbstverständlich. Es ist doch nur die Frage ob bei der Länge dieser Verhandlung es noch nötig ist, die Gänge solcher Diners hier noch vorzuführen, so erfrischend sie auch sonst sein mögen. Ich bedauere, daß wir in die Lage kommen, bei dieser ernſten Sache uns mit solchen Din gen aufzuhalten. Staatsanwalt Beeck: Ich behaupte, dak diese Diners von dem Gelde der Pommernbank bezahlt wor den sind und die Verwendung dieser Gelder zu solchen Zwecker unzulässig war. Justizrat Dr. Sello: Dann müssen wi aber doch auch bitten, daß die Mitschuldigen" an dieser Diners nicht einfach in die Versenkung verschwinden, son dern daß alle Vorstandsmitglieder, die an den Diners sehi fröhlich teilgenommen und in deren Veranstaltung nicht Böses gefunden haben, hier gehört werden. Es wurde dann unter anderem fonstatiert, daß die Herren Chefredakteu Christians, Banfier Schappach und Hofrat Linde an dieser geschäftlichen" Sitzungen engeren Anteil genommen hatten

§ Um eine Mark zum Brudermörder. In Berlin wurde der Steinträger Hermann Gutte aus Spandau wegen Kör perverlegung mit tötlichem Ausgange zu 6 Jahren Zucht haus verurteilt. Gutte hatte seinen Bruder um eine Marl gemahnt. Dieser meinte, daß er ihm das fragliche Darlehn bereits zurückgezahlt habe. Darüber kam es zu einem Wort­wechsel, in dessen Verlauf der Angeklagte seinem Bruder ein Messer tief in den Unterleib stieß. Der Verlegte verschied am Tage darauf.

§ Graf Bücler wird sich wegen Beleidigung der Glogaurer Israeliten nochmals vor den Berliner Gerichten zu verant­worten haben. Bekanntlich hatte Graf Pückler behauptet, die Glogauer Juden hätten ihn in der Schweiz vergiften lassen wollen. Das Reichsgericht hat das anfänglich frei­sprechende Urteil aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht II Berlin verwiesen. Da­gegen hat das Reichsgericht die Revision des Grafen gegen jeine gleichzeitige Verurteilung wegen Beleidigung des Dr. Neumann in Glogau zu 300 Mark Geldstrafe und wegen Anreizung zu Gewalttätigkeiten in zwei Fällen zu 700 Mark Geldstrafe verworfen.

Kleine Gerichts- Chronik. Der Lehrer Wilhelm Eryleben aus dem Dorfe Klein- Engernsen, wurde, weil er sein eigenes Schulhaus in Brand gesteckt hatte, nach zweitägiger Verhand­lung vom Stendaler Schwurgericht zu zwei Jahren Zucht­haus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt.

Nab und fern.

uch abzustatten. Von dort reist sie nach Cadinen weiter, wohin auch Prinz Oskar und August Wilhelm von Plön aus sich begeben werden.

Eine Heldentat" bedenklicher Art vollführte in Rjasan ein russischer Hauptmann. Um 11 Uhr abends erschien er in angetrunkenen Zustande auf dem an der Haltestelle lie genden Passagierdampfer Katschkow", begann sofort mit den Passagieren und mit der Mannschaft Streit und wollte mit einem Säbel die Matrosen in Stücke zerbauen. Dann drang er in den Küchenraum ein, schlug den Koch zu Boden und wollte eben auf ihn einhauen, als die Matrosen ihn von rückwärts bei den Händen ergriffen und ihm die Waffe wegnahmen. Nach langer Ueberredung gelang es endlich, den Offizier zu bewegen, den Dampfer zu verlassen. Nach zwei Stunden, als bereits alles auf dem Dampfer sich zui Ruhe begeben hatte, wurden die Passagiere plötzlich durch Trommelschlag erweckt. In großer Aufregung eilten sie an Bord und sahen auf der Landungsbrücke eine Kompagnie Reservisten unter Führung des betrunkenen Hauptmanns stehen. Im selben Augenblicke kommandierte der Haupt­mann: ,, Ladet und legt an!" Nach einer Minute ängstlicher Spannung erscholl das Kommando: Gebt Feuer!" Aber statt der erwarteten Schüsse hörte man nur das Aufschlagen der Gewehrschlösser. Die Soldaten hatten nämlich keine Patronen bei sich; nur infolge dieses Umstandes wurde ein großes Unheil abgewandt. Nach einigen Hin- und Her märschen am Ufer wollte der Offizier den ganzen Dampfer mit allen auf ihm befindlichen Leuten durch seine Soldaten in die Luft sprengen lassen und rief dadurch unter den Passa­gieren und dem Schiffspersonal eine schreckliche Panik her­vor. Schließlich marschierte der rasende Held mit seinen Soldaten unter Trommelwirbel wieder in die Stadt zurück. Er wird sich wegen seines nächtlichen Kriegszuges dem­nächst vor dem Kriegsgericht zu verantworten haben.

Die Kieler Woche hat eine ihrer größten Anziehungen verloren: Der Rest der amerikanischen Flotte ist dem Kreu zer Machias" nachgefolgt. Kurz vor der Abfahrt fand noc ein interessanter Wettkampf zwischen Deutschen und Ameri fanern im Kriegshafen statt, zu denen die Besagung des Kreuzers Chicago" die Deutschen herausgefordert hatte. Die Chicago" bemannte einen Stutter mit 14 Matrosen, die bis­her als unbesiegbar galten und in allen fremden Häfen die Gegner glänzend besiegt hatten. Gestern unterlagen sie nad hartem Kampf gegen den Kutter des Linienschiffes Kaiser Wilhelm II." Die Deutschen errangen bei einer Bahnlänge von 4000 Meter einen Vorsprung von über 100 Meter. Das Ergebnis wurde dem Kaiser telegraphisch mitgeteilt. An Bord des Kaiser Wilhelm II." empfing man die Sieger mit lautem Jubel. Leider wurde diese. Siegesfreude durch einen betrübenden Vorfall gestört. Die Dampfpinassen des Kreuzers Viktoria Luise" und des Schulschiffes Moltke" kollidierten im Striegshafen gegenüber dem Admiralsgebäude. Beide erhielten ein schweres Leck und sanken sofort. Die Be­sagungen der Pinassen wurden gerettet. Der Meteor" des Kaisers wurde im Handicap von Eckernförde aus zum zweitenmal von der Nacht Hamburg" geschlagen. Die Kai­serin wird sich von Kiel aus, sobald der Kaiser seine Nord­landreise angetreten hat, nach Flensburg begeben, um ihrem dort garnisonierenden Regiment. Königin einen furzen Be­

Eine Aussöhnung zwischen dem sächsischen kronprinz­lichen Paare kündet cine Pariser Telegraphenagentur als nahe bevorstehend an. Prinzessin Luise würde ihren Aufent­halt in Schloß Ronno bald abbrechen und sich in Begleitung der Gräfin Saint- Victor nach Paris begeben, von wo aus die nötigen Schritte zur Aussöhnung mit dem Kronprinzen geschehen würden. Während ihres Aufenthaltes in Paris würde die Prinzessin bei der Madonna vom Heiligen Herzen Buße tun und Gnade suchen. Das einzige Hindernis einer völligen Versöhnung zwischen ihr und dem Kronprinzen sei nur König Georg von Sachsen.

Schon wieder eine Eisenbahnkatastrophe.. Ein aus Antwerpen kommender Personenzug, der zahlreiche Kaufleute dieser Stadt mit sich führte, die sich zu dem hiesigen Getreide­Wochenmarkt begeben wollten, stieß auf dem Bahnhof von Schaerbeek, einem Vorort von Brüssel, mit einem aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Zuge zusammen. Zahlreiche Personen sind verlegt. Einzelheiten fehlen noch.

Zu der furchtbaren Eisenbahnkatastrophe in Spanien wird gemeldet, daß bisher an der Unglücksstätte von San Asencio weitere 42 Tote und 69 Verlegte geborgen worden sind; etwa 50 Tote sollen sich noch unter den Trümmern befinden. Meh­rere tausend Personenfreiwillige Helfer und abkomman dierte Soldaten sind unter dem Befehl von Offizieren un­ausgesetzt mit dem Fortschaffen der Trümmer des verunglück­ten Schnellzuges und der Bergung der Leichen im Betto des Najerilla- Flusses beschäftigt. Schwere Stücke der Wagen und der hinabgestürzten Maschinen werden mit Hilfe langer Drahttrossen, an denen hunderte von Menschen ziehen, zur Seite gerückt. Die große Hige dauert an; die Luft im gan­zen Umkreis ist von den verwesenden Leichen verpestet. Die Hilfsmannschaften arbeiten mit Karbolwatte zwischen den Zähnen und in der Nase, und über dem Zeichenfelde schweben ganze Wolfen von Insekten. Die Regierung hat auf eine Interpellation in der Kammer und im Senat zugesagt, eine trenge Untersuchung vorzunehmen und die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Aus Montreal wird von einem höchst eigentümlichen Unfall berichtet, der eventuell böse Fol­gen hätte haben können. Kurz nachdem der Ueberlandzug der Canadian Pacific Eisenbahn eine Station in Ontario berlassen hatte, fiel von einem überhängenden Felsen ein Steinblock herunter und schlug dem Lokomotivführer den Schädel ein. Der Zug fuhr etwa 20 Meilen weit, ehe man von dem Vorfall etwas bemerkte. Schließlich sah der Brem­ser im letzten Wagen bei einer Kurve den Lokomotivführer aus der Lokomotive heraushängen und brachte den führer­losen Zug zum Stehen.

Ein schweres Verbrechen durch Wiener Dragoner iſt infolge eifriger Nachforschungen der Kriminalpolizei aufge deckt worden. Die drei dem 11. Dragoner- Regiment ange­hörigen Gemeinen Milos, Zlanal und Starjnik haben einen Arbeiter mit Namen Pecena, mit dem sie in Streit geraten waren, erst mit Säbelhieben schwer verletzt und dann über die Einfriedungsmauer der Stadtbahn geworfen, um ihn überfahren zu lassen und den Glauben zu erwecken, daß er das Opfer eines Unfalles geworden sei. Nun passierte bis zur Auffindung des tödtlich Verletzten fein Zug die Stelle: mur eine Verschubmaschine war Nachts abgelassen worden. Da Pecena nicht auf den Schienen, sondern nur nahe dem Geleise lag, wurde er nicht überfahren, sondern bloß aut Arme gestreift. Vecena starb bald nach seiner Auffindung im Hospital.

schrockenen Schmuggler, indem sie einen stetten Nebenpfad hinaufrasten und so die Grenze überschritten.

Lehrer und Schüler. Im Pariser Konservatorium fan­den dieser Tage die üblichen Preisbewerbungen statt. Den Rompreis( für die beste Komposition) erhielt ein junger Mann namens Laparra, ein Schüler des bekannten Kompo­nisten und Musikkritikers Faure. Als öffentlich angekündigt wurde, daß Laparra den ersten Preis erhalten habe, brach im Saale des Instituts ein stürmischer Beifall los. Nur Professor Faure, der Lehrer des preisgekrönten Komponisten, blieb ernst. Laparra eilte in seiner Freude auf ihn zu und streckte ihm die Hand entgegen, aber Faure wies ihn mit einem falten, trockenen Mein Herr!" zurück. Dann sagte er verächtlich: Sie sind ein großer Künstler, mein Herr, aber ein sehr schlecht erzogener Mensch!" Fast wäre es zwischen den beiden zu einer Prügelei gekommen; gemein­same Freunde mußten sie mit Gewalt trennen. Faure hatte gehofft, daß sein Lieblingsschüler Ducasse den ersten Preis erhalten würde, daher sein Groll gegen Laparra. Während der Preisverteilung erregte Frau Diculafoy, eine reifere Dame, die sich durch ihre Forschungsreisen einen Namen gemacht hat, im Saale berechtigtes Aufsehen: sie war näm­lich in einem hellgrauen Sommeranzug erschienen- wohl­verstanden: in einem Männeranzug

Ein Zirkuspferd im Zuschauerraum. Eine aufregende Szene ereignete sich zu Linz während der Eröffnungsvor siellung des Zirkus Schumann. Direktor Schumann führte ein Springpferd vor und dieses hatte bereits zweimal die Hürde genommen. Als es über diese zum dritten Mal hin­wegsetzen sollte, wurde es plöglich stubig, hemmte fnapp ver der Hürde den Lauf, wendete den Kopf nach rückwärts und sprang dann aus der Manege mitten unter die entsetzten Zu­schauer. Die Inhaber von Siten der ersten Reihe ergriffen nun die Flucht. Mehrere Damen fielen in Ohnmacht, eine erlitt einen schweren Schenkel- und Rippenbruch. Des übrigen Publikums hatte sich begreiflicherweise gleichfalls große Aufregung bemächtigt. Alles erhob sich von den Siken und einige eilten dem Ausgange zu. Die Erregung legte sich indessen bald wieder, als man das Pferd durch die Banfreihen in ruhigem Trabe wieder zur Manege zurück fehren sah. Nach einiger Zeit konnte die Vorstellung wieder fortgesetzt werden.

Schmuggler im Automobil. In dem französischen Ort Hazabrouck an der belgischen Grenze sind in den letzten Tagen die Zollwächter übel dran: Gine fühne Schmugglerbande isi ihnen bereits zweimal in einem mit Kontrebande gefüllten Automobil in rasender Geschwindigkeit dicht an der Nase am hellen Tage vorbeigefahren. Schüsse, die hinterdrein gefeuert wurden, gingen fehl, und einen Strick, den die ge­nannten Zollwächter das zweite Mal beim Nahen des Auto­mobils schnell über die Straße zogen, umfuhren die uner­

[ Der große und der kleine Roon.] Gelegentlich des Stapellaufs des Kreuzers Roon" in Kiel waren die noch lebenden Söhne, eine Tochter, alle Schwiegerfinder und ein Enkelsohn des verewigten Feldmarschalls Grafen Roon auf kaiserliche Einladung zugegen. Zur selben Zeit werden zufällig Briefe des Feldmarschalls veröffentlicht, in denen er in humoristischer Weise seinem Freund v. Felgermann die Geburt seiner beiden ersten Söhne anzeigt. Ueber das erst zu erwartende Erscheinen seines ältesten Sohnes, des jeßigen Grafen von Roon, auf dieser Erde schreibt er am 19. Mai 1837:

Ich habe viel Arbeit und bin ziemlich fleißig; eine zweite Auflage vom sogenannten großen Noon"( das bekannte größere geographische Werk) erscheint im Spätherbst; eine andere besorgt meine Frau schon Ende Juni. Gott gebe zu beiden seinen Segen." Und von der Geburt seines zweiten, am 4. Juli 1838 geborenen und nachmals als Hauptmann der Garde- Feldartillerie bei Sedan gefallenen Sohnes macht Roon dem Freunde folgende Mitteilung: Anbei erhalten Sie.... ferner die ohne mein Verschulden Ihnen bisher, wie es scheint, nicht zugegangene Nachricht von einer am 4. Juli erschienenen Miniaturausgabe des großen Roon"," deren Autorschaft ich indes unbedingt allein in Anspruch nehme, und die sich vor anderen Miniaturausgaben durch Lebendigkeit u. s. w. auszeichnet, aber nur in einem Eyem­plar vorhanden ist, sodaß ich meine abwesenden Freunde über ihre Vortrefflichkeit im Dunkeln lassen muß. dürfte weniger der Fall sein mit den neuen Auflagen( re­spektive der 2. und 3.) vom großen und kleinen Roon, mit denen ich binnen kurzem die ganze Welt zu beglücken ge­denke."

Dies

IDie österreichisch- ungarische Parität], die die Politiker vergebens anstreben, hat ein Spaßogel im Neuen Pester Journal" als seit langem schon existierend entdeckt. Ein Blic nach Desterreich- schreibt er ein Blick nach Ungarn! Und was bemerkt das staunende Auge? Im Anfang war der Anfangsbuchstabe." Es kam in Desterreich das Ministerium Auersperg, in Ungarn das Ministerium Andrassy. Und es fam in Desterreich das Ministerium Taaffe, in Ungarn das Ministerium Tißa. Und wieder ward ein neues Ministerium -in Desterreich das Ministerium Windischgrätz, in Ungarn das Ministerium Weferle. Und es kam Badeni, und es kam Banffy, und wieder war ein paritätisches Ministerium ge­bildet. Oft kam es zu Kämpfen zwischen zwei Anfangs­buchstabenfamilien, aber der eine Anfangsbuchstabe ruhte nicht früher, bis er nicht seinen Zwillingsbruder in Amt und Würden sah. In Oesterreich begrüßte man das Ministerium Körber. In Ungarn regierte Szell. Und der Buchstabe K zeigte voll Kummer auf S und der Buchstabe S zeigte voll Sorge auf K. Große Buchstabenkämpfe. Da plötzlich

S war todt. Und es erhob sich die T- Gruppe und erhob Tißa auf ihren Schild. Große Buchstabenkämpfe. Da fiel der Blick der Buchstabenfamilie K auf Kroatien, da fiel ihr Blick auf Karl Khuen. Viktoria! Die Parität zwischen Desterreich und Ungarn war hergestellt. Die Buchstabenkrise fand am 27. v. M. ihr Ende. Friedlich und einträchtig re­gieren nebeneinander: K und K..

Das Testament der Selbstmörderin. In Massa di Car­rara verübte die Witwe des Arztes Natali, eine geborene Berlinerin, deren Mädchenname Lucia Becker war, unter eigenartigen Umständen Selbstmord. Sie zündete in ihrem Schlafzimmer einen Haufen Kohlen an und beförderte sich so ins Jenseits. Auf dem Tische fand man außer Briefen, die die Selbstmörderin an ihre in Deutschland lebenden Ver­wandten gerichtet hatte, mehrere Familienbilder und Sien­fiewiczs Quo Vadis?" Auf die letzte Seite des Romans und auf die Marmorplatte des Waschtisches hatte Frau Na­tali Becker ihr Testament geschrieben; sie bestimmte, daß ihre Leiche verbrannt und die Asche ins Meer geworfen wer den sollte, auch sollte Menotti Garibaldi von ihrem Tode in Kenntnis gesetzt werden.

Ein furchtbares Grubenunglück hat sich zu Hanna im amerikanischen Staat Wyoming ereignet. Dort geriet eine der Union Pacific Coal Company gehörige Kohlengrube in­folge einer Explosion in Brand. Der alle Zugänge versper­rende Rauch erschwerte das Eindringen in das Innere der Grube, in der sich 200 Arbeiter befanden. Fünfundzwanzig con diesen sind, zumeist tot, geborgen worden; man fürchtet, daß die übrigen sämtlich umgekommen sind.

Bunte Chronik. Ein fürchterliches Gewitter mit Hagel. schlag hat den Eifelkreis Montjoie heimgesucht. Die Feld­früchte sind gebrochen, die Felder total vernichtet.

-Unter dem Verdacht, an dem Attentat auf den Berlin­Münchener Schnellzug beteiligt zu sein, wurde ein in Er­langen beheimateter Bursche verhaftet.

Auf dem Hofe des Landwirts Becher in Soldatental ( Elsaß) wurde Abends Heu bei Laternenlicht abgeladen. Das Heu fing Feuer, und das ganze Gehöft ging in Flammen auf. Die siebzehnjährige Tochter Bechers sowie ein gleich­alteriges Dienstmädchen sind verbrannt.

- In Arad tötete ein Handwerksbursche, der von dem Wirtschaftsbefizer Szabo aus Mitleid beherbergt wurde, Nachts Szabo, dessen Frau und sechsjährigen Sohn und raubte dann einen kleinen Geldbetrag. Es gelang, den Mör­der zu verhaften.

Henrik Ibsen ist jetzt soweit wiederhergestellt, daß er bereits eine Ausfahrt unternehmen konnte.

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