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Nr. 152.

bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfs.. m's Saus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel fährlich Mr. 1.50.

Grattobeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Sassenban, forte bie Gießener Getfenblasen( wöchentlich). Das Blatt richeint an allen Merttagen nagmitag6.

Donnerstag, den 2. Juli 1903

Gießener

12. Jahrgang

InsertionOpret 0 Die eineltige Betttzelle far Cießen wi gang Oberheffen, die Kreise Wehlar und Barburg 10 fs. fonit 15 Pfg.: Reklamen die Betitzeile 30 resp. 40 g.

Bostzeitungsliste No. 3900.

Rebattion und Expedition: Gießen Regenweg 38. Ferusprechanlaf As, 868.

Neuelle Nachrichten

( Gichener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weßlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

5555555 Unser Standpunkt:

Jedem das Seine; wird auch im neuen tartal das Leitmotiv unserer Zeitung bleiben. Die sozialpolitischen Verhältnisse unserer Tage fordern heute mehr denn je, die Politik von höheren Gesichtspunkten aus zu betrachten und sich über die Parteien zu stellen. Das arbeitende Volk will mitreden im Rat der Völker. Wir achten eines jeden Mein­ung und politische Gesinnung, ohne uns zu dessen Nichter zu machen. Wer einwandsfrei, ohne politische Färbung unter­richtet sein will, der lese die hier einzige parteilose Zeitung, die täglich mit Unterhaltungs- Beilage erscheinenden Gießener Neueste Nachrichten.

Alles wissenswerte und interessante wird zur Kenntnis unserer Leser gebracht.

Land­

Wir veröffentlichen sämtliche Bekanntmach ungen der Gießener Behörden, der Provinzial­direktion, des Kreisamtes, mehrerer Bürgermeistereien und sonstigen Staatsbehörden. Noch fortwährend werden von unseren Boten und in der Cxpedition,

Neuenweg 28 Bestellungen unter Nachlieferung der erschienenen Nummern entgegengenommen.

Kriegsauschten zwischen

Der Verlag.

Bulgarien und der Türkei.

R. K. Vor einigen Tagen hat der bulgarische Premier minister General Petrow sich dem Korrespondenten eines englischen Blattes gegenüber außerordentlich ernst über die Lage auf den Balfan ausgesprochen. Der General erklärte, der Sultan sowohl wie die bulgarische Regierung seien zwar gegen den Krieg, aber troßdem sei die augenblick. liche Lage schlimmer als jemals seit dem Ausbruch der Maze­denischen Unruhen im Frühjahr. Die Gefangenen in Salo­niki habe die Pforte zwar entlassen, dafür aber 400 neue Verhaftungen vorgenommen. Die türkischen Grausamkeiten dauerten an und aus dem Vilajet Adrianopel seien 2 bis 3000 Flüchtlinge eingetroffen. Die Türken sollen die Ab­sicht haben, die Banden auszuhungern und zu dem Zweck, ohne Rücksicht auf das Geschick der Dorfbewohner, die Ernten zu beschlagnahmen. Ihr Ziel wäre die vollständige Ver­nichtung des bulgarischen Elements in Macedonien. Der Fanatismus der muhamedanischen Bevölkerung werde ge­schürt, und hohe Beamte unterstützten die Kriegslust. General Petrow beschrieb weiter die Truppenbe. wegungen an der Grenze als beunruhigend. Wäh­rend die Bulgaren nur 8 Bataillone an der Grenze stehen hätten, sei die Zahl der türkischen Bataillone auf 30 an­gewachsen. Man könne jeden Augenblick die Nachricht er­warten, daß die Türken eine bulgarische Grenzstadt, beispiels­weise Küstendiel, besetzt hätten. Aus diesem Grunde habe die Regierung den Beschluß gefaßt, die bulgarischen Grenz­truppen ebenfalls auf 30 Bataillone zu bringen. Die Groß­mächte würden durch ein Rundschreiben von der Veran­lassung zu diesem Schritte benachrichtigt werden. Eine An­frage bei der Pforte, weshalb die militärischen Bewegungen an der Grenze stattfänden, sei ausweichend beantwortet wor­den. So unangenehm für Bulgarien auch eine Mobil­machung jetzt vor der Ernte sein würde, und so groß die Schwierigkeiten einer nachherigen Demobilisierung auch wären, so habe man doch sich genötigt gesehen, alles für eine Mobilmachung vorzubereiten. Der bulgarische General sprach sich ziemlich verächtlich über die türkische Armeeorganisation aus. Eine Mobil­machung dieser Armee werde mindestens zwei Monate in Anspruch nehmen, und selbst dann sei die türkische Armee megen Mangels an Eisenbahnzügen ziemlich bewegungs­unfähig. Bulgarien könne dagegen sofort 250 000 Mann mobil machen, die fast alle mit dem Mannlicher- Gewehr aus. gerüstet seien. Der Bestand an Munition lasse vielleicht zu

wünschen übrig, aber man habe immerhin 500 Patronen pro Gewehr und 300 Granaten pro Geschütz zur Verfügung. Ein Eingreifen von Seiten Serbiens oder Rumä niens ist nach Ansicht des Generals Petrow im Falle eines Krieges nicht zu fürchten. Jedenfalls habe die Türkei von einem Kriege mit Bulgarien mehr zu befürchten als zu hoffen.

Nachstehend die inzwischen eingegangenen Meldungen über die Lage: Von amtlicher türkischer Seite wird be­richtet: Bulgarien hat neuerdings bezüglich der letzten Grenz­verfälle von der Pforte freundschaftliche Aufklärungen ver­langt, welche sich jedoch verzögerten, da der Kriegsminister genaue Berichte abwartet. Nach Angaben der Pforte wur­den die Grenzposten in Göktepe infolge eines Zusammen­stoßes zwischen türkischen und bulgarischen Truppen durch ein Bataillon verstärkt, welches den Grenztruppen entnom men wurde. Der Zusammenstoß ist durch Bulgaren hervor gerufen, welche die türkische Grenze überschreiten und einen Mazedonier erschossen hatten.

Aus Sofia fommt folgende amtliche Meldung: Tas Gerücht von der Mobilisierung einer Division ist vollkommen unbegründet. Es ist in böswilliger Absicht verbreitet wor den. Infolge der wachsenden Einwanderung von Flücht lingen aus der Türkei, welche die Gemüter aufgeregt und Anlaß zur Bildung aufständischer Banden gegeben hat, die die Grenze zu überschreiten versuchen beabsichtigt die Re gierung, eine Anzahl Reservisten aus den an der Grenze gelegenen Ortschaften zur Verstärkung der Grenzposten ein­zuberufen.

Aus Mazedonien wird gemeldet: Glaubwürdigen Nachrichten zufolge haben die mazedonischen Comitees feines wvegs ihre Absicht aufgegeben, in diesem Jahre noch eine all­gemeine Erhebung zu veranstalten. Sie erklären, daß Waffen- und Munitionsvorräte in genügender Menge vor handen und in den Bergen versteckt sind. Zur gelegenen Zeit werde jedes Dorf seinen Anteil daran erhalten. Aufrufe zur Beteiligung am Aufstand werden überall verteilt. Die Mehr­zahl der Häupter des Aufstandes möchte die Erhebung noch bis nach der Ernte hinausschieben. Die Bewohner der maze­donischen Dörfer und des Vilajets Adrianopel sind in verzwei­felter Erregung, und man glaubt, daß sie gern dem Ruf zu den Waffen Folge leisten werden.

Die Wohnungsfürforge.

C. B. Den preußischen Regierungspräsidenten ist bekannt lich ein Gesetzentwurf betr. die Wohnungsfürsorge zur Be gutachtung und beschleunigten Behandlung zugegangen; es geht daraus hervor, daß in Erfüllung der leßten Thronred der nächste Landtag mit der Lösung der Wohnungsfrage be faßt werden soll. Es scheint aber, daß der neue Entwur diese Lösung nicht bringen wird, denn trotzdem wie ein rote Faden stets die Redewendung wiederkehrt, daß man de Boden- und Wohnungsspekulation amtlich entgegentreten wolle, ist in dem Entwurf doch eigentlich nichts weiter ent halten, als eine Verschärfung der sozialhygienischen Vor schriften in den Bauordnungen.

Vor allem soll die Genehmigung für tief geschnitten Baublocks eingeschränkt werden, um den Bau von licht- uni luftlosen Hinter- und Quergebäuden zu verhüten. Ferne sollen die Baulustigen mehr als seither zu Straßenanlagen und zur Anlegung von Spiel- und Schmuckplägen verpflichte werden, und schließlich wird sogar die äußere Ausstattung des Hauses bestimmten baupolizeilichen Vorschriften unterworfen. Andererseits werden den gemeinnüßigen Bauunternehmunger besondere Begünstigungen durch Straßenzüge u. dergl. zu gesichert.

Eine sehr einschneidende Maßregel ist die Zonencinteilung des Bebauungsgeländes, bezw. die Klassifikation des Bau grundes nach seiner Berwendbarkeit. In der einen Zon dürfen nur Prunkgebäude, in der anderen nur Mietshäuser und in wieder einer anderen etwa nur gewerbliche Anlagen errichtet werden. Durch diese Zonenbegrenzung will man gewisse Gebiete der Bodenspekulation entziehen; aber es is doch fraglich, ob durch diese Begrenzung nicht gerade au dem abgeteilten Gebiete Bodenwertspekulationen herbeige­führt werden. Es ist ja leider der Zug der Zeit, daß- we nigstens an den größeren Plätzen die Wohnungen nich gebaut werden, um bewohnt, sondern um verkauft zu werden, mit anderen Worten, nicht das Bedürfnis, sondern die Bau­spekulation regelt die Bautätigkeit; die Häuser sind förmlich zu einer Ware geworden. Die Wirkung davon zeigt sich namentlich in den Großstädten. Eine Familie im Osten von Berlin bot f. 3. ihren Grundbesitz für billiges Geld aus und einer der Erben behielt sein Erbteil. Er ist im Laufe einer Generation, ohne einen Finger zu rühren, durch die von der Preisspekulation herbeigeführte Steigerung des Grund stückswertes mühelos ein Millionär geworden. Die Ein wohnerschaft von Berlin hat alljährlich etliche Millionen Mark an Zinsen für Grundstückszinsen aufzubringen. Da ist eine effektive Tributpflicht des arbeitenden Volkes gegen über dem mobilen Kapital, aber dagegen gibt es eigentlic feine andere Abhilfe als die soziale Wohnungspolitik ent weder durch die privaten Gesellschaften, oder durch die Ge­

meinden und Gemeindeverbände oder den Staat. Die Ge meindepolitik wird von dem Maße des Interesses der Körper schaftsmitglieder an den Bodenwerten abhängen, für den Staat eignet sich eine spekulationsfeindliche Bodenpolitil nicht, weil sie zu sehr von örtlichen Verschiedenheiten abhängt. Jedenfalls wird der jetzige Gesezentwurf der Bauspekulation faum in fühlbarer Weise entgegentreten. Dagegen sind sehr erfreuliche gesundheitliche Wirkungen davon zu erwarten. namentlich wenn die für Städte über 100,000 Einwohner obligatorisch werdenden Wohnungsaussichtsämter ihre Schul. digkeit tun.

Die politik.

Reichstagswahl und Dynamit.

In dem Dorfe Brzonsna( Kreis Rybnik) wurde gegen den Hauptlehrer Magura, der bei der Reichstagswahl eifrig gegen den polnischen Kandidaten Kowalczyk zu Felde ge­zogen war, ein Dynamicanschlag verübt. Mehrere bisher nicht ermittelte Bersonen warfen in Maguras Woh­nung zwei Dynamitpatroner, weiche sosort explodierten. Ein Teil des Hauses wurde zerstört, die Mobel in den Zimmern sind zertrümmert. Von den Hausbewohnern fam glücklicher­weise niemand zu Schaden.

§ 14 und Ministerfrise in Desterreich).

Die Entwickelung der Dinge in Desterreich, die an dieser Stelle vorausgesagt wurde, ist eingetreten: der famose§ 11 ist wieder in Kraft. Auf Grund dieses Paragraphen ist durch kaiserliche Verordnung ein sechsmonatiges Budgetprovisorium defretiert worden. Das heißt, die Regierung fann mit den Staatseinnahmen auch ohne Genehmigung des Etats durch das Parlament nad) eigenem Ermessen wirtschaften. Aber trotz dieses Notbehelfs scheint das Kabinet doch vor den Schwierigkeiten der Lage zu erlahmen: Das Ministe rium v. Körber hat plöblich sein Rücktritts gesuch dem Kaiser Franz Josef unterbreitet. Nach einer Wiener Meldung hat der Ministerrat bereits am legten Freitag be­schlossen, die Demission des gesamten Robinets zu geben. Der Kaiser hat sich seine Entscheidung vorbehalten; sie wird im Laufe dieser Woche erwartet. Die Ursache der Krise liegt angeblich in dem von dem neuen angarischen Ministerprä­sidenten Grafen Khuen auf das Wiener Kabinet ausgeübten Druck wegen rascher Erledigung der Ausgleichsvorlagen durch den Reichsrat, die durch die tschechische Obstruktion verhindert wird. Kaiser Franz Josef dürfte dies Abschiedsgesuch des Ministeriums annehmen, aber den bisherigen Minister­präsidenten Dr. v. Kör ber mit der Umbildung des Kabinets betrauen. Aus dem Kabinet werden nur der Kriegsminister v. Welsersheim und der Finanzminister Rezef ausscheiden; alle übrigen Minister bleiben, und an die Stelle der beiden Ausscheidenden dürften Männer aus den Reihen der Volks­vertretung treten.

Steuerkrawalle in England.

Das neue englische Schulgesetz stößt, wie wir schon ge­meldet, bei der Bevölkerung in Stadt und Land auf hart­nädigen Widerstand. Die Schulsteuer, die es dem Bolke auferlegt, ist von sehr vielen nicht entrichtet worden. In­folgedessen haben die Behörden an vielen Orten auf die Ein­treibung der Steuer schließlich verzichtet. An anderen Orten dagegen ist man mit Zwangsmaßregeln vorgegangen und hat bei den widerspenstigen Zahlern Pfändungen vorge­nommen. In Hastings sollte nun dieser Tage eine Reihe solcher Pfandstücke öffentlich versteigert werden. Ein Auf­tionator war weder in Hastings noch in der Umgegend für den Verkauf zu haben, und man hatte einen fremden Auk­tionator besorgen müssen. Als dieser erschien, wurde er son einer heulenden, schreienden und ihn mit allerhe Wurf­geschossen bombardierenden Menge empfangen; er mußte sich schließlich durch die Fenſter eines Hinterhauses und durch Gärten zur Eisenbahn retten. Die Polizei tat zwar ihre Pflicht, stand aber im allgemeinen offenbar auf Seite der Steuerverweigerer. Nach diesem Vorfall wird die Re­gierung zu der Steuerfampagne wohl kaum mehr wie bisher beide Augen zudrücken.

Draga und ihre Geschwister.

migaro" wurden jetzt drei kurz vor der Belgrader Mordtat geschriebene Briefe der Geschwister Dragaš ver­öffentlicht. Der erste Brief rührt von Nikola Lunjewitsch aus Brüssel her und ist an Draga gerichtet: Nikola bittet seine Schwester, die er seine Königin nennt, um ihre Ein­willigung zu seiner Heirat mit einer hübschen, aber armen Französin. Der zweite Brief, von der Hand der jüngeren Schwester Dragas, enthielt die Antwort auf diese Bitte Ni­folas. Es heißt darin, daß Draga über Nikolas Heirats. absichten so zornig geworden sei, daß sie acht Tage frank gewesen sei. Nie werde Draga diese Heirat gestatten. Das lezte Schreiben endlich rührt von dem für die Thronfolge in Aussicht genommenen Nikodem Lunjewitsch her. Dieser macht darin Nikola die heftigsten Vorwürfe, weil er gesagt habe, Draga fürchte, daß seine Braut dem König gefallen könnte, seine Braut sei anständiger als Draga. Nikodem nennt Nikola infam und fordert ihn auf seinen Abschied zu nehmen. Nikola ging bald nach diesem Briefwechsel nach Belgrad und wurde dort gemeinsam mit Nikodem ermordet.

Der Kommissar ging hinaus, glei

varauf trat aus

nachts verübt worden sein, die Nach seiner Ansicht mußte die Tat gegen zwei Uhr

des Lebens war gänzlich ausgeoffnung auf Erhaltung

die Verwundung zu Protokoll zu geben.

dem Schlafzimmer der Arzt ein, um sein Gutachten über

Ear

Bermundet

Gnde weit zur Resinnung Die Frage, ob

noch einen Augenblick, bis ich den Haftbefehl ausgefertigt und verhaften Sie den Küfer Hammer; warten Sie nur Kommissar, eilen Sie in die Wohnung der Volkssängerin zu, die ich sogleich verhören werde; ich muß rasch zu greifen, damit mir die Schuldigen nicht entwischen. Herr ,, Sie und auch ihren Vater, vielleicht die Mutter da­

habe.

nach Hause gekommen sein! ternacht heimgekommen, das tet?" rief Elise ,,, was soll das alles bedeuten?" im Unterhaus sagten mir, Sie müßten erst gegen morgen der Beamte sich zu den Küfer. Sie sind erst nach Mit­Wo waren Sie in der vergangenen Nacht?" wandte weiß ich bereits, die Leute cinem Scheven Brick

,, Dem Untersuchungsrichter? Meine Schwester verhaf

ich" ormiderte

Jaben umivunden. Lan

alterer gromandaje egen

in der Wohnstube steht jedes einzelne Möbel genau fa­Messer ausgeschnitten, die Decke ist abzunehmen und drin lang beim Schein der Thranlampe mit einem einzigen und Hausgerät und sein Pfarrhaus, das er da oben tige­Vogelfedern, große Vogeleier und weiche Felle; Messer stände. Eiderdaunendecken und tunstvolle Lampenteller aus quf ieinem richtigen Blat. Und die Kirche mit allen

hiert