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föhnung der Volksschichten zur Folge haben werde. Finanz minister Frhr. v. Rheinbaben war derselben Ansicht, anders aber urteilte Herr v. Chlapowski, der sich als Pole gegen alle Maßnahmen zum Schuß des Deutschtums erklärte und die Polen gegen den Vorwurf, sie erstrebten eine Losreißung des Ostprovinzen von Preußen- Deutsch­land, verteidigte. Eine Beschwerde des Redners über die Postverwaltung, die polnische Briefadressen nicht zulasse, fand eine energische Zurückweisung durch den Finanzmi­nister, der diese Maßnahme als Konsequenz der Sucht der Polen, deutsche Ortsnamen zu polonisieren, bezeich­nete. Nachdem noch einige andere Redner sich für die Regierungspolitik ausgesprochen, genehmigte das Haus ben Finanzetat,-

Nab und fern.

!! Eine neue Potsdamer Liebestragödie. Schon wieder wird der Doppelselbstmord eines Liebespaares aus Pots­dam gemeldet. In einem dortigen Hotel wurden der Kauf­mann Emil Leser aus Rirdorf und seine Braut Helene Stolzenburg in ihrem Zimmer erschossen aufgefunden. Ueber die Motive der Tat ist man bis jetzt noch im Duntel. Das Verhältnis zwischen den beiden war das denkbar günstigste und die Hochzeit sollte schon in nächster Zeit stattfinden. Leser, der sich in lezter Beit sehr auf­geregt gezeigt hatte, traf sich abends mit seiner Braut aus dem Rixdorfer Bahnhof. Beide fuhren dann nach Pots, dam und nahmen in dem Hotel Wohnung. Nach dem Leichenbesunde wird angenommen, daß Leser in der Nacht erst seine Braut und dann sich selbst durch Revolverschüsse getötet hat.

Die Abessinier auf dem Kriegspfade. Tas abessi­nische Truppenkorps, welches mit den beiden englischen Kolonnen in dem Feldzuge gegen den Mullah zumammen­wirkt, ist in Bari eingetroffen. Der Aufbruch der Abessi­nier von Harrar bot einen malerischen Anblick dar. General Gabri, der Oberbefehlshaber, hatte in einem Tagesbefehl angeordnet, daß der Abmarsch in großer Gala vor sich gehen solle. Die Truppen trugen Schilde, die mit Büffel- oder Löwenfell überzogen waren. Die Schilde der Offiziere waren mit Gold und Silber verziert. Die Ausrüstung der abessinischen Truppen hatte einen ganz mittelalterlichen Anstrich. Tie Infanterie war nicht gerade reich mit Kleidungsstücken versehen. Sie trug bis zum Knie reichende Strümpfe aus einem Baumwollstoff und eine Art Lederkoller mit Kapuze. Ihre Waffen­ausrüstung bestand aus einem Gewehr und einer Lanze. Die Pferde der Kavallerie waren mit von Gold- und Silberzierrat schimmernden Schabracken bedeckt. Der Mullah hat Galadi verlassen und sich nach der Hochebene von Scebeli zurückgezogen. Ein entscheidendes Treffen dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen.

= Ein verarn ter Wucherer. In Berlin erschoß sich, als er wegen falschen Offenbarungseides verhaftet wer den sollte, der 61 Jahre alte Privatier Karl Stahl. Er war mit einem Vermögen von 130 000 Mart nach der Hauptstadt gekommen und hatte Wuchergeschäfte begon­nen, die aber so schlecht gingen, daß er gänzlich ver­armte. Stahl war mehrfach wegen Wucherns bestraft.

Der Nachlaß der Königin Henriette. Dass betgtsche Hofblatt Etoile Belge" veröffentlicht folgende offizielle Note: Königin Marie Henriette ist vor sechs Monaten verschieden, die Erbschaft ist aber noch nicht liquidiert. Graf Lonyay, der Gatte der Prinzessin Stephanie, trägt an dieser Verzögerung hauptsächlich Schuld, troß aller Schritte, die von hier aus bei ihm unternommen wurden, um diese Angelegenheit zu regeln."

- Eine Stadt aus der Steinzeit entdeckt. Ueberreste einer uralten Stadt aus der jüngeren Stein­zeit sind auf dem Monte Lozzo bei Este entdeckt worden. die Feuerherde der Hütten sind durchweg erhalten. Die Gelehrten schreiben dieser Entdeckung eine hohe Bedeu­tung zu.

Bunte Chronit. Eine sensationelle Enthüllung weiß ein belgisches Blatt zu berichten. Danach erklärte ein Dienstmädchen der Brüsseler Polizei, daß in einem dor­tigen Hotel, in welchem es bedienstet gewesen, mehrere Reisende ermordet worden seien. Eine Untersuchung ist eingeleitet.

Unter dem Verdacht des Kindesmordes wurde in Berlin das Dienstmädchen Spehr verhaftet.

In Konstanz wurden durch eine nächtliche Feuers­brunst, die in einem Spediteur- Lagerhause ausgebrochen war, 12 Wohnhäuser und 4 Nebengebäude eingeäschert. Es wurden mehrere Personen wegen Verdachts der Brandstiftung verhaftet.

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In Mtona erschoß der Kaufmann Robert Meis aus Prag seine Frau und sich selbst. Der Grund zu der unseligen Tat bilden verfehlte Börsenspekulationen, durch die Meis sein ganzes großes Vermögen verloren hat.

+ Ehrung. Wie wir erfahren waren es am 2. No­vember v. J. 10 Jahre, daß die hiesige Gewerbeschule unter der Leitung des Großherzegl. Hauptlehrers Traber reorganisiert ist. Aus diesem Anlaß haben die Schüler der Anstalt eine Gedenktafel gewidmet, welche bei Herrn Glasers meister Hirz- Selters weg ausgestellt ist. Angefertigt ist diese.be von einem Schüler der zweiten Abteilung unter Anleitung des technischen Lehrers Architekten Demmer. Diese Arbeit giebt ein beredtes Zeugnis von den gediegenen Leistungen der Schule und dem harmonischen Zusammen­wirken von Lehrern und Schülern unter der bewährten jezigen Leitung.( Wir freuen uns dies konstatieren zu fönnen, und wünschen der Anstalt ein ferneres Blühen und Gedeihen. D. R)

- Auf Antrag der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wurde in Bad Nauheim Leutnant a. D. v. Loew wegen Meineids verhaftet. Der Prozeß dürfte sich zu einer großen Skandalaffäre auswachsen. v. Loew wird be­schuldigt, in einem Beleidigungsprozeß seine intimen Beziehungen zu einer Düsseldorfer Ingenieurfrau Ed unter seinem Eide fälschlich bestritten zu haben. Frau Eck, die gleichfalls eine Anklage wegen Meineids zu gewärtigen hatte, hat sich vergiftet. In die Angelegen­heit sollen auch noch andere angesehene Bürgerfrauen verwickelt sein.

*** Mit peinlichster Genauigkeit hat sich der Wetter­gott in diesem Jahre nach dem Kalender gerichtet. Der April ist da- aber damit sind auch die schönen Tage von Aranjuez vorüber bald trüber Tag, bald heitrer Sonnenschein, wie's der Aprilgott nur allein," fönnte man fingen, wenn einem bei dem Wetter die Lust zum Singen nicht verleidet wird. Professor Falb scheint dies mal mit Prophezeitung das Richtige getroffen zu haben na, ein­mal muß es doch auch stimmen. Immerhin ist die Mutter­Erde durch die lange Trockenperiode etwas durstig geworden, der so etwas Nasses durchaus nicht schaden kann. Hoffen wir, daß sie es nicht zum Ueberfluß erhält.

- In Braddock( Pennsylvanien) fand eine Explosion in dem Hochofen der Carnegie Gesellschaft statt. Eine Per­son wurde getötet, sieben Personen sind durch Brand­wunden lebensgefährlich verletzt, zwei werden noch bermißt.

Das Dorf Besande( Spanien) wurde von einer Feuersbrunst heimgesucht; 32 Häuser und 41 Viehställe sind eingeäschert worden, die meisten Einwohner haben thre ganze Habe verloren.

- Der Bombenwerfer Machetto ist von den schweizeri­schen Gerichten für unzurechnungsfähig erklärt und einer Frrenanstalt überwiesen worden. Machetto war der Ur­heber des Bombenattentats auf die Genfer Kathedrale.

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*** Der Finanzausschuß des Komitees für den in Frankfurt stattfindenden Sängerwettstreit macht bekannt, daß der Verkauf der Dauerkarten für alle Konzerte und Wettgefänge voraussichtlich Anfang April beginnen wird. Vormerkungen nehmen schon jest entgegen die Frankfurter Musikalienhandlungen von C. A. Andre( Steinweg), Firn­berg( Schillerstraße), Th. Henkel( Theaterplatz).

- Auf der Zeche ,, Neu- Iserloh" bei Dortmund wurden ein Fördereraufseher und ein Hauer in der Bremsvor­richtung vom Förderkorb erfaßt. Der Aufseher war gleich tot, der Hauer hat beide Beine gebrochen.

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Gießener Volksbad. Im März wurden 7921 Bäder verabreicht, gegen 7581 im Februar 1903 und 7244 im März 1902 oder im Durch ſchnitt auf den ganzen Badetag 278 Bäder gegen 297 im Februar 1903 und 278 im März 1902. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad: 3766 Männer, darunter 744 zu 10 Pfg. 765 Frauen 177, 10, Wannenbäder: 1. I. 259 Männer, 92 Frauen, 2. l. 703 461 Dampf und Heißluftbäder, sowie Maffage zu­fowie Massage zu­sammen 146 Männer, 41 Frauen.

Brausebäder 1439 Männer, 249 Frauen. Die Personenwage wurde von 200 Personen be= nuzt und das Bad von 1 Person besichtigt.

Aus Hessen und Dachbargebieten.

Grünberg, 2. April.( Wochenmarkt.) Der Markt war gut besucht, der Handel flott, besondees in Klein­bieh. Es fosteten Schweine 60-70 Mt., Mutterschafe 30-32 Mt., Jährlingslämmer 38-50 Mt., die aller­dings sehr schwach aufgetrieben waren. Rindvieh stand annähernd 150-170 Stück, Schweine 1000-1200 Stück.

H. Nieder- Weisel. Die am 15. März dahier abgehaltene Vorturnerstunde des Bezirks Buzbach- Bad­Nauheim hatte sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen. Anwesend waren 30 Turnwarte und Vorturner. Das herr­liche Wetter benutten viele Turner, um bei dieser Gelegen­heit einen Ausflug nach hier zu unternehmen. Auch einige Damen hatten sich als Zuschauer eingefunden. Wir hoffen, daß diese Vorturnerstunden noch öfters in unserer Turnhalle abgehalten werden, da ein junger Verein, wie der unserige, sich manche turnerische Handgriffe absehen kann und Lust und Liebe zur Turnerei gefördert wird.

** Fast unglaublich. Dieser Tage betam, so wird uns von einem Gönner aus Grünberg berichtet, ein Land­wirt seinen Anzeiger unter Kreuzband zugesandt. Natürlich die Hülle eins, zwei, drei heruntergerissen, um zu lesen, was das Blättchen Neues bringt. Aber, o weh, die schwarzen Buchstaben fingen vor seinen Augen an lebendig zu werden; die Sache schärfer auf's Korn genommen, macht der Bauer die unangenehme Entdeckung, daß in seiner Beitung sich Wanzen mit eingenistet hatten. Natürlich mit dem Lesen war's vorbei, vorbei auch mit der Ruh'; ein Vernichtungs­tampf begann, dessen Ausgang uns allerdings nicht bekannt tst. Muß das aber eine saubere Lieferantin sein die be­treffende Druckerei!

62 jährige Privatier Eduard Trier wegen einer unheilbaren Frankfurt a. M., 1. April. Hier erhängte sich der Krankheit.

+ Beerfelden i. O., 1. April. In Abwesenheit der Eltern hantierten hier 2 Knaben mit einem geladenen Re­volver. Dabei entlud sich die Schußwaffe, und die Kugel drang dem jüngeren Bruder in die Hüfte.

*** Kirtorf. Am 27. vorigen Monats brannte ein Ab­treibungsterrein des Grafen von Lehrbach ab, wobei der große Wirbelwind große Stücke mit hinweg nahm. Man ist bis heute noch im Unklaren, wie das Feuer entstanden ist. Die Sache soll der Staatsanwaltschaft übergeben werden. *** Auf der Arbeiter- Rolonie Neu- Ullrichstein waren am 1. März 111 Arbeitslose.

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Ein Gendarm vor dem Kriegsgericht. Im Jahre 1897 wurde der Gendarmerie- Oberwachtmeister Rath nach Höchst versezt. Nach seiner Angabe war der ganze Beritt durch seinen Vorgänger vernachlässigt worden. Raih führte deshalb, dabei auch einem Wunsche seines Vorgesezten, des Distriksoffiziers Major v. Dichend in Wiesbaden folgend, ein strenges Regiment ein, um Schwung in die Kolonne zu bringen." Darob herrschte gar bald große Unzufrieden heit unter den Gensdarmen des Beritts, der so weit gedieh, daß die Gensdarmen Versammlungen abhielten, um über ihre bedrückte Lage zu beraten. Viel kam dabei nicht her­aus. Schärfer sprachen sie sich schon gegenseitig aus, wenn 2 sich unter 4 Augen trafen. Da ist es wohl vorgekommen, daß von Veröffentlichung in der Presse, Beschwerden u. s. w. gesprochen wurde. Die heutige Verhandlung war nur durch gendarmerie in Berlin veranlaßt, in denen Oberwachtmeister 3 anonyme, bez. pseudonyme Briefe an den Chef der Land­Rath allerlei dienstliche Vergehen, Uebergriffe u. s. w. vor­geworfen wurden. Auch an Schimpfworten fehlte es nicht, so daß die 3 Briefe zweifellos beleidigenden Charakters gensdarm Göricke aus Bad Soden angeklagt. Der Mann waren. Diese Briefe geschrieben zu haben, war der Fuß­ist wegen dieser Sache seit 10 Monaten vom Dienst suspen dirt und so auf halben Sold gesezt. Die Beurteilung des Falles hing wesentlich von dem Gutachten der Schriftexporter ab. Die Anklagebehörde hatte sich als solchen den früheren

*** Kirtorf. Bei der am 26. vor. Monats hier abge­haltenen Holzversteigerung wurden im Verhältnis zu den Holzversteigerungen in der Umgegend geringe Preise erzielt. Im Durchschnitt macht es 4-5 Mt. am Meter aus. Auf dem diesjährigen Ostermarkt waren durch das schlechte Wetter, welches bis 9 Uhr Morgens anhielt, wenig Schweine und 104 Ferkel aufgetrieben. Das Paar Fertel toftete 50-60 Mt. An Läufern wurden nur 6 Stück verkauft, das Paar kostet 60-70 Mt. Den Krämer­markt zierte nur ein Stand.

r. Kinzenbach, 1. April. Eine große Ueberraschung wurde den in der Fastnacht die Spinnstube besuchenden Burschen und Mädchen bereitet, indem in jener Nacht sämt­liche Spinnstuben von der Polizei ausgehoben wurden. All­gemein war man nämlich der Ansicht, daß die Fastnacht ähnlich wie auch Sylvester für die jungen Leute frei sei. In noch größeres Erstaunen wurden aber alle Spinnstuben besucher versetzt, als ihnen in diesen Tagen eine Polizeistrafe von 5 Mt. vom Bürgermeisteramt zuging. Die so uner­wartete Strafe soll weit über 200 Mt. ausmachen. Wie wir erfahren, so haben sämmtliche Interessenten Einspruch gegen diese Polizeistrafe erhoben, auf deren Ausgang man allgemein gespannt ist.

Volksschullehrer, jezigen renitenten Pfarrer" und Schreib­lehrer Konrad Stern aus Kassel verschrieben. Dieser be­gutachtete, daß die 3 Briefe von Göricke geschrieben seien. Bei der Abgabe des Gutachtens verfehlte der aus eigner Machtvollkommenheit zum" Pfarrer" avancirte Schriftver­ständige nicht, den lebendigen Gott" verschiedentlich zu er wähnen. Der sonderbare Heilige" werde von dem durch die Verteidigung geladenen Gegengutachter Landgerichtssekretär Bähler dahier gehörig zugedeckt. Herr Bähler wies über­zeugend nach, daß die 3 Briefe nicht von Göricke geschrieben feien, daß sie ferner überhaupt nicht von ein und derselben Hand geschrieben seien und daß sie endlich diktirt seien. Da in letzterer Beziehung Göricke nichts zu beweisen war, er. folgte seine Freisprechung, ohne daß man in eine Prüfung darüber trat, ob die dem Oberwachtmeister gemachten Vor­würfe wahr sind oder nicht.

i. Wetzlar, 2. April. Gestern wurde die vor den Thoren Weglars liegende Landgemeinde Niedergirmes mit der Stadt Wezlar vereinigt. Somit wird durch die unter dem 2. Februar getroffene fönigliche Entscheidung eine Streitfrage gelöst, die lange Jahrzehnte hindurch den Gegenstand von Verhandlungen und Erörterungen bildete. Wezlar rückt durch diese Buteilung zugleich in die Reihe der Städte ein, welche über 10000 Einwohner befizen und somit mit besonderen Rechten ausgestattet sind.

** So Jemand eine Reise thut, dann kann er was erzählen! Fuhr da am 17. Januar d. Js. ein Gastwirt aus Arheiligen bei Darmstadt hierher nach Franks furt a. M., um Einfäufe zu machen. Das Frankfurter Pflaster ist nun sehr schlüpfrig, was Wunder, daß unser biederer Hessischer Wirt in's Straucheln gertet. Am 18. früh erwachte er nicht bei den heimischen Penaten, sondern in einer Mansarde in der Taunusstraße dahier. Wie war er nur dahin gekommen? Nachdem er sich den Verstandskasten etwas zurecht gerückt hatte, fiel es dem guten Manne ein, ein freundlicher Frankfurter hatte ihn, da der letzte Bug doch versäumt war, mit heraufgenommen. Dort oben lasse sichs billig in Damengesellschaft übernachten!" Es waren auch zwei Dämchen da gewesen, aber sie waren verschwunden, und Uhr mit Kette im Werte von 320 Mt., das Portemonnaie, mit ihnen Weste, Rock, Ueberzieher, Hut, Stiefel, goldene die gekauften Waren u. s. w. Nur die Hose hatte man dem Geplünderten gelassen, so daß er wenigstens nicht ganz in Adams Kostüm da in der Welt stand. Die Bauernfänger wurden alsbald ermittelt und heute vor der Straftammer abgestraft. Der Schlosser Otto Kohlmeier aus Chemniß er­hielt 18 Monate, der Schlosser Heinrich Stuckardt 2 Jahre Buchthaus, die zwei Damen" je 3 Monate Gefängnis. In Mainz waren sie erwischt worden, als sie die von dem Wirt gekauften Waren verschleißten.

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Cassel. In einem Hause der Hohenzollernstraße, in der Nähe der Infanterie- Kaserne hat sich in der Dienstag Nacht ein schreckliches Liebes drama ereignet. Ein junges Mädchen, das, wie man hört, in Berlin wohnt und mit einem jezt hier anwesenden Herrn ein Liebesverhältnis unter­halten hatte, das nicht ohne Folgen geblieben war, fam, von Eifersucht getrieben, hierher, da es sichere Beweise für die Untreue des Liebhabers zu haben glaubte. Sie traf gestern Abend spät hier ein, begab sich sofort nach der Wohnung des Geliebten, wo sie durch Zufall Einlaß erhielt und ging auf das Zimmer des Herrn, der gerade im Begriffe war, sich zu Bett zu begeben. Der Herr wurde überrumpelt und von der Dame nach einem furzen Wortwechsel niedergeschossen. Darauf richtete sie die tötliche Waffe gegen sich selbst und sant dann entseelt in demselben Zimmer nieder. Durch die Schüsse aufgeschreckt, wurden die Bewohner des Hauses allarmiert und benachrichtigten die Polizei, welche alsbald erschien und nach Feststellung der üblichen Formalitäten die Ueberführung der beiden Leichen nach dem Leichenhause an­ordnete. Die Mörderin heißt Emma Sachs, steht, Mitte der zwanziger Jahre und ist aus Berlin; der von ihr er­schossene junge Mann ist der Kaufmann May Flegenheim, gebürtig aus Frankfurt a. M., früher war er ebenfalls in Berlin, wo er mit der Sachs befannt wurde und ver fehrte, in der letzten Zeit hatte er jedoch eine Stellung hier in dem Bankgeschäft von Otto Grunsfeld inne.

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