Ausgabe 
24.7.1902 Zweites Blatt
 
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seinen Antrag zurück und die Resolution wird dann nach einigen Aenderungen einstimmig ange­

nommen.

Der Festausschuß des Dresdener Bundestages hat den Antrag auf Bewilligung der für ein etwaiges De­fizit festgesetzten 3000 Mt. gestellt. Dem Bundesvor­stande wird vorgeschlagen, für Preise 1335 Mk., sowie noch besonders 1500 Mt. zur Verringerung des Defizits zu bewilligen Diesem Antrage wird stattgegeben.

Es wird nach einer Befürwortung Seitens des Herrn von Köller beschlossen, den 20. Bundestag in Hamburg abzuhalten.

Bei der Vorstandswahl wurde Herr Boeckling mit 103 Stimmen zum Vorsitzenden wiedergewählt. Herr Justizrat Bogel hat eine Wiederwahl zum 2. Vorsitzenden bestimmt abgelehnt, an seiner Stelle wird Herr von Köller gewählt. Herr Köller wird auch als Vorsitzender des Ehren- und Schiedsgerichts gewählt Mit allge­meiner Zustimmung wählt die Versammlung Herrn Felger wieder in das Amt des Gauzahlmeisters: Herr Richter wird wieder Bundesfahrwart für Wander­fahren, Herr Georg Mey r Vorſizender des Sportaus, schusses und Herr Kammerecker Fahrwart für Bahn und Straßenwettfahrten. Als Vertreter für Rechtsschutz wählt man Herrn Dr. Scharlach und als Beisitzer auf Vorschlag des Bundesvorstandes Herrn Dr. Martin. Zu Kassenrevisoren wurden wieder die Herren Witten­berg, Wiese und Pelates gewählt.

Die Verhandlungen fanden dann mit dem üblichen ,, All Heil" ihren Abschluß.

Großes Radfahrer- Bundesfahren. Die wegen des andauernden Regens ver­schobenen großen Wettfahren des Deutschen Radfahrer­Bundes wurden am Montag Nachmittag ausgeführt Die Zuschauertribünen waren auf allen Plätzen über­fünt. Die einzelnen Rennen nahmen folgenden Verlauf:

Fahren Nr. 1 1000 m( 2 Runden). Kampf um die Meisterschaft des Deutschen Rad­fabrerbundes. Der Sieger erwirbt den Titel: Meister fahrer des D. R.-B. über die kurze Strecke für 1902 im Bahnwettfahren, erhält die goldene Meister schaftsmedaille im Werte von 125 Mt., sowie die Bundes Ehrenurkunde. Dem Zweiten und Dritten Ehrenpreis nebst Bundes- Ehrenurkunde. Auf Grund der Vorläufe starteten 6 Fahrer. Albert Leopold­Hannover Erster, Zeit 1 Min. 43% Sef. Heinrich Struth- Mainz Zweiter, Ebeling- Hamburg- Altona

Dritter.

Zu

Fahren Nr. 2. Mannschaftsfahren der Bundesgaue. 1000 m( 22 Stunden). Der siegenden Mannschaft fünf silberne Ehrenbecher nebst Bundes­Ehrenurkunde. Es fanden fünf Rennen statt. edem Rennen wurde durch das Loos aus jedem ge­meldeten Gau ein Fahrer bestimmt. In jedem Rennen wurde gewertet: für Sieg ein Punkt, für den zweiten Play zwei Punkte, für den dritten Platz drei Punkte 2c. Punktzahl aufzuweisen hat. Als Bewerber traten Gau 17( Hannover), Gau 32( Deutsch- Böhmen), Gau 17 a( Staffel), Gau 20( Berlin) und Gau 9( Frank­furt a. M) auf. Das Resultat der fünf Rennen war folgendes: Gau 17( Hannover), 7 Punkte, Erster. Gau 9( Frankfurt a. M.), 9 Punkte, 3weiter.

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Gau 17 a( Staffel), 16 Punkte, Dritter. Gau 20 Gau 20 ( Berlin), 17 Punkte, Vierter.

Fahren Nr. 3. Kaiserpreisfahren. 1000 m ( 2½½ Runden). Dem Ersten: Anrecht auf den Wander­( Runden). Dem Ersten: Anrecht auf den Wander­preis, gestiftet von Kaiser Wilhelm II. Der Preis muß viermal hintereinander gewonnen werden, bevor er in den endgültigen Besitz des Stegers übergeht. Ferner Ferner dem Ersten: Goldene Medaille im Werte von 125 Mt. sowie Bundes- Ehrenkunde. Dem Zweiten und Dritten: Ehrenpreise, W. Kellner- Frankfurt a. M. Erster. Zeit; 1 Min. 5025 Set. Albert Leopold- Hannover Zweiter. Ebeling- Hamburg- Altona Dritter.

Fahren Nr. 4. Niederrad- Vorgabe­Fahren. 2000 m.( 5 Runden). Franz Bäßler- Han­nover Erster. Zeit: 2 Min. 52 Set. W. Kellner- Frank­furt a. M. Zweiter. Karl Hackelberger- Kassel Dritter.

Fahren Nr. 5. Kampf um die Meister­schaft des Deutschen Radfahrerbundes 25 km( 622 Bahnrunden). Der Sieger erwirbt den Titel Meisterschaftsfahrer des D.-R.-B. über die lange Titel Meisterschaftsfahrer des D.-R.-B. über die lange Strecke( 25 km) für 1902 im Bahnwettfahren", erhält die goldene Meisterschafts- Medaille im Werte von 125 Mark, gestiftet vom D.-R.-B. und Bundes- Ehrenurkunde. C. Barta- Friedenau b. Berlin Erster. Zeit: 41 Min. Kellner- Frankfurt a. M. Dritter. 4878 Sef. Albert Leopold- Hannover Zweiter. W.

Um 8 Uhr waren die Rennen beendet.

Aus Hessen und Nachbargebieten. * Frankfurt a W., 22. Juli. Ein gewisser D. Schulze, München, Holzstraße 35, hat ein Institut zur Förderung der stuliue in Sudafrita" gegründet. Der Wann sucht auf em Wege der Annonce Veute, die eine Stellung in Südafrika haben möchten, als Kaufleute, Hand­werker usw. Wer sich meldet, erhält eine Zuschrift, auf der die von H. Schulze eigens erfundene Firma Institut" usw. vorgedruckt ist und in dec dem Stellesuchenden goldene Berge versprochen werden. Ganz am Schluß kommt der Pferdefuß. Vorher hat der ledige Aspirant 20 Mt., der verheiratete 100 Wt. als Garantie jür pünktliches Eintreffen in Bremen usw. einzuschicken. Das Ganze ist natürlich Schwindel. Aber die Dummen werden ja nicht alle und nicht wenige sind dem Gimpel­fänger bereits auf den Leim gegangen, auch von Frank­furt aus. Vor Schulze sei gewarnt!

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Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Das hat der Inhaber eines Mainzer Schuldenbeitret­bungsbureaus" erfahren müssen, der, da er seine eigenen Schulden nicht bezahlte, wirtungslos gepfändet wurde. Zur legten Sigung des amtsgerichts war er zur Ableistung des Offenbarungseides geladen, erschien aber nicht, so daß Haftbefehl gegen ihn erging.

* Sur Mäuseplage in Rheinhessen. Vor einigen Tagen mußte ein Gutsbesizer in Wainz seinen vor dem Gauthore belegenen Acker umpflügen lassen, weil die Mäuse nahezu alles Wachstum zerstört hatten. Bei dem Umpflügen zeigte sich der ganze Acer nahezu lebendig, in den zahlreichen bios­gelegten Nestern wurden stets 12-15 Mäuse gezählt. Zu Hunderten wurden sie vernichtet. Ein Landwirt aus einem Nachbarorte, der in der Gemarkung Mainz einen Acker be­fißt, ließ, um die Mäuse zu vertilgen, ein Faß Latrine in die Höhlen laufen, wodurch zirka 800 Wäuse zu Grunde gingen.

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* Osnabrüd, 19. Juli. Eine Unterbrechung der Eisenbahnfahrt verursachte einer der Elefanten des Circus Basch. Nicht weit von Osnabrück, auf freiem Felde, ertönte plöglich das Notsignal. Ter Zug hielt sofort, und die Bedienungsmannschaft eilte herbei, um zu sehen, was passirt sei Da, wieder ein Pfiff. Als man nun nach dem Thäter Umschau hielt, ergab sich, daß" Johnny", so heißt einer der Elefanten, die Not­leine zog. Schallendes Gelächter war die Folge dieser Entdeckung. Dem Elefanten wurde ein Quartier an­gewiesen, wo er seine Liebhabereien weiter nicht be­friedigen konnte. Magdeburg, 21. Juli. Rittmeister a. D. von Pieschel zu Alten- Flatow wurde von der Ferien­fammer wegen einer Pistolen Forderung zu zwei Tagen Festungshaft verurteilt. Der Geforderte, Geheimrat Schulz- Nieborn hier, mit dem er im Eisenbahnkoupee einen Wortwechsel gehabt, hatte das Duell abgelehnt.( Sehr vernünftig!) D. Red.

von Newyort, St. ong, ist mit Juweien im Werte von einer * Newyort, 22. Juli. Ein Sohn des früheren Mayors Viertelmillion Dollars verschwunden. Die Juwelen gehören seiner Wauresse Lady Hope, die noch die Gattin eines eng­lischen Loros ist. Es wurde ein Steckbrief erlassen.

* Beim Untergang des Primus" hat sich wieder ge­zeigt, in welcher Weise ofimals Leute vom Verderben be= wahrt bleiben. Der Führer des großen schw mmenden Kahnes der Hamburg- Amerita- Linie, Herr Kapitän Brandt, war mit seiner Familie auf dem Primus" nach der Lühe 9- fahren. Abends versäumte er mit acht Bekannten die Ab­fuhrt es Primus" und fehrte Montag- Morgen wohlbehalten mit einem anderen Dampfer nach Hamburg zurück. Ein ande.er Fall: Eine junge Dame, die in einem Suckgeschäft in Eimsbüttel thätig ist, hatte am Sonntag mit einem Vers ein eine Vergnügungstour nach Cranz gemacht. Sie wollte Nachts mit dem Dampfer Primus" nach Hamburg zurück­fehren; sie wurde jedoch von dem Kapitän zurückgewiesen, weil das Schiff bereits überfüllt war. Die junge Dame fuhr daher später mit einem anderen Dampfer, ohne zu ahnen, welchem Schicksal sie entgangen war.

Aus Versehen eingewidelt. Das passierte nämlich gestern einem gundertmarksein in einer Frankfurter Meggerei. Der blaue Lappen" lag unbeaufsichtigt auf der Theke und geriet beim Einwickeln in das Fleischpacket eines Käufers. Dieser entdeckte erst vor dem Laden, da am Packet etwas Blaues heroorluyte, welch' billigen Einkauf er trop der teuren Fleisch- und Wu.stpreise gemacht hatte. Er gehörte aber zu der Spezies der ehrlichen Finder und brachte den Schein Dem zuruck, dem er gehörte. Eines wenigstens lehrt die Geschichte So lange noch Hundertmarkscheine zwischen Rippchen und Haspel auf dem Ladentisch herumfluttern, ge­hört die Wiezgerei zu den Handwerken, die ihren Mann wenigstens notoürftig ernähren.

* Eine seltsame Trauung fand im Kirch­sprengel Jewington im Staate New- York statt. Die betreffende Braut hatte keine Arme und der Trauring mußte ihr an die dritte Zehe ihres linken Fußes gesteckt werden. Nach dem Schlusse der Trauung unterzeichnete sie das Heiratsregister, indem sie die Feder mit ihren Zehen hielt und nichtsdestoweniger eine schöne Hand" schrieb.[ Die Meldung kommt aus Ameriia!!]

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Nr. 169.

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Vorwärts,

Seite 4.

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Handmerk Schinders gemac

Nr. 169.

Donnerstag, den 24.

Oberbeflische

Juli

1902.

Familienzeitune