Ausgabe 
24.7.1902 Zweites Blatt
 
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Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mr. 150.

Gratis beilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Donnerstag, den 24. Juli 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen, wie ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Erpedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

19. Bundestag d 3 Deutschen Rad­fahrerbundes.

( Ausführlicher Bericht). Kassel, 22. Juli.

( Schluß.)

des Publikums, namentlich der Damenwelt, die Ver­anstaltungen, welche heute Nachmittag wiederum auf der Rennbahn des Kasseler Rennvereins vor dem Frank­furter Thore von Statten gingen: Das Wett­bewerben im Reigen, Kunst- und Gruppen fahren. Der Besuch des Publikums war ein sehr zahlreicher.

1. Großer Achter- Niederrad- Kunstreigen( Classe B. n. gr.). Offen für alle Bundesvereine. Dem siegenden Vereine Ehrenpreis im Werte von 300 ME. gestiftet von der Residenzstadt Kassel. Der Mannschaft 8 silberne Erinnerungszeichen vom D. Radfahren- Bunde. Dem Zweiten ein vom Commerzienrat Wegmann- Kassel gestifteter Ehrenpreis. Bicycle- Klub Bremen von 1881 Erster( 10,6 Punkte). Radfahrer- Verein Möwe", Briz bei Berlin, Zweiter( 9,8 Punkte), Radfahrer- Verein

Wetzlar von 1887 Dritter( 6,1 Punkte). Afterweg 5.

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Die Sitzung wird um 31 Uhr wieder eröffnet und bringt als ersten Gegenstand die Zeitungsf age zur Verhandlung. Es wird beschlossen, die Zeitung wie bisher weiter erscheinen zu lassen zum gleichen Kostenpunkte und mit der Maß abe, daß der Bundesvorstand je nach Jahresabschluß und Anzeigen­Einnahme während der Saisonmonate die achttägige Erscheinungsweise festsetzen kann. Die verschiedenen Anträge auf Herabsetzung des Eintrittsgeldes wurden im Hinblick auf die nunmehr vom Bunde gebotenen wirtschaftlichen Vorteile( Haftpflicht- Versicherung 2c.) zu rückgezogen. Die visher übliche Rückzahlung von 50 Pfennig an den Gau fällt aus demselben Grunde fort. Auf dem Sportplak, Radfahrer- Rennbahn, Frankfurterstraße, fanden Vormittags bon 10 Uhr ab große Wettfahren( Vorläufe) statt, welchen ein zahlre ches Publikum, namentlich Sportsleute aus Nah und Fern, anwohnten. Zunächst fam als Fahren Nr. 1"( 1000 m, 212 Runden) der Kampf um die Meisterschaft des Deutschen Radfahrer­bundes zum Austrag Es fanden drei Vorläufe statt. Die Ersten und Zweiten der Vorläufer, sowie die zwei schnellsten Dritten starten in zwei Zwischen läufen. Die ersten Beiden und der schneuste Dritte der Zwischenläufe kamen in den Entscheidungslauf. Das Ergebnis war:

Erster Vorlauf: Heinrich Struth- Mainz Erster, Zeit 1. Min. 51% Sekunden, Walter Engel mann- Leipzig 3weiter, Karl Ladendorf- Werle i. W. Dritter.

3 weiter Vorlauf: Albert Leopold- Hannover Erfter, Zeit 1 Min. 37 Sekunden, Georg Drescher­Mainz zweiter, Ebeling- Hamburg- Altona Dritter. Dritter Vorlauf: Franz Bäßler- Hannover Erster, Zeit 1 Min. 434 Sekunden, Otto Kahlenberg­Berlin Zweiter, G. Bezin- Berlin Dritter.

Erster Zwischenlauf: Heinrich Struth. Mainz Erster, Zeit 2 Min. 68% Sekunden, Albert Leopold- Hannover Zweiter, Walter Engelmann- Leipzig Dritter.

3 weiter 3 wischenlauf: Franz Bäßler­Hannover Erster, Zeit 1 Min. 52% Sekunden, Bezzin Berlin weiter, Ebeling Hamburg- Altona Dritter.

Es folgt sodann als Fahren Nr. III der Wett= tampf um das Kaiserpreis Fahren. Offen für alle Mitglieder des D. R.-B.

Dem Ersten: Anrecht auf den Wanderpreis, ge­stiftet von Kaiser Wilhelm II. Der Preis muß viermal hintereinander gewonnen werden, bevor er in den endgültigen Besitz des Siegers übergeht. Ferner dem Ersten: Goldene Medaille im Werte von 125 Mr., sowie die Bundesehrenurkunde. Dem Zweiten: Ehrenpreis, gestiftet vom Gau 17 a. Dem Dritten: Ehrenpreis, gestiftet von Herrn Kommerzien­rat Bodenheim, sowie die Bundes- Ehrenurkunde. Außerdem ein Führungspreis im Werte von 40 Mr Sieger 1901: W. Krizmann- Erfurt. 3 Vorläufe über 1200 m 3 Runden. Die Ersten und Zweiten der 3 Vorläufe starten im Entscheidungs­lauf, die 3 Dritten der Vorläufe, sowie der schnellste Vierte fahren einen Befähigungslauf; der Erfte aus dem Befähigungslauf nimmt an der Entscheidung Teil.

=

Erster Vorlauf: W. Kellner- Frankfurt a. Main Erster, Zeit 2 Min. 322/5 Sekunden; Ebeling­Hamburg- Altona 3weiter, C. Barta- Friedenau Dritter. 3 weiter Vorlauf: Albert Leopold- Hannover Erster, Zeit 2 Min. 528 Sefunden, Franz Bäßler­Hannover Zweiter, G. Bezin- Berlin Dritter, Arthur Eckert- Halle a. S. Vierter.

=

Dritter Vorlauf: Heinrich Struth- Mainz Erster, Zeit 2 Minuten 12 Sefunden, Walter Engel mann- Leipzig 3weiter, Carl Bierstedt Hannover, Carl Bezold- Wizenhausen. Befähigungslauf: C. Barta- Friedenau, Erster Beit: 2 Min 21/5 Sec., G. Behin- Berlin, Zweiter. Carl Bierstedt- Hannover, Dritter.

Besonderes Interesse erweckten nicht nur in sport­lichen Streisen, sondern auch in den breiteren Schichten

2. Sechser- Hochrad Kunstreigen( El. B. M. 6). Of fen für alle Bundes- Vereine. Ehrenpreis, gestiftet vom Radfahr- Verein Kassel von 1886. Bicycle- Club Bremen bon 1881 erhielt als einziger Bewerber den Preis ( 9 Punkte), da keine Gegnerschaft.

3. Kampf um die Meisterschaft des Deutschen Radfahrer- Bundes im Kunstfahren auf dem Niedercad ( Klasse n. 1 M.). Offen für alle Bundesmitglieder. Meisterfahrer für 1901: Mar Schönemann- Leipzig. Der Sieger erwirbt außer dem Titel: Meisterfahrer des D. R.-B. im Kunstfahren 1902" die goldene Meister­schaftsmedaille im Werte von 125 Mt.( vom D. R.-B.) nebst Ehrenurkunde. 6 Pflicht- und 6 Kürübungen. Es traten nur 2 Bewerber auf, die Beide etwas Her­vorragendes im Kunstfahren leisteten und sich, von einigen Gängen und Tricks abgesehen, nicht viel nach­gaben in der eleganten und präcisen Ausführung der einzelnen Aufgaben und lebungen. Mar Schönemann Leipzig wiederum Erster( 50,8 Punkte). Paul Lüders- Berlin Zweiter( 46,4 Punkte).

4. Stampf um die Meisterschaft des Deutschen Radfahrer- Bundes im Kunstfahren auf dem Hochrade ( Stlasse. 1 M.). Offen für alle Bundesmitglieder. Weisterfahrer für 1901: Carl Teichmann- Leipzig. Der Sieger erwirbt den Titel: Meisterfahrer des deutschen Radfahrer- Bundes im Kunstfahren auf dem Hochrade 1902 und erhält die goldene Meisterschafts- Medaille im Werte von 125 Mt. vom D. R.-B. nebst Ehrenurkunde. 6 Pflicht- und 6 Kürübungen. Es traten nur 2 Beweber auf, die ebenfalls recht interessante präcise Leistungen boten und beim Publikum lebhaften Beifall ernteten. Richard Schulz- Altona Erster( 51,5) Puntte. Theodor Robe- Dresden Zweiter( 40,8 Punkte).

5. Zweites Einer- Niederrad- Kunstfahren( Klasse n, 1, 2). Offen für die Bundesmitglieder, welche sich zur Meisterschaft nicht gemeldet haben. 4. Pflichtübungen, 6 Kürübungen. Dem Sieger Ehrenpreis im Werte von 60 Mf. Es traten auch hier nur 2 Bewerber auf. Ernst Gärtner- Weißenfels a. d. S. Erster( 20,1 Punkte). Johannes Rizenhoff- Paderborn Zweiter( 18,5 Punfte).

6. Zweier Niederrad- Stunstfahren( Stlaffe n, 2.) Offen für alle Bundesvereine. Keine Pflichtübungen, 8 Kür­übungen, davon 3 auf 2 Rädern, 3 lebungen auf 1 Rad. Dem siegenden Verein Ehrenpreis im Werte von 60 Mt. Radfahrer- Klub Sport Berolina- Berlin( Paul Lüders, Otto Lüders) Erster( 37,1 Punkte.) Bicycle- Klub Bremen v. 1881( H. Reher, E. Spohler( Zweiter( 32,5 Punkte). Beide Gruppen boten recht abwechslungs­reiche, elegante und gediegene Leistungen, so daß die Kampfrichter einen schweren Stand hatten und im Laufe der Uebung das Zünglein der Preiswage schwanfte. 7. Einer- Einrad- Kunstfahren( Stlasse e. 1). Offen für alle Bundesmitglieder: 3 Pflichtübungen, 3 Stür­übungen, davon je 2 auf Einrad mit Lenker und je 1 auf Einrad ohne Lenker. Dem Sieger Ehrenpreis im Werte von 80 Mt. Hierbei traten sich zwei Bewerber gegenüber, die sich bei den Pflichtübungen nahezu eben bürtig waren und die schwierigsten Leistungen mit und ohne Lenker auch bei den Stürübungen ausführten, so daß die Zuschauermenge wiederholt lebhaft applaudierte. Heiterfeit erregte ein plöglicher Rundlauf vom Podium in die anstoßende Rennbahn, den Herr Schulz sicher in die anstoßende Rennbahn, den Herr Schulz sicher und gewandt auf dem Einrad ausführte. Richard Schulz- Altona, Erster( 25,2 Punkte). Theodor Bobe­Dresden, Zweiter( 24 Punfte).

Zum Schluß für heute folgte sodann:

8. Bierer- Niederrad- Kunstfahren( Klasse n. 4) Offen für alle Bundesvereine. Kteine Pflichtübunge, 8 Stür übungen, davon 4 auf 4 Rädern, 3 auf Rädern, 1

auf 1 Rad. Ehrenpreis, gestiftet von der Firma Salz­mann& Co., Kassel. Bicycle- Klub Bremen von 1881" Hermann Reter, Emil' Spohler, Joh. v Gossehn, Gegner fampflos den Preis: Die Leistungen waren gut Willy Meyer erhielt als einziger Bewerber ohne und fanden Beifall.

Der bewegende Einfluß der vielen tausend Fremde, die am Sonntag von Nah und Fern zum Bundesfest des Radfahrbundes Deutschlands nach Kassel geeilt waren, machte sich auf Leben und Verkehr in der Stadt erst so recht am Sonntage geltend. Um 91 Uhr war die Aufstellung des Zuges, um 10 yr walete die Breisfommission ihres Amtes, um 11 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Mehrere prächtig kostümierte Musik­torps marschierten im Zuge, welcher in acht Abteilungen und drei Gruppen gegliedert war. Die letzte Scuppe war Blumen- und Schmuck- Corso und namentlich hier zeigten sich gar liebliche und originelle Bilder. Einzelne Damen waren in Blumen feenhaft eingehüllt und schwelgten förmlich in Blütenpracht. Geschmackvolle Costüme auf reich und stielvoll geschmückten Rädern zeichneten, die Herrenwelt aus, im ganzen bot der Preis­corso ein überaus prunfvolles, glänzendes Bird. Einzelne Vereine boten in Farbe und Schmuck der Costüme wie nicht minder der Räder geradezu meisterhaft stilisierte Gruppen. Einzelne Vereine waren bis zu 30-40 Mit­gliedern vertreten. Mehrsizer, sogar ein Achtsizer wurden ebenfalls gefahren. Am Schluß fam eine lange Reihe festlich geschmückter Wagen mit den Vorständen, Abord­nungen 2c., zu allerlegt eine Gruppe Automobile der verschiedensten Formen, Farben und Systeme. Der Vorbeimarsch des Zuges an einem Punkte dauerte dret Viertelstunden. mit ca. 2-3000 Mitgliedern darin. Im ganzen marschierten 200 Vereine

Ueber die Verhandlungen des Bundesausschusses am Montag ist zu berichten:

Der Antrag des Vorstandes auf Verringerung der Dele­girtenzahl wird zuückgezogen, ferner werden die vom Bundes­vorstand dem Festausschuß in Rassel bewilligten 500 Mart für Ehrenpreise bestätigt und die Reisekosten des Bundes­vorstandes und Revisionsausschusses für 1904 in derselben Höhe, wie solche für 1903 angesetzt, wurden bewilligt.

Es wird ein Antrag des Bundesvorstandes: den Jahres­beitrag bei Jahresbeginn zahibar zu machen, angenommen. Der Absatz 2 b des§ 14 der Bundessaßungen wird in Bu tunft lauten: Die Gauverwaltung fann( früher: hat) die Einziehung der rückständigen Gau- und Bundesbeiträge Namens und mit Vollmacht des Bundesvorstandes auf dem Prozeßwege bewirken. Die Satzungen wurden in ihrem§ 8 straffer gefaßt, indem in Zukunft die Vereine wohl den eigenen Austritt, jedoch nicht den der Mitglieder aus dem D. R.-B. anmelden können. Die Bundesmitglieder haben vielmehr den Austritt selbst anzuzeigen. Es war beantragt worden, die Gauvorstandsmitglieder auf 2 Jahre zu wählen. Dieser Antrag wurde jedoch zurückgezogen.

Auf Anregung des Gaues 9 soll der D. R.-B. mit anderen Verbänden gemeinschaftliche Petitionen einbringen, um Herstellung besserer Straßenübergänge über die Eisenbahnschienen herbeizuführen, sowie zur Regelung der sehr im Argen liegenden Beleuchtungsverhältnisse. In dieser Beziehung ist Seitens des Bundes schon viel gethan worden, worauf besonders verwiesen wurde.

Zum Antrage, die Vereinigung mit der union anzustreben, nehmen eine Anzahl Redner Stellung. Alle sprechen sich sympathisch für eine solche Vereinigung aus. Herr Amtsgerichtsrat Koch- Stettin ist ebenfalls für die Vereinigung, warnt jedoch vor einer Acnderung des Namens unseres D. R.-B., nicht nur um dem Vorwurfe, zurückgegangen zu sein, zu entgehen, sondern auch, weil dem Bunde eine ungeheure Menge Stosten( man schäßt das auf 38 000 Mt.) durch eine solche Aenderung entstehen würden. Mit großer Be­geisterung sprach Herr Schlatter- Mannheim für eine Vereinigung aller Deutschen.

Es wurde dann folgende Resolution des Gaues 24 eingebracht:

Der 19. Bundestag hält die Vereinigung der deutschen Badfahrverbände, sowie die Einleitung von Verhandlungen, um diese herbeizuführen, für wünschens­wert und hofft, daß es gelingen wird, dieselbe bald­möglichst zu erreichen." plors Un 090 1100

Hierzu nimmt Gau 20 das Wort, der sich für die Wahl einer Commission ausspricht, jedoch sich für die Aufgabe des Namens D. St.-B. nicht erwärmen tann. Der Gau 20 zieht zu Gunsten der Breslauer Resolution