Nr. 140.
Erstes Blatt.
Freitag, den 20. Juni 1902.
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Gießener
11. Jahrgang.
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Postzeitungsliste No. 3032.
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Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei,( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
König Albert von Sachsen+.
Sibyllenort, 19. Juni.
König Albert ist heute Abend 8 Uhr verschieden.
Diese Trauernachricht vom Schlosse Sibyllenort in Schlesien, welches der verstorbene Herzog Wilhelm von Braunschweig dem König Albert von Sachsen testamentarisch vermacht hat, wird über den ganzen Erdenball tiefe Trauer legen. Rönig Albert, der beste Freund und Zeitgenosse unseres ersten deutschen Kaisers, Wilhelms des Großen, ist als letzter der Heerführer unseres glorreichen Krieges 1870/71 nun ebenfalls zur großen Armee eingegangen. König Albert gehörte zu den im besten Sinne des Wortes populärsten Fürsten. Das sächsische Voit liebte und verehrte ihn und das ganze deutsche Volt teilte diese Liebe und Verehrung, welche sich neben seinen Verdiensten um das deutsche Vaterland aus der überaus sympathischen Persönlichkeit des Königs erklärt. Während die Neigungen seines Vaters, des Königs Johann, vorwiegend auf dem Gebiete der Wissenschaften und der Litteratur lagen, neigte Albert von Jugend an zum Militär. Er war am 23. April 1828 zu Dresden als ältester Sohn des damaligen Prinzen Johann geboren, erhielt zunächst eine sorgfältige Erziehung durch den sächsischen Historifer v. Langen und trat 1843 in die Armee zunächst ale Leutnant ein. Wohl bezog er später die Universität Bonn, doch brachten es die Verhältnisse mit sich, daß seine Studien bereits nach einem halben Jahre unterbrochen werden mußten. Dafür wurde dem Prinzen Gelegenheit sein militärisches Können zu erweisen, und zwar im schleswig- Holsteinschen Feldzuge 1849. Hier erfuhr er die Feuertaufe und bei der Erstürmung der Düppeler Schanzen, woran er als Hauptmann teilnahm, that er sich sowohl durch Mut und Unerschrockenheit als durch Umsicht hervor. Er wurde dafür nicht nur mit dem sächsischen St. Heinrichsorden( die höchste sächsische Auszeichnung für Tapferkeit im Kriege), sondern auch mit dem preußischen Orden pour le mérite ausgezeichnet. 1953 wurde er Kommandant der sächsischen Infanterie und in der nun folgenden Friedenspause war er eifrig auf die kriegsmäßige Ausbildung der ihm unterstellten Truppen bedacht. Gleichzeitig erfreute er sich als Kronprinz, nachdem sein Vater 1854 nach dem Tode Friedrich August II. den sächsischen Thron bestiegen hatte, steigender Beliebtheit bei der Bevölkerung, wenn auch vereinzelt Stimmen laut wurden, die es ihm zum Vorwurf machen wollten, daß er zu viel Soldat" sei. König Albert hat während seiner Regierungszeit trop des hohen Alters, was ihm ward, die Tugend der persönlichen Zurückhaltung geübt. Schon seit Jahren litt König Albert an einem Blasenleiden, das bei seinem hohen Alter nicht unbedentlich war; aber er erholte sich immer wieder und schien bis vor kurzer Zeit sich verhältnismäßig wohl zu fühlen. Dem jezigen Leiden haben die Kräfte nicht mehr standgehalten.
Im deutsch- österreichischen Kriege hielt König Johann zu Desterreich und die sächsische Armee, unter Führung des Kronprinzen Albert, vereinigte sich mit der österreichischen, während die Breußen Sachsen besetzten. Auf den böhmischen Schlachtfeldern kam es zur Entscheidung. Preußen siegte, aber die Sieger erfannten bereitwillig an, daß sich die Sachsen wacker geschlagen. Bei Königgrät verteidigte Albert mit großer Tapferkeit seine Position gegen den linken Flügel der preußischen Elbarmee.
Sachsen teilte nicht das Schicksal Hannovers; König Wilhelm und sein großer Berater Bismarck hielten es für politisch richtiger, das kleine Königreich intaft zu lassen. Und die kommende Zeit hat die Weisheit dieser Voraussicht bestätigt.
Nach dem 66er Kriege behielt Kronprinz Albert das Commando über die sächsischen Truppen, die nunmehr das 12. norddeutsche Armeekorps bildeten. Als der französische Krieg ausbrach, führte Albert seine Sachsen, welche der 2. Armee unter Oberbefehl des Prinzen Friedrich Karl angegliedert waren und erntete mit ihnen nimmer welkende Lorbeeren bei Gravelotte, St. Privat. Später, als der Vormarsch nach Paris beschlossen war, erhielt der sächsische Kronprinz den Oberbefehl über die Marsarmee, die an der berühmten Flankenbewegung nach Norden beteiligt war, und nahm dann hervorragenden Anteil an der großen Entscheidung bei Sedan.- Bei Beaumont war es dem damaligen Kronprinzen vergönnt, die französischen Truppen zurückzuwerfen. Nach dem Friedensschlusse wurde Albert zum Generalinspekteur der ersten Armeeinspektion ernannt und nahm aus den Händen Kaiser Wilhelm I. den Stab des General- Feldmarschalls entgegen.
Als am 29. Oktober 1873 König Johann das Zeitliche segnete, bestieg er den Thron seiner Väter, und die Hoffnungen, die das Volk bei seinem Regierungsantritt auf ihn sezte, hat er reichlich erfüllt. Er hat den Beweis gegeben, daß er nicht nur Soldat war, sondern auch ein ebenso wohlwollender als weiser Monarch, der treu und unermüdlich nur das Beste seines Volkes im Auge hatte. Kaiser Wilhelm I. sah in ihm den verläßlichen Freund und treuen Verbündeten und bevor er die Augen schloß, empfahl er seinem Nachfolger, in schwierigen Fragen den Rat des Königs von Sachsen einzuholen. Innige Freundschaft verband auch Kaiser Friedrich mit König Albert und dieses schöne Verhältnis ist auf unsern jezt regierenden Kaiser übergegangen. Nicht minder innig ist König Albert allezeit mit Kaiser Franz- Joseph von Oesterreich befreundet gewesen.
König Albert war seit 1853 mit Carola von Wasa vermählt, um deren Hund sich einst der spätere Raiser Napoleon III. vergeblich bewarb. Die Ehe ist finderlos geblieben. Prinz Georg, der um 2 Jahre jüngere Bruder, General- Feldmarschall und Generalinspekteur der ersten Armeeinspektion, folgt ihm in der Regierung. Prinz Georg, der nunmehr sächsische König, erfreut sich ebenfalls der Sympathie des gesamten sächsischen Volles was früher, zu Lebzeiten seiner Gemahlin, einer portugiesischen Prinzessin, nicht im gleichen Maße der Fall war, da deren streng katholische Neigung in der überwiegend protestantischen Bevölkerung Anstoß erregten. Aber das sind tempi passati. Ueber die legten Augenblicke des Verstorbenen liegen folgende Nachrichten vor: Der Tod erfolgte 8 Uhr 05 Min. Abends ohne jede frampfartige Erscheinung. Der König atmete einige Male schwer auf. Sanitätsrat Dr. Fiedler sagte: Es ist aus. Thränen stürzten ihm hervor. Er wandte sich ab und ging ins Nebenzimmer. Die Königin fniete am Sterbelager, das Haupt auf die Brust des Toten gesenkt, neben ihr Prinz Georg, Brinzessin Mathilde, die Brinzen und Brinzessinnen und der Hof. Das Gebet des Geistlichen nnterbrach allein das feierliche Schweigen. Im Laufe des Nachmittags traten Fieber- Phantasien beim König Albert ein. Er glaubte sich auf Reisen, sprach bald von Tyrol, bald von Wien, fragte wo die Königin sei und ob er endlich nach Hause komme. Als Kardinal, Ropp an das Krantenlager trat, um dem König geistlichen Zuspruch zu geben, schien ihn der Krante zu erkennen. Der Kardinal hatte nicht den Eindruck, als ob das schlimmste bevorstehe. Er fehrte nach Breslau zurück. Um 734 Uhr lag der König im Todestampf. Draußen gingen schwere Regenschauer nieder. Am Hirschthor des Parkes brach der Sturm eine Pappel. Um 814 Uhr wurde die Standarte eingezogen. Die Pforten zum Sterbezimmer thaten sich auf. Dicht gedrängt in feierlichem Schweigen traten Beamte und Dieneerschaft ein, um ihrem König und Herrn Abschied zu sagen. Die Züge des Toten sind friedlich und wenig verändert. Er ruht auf einem frei in der Mitte des Gemaches stehendem Lager. Unmittelbar nach dem Ableben wurde dem Kaiser, von dem einige Stunden vorher ein längeres Gr fundigungs- Telegramm eingegangen war, telegraphisch Bericht erstattet, der ihn in der Villa Hügel bei Essen erreichte. Die Reisedispositionen des Kaisers werden wesentliche Aenderungen erfahren. Sämtliche Anordnungen, die das Begräbnis betreffen, sind von dem neuen König dem General von Minckwitz übertragen worden. Die Ueberführung der Leiche nach Dresden findet Samstag Nachmittag in den Stunden von 3 bis 9 Uhr statt. Die Beisezung erfolgt am Montag. Bildhauer Seffner aus Leipzig nahm die Todenmaste ab. Autopsie und Einbalsamierung erfolgt heute Nachmittag 3 Uhr. Dresden, 20. Juni. Nach einem Telegramm aus Wien wird Kaiser Franz Josef zur Beiseßung erwartet. Die Kunde von dem Ableben König Alberts erregte in Berlin lebhafte Teilnahme. Wieder Einer aus der großen Zeit, das war der Gedanke, der bei der älteren Generation vornehmlich zum Ausdruck gelangte. Blätter widmen dem Verstorbenen spaltenlange Nachrufe, in denen in erster Linie seine Verdienste als Feldherr gewürdigt werden.
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Der Berstorbene hatte noch kurz vor seinem Hinscheiden den Prinz Georg zu seinem Stellvertreter in Regierungssachen bestellt. Prinz Georg, nunmehr König von Sachsen, ist immer ein passionierter Solbat gewesen. Noch heute macht er alljährlich Inspektionsreisen zu den ihm unterstellten preußischen Truppenteilen. Gleichzeitig bethätigte Prinz Georg ein besonders lebhaftes Interesse für die sächsische Politik. An den Beratungen der Ersten Kammer nahm er als deren erbliches Mitglied stets sehr eifrigen Anteil; noch in dieser Session est, in den lezten Tagen des Mai, blickte er über eine vierzigjährige parlamentarische Thätigkeit zurüd. Rönig Georgs ältester Sohn ist Prinz Friedrich August, der seit 1896 mit einer österreichischen Erzherzogin, Prinzessin Luise verheiratet ist.
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139.
Oberhessische Familienzeitung.
Alice brach in Lachen aus. Wie soll ich es benn lernen?" fragte er, bilflos auf seine
Bebrerin sehend.
zwanzig Minuten vor sich, wenn Sie sich beeilen." und bis zum Abend fleißig zu üben. Die zehn Minuten find aber Sie haben genau noch sechs Stunden neunund
Sie thäten am besten, ich in Jbr 3immer einzuschließen
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befriedigten Lächeln. schob ieinen Kopf durch die Thürivalte. fuhr mit seiner Linten in die Tasche " Ach, endlich finde ich Sie", rief der alte Herr mit einem Wenn Si fie noch ein Wort fagen fonnte, bewegte sich der Th Mr. Miles ließ die Schere aut einen Suhl fallen to Alice vor Enwörung. dann teilten sich ihre Livven, aber ebe ünd und Alice es recht und Colonel Bristo
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Oberhessie Jamme
gegen rechtfertigen. Diebstahl unter Eheleuten. das Neue Wiener Tageblatt: Die Private Eßler hatte sich beim Bezirksgerichte Josephstadt eine merkwürdige Betrugsanflage zu Kleines Feuilleton. Sie soll nämlich ihren Mann, den im dreißigsten Jahre Aus Wien berichtet Marie
Pelte 3
20 Mal. Der Bruder meinte lächelnd, nun tönnte er ja die Tochter ich hab'n Landwehrtopp ingeschenft!" Die glückliche Kunde bewahrheitete sich und der arbeitete er ruhig weiter, da es bald Mittag war. lüftete respektvoll seine Müge und verschwand. hob den rechten Arm in die Höhe und Jedes Mal Dausend! junge Dachdecker saß wie erstarrt, dann
rohen" heirate
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