Ausgabe 
19.12.1902 Zweites Blatt
 
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auf diese Weise bestickten Portieren und Garnituren würden ja auf den Beschauer einen großartigen Eindruck machen, und mit Handstickerei war ja ohne Zweifel diese Akkuratesse und Sauberkeit gar nicht zu erzielen.

Das Zimmer der Frau Körner glich nun einem groß­artigen Stickatelier, so viel Seide, Surach, Seidengaze und Sammet hatte man Gretens funftvollen Händen anvertraut. Heiliger Abend! Unaufhörlich rieselte feines Schnee­gestöber hernieder und deckt die Erde in ein warmes Winter­fleid. Feierliches Glockengeläute ertönt und läutet das Christfest ein. Vereinzelte Lichter tauchen schon auf, und bald wird heller Kerzenschein die Christbescherung ankünden und frohe Menschenherzen einander näher bringen.

Emsig sigen Grete und Lucie noch bei der Arbeit; da flingelt es an der Flurthür, und freudig heißt Frau Körner ihren zufünftigen Schwiegersohn willkommen. Lucie wirft Nadel urd Scheere auf den Tisch, und mit einem" Hurra! Friz, Verlobung!" eilt sie atemlos dem jungen Manne ent­gegen, während ihm Grete wortlos in die Arme fällt.

Ranu, was ist denn bei Euch los," fragt er näher tretend, habt Ihr vielleicht das große Loos gewonnen? Das sieht ja schon aus wie lauter Aussteuer." Das große Loos nicht, lieber Friz," sagt da Grete, während sie ihm liebevoll in's Auge blickt, aber hier diese treue Freundin haben wir uns erworben, und sie ist mir behilflich, unsern

Hausstand zu gründen, es ist die Nähmaschine. Sie ist mir unentbehrlich, und bald wird sie mir auch behilflich

sein, meine eigene Aussteuer zu nähen."" Und denke nur, Friz," fügte da Lucie hinzu, wenn da mal Grete später Löcher in's Tischtuch reißt, ist sie sogar im Stande, sie mit der Maschine zu stopfen." Da öffnet Frau Körner die Wohnstubenthür und strahlend blinkt ihnen der Weichnachts. baum entgegen, und was ein treues Mutterherz an Liebe und Fürsorge erdenken kann, das hatte sie ihnen gegeben. Hand in Hand stehen Friz und Grete unter'm Christbaum, ein glücktiches Brautpaar, während draußen die Weihnachts­glocken flingen, ernst und feierlich. Und das Läuten tönet fort und findet reinen Widerhall in ihren Herzen!

Parlamentarisches aus Hessen.

Die Abgg. Noad und Gen. haben folgende dringliche Unfrage eingereicht: Die Wertstättenarbeiter der vormaligen Main- Neckar- Bahn hatten außer einem Taglohn von 2 Mt. 90 Pfg. bis 3 Mt. 30 Pfg. einen Buschlag von 50 Pro­zent, sodaß in Wirklichkeit ihr Verdienst sich auf 4 Mt. 35 Pfg. bis 4 Mt. 95 Pfg. täglich stellte. Mit dem Uebergang in die Eisenbahngemeinschaft wurden bei der ersten Lohnzahlung die seither den Arbeitern jahrelang zu­stehenden Zuschläge bis zu 48 Prozent gefürzt. Hierdurch find an 100 Arbeiter, welche meistens Familienväter sind

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und teilweise bis zu 40 Jahren Dienstzeit nachzuweisen haben, in eine bittere Notlage verseht, wie sie von feiner Seite bei dem Uebergang der Bahn in die preußisch- hessische Betriebsgemeinschaft erwartet werden konnte. In dem Staatsvertrage vom 14. Dezember 1901 war in Artikel 9 ausdrücklich vorgesehen: sofern infolge Anwendung der anderweiten Vorschriften und Säge für die erwähnten son­stigen Bezüge den Beamten Ausfälle gegenüber ihren bis­herigen Einfünften an Nebenbezügen erwachsen und diese nicht durch Verbesserung der laufenden Dienstbezüge ausge­glichen werden, wird die betriebsleitende Verwaltung eine angemessene Vergütung eintreten lassen" Was hier den Be­amten zu Recht erkannt wird, sollte billiger Weise den Ar­beitern gleichfalls zugestanden werden, und wir beehren uns Auffassung teilt, welche Echritte sie einzuleiten gebenft, um an Großh. Regierung die Anfrage zu richten, ob sie diese der hier geschilderten Notlage der Arbeiter abzuhelfen. Im Falle die Kgl. preußische und Großh. hessische Esenbahndirek tien nicht geneigt sein sollte, die seither von der Direktion der Main- Neckar- Bahn bewilligten Zuschläge weiter zu ge­währen, welche Maßregeln wird Großh. Regierung ergreifen, um alsbaldige Abwehr zu schaffen gegenüber einem Notstand, welcher in zahlreichen Arbeiterfamilien eingetreten ist."

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fingen Feuer und im Nu brannte das Kind lichterloh. Der beim Haus arbeitende Onkel des Kindes hörte das jämmer­liche Schreien desselben; er rettete es vom Feuertode. Die Brandwunden sind jedoch sehr erheblich; das Mädchen wurde sofort in die Gießener Klinik gebracht.

** Beerfelden, 16. Dez. Während heute früh einige Kinder vor dem Schulhaus ihre Pause verbrachten, wurde ein 10jähriger Knabe von einem großen Meggerhund umgeworfen und in's Ohr gebissen. Der Hund war in feiner Weise gereizt worden, da die Kinder nicht spie'ten, sondern ruhig beisammen standen, derselbe war ohne Aufsicht und trug keinen Maulkorb. Dieses Vorkommnis sollte leichtfertigen Hundebesitzern eine Warnung sein. Nachdem das Unglück geschehen war, wurde der bissige Hund getötet. ** Groß- Gerau, 16. Dez. Bei der heute hier statt­gehabten Neuwahl eines Bürgermeisters wurde der feitherige, um das Gemeinwohl sehr verdiente Beigeordnete Gastwirt Arnold mit 378 Stimmen gewählt. Seine Gegenfandidaten die Herren Landwirt Jakob Urban und Fabrifingenieur Müller erhielten 220 bezw. 70 Stimmen. Die Wahl verlief ruhig.

** Mainz, 17. Dez. Oberbürgermeister Dr. Gaßner teilte im Finanzausschuß mit, der Kaiser habe bei seiner letzten Anwesenheit in Mainz angekündigt, daß er jedes Jahr im August nach Mainz zu kommen gedenken, um wesentlicher Grund für die Zusammenlegung der 13er dort große Kavalleriemanöver abzuhalten. Das sei auch ein Husaren geweſen

** Udenheim, 15. Dez. Zu Anfang der vorigen Woche brannten hier vor dem Drt eine Reihe Strohhaufen, meistens armen Leuten gehörend und sämtlich unversichert, nieder, was einen Gesamtschaden von über 12000 Mark ver­ursachte. Nunmehr haben die Recherchen der Gendarmen sich einmal ein Feuerchen" machen wollten. als Thäter zwei kleine Schulbuben ermittelt, welche Eisenwerte" hat beschlossen, in diesem Jahre 5 Prozent ** Weglar, 15. Dez. Die Aftiengesellschaft Buderus' sche Dividende zur Auszahlung zu bringen und die Abzahlungen

wie im vorigen Jahre vorzunehmen. Troßdem die Gesell­schaft den Betrieb durch Anlage einer Röhrengießerei be­deutend vergrößert hat, ist der Abschluß gut.

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Das Kind gratuliert.

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Freitag, 13. Dezember

Oberhessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage