Ausgabe 
18.8.1902 Zweites Blatt
 
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nude Vermischtes.

Breslau, 16. August. In Cziernafow( Ruß­land), nahe an der schlesischen Grenze, brach in der Nacht zum Donnerstag ein verheerendes Feuer aus. Ueber 200 holzgedeckte Gebäude sind vollständig eingeäschert. 150 Familien sind obdachlos und die Ernte vernichtet. Mehrere Kinder sind in den Flammen umgekommen. Bei den Rettungsarbeiten wurden viele Personen verwundet.

* Hamburg, 15. Auguft. Rittmeister v. Heins­berg des 15. Husaren- Regts.( Wandsbeker) wurde wegen Beleidigung von Vorgesezten und Kameraden zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Der Hamburger Droschkentutscher- Streif. Nachdem Donnerstag Abend die Fuhrwerksbesitzer infolge Streitigkeiten, die wegen Erlaß einer neuen Droschfenordnung zwischen ihnen und der Polizeibehörde entstanden sind, den allgemeinen Ausstand erklärten, stellten gestern Nacht alle nummerierten Droschken und Tarameter in einer Anzahl von 900 bis 1000 den Betrieb ein. Es herrscht großer Notstand, namentlich an den Bahnhöfen und an der Börse. Es ist anzu­nehmen, daß immerhin einige Tage bis zur Beendigung des Ausstandes vergehen werden. Die Polizei will gegen die streifenden Droschkenkutscher vorläufig feine 3wangsmaßregeln ergreifen, will aber diejenigen unter ihnen, die der vertragsmäßigen Verpflichtung, Wagen an die Standpläge, Bahnhöfe und Dampf­schiffshallen zu schicken, nicht nachfommen, in Strafe nehmen und ihnen im Widerholungsfalle die Konzession entziehen.

Barmen. Die hiesigen Maurergesellen sind in den Ausstand getreten, nachdem die Meister ihre For­derungen Einführung der 10stündigen Arbeitszeit und ein Stundenlohn von 48 Pfennigen- abgelehnt haben.

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* Uerdingen. Freitag Abend gegen 10 Uhr stieß auf der Rückfahrt von Düsseldorf hierher der Rheindampfer Prinzeß Viktoria" mit dem Seedampfer Köln" bei Kaisers­werth zusammen, wobei die Prinzeß Viktoria" sant. Drei Mädchen aus Uerdingen fielen über Bord und ertranken. Ein Maschinentechnifer aus Uerdingen verunglückte infolge Explosion der Kesselrohre. Ein anderer Dampfer nahm die Fahrgäste der Prinzeß Viktoria" auf und brachte sie in der Nacht nach Uerdingen. Die Verunglückten sind zwei Töchter des Schiffsbesizers Hissen, ein Frl. Krölls und Ingenieur Hissen. Die Leichen sind noch nicht geborgen. Das Un­glück passirte oberhalb Kaiserswerth an einer den Schiffern als besonders gefährlich bekannten Ecke des Stromes, dem sogenannten Lichtenberger Drt.

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* Untersuchungen an Verbrechergehirnen wurden auf dem Dortmunder Anthropologen- Kongreß, der vorige Woche tagte, von Geheimrat Prof. Ranke( München) borgeführt an der Hand von sechs ihm in ausgezeich­netem Zustande übermittelten Köpfen hingerichteter chinesischer Raubmörder. Es besteht für gewöhnlich die Vorstellung, daß die Züge Guillotinirter Zeichen von Angst und Schmerz hinterlassen. Bei den vorliegenden Köpfen ist das keineswegs der Fall; sie zeigen vielmehr den Ausdruck vollkommenster Ruhe. Die Augen sind geschlossen. Da die zugehörigen Individuen einer gleichen Bevölkerungsschicht entstammen, so bieten die Gehirne ein vortreffliches Untersuchungsmaterial. Etwas von einem Raubtiercharakter ist, wie man doch meinen sollte, an ihnen ganz und gar nicht zu sehen. Sie Sie zeigen nur solche Abweichungen, wie sie stets auch an den Gehirnen ganz normaler Menschen zu finden sind. E3 mag dabei hervorgehoben sein, daß das Gehirn des Gewohnheitsmörders Bobbe, des berüchtigten Kon­strukteurs der Menschen- Falle, und das Gehirn des Mörders Mac Kinleys gleichfalls gar keine Spuren einer Degeneration aufwiesen. Troßdem darf man aber nicht annehmen, daß nunmehr die Untersuchungen ab­geschlossen seien. Beobachtungen an den Gehirnen alt­bayerischer Verbrecher haben doch gezeigt, daß darunter Mittelformen verhältnismäßig viel weniger zu finden find, als auffallend kleine und auffallend große Gehirne. Die ersteren sind allerdings darauf zurückzuführen, daß die allgemeine Körperentwickelung und Hand in Hand damit die moralische Widerstandsfähigkeit durch Krant heiten in der Jugend ungünstig beeinflußt wurde. Bei den großen Hirnen wird man patholische Ursachen nicht ganz von der Hand weisen können. Zweifellos liegt

in vielen Fällen eine Art von relativem notorischen| Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Natur­Schwachsinn vor, der die Begehung der That ohne wissenschaftlichen Gesellschaft mehrere Jahre hindurch in der phyfische Kontrolle zur Folge hat. Man fann solche australischen Insel welt mit glänzendem Er­Leute nach Ranke als Automatiker" bezeichnen, ohne folge naturwissenschaftlichen Forschungen oblag, in seine daß man sie deshalb von der Verantwortlichkeit aus Heimat zurück. In seinem letzten Briefe aus Mustat ( Arabien) zeigt er seine Anfunft in Ungarn für die Mitte schließen dürfte. dieses Monats an. Marburg. Dem Vernehmen nach wurde der Pro­fessor der Jurisprudenz Schücking in Breslau an die hie­sige Universität berufen. Litterarisches.

* Die Macht der Einbildung. Ein Gutsbesitzer in der Nähe von Landeshut( Schlesien) bekam in einer der letzten Nächte so heftige Zahnschmerzen, daß er feinen Schlaf finden konnte. Infolge seines Jammerns wachte auch seine Frau auf und riet ihm, die Backen mit dem auf dem Fensterbrett stehenden Franzbranntwein einzu­reiben. Gesagt, geschehen, die Schmerzen hörten auf, und der Mann schlief bald ein, nachdem er sich gründ­lich eingerieben hatte. Als aber die Gattin am anderen Morgen nach dem Erwachen einen Blick auf das Lager ihres Eheherrn geworfen hatte, erhob sie ein furcht­bares Angstgeschrei, denn an Stelle des Teuren lag und schlief in dem Bette ein leibhaftiger Neger. Von dem Geschrei erwachte auch dieser bald und fragte unwirsch in gutem schlesischen Deutsch, was denn eigentlich los wäre. Aus Rede und Gegenrede ergab sich dann end lich, daß der Mann in der Nacht statt der Flasche Franzbranntwein die Franzbranntwein die- Tintenflasche ergriffen hatte. Der Mann und auch die Betten sahen schlimm aus. Die Tinte war echt", und sehr schlecht ist sie abge gangen. Die bloße Einbildung aber hatte zur Schmerz­Stillung beigetragen.

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München, 16. August. Zum Direktor der neu errichteten agrikulturbotanischen Anstalt in München wurde der Regierungsrat am kaiserlichen Gesundheits­amt in Berlin, Dr. Hiltner, ernannt.

* Moderner Freiheitssang. Die Münchener Jugend" veröffentlicht das nachstehende Gedicht:

Stoßt an, Männerstolz lebe! Hurrah hoch. Gott gab das Rückgrat dem Unterthan, Damit er sich beugen und bücken kann. Frei ist der Mann!

Stoßt an, Frauenlieb' lebe! Hurrah hoch. Wem die wahre Liebe im Herzen glüht, Der freit, wo ihm golden die Mitgift blüht. Frei ist der Mann!

Stoßt an, Maulhalten lebe! Hurrah hoch. Wer die Wahrheit saget und meidet den Schein, Der muß ein schrecklicher Esel sein,

Frei ist der Mann!

Stoß an, Kastengeist lebe! Hurrah hoch. Wenn die Welt aufsteht zum jüngsten Gericht, Verwechselt dann, bitte, die Rangklassen nicht. Frei ist der Mann!

Stoßt an, Feldwebel lebe! Hurrah hoch. Macht Front vor ihm mit gestrecktem Knie, Doch seine Töchter heiratet nie.

Frei ist der Mann!

Wegen Verkaufes von Ansichtspostkarten an Sonn­tagen während der Ladenschlußzeit erhielten zwei Wirte in Nürnberg Strafmandate. Der eine Gastwirt erhob Einspruch. Das Schöffengericht hat denselben auch freigesprochen. Das Gericht ging hierbei von der An­nahme aus, daß Ansichtspostkarten als Bedarfsartikel für das Publikum zu erachten seien, zu deren Verkauf die Gastwirte auch während der sonntägigen Zeit des Ladenschlusses Berechtigung haben. Um einen prin­zipiellen Entscheid einer höheren Instanz herbeizuführen, will, wie man hört, die Amtsanwaltschaft Berufung einlegen.

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Belgrad, 15. Aug. Im Kopavnit- Gebirge wütet ein heftiger Schneesturm

Hochschulnachrichten.

Der Abteilungs- Vorsteher am Physiologischen Institut, Professor Dr. W. A. Nagel in Berlin ist zum a. o. Professor in der medizinischen Fakultät der Universiät Berlin ernannt worden.

Brüssel: Der belgische 5 jährige Preis für die Sozialwissenschaften wurde von der Jury diesmal keinem einzelnen Gelehrten, sondern der belgischen Re gierung für das Riesenwert ihrer wah: haft klassischen wahrhaft Gewerbezählung zugesprochen. Wie verlautet, wird das Geld unter die Beamten, denen die Leitung des Unter­nehmens oblag, verteilt werden. Wie der Pester Lloyd" mitteilt, fehrt Professor L. Birn, der im Austrage der

Provinzmädel von Felicitas Rose, Band I. Klein­stadtluft, Band II. Kerlchens Lern- und Wanderjahre, Verlag von Richard Bong, Berlin.

Nicht nur tüchtige Männer, sondern auch tüchtige Frauen hat das Baterland nötig! sagt der Pfarrer bei der Taufe der kleinen Felicitas v. Schlieden, als ob er eine Vorahnung davon gehabt hätte, was aus dem kleinen Soldatenkind wird. Nach dem, was wir in den 2 vorliegenden Bändchen von dem Entwicke­lungsgange der kleinen Felicitas, oder Fee, auch Kerlchen genannt, erfahren, zu urteilen, liegen in dem Kerlchen, der Heldin des Erzählungscyklus die Keime zu einer tüchtigen deutschen Frau im besten Sinne des Wortes. Offenen Sinnes, lauteren Gemütes und jeder Fähigkeit zur Verstellung bar wirkt sie wie eine Fee mit wunderbarem Zauber in ihrer Umgebung. Wie Sonnenschein leuchtets überall hin, wohin sie fommt, doch grade an ihrem Wesen hebt sich das Unwesen anderer schärfer ab. Sie stiftet Frieden, sät Liebe, versöhnt schmollende Liebespaare. Eins ist ihr aber nicht gegeben, den gleißnerischen Schein der Hof- und Stadtgesellschaft als ernst und erstrebenswert зи erkennen. Ihre liebenswürdige Urwüchsigkeit ist fast der Prüfstein für geltende und Konvenienz. Fast meint man, das Ideal der Erziehungslehre Rousseaus vor sich zu haben, so sehr bleibt Kerlchen der Selbstentwicklung überlassen und der weise Vater, der Erzieher des Prinzen, verhütet, daß etwas geschieht, d. h. daß sein Kerlchen" von schlechter Seite beeinflußt wird. So nur kann sich die echte, starke Individualität entwickeln. In den Büchern steckt eine Menge Erziehungsweisheit, die allen Eltern und Erziehern nicht genug empfohlen werden kann. Und das alles bietet sich in einer Erzählung voll föſt­lichen Humors aus dem Leben einer Kleinstadt, eines fleinen Fürstenhofes und einer Mädchenpension dar. Erheiternd und zugleich ungemein lehrreich ist die Lektüre der geschmackvoll ausgestatteten Bücher und sei deshalb jedermann empfohlen, nicht nur Erwachsene, sondern auch Unerwachsene und Heranreifende werden hier Freude daran haben.

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ein Wunder, daß Georg Marthns blaue Augen glüd­

lich beachteten, als er der holden Braut anii

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daß fie, ehe vierund

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Nach dem Abendessen

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und balsamisch, fein ölkchen hinaus. Die Luft war weich gaben sich alle in den Garten ficht für den moren Himmel, es schien gute Aus­

Sie bildeten ein etwas schweigfames Quartett, als sie Tag. umweht, die Garte

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weiter. Nehmen Sie meinen Arm,

1 Interesse nehmen Sie fenne Sie, Madame!

bh fenne Sie doch nicht!"

Das thut mir unendlich leid.

In Ihre sind verrückt und ich

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meinen Arm!

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befahl die Sten ihr Gesellschaft leisteter

und zwei Boli in den Fiaker steigen, wo ihr

Der Polizist hatte wahr ateit.

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Und vorwärts

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Er war ein guter

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