Ausgabe 
14.8.1902 Erstes Blatt
 
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Zur Begnadigung des Oberleutnants Hildebrand wird der Berl. 3tg." aus Gumbinnen geschrieben: Im Offizier- Kasino an der Tilſiter Straße in Gumbinnen ging es Sonnabend flott her. Lustige Weisen gab die Militär- Kapelle des Artillerie­Regiments 1 im Kasino- Garten zum Besten; wieder holt ertönten Hochs und Hurrahs. Die Teilnahme der Anwohner stieg, als in der neunten Abendstunde eine Abteilung Artillerie eine Abteilung Artillerie- 20-30 Mann zu зи Pferde in Gala mit Haarbusch anrückte, einen Offizier in vierspänniger Equipage zum Bahnhofe eskortierte und sich von dem Insassen des Wagens mit drei maligem Hurrah verabschiedete. Der Insasse war aber nicht etwa, wie man nach der Begleitung annehmen mußte, ein gekröntes Haupt, sondern- der so eben begnadigte Duellant Oberleutnant Hildebrand.

Eindruck. Jetzt ist die Waffe, die in wohlmeinendster| Bewußtlosigkeit des Patienten dauert infolge Gehirn Absicht vom Kaiser gegen das Centrum gerichtet wurde, krampfes an. Sein Tod ist stündlich zu erwarten. den skrupellosen Agitatoren vom Schlage der Heim und Schädler gegeben, und sie wird von ihnen weidlich ausgenutzt werden. Ohne Zweifel wird das kaiserliche Entrüstungstelegramm die Gewissen aller Gebildeten, auch der katholischen, zur Auflehnung gegen die Cen­trumspolitik der Wut und der Bildungsfeindlichkeit an­eifern. die große Maſſe der Centrumswählerschaft aber und vielleicht auch noch mancher anderen Bevölkerungs­teile wird in der Empfindlichkeit über die Einmischung in die Budgetrechte des Landtages wohl nur zu em pfänglich sein für die Aufreizungen des Centrums, dessen Reihen, die bereits durch die natürliche Entwicklung der Dinge und durch die nicht ungeschickte Taktik der bayerischen Regierung ins Schwanken ge­raten waren, nunmehr sich, froh der ihnen gewordenen unfreiwilligen Unterſtützung, wieder festzusammen­schließen werden zu erneutem Ansturm gegen das Ministerium Crailsheim. Diesem, obwohl daran ganz unschuldig, wird auch dieser Eingriff des Kaisers in innerbayerische Verhältnisse aufs Konto gesetzt werden und es ist bei der bekannten Eifersucht der Bayern auf ihre Selbstständigkeit nicht ganz unwahrscheinlich, daß es den gutgemeinten Schritt des Kaisers zu büßen haben wird.

- Kaiser Wilhelm will, wie das Berl. Tgb." aus Rom meldet, bei seiner nächsten Reise nach Italien das weltberühmte Kloster von Monte Cassino besuchen.

Bei der Nachricht, daß der Kaiser beabsichtige, sich in der Nähe von Kadinen anzukaufen, handelt es sich um die Villa Litten, welche in Bad Kahlberg bei Elbing gelegen ist. Die Villa soll der Kaiserin und deren Kindern zum Sommeraufenthalt dienen. Ferner soll in dem Prinzwalde bei Tharden unweit von Lieb­mühle ein Jagdrevier für den Kronprinzen eingerichtet werden. Landwirtschaftsminister Podbielski be­sichtigte dieser Tage in hohem Auftrage das in Frage tommende Terrain.

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Die Kaiserin, welche in den letzten Tagen un­päßlich war, ist jest wieder vollständig hergestellt. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß Staatssekretär Graf Posadowsky einen furzen Urlaub antreten werde, um sich von den Strapazen der Zolltarif- Campagne zu erholen.

Berlin, 14. August. Nach der Nationalliberalen Korrespondenz soll binnen kurzem ein Aufruf zur Er­richtung eines Denkmals für Bennigsen erfolgen. Namhafte Beiträge zur Ausführung des geplanten Denkmals sind bereits gesichert.

Die von vielen Seiten befürwortete Gründung einer Hochschule in Posen ist jetzt von der Regierung beschlossen worden. Schon in den nächsten Staatshaushalts­Etat werden die erforderlichen Mittel eingestellt werden.

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Gegen den Lehrauftrag der Geschichte für Medizin an der Universität Berlin an Professor Schwenninger wird ein Einspruch der deutschen Aerzte vorbereitet. Dr. Hermann Baas in Worms und Dr. Sudhoff in Hoch­dahl erlassen einen Aufrauf an die deutschen Aerzte, in welchem sie im Interesse der Sache gegen die Besetzung dieses Faches durch einen bisher als Historiker thatsächlich und litterarisch gänzlich Unbekannten an der größten Hochschule des deutschen Reiches Verwahrung einlegen.

Zu diesen Ovationen, schreibt die Ger­mania":

Berlin, 13. Aug. Die deutsche Regierung hat das auf der Ausreise begriffene Kanonenboot Panther" na Haiti beordert, um die Interessen der deutschen Reichs­Angehörigen zu schüßen.

Prinz Arnulf von Bayers, fommandierender General des 1. bayrischen Armee- Korps, wird auf be­

sondere Einladung des Kaisers in der Zeit vom 6. bis

12. September an den großen Manövern des 3. Armee- Korps bei Frankfurt a. O. teilnehmen und als Gast des Kaisers in Frankfurt Quartier be­ziehen. Gelegentlich der großen Kaiser- Parade wird der Prinz das Infanterie- Regiment No. 52, dessen

Chef er ist, dem Kaiser vorführen.

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Die zur Truppenschan in Mainz zusammen­gezogenen Infanterie- Regimenter veranstalten Freitag Abend mit ihren Regiments- Kapellen einen großen Fackelzug nach dem großherzoglichen Schloß.

ein Abzeichen boran

bolle mit Fahne

den verfchiedenfte rug weiß- grün, cot- weiß, das& führen follte et Diese wurde ab Mainz beorder liden." Die tapelle bewie Seiftungen.

| Die Regierung soll angeblich dem Polizei- Präfekten ihre Mißbilligung ausgesprochen haben, weil derselbe sich mit den Besizern der Schulen in Unterhandlungen eingelassen hatte, anstatt diese Schulen ohne Weiteres zu schließen. In Brest sind Truppen bereit ge­stellt, um bei der Schließung der letzten Schulen, bei denen der Widerstand am heftigsten sein dürfte, behilflich zu sein. Die Zahl der letzteren beläuft sich auf etwa 10 bis 15. In Roscoff sollten die Truppen durch die Einwohner überrumpelt werden. Der Commandant der Truppen gab jedoch Befehl, das Gewehr aufzupflanzen, um gegen die Menge vorzugehen. In diesem Augenblick erschien der Deputirte Graf de Mun und ersuchte die Nonnen der Gewalt zu weichen, worauf dieſelben unter Führung de Mun's die Ordens­schulen verließen und sich in die Kirche begaben. In Cirantec hatte man Feuersprizen in die Schulen ge­bracht und die Gendarmen wurden mit Wasserstrahlen empfangen. In St. Jean wurden zum zweiten Male die Siegel von den Ordensschulen gerissen und die Schwestern wiederum in diese zurückgebracht.

,, Wie soll im Volke die Achtung vor dem Geset und das Gerechtigkeitsgefühl aufrecht er­halten werden, wenn Leuten, wie dem Duellanten Hildebrandt, derartige Ovationen dargebracht werden? Jedermann in Gumbinnen wußte, daß der in Gala­equipage von seinen Kameraden zum Bahnhof Ge­leitete jener Offizier war, der seinen Gegner im Zweikampf erschossen hatte, das nach göttlichem und menschlichem Gesetz ein schwerer Verbrecher ist. Wie müssen bei solchem Thatbestande derartige Vorgänge wie die oben geschilderten auf die Volks­seele wirken?

Wir erwarten deshalb um so dringender Auf­klärung von der Militärverwaltung, als die Vorgänge voraussichtlich im Reichstage zur Erörterung gelangen werden.

Wien, 13. August. Ministerpräsident von Koerber ist heute aus Ratot hier wieder eingetroffen. Wie offi­ziell bekannt gegeben wird, haben die beiden Minister­präsidenten den gesammten Complett des in der Schwebe befindlichen Ausgleichs- Materials durch beraten und werden sich am 15. August zur Berichterstattung beim Kaiser melden.

Von den Kongregationen. Aus Paris wird gemeldet: Sappeuren gelang es, das Hausthor der Jo­jefschule in Concarneau zu zertrümmern, nachdem sich die Gendarmerie dort von der Bevölkerung hatte zu­rückdrängen lassen. Das Schulhaus in Blondaniel

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bergeffen. Die Spiele auf, als Diele. Der Ball Mädchens die Ho Gummi, vom Spielen fam die teilung. Me hatte, durfte sich legten nicht mehr fuchen hatten, wie Ebenjogut w Erwachsenen. D Wirte fonnten

Paris, 13. August. In sämtlichen Filialen der Bank Cooman sind Haussuchungen vorgenommen worden. In Angers ist eine Dame, welche bei der dortigen Filiale 20,000 Francs deponirt hatte, ver­schwunden. Dieselbe hatte dem Direktor erklärt, daß fie, falls sie die hinterlegte Summe verlieren würde, sich das Leben nehmen würde. Man befürchtet, daß die Frau nunmehr ihren Plan ausgeführt hat.

Aus Sofia wird telegraphiert: Die Regierung hat 15 Beamte und Lehrer, die als Delegierte auf dem macedonischen Kongreß erschienen sind, des Dienstes enthoben. Der Kongreß lehnte es ab, die Delegierten der dem gegenwärtigen Zentralfomité feindlichen Vereine zu den Verhandlungen zuzulassen.

wurde von seinen Verteidigern mit einem Wassergraben umzogen. Der wegen Ermutigung zum Widerstand vom Bischof abgesetzte Pfarrer Foumier zu Chartres erklärte, er werde das Pfarrhaus nicht eher verlassen, als bis ihn Militär vertreiben würde.- Das Dementi des Kriegsministers über die Vorgänge beim 2. Jäger- Regiment, welches hier großes Aufsehen erregt, ist unrichtig. Der betreffende Offizier, um ' Quinge. Dieser, sowie der Oberst St. Remy wurden den es sich handelt, ist der Hauptmann Mangin wegen Gehorsams- Verweigerung nach der Festung Belisle gebracht. Als sie nach dort abgehen Absicht aus, sie nach dem Bahnhofe zu begleiten, was sollten, drückten sämmtliche Offiziere des Regiments die jedoch der Oberst verbot. Trotzdem gaben ihnen drei Hauptleute das Geleit.- Ferner wird telegraphict: Der Priester und Abgeordnete Gerault veröffentlicht einen Brief, in welchem er gegen die Behauptung pro­teſtirt, daß die jetzige Bewegung eine anti- republikanische

fet.

Der Brief schließt mit den Worten: Nieder mit Combes, es lebe die liberale Republik."- Aus Yannes wird gemeldet: Die Gendarmerie hat in vielen Orten der Umgegend weitere Schließungen von reiche Kundgebungen statt, doch wurden ernste Zwischen­Ordensschulen vorgenommen. Es fanden zahl=

fälle vermieden.

zum Streit der Klerikalen in Frankreich gegen die Regierung.

Aus Washington wird über London telegraphiert, es verlaute dort, daß Deutschland dem venezola­nischen Insurgentenführer Maco seine Absicht mitgeteilt habe, die Stadt Barcelona zu besetzen. Amerika erklärte, nicht protestieren zu wollen, sobald Deutsch­land versichere, feine Gebietsausdehnung zu beabsichtigen.

Giessener Cagesneuigkeiten.

** Das Regierungsblatt Nr. 51, ausgegeben am 12. August enthält: Gesetz, das Eigentum an Kirchen, Pfarrhäusern 2c. betreffend.

-r. Jugendfest. Man mag manches Vorurteil gegen Jugendfeste haben. Mancher Pessimist behauptet, es würde zu solchen Kinderfesten viel zu viel geübt und eingedrillt, so das es nachher bei der., Aufführung" am Festtage selbst den Kindern kaum mehr Vergnügen machen könnte. Es ist etwas Wahres daran, aber

Meißende Gefchäft hauptfächlich mit d wohl gegen 10000 9 auf dem Festplatz g fälle, daß etwa K oder beim Spiel g befannt geworden Der Verlauf als wohlgelunge Bedauern war das unerbittliche gab. Aber man wenn es am besten die Stimmung am im Philofophenwal Wohlgeordnet zog Befangenheit, mit allen Seiten beid marschiert waren wichen. Ueberal Graubart fnurt

bloß dann, wenn die Spiele so schwierig sind, daß sie lange geübt werden müssen. Die Spiele, die beim gestrigen Jugendfest gespielt wurden, waren den Kindern von der Schule und Freizeit her durchweg einst gegen die Wettspiele bei Kinderspielen. Gr gute Bekannte. Ein anderer Pessimist wandte sich Seelen solche unsaubere Gedanken wie Neid und behauptete, es würden dadurch in den jugendlichen Miß gunst erweckt. Das ist von seinem Standpunkt aus ganz richtig. Dann bezeichnet er eben jeden er­dem, was wir gesehen haben, daß solche pädagogisch wachenden Ehrgeiz als Neid. Nun wir hoffen nach gefährliche Regungen nicht zu den Begleiterscheinungen und Folgen des gestrigen Festes gehört haben. Bünktlich um 2 ühr begann der Auszug der srinder

Gießens. Freiwillig hatte sich von der Bürgermeisterei bis zum Philosophenwald ein dichtes Spalier gebildet. das Festkomitee mit dem Herrn Bürgermeister; dann Dem Rug voran schritt die übliche Musikkapelle und famen die Damen hatten natürlich auch hier den Vortritt- die Mädchen mit weißen Kleidern und festlich bekränztem Haar. Voran die ganz kleinen." Die Stadtschule und höhere Mädchenschule( inoffiziell) folgten.

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An die Mädchen schlossen sich durch eine Musik­kapelle getrennt die Knabenschulen an. Die Kinder marschierten in größeren Abteilungen, denen immer

Paris, 13. August. Die Blätter besprechen die Zwischenfälle, welche durch die Schließung der Ordens­schulen in der Bretagne veranlaßt worden sind. [ Grabdenkmal für Gräfin Alvensleben- Neugaitersleben v. Cauer.

Im Befinden des sächsischen Kriegsministers ist seit gestern eine kritische Wendung eingetreten. Die

alvensieven neugattersleben

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Grabdenkmal für Gräfin Alvensleben- Neugattersleben von Cauer.

Der Kaiser hat der am 29. September 1897 verstorbenen Gräfin Anna von Alvensleben, geborene von V.Itheim, in Neu- Gattersleben, ein herrliches Grabdenkmal seßen lassen. Das Kunstwert, dessen Bildner Gauer- Berlin die Intentionen des Monarchen meisterhaft wieder­gegeben hat, wird in Gegenwart des Kaisers heute, Dienstag, feierlich enthüllt werden. Die edle Frau, die schon vor vollendetem 44. Lebens­jahre ihrem Gemahl und den sieben Kindern, welche sie dem Gatten in 26 jähriger glücklicher Ehe geschenkt, entrissen wurde, gehörte in den engsten Freundeskreis des Kaisers, der häufig als Gast in ihrem behaglichen Heim geweilt hat. Unser Monarch schäßte, wie ihren Gemahl, dem er am 18. Januar 1901 den Grafentitel ver­erblich verlieh, Frau von Alvensleben ganz besonders hoch und hat diese Einschätzung durch die für die Ausführung des Monuments er­teilten Weisungen vornehmlich zu Tage treten laffen Das Marmordenkmal besteht aus einem Sarkophag, der von einem Baldachin in gothischem Stil überdeckt ist. Auf dem Sarkophag ruht, wie unsere Abbildung darstellt, in Lebensgröße

die Figur der Verstorbenen, die in den fromm gefaltenen Händen eine blühende Nose hält. Zu ihren Füßen tragen zwei Engel das Alvensleben'sche Wappen nud ein Band mit der Aufschrift:" Die Liebe höret nimmer auf!"

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