Ausgabe 
14.7.1902 Zweites Blatt
 
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ausstieß: llnd wenn sie mir den Kopf ablegten zwanzig Jahre eingehende Essays gewidmet hat, machen...!" Der Vorgang verursachte keine geringe Aufregung,

Das verweiblichte Gaudeamus. Die Jugend" erzählt: Eine gymnasiale Mädchenschule macht einen Ausflug. Die Stimmung wird eine immer lustigere, und als es zum Singen von Studentenliedern kommt, find die jungen Damen darauf bedacht, überall die auf ihre Kollegen vom männlichen Geschlecht bezüglichen Ausdrücke durch andere, das schöne Geschlecht betreff ende zu ersetzen. Als nun der Professor, welcher am Biertisch das Präsidium führt, das Gaudeamus" an­stimmt, fällt der ganze Chor lebhaft ein:

,, Gaudeamus igitur,

Virgines dum sumus etc."

* Die dice Stadtarme. Aus dem städtischen Ver­sorgungshause für arme Bürger haben sie dieser Tage die dickste Frau von Wien, denn sie hatte eine Taillen­weite von 2 m, zur letzten Ruhestätte hinausgetragen, ein rühmliches Zeugnis für die Reichlichkeit der städt­ischen Verpflegung unter Dr. Luegers glorreicher Re­gierung und für die Entwickelungsfähigkeit der Wiener Weiblichkeit. Sechs kräftige Männer konnten nur mit schwerer Mühe den Sarg heben, und zog sich dabei eine Verlegung zu. Sie wünschten ihr, daß die Erde ihr leichter sein möge, als sie ihnen gewesen. In diesem irdischen Jammerthal hieß die Frau Therese Allert und brachte es auf 66 Jahre und 200 kg.

Hochschulnachrichten. 01

Wien. Der Professor für Dermatologie an der Leip­ziger Universität, Dr. Gustav Riehl, wurde an Stelle des verstorbenen Professor Kaposi an die Wiener Universität berufen, woselbst er im kommenden Wintersemester seine Lehrthätigkeit beginnen wird.

Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.

Aufgebote.

Am 3. Juli: Karl Gümbel, Postbote dahier mit Karoline Mandler in Krofdorf. Am 5. Heinrich Schwöbel, Lehrer mit Johanna Caroline Elisabethe Pfaff; Friedrich Hermann Schnecko, Friseur dahier mit Dorothea Kaiser in Offenbach. Am 6.: Heinrich Konrad Geiz, Hilfswagenmeister dahier mit Anna Johannette Henriette Muth in Battenfeld. Am 7.: August Magel, Taglöhner mit Elisabethe Ortmüller. Am 8.: Wilhelm Gustav Heinzelmann, Monteur in Nürnberg mit Elisa­bethe Margarethe Bernand dahier; Georg Ludwig Heinrich Beck, Gr. Steueraufseher mit Anna Luise Spies; Daniel Mähler, Schlosser mit Luise Caroline Christiane Michel. Am 9.: Gustav Weiß, Gr. Gerichts­assessessor dahier mit Louise Sander in Darmſtadt.

das Düsseldorfer Unternehmen mit rückhaltloser An­erkennung. Er gesteht offen ein, daß er gleich vielen anderen Franzosen in einem bedauerlichen Irrtum be­züglich des gegenwärtigen Standes der deutschen Architektur befangen war. Was in Düsseldorf entstand, set etwas absolut Originelles, Ausgezeichnetes. Durch wohlthuende Harmonie und vornehmen Geschmack sei in allen Einzelheiten der denkbar würdigste Rahmen für die Errungenschaften der Künste, des Krieges und des Friedens und für die Bethätigung der hohen Pflichten gesellschaftlicher Solidarität geschaffen worden. Ein deutscher Burenkämpfer. Man schreibt uns aus New york. Der gestern aus Bermuda hier ange­langte Dampfer, Trinidad" hatte als blinden Passagier" den 36jährigen Deutschen August Albrecht an Bord, der folgende Erzählung seiner Erlebnisse zum Besten gab. Albrecht widmete sich vom Anfang des südafri­kanischen Krieges an der Sache der Buren, für welche er die Schlachten von Spionskop, Colenso und Magers­fontein mitmachte. Am 24. März 1901 wurde er ver­wundet und fiel in die Hände der Engländer. Er mußte zehn Monate lang im Lazareth von Johannes burg zubringen, wurde dann nach Durban, von dort nach Kapstadt und schließlich nach der Insel Darells Island gebracht, welch lettere durch einen fünf Meilen breiten Kanal von Bermuda getrennt ist. Hier weilte er zehn Monate lang. Als den Gefangenen der er­folgte Friedensschluß verkündet wurde und der Komman­deur des Lagers fie aufforderte, dem König von Eng­land den Treueid zu leisten, weigerte sich Albrecht mit vielen Anderen, denselben abzulegen. Befürchtend, daß er zu einer schweren Freiheitsstrafe verurteilt werden fönnte, beschloß er zu entfliehen. Am 26. Juni unter nahm er das fühne Wagestück; er wickelte sich in zwei dicke Teppiche, froch durch den das Lager umgebenden Stacheldrahtzaun und schlich sich an den zahlreichen Schildwachen vorbei zum Ufer. Hier schnürte er seine Kleidung zu einem Bündel zusammen, befestigte das selbe auf dem Kopfe und stieg in das Wasser. Schwimmend erreichte er eine kleine, etwa eine Meile entfernte Insel und schwamm nach kurzer Rast weiter, Bermuda zu, woselbst er zwei Stunden später völlig erschöpft anlangte. Hier stand ihm die Entdeckung sehr nahe, denn Dußende von Geheimpolizisten fahndeten auf einen einige Tage vorher in Begleitung eines Knaben entflohenen Deutsch- Amerikaner; allein die

* Am 11. Juli sind 5 Jahre verflossen, seitdem André mit seinem Luftballon von Spißbergen aus aufstieg, um sich von den südlichen Winden über den Nordpol treiben zu lassen. Merkwürdig ist es, daß zur selben Zeit wieder Gerüchte über das Ende Andrée's und seiner Genossen auftauchen. Den Times" wird von Winipeg gemeldet: Mr. Fairies, ein anglikanischer Missionar bei den Eskimos, wiederholt auf das Be­stimmteste das schon früher aufgetauchte Gerücht von der Tödtung Andrèe's und seiner Genossen durch Eins geborene. Als Andrée mit seinen Begleitern einer Menge Estimos ansichtig wurde, gab er auf sie Feuer; diese verfolgten die kügnen Forscher und tödteten sie. Mr. Fairies beschreibt ein Instrument ähnlich einem Teleskop, das sich nebst anderen Geräten im Besize der Eingeborenen befand. Dies soll sich 300 Meilen nördlich von Churchill zugetragen haben.

Heirat durch öffentlichen Anschlag. Bäder als

Eheschließungen.

Am 5. Juli: Dr. Heinrich Otto Rösler, technischer Betriebsleiter in Rodach mit Elise Altvater dahier. Am 9. Heinrich Georg Ludwig Martin Wagner, Lehr­amtsassessor in Langen mit Wilhelmine Adolfine Mathilde Hahn dahier; Gustav Hugo Dittmar, Fabrikant in Liebenzell mit Elisabethe Stief dahier.

Geborene.

Am 1. Juli: Dem Betriebsleiter der Gießener Omnibus- Gesellschaft Adolph Braun eine Tochter; dem Lokomotivheizer Heinrich Eyelmüller eine Tochter, Marie Lina. Am 4.: Dem Heizer Heinrich Schliffer eine Tochter, Katharine Elisabethe Louise. Am 6.: Dem Schneider Johann Karl Schön ein Sohn, Heinrich Wilhelm; dem Dienstknecht Georg Hartmann eine Tochter, Elisabethe Johanna. Am 7.: Dem Lokomotiv­heizer Theodor Hebstreit eine Tochter. Am 9.: Dem Kaufmann Emil Weißenberg ein Sohn, Walter. Gestorbene.

Am 4. Juli: Katharine Möser, geb. Rodenhausen, 74 Jahre alt, Mühlenbesiẞerin. Am 6. Heinrich Meister, 61 Jahre alt, Strankenpfleger; Geheime Nat,

Heiratsmarkt sind eine alte Sache. Daß aber heirats: Späher hielten ihn für einen Heizer und belästigten ihn Hermann v. Bechtold, 66 Jahre alt, Gr. Provinzial­

*

ausbieten, ist vielleicht neu, jedenfalls ungewöhnlich. In dem mecklenburgischen Ostseebad Brunshaupten bildet jezt ein Anschlag an der Tafel beim Weg zum Herren­bade das Ergößen der Badegäfte. Er veröffentlicht folgendes Gedicht:

bil

dud stap nj

Junge Damen, hübsch und fein, Möchten gern ein Männchen frei'n. Da sich bis jetzt noch Niemand fand, Der sich mit uns fest verband, Versuchen wir's auf diese Art, Für diesen Ort zwar recht apart. Sollte sich jetzt einer finden, Der sich mit uns wollte binden, bid Reich er schnell Offerte ein,

Bei der Post am Buchenhain.

14: bib 1919

Heckenröschen",

postlagernd, Brunshaupten.

* Ein französisches Urteil über die Düsseldorfer Aus­stellung. In" Echo de Paris" bespricht Oftave Uzanne, welcher allen großen Ausstellungen der

nicht weiter, als er mit harmloser Miene an Bord des Dampfers ging. Auf dem Schiffe versteckte er sich in einem Dampffeffel; er wurde zwar von einigen Ma­trosen entdeckt, diese verrieten ihn aber nicht, sondern bersahen ihn mit Lebensmitteln, als er ihnen seine Ge­schichte erzählt hatte. Einige Stunden später gesellte sich ihm ein zweiter blinder Passagier, ein Irländer, namens Johnson bei; derselbe begab sich nach der Ab­fahrt des Dampfers zum Kapitän. der ihn im Kohlen­caume beschäftigte. Albrecht blieb in seinem Versteck, bis das Laud außer Sicht war, und verließ dasselbe erst, als die Matroßen thn versicherten, der Capitän sei ein Burenfreund und werde ihn den Engländern unter feiner Bedingung ausliefern; dann gab er fich zu erkennen und wurde gut und mit Achtung behandelt. Hier wurden dem Flüchtling, der früher bereits mehrere Jahre in den Bereinigten Staaten geweilt hatte, feine Schwierigkeiten bereitet, zudem der britische Consul, dem die Ankunft des Mannes gemeldet worden war, dessen Auslieferung nicht verlangt hat. Albrecht wurde frei­gegeben und wird in New- Jersey Arbeit finden.

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Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern( Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehr­lingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.

An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 geöffnet.

Angebot der Arbeitnehmer:

1 Spengler, 1 Schlosser, 1 Fahrbursche, 1 land­wirtschaftl. Arbeiter, 2 Dienstmädchen, 2 Bauffrauen, 1 Kinderfrau, 1 Bureaudiener oder Kassenbote. Nachfrage der Arbeitgeber:

1 Schlosser, 2 Schneider, 1 Schreiner, 5 Dienst­mädchen, 1 Lauffrau, 1 Köchin. Lehrlinge: 2 Bäcker, 1 Friseur, 1 Schlosser, 1 Schneider, 2 Schuhmacher.

Vergebung von Bauarbeiten.

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Die zur Herstellung eines eisernen Thores mit Lung­steinthorpfeilern beim Kesselhaus der neuen Kliniken nötigen Steinhauer- und Schloffer- Arbeiten nebst Material­lieferungen, werden hierdurch unter Hinweis auf den Mini­sterialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf dem Sub­missionsweg ausgeschrieben.

Die Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen, und können lettere, mit Vordruck zu dem bezüglichen Angebots- Vermerk versehen, daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden.

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