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Nr. 160. Zweites Blatt.
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 150.
Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Montag, den 14. Juli 1902.
Gießener
11. Jahrgang.
Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen, wie ganz Oberheffen, die Kreise Weßlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
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( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
* Parlamentarische Redebeschränkung.
Bu früh erregt scheint sich der„ Vorwärts" zu haben, als er den angeblichen Plänen zur Beschränkung der Rebezeit in der Bollkommission die Anwendung jenes Mittels gegen den Tarif als Drohung entgegensezte. Auch in der Sitzung der Kommission tauchte fein solcher Vorschlag auf. Vielmehr konnte ein Vertreter der äußersten Linken, Abg. Baubert, unter allgemeiner und beifälliger Heiterkeit
den Saß aufstellen: Nach dem alten Sprichwort sei zwar Schweigen Gold; aber seine Freunde hielten es in diesem Falle mit dem Silbermann Abg. Arendt und folgten der Loosung: Reden, reden, reden!" Und das bleibt augen
scheinlich auch die Loosung für die anderen Parteien. Wir
glauben nicht daran, daß ernstliche Absichten bestehen, den Redner mit der Uhr in der Hand zu kontrolliren. Keine Fraktion ist frei von„ Dauerrednern", von Parlamentariern,
bie bas Wort festhalten, so lange noch ein einziger, noch so
bescheidener Gedanke zur Verfügung steht. Es wird überhaupt zu lange und weitschweifig gesprochen im Reichstag. Schon zu öfteren Malen ist daher die Idee der Redebeschränkung aufgetreten; die Begrüßung, die ihr zu Teil wurde, fam zwar aus dem Publikum und aus der Presse. forbzwang" feinen Geschmack abgewinnen. Das ist am Ende begreiflich. Einmal in der Kommission eingeführt, würde
das Reden mit festem Termin auch für das Plenum des
Reichstags acceptirt werden müssen, aus Billigkeitsgründen,
denn warum sollten die Kommissionsmänner mehr des Mißbrauchs der Geduld und der Zeit verdächtig sein, als die Kollegen ohne Kommissions- Mandat? Es war denn auch schon behauptet worden in einer Zeitungsmeldung, man wolle
ähnliche Neuerungen für das Plenum vornehmen. Das war
zu viel behauptet, weil ja das Plenum nicht vorhanden ist,
und einzelne Vertreter der Fraktionen natürlich keine Be schlüsse nach dieser Richtung hin fassen können. Also: es wird weiter gerebet, nach Herzensluft. Im Grunde" so bemerkt zutreffend die Nationalztg."," dreht sich der Streit um die Frage, wann die Kommission" Ferien machen kann
und auf solche hat sie nach der Gewährung der Diäten eigentlich taum Anspruch." Möglicherweise verdankt die so allarmirende Redebeschränkungs. Meldung dem„ Ferienseufzer" irgend eines Mitgliedes der Bollkommission die Entstehung, bas sich bitterlich beklagte über den langsamen Gang der Verhandlungen. Einstweilen braucht der Vorwärts" noch nicht die Sache so tragisch zu nehmen, wie es in der furchtbar feierlichen Verwahrung des Blattes zum Ausdruck kommt: Hier würde an den Grundlagen des Reichstages verbrecherisch gerüttelt!" Ein Kanonenschuß nach Spaßen.
Aus Hessen und Nachbargebieten.
fe. Buzbach, 11. Juli. Zu einem blutigen Erzeß fam es gestern Abend in der hiesigen Kaserne des 1. Bat. 168. Inf.- Regts. Ein im 2. Jahre dienender Mann von der 1. Komp. geriet mit einem Rekruten in Streit, in dessen Verlauf der Rekrut dem andern mit einem Messer eine lebensgefährliche Wunde im Rüden beibrachte.
Asbach. Mit Freude und Genugthung fönnen die Landwirte von hier auf die Viehausstellung in Wezlar zu rückblicken, indem denselben nicht weniger als 10 Preise aufielen. Unter der Rinderabteilung fiel der erste Staatspreis an Heinrich Weber und in der Abteilung für Kühe der zweite Staatspreis an Schultheiß Tasch und der dritte an Wilh. Medebach hierselbst. Die Summe der Preise, welche nach hier gekommen ist, beträgt 505 Mt., darunter ein Sammelpreis von 75 Mt.
Königsberg. Das am gestrigen Sonntag auf unserer Bergeshöhe veranstaltete 25jährige Stiftungsfest des Gesang vereins Liederfreund" nahm einen würdigen Verlauf. Von dem herrlich an der alten Burg gelegenen Festplaze nahm der stattliche Festzug, gebildet von 11 Vereinen seinen Weg durch die Dorfstraße. Nach der Festfeier, eingeleitet durch Begrüßung von Seiten des Herrn Dirigenten, überreichten bie hiesigen Jungfrauen dem Verein eine prachtvolle FahnenSchleife. Bei Gefang und Tanz entwickelte sich bald das bekannte Treiben, wie es bei solchen Festen üblich ist. Hoffentlich wird es allen werten Sangesbrüdern, sowie allen sonstigen aus dem Bieberthal, dem benachbarten Hinterland und dem angrenzenden Kreis Weglar erschienenen Säften auf dem Königsberger Sängerfest gefallen haben.
a Wezlar. Herr Gerichtsassessor Schoeler von hier, berzeit in Frankfurt a. M., ist zum Amtsrichter ernannt und an das Königl. Amtsgericht in Ehringshausen( Dill) bersetzt.
fe. Balduinstein, 13. Juli. Königin Wilhel mine von Holland bleibt noch eine Woche auf Schloß Schaumburg und reist am 19. Jult in Begleitung des Prinzgemahls und der Königin- Mutter direkt nach den Haag, da sich nach Ansicht des Leibarztes Dr. Rössing, der Gesundheitszustand der Königin so gebessert hat, daß ein weiterer Aufenthalt in Deutschland( Langens schwalbach oder im Thüringiſchen) nicht notwendig er
C. Frankfurt a. M., 13. Juli. Die hiesigen Turner haben beschlossen, in der Paulskirche an dem Plaze, den Turnvater Jahn im Jahre 1348 als Abgeordneter einnahm, eine Gedenktafel anbringen zu lassen. Die Tafel soll am 15. Oft. d. J., dem 50 jährigen Todestage Jahn's enthüllt werden.
*** Darmstadt, 11. Juli. Nach Schluß des Landtages wurde dem Präsidenten Ha a's eine außerordentliche Vertrauensfundgebung zu Teil. Der Abg. Back es wies die in der„ Wormser Zeitung"( das hochnationale Organ in Reinheffen) wiederholt gegen den Präsidenten und dessen Geschäftsführung geschleuderten scharfen Anjeder Hinsicht für unbegründet, er spreche dem Präsidenten griffe in energischer Weise zurück, erklärte dieselben in griffe in energischer Weise zurück, erklärte dieselben in für die unermüdliche eifrige, absolut unparteiische Geschäftsleitung Dank und Anerkennung im Namen seiner Parteifreunde aus. Abg. Bähr schloß sich namens der freien Vereinigung dieser Kundgebung an, auch Abg. Gutfleisch fann nicht umhin dem Präsidenten für die opferwillige und gerechte Leitung der Geschäfte Ebenso zu danken und die Angriffe zurückzuweisen. protestierte Abg. UII rich in energischer Weise gegen diese Ausfälle, die er verurteilen muß, wenn er auch die strenge gewissenhafte Geschäftsleitung fonstatieren; fein politischer Freund von Haas set. Man könne nur Beinahe könne man es als ein Lob betrachten, wenn Schmidt trat ebenfalls in energischer Weise gegen man von der Wormser Zeitung angegriffen werde. Abg. diese ungerechten Vorwürfe auf; es sei endlich an der Zeit gegen diese schamlosen Angriffe in der Oeffentlichkeit front zu machen. Er habe ja mit dem Präsidenten das gleiche Schicksal von dem Blatt verurteilt zu werden, doch habe er die Bitte an den Präsidenten zu richten, diese Ausfälle unberufener Nörgler weder tragisch noch ernst zu nehmen. Die schlechtesten Früchte seien es nicht, an den die giftigen Wespen nagen.
M.- Fischbach, 11. Juli. Eine Frau, die beim Meggergermeister Glöckner Fleisch einkaufen wollte, hatte einen Teller mitgebracht und auf die Theke gestellt. Als bon ungefähr der Teller ins Nutschen fam, und von der Theke herabzufallen drohte, griffen gleichzeitig die Frau und der Megger danach. Lezterer, der das Messer in der Hand hielt, schnitt der Frau mehrere Sehnen der Hand durch. Obwohl bald ärztliche Hilfe zur Stelle war, zeigten sich kurze Zeit danach Symptome von Blutvergiftung, so daß die Frau ins Krankenhaus gebracht werden mußte.
Urberach, 11. Juli. Wie noch erinnerlich sein dürfte, machte sich im letzten Jahre während der hier abgehaltenen Manöver der 21 jährige Schloffer Gg. Seib von hier eines schweren Vergehens dadurch schuldig, daß er der zum Nevidieren in eine sozialdemokratische Wirtschaft abgeschickten unter offiziers- Patrouille den Eintritt verwehrte, dieselbe beschimpfte und nach einer zweiten vom Oberst Patrouille sogar mit Latten warf. Diese thätliche Bedes Inf.- Regts. Nr. 166 selbst abgesandten Offiziers leidigung muß Seib nun mit zwei Monaten Gefängnis büßen, nachdem die Strafkammer zu Darmstadt das zuerst gefällte Urteil des Schöffengerichts Langen dieser Tage mit Verwerfung der Revision bestätigte.
p. Worms, 11. Juli. Oberbürgermeister Köhler, der seither die Stadt Darmstadt im Landtag vertreten der seither die Stadt Darmstadt im Landtag vertreten hat, wird sich um sein seitheriges Mandat nicht mehr bewerben.
Vermischtes.
meldet: Geſtern abend 7 lbr hat ein lebiger Schiffer * Karlsruhe, 11. Juli.( Mord). Der Polizeibericht von Weiler bei Salzig seine Geliebte im Walde bei Mayau aus Eifersucht erstochen und dann Selbstmord zu begehen versucht, was ihm anscheinend wegen seiner Aufregung nicht gelungen ist.
benachbarten Ehrenfeld wurde von der Kriminalpolizei verKöln. Der hochbetagte Defan Ropperts aus dem haftet, und zwar unter der Anschuldigung eines schweren Sittlichkeitsverbrechens.
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* Das 21. Mitteldeutsche Bundesschießen im Jahre 1904 findet in Mühlhausen in Thüringen statt.
Eine äußerst drollige Geschichte vom Exerzierplaß macht in militärischen Kreisen Berlins die Runde. Der Herr Unteroffizier hatte einen Einjährigen wiederholt vergeblich ermahnt, seine Gehwerkzeuge vorschriftsmäßig zufammenschließen. Der Einjährige hatte zwar nicht eigentlich 0- Beine, aber entschieden Anlage dazu. So viel er sich auch Mühe gab, ferzengerade dazustehen, es blieb zwischen den Knieen immer ein fleiner leerer Zwischenraum, der dem scharfen Auge des Unteroffiziers nicht entging.„ Ich will Ihnen was sagen, Einjähriger" bemerkte er endlich, indem er ein Markstück aus der Tasche 30g und es bem Einjährigen zwischen die Knie drückte, die er mit Gewalt zusammenpreßte. Ich gehe nun fort und fomme in fünf Minuten wieder. Wehe Ihnen, wenn Sie dann das Geldstück nicht mehr zwischen den Knieen haben!" Der unglüc felige Einjährige merfte bald, daß er es in dieser Stellung nicht eine Minute aushalten würde? Was thun? Er überlegte rasch, wie er dem brohenden Ungewitter entgehen tönnte und verfiel dabei auf einen ebenso originellen wie gefallen war, nach Ablauf der Frist von fünf Minuten in glücklichen Gedanken: Er hob das Markstück, das zu Boden einem unbewuchten Augenblick rasch auf, steckte es ein und klemmte sich dafür ein Zweimarkstück zwischen die Kniee. „ Na, Einjähriger", rief der Unteroffizer bald nach seiner Rückkehr, haben Sie das Geldstück noch zwischen den Knieen? Will doch gleich mal nachsehen!" Auf einmal verklärte fich sein Gesicht, er hatte statt des Markstückes das Zweimarkstüd vorgefunden. Schmunzelnd bemerkte er mit freundlichem Augenzwinkern:" Na, sehen Sie, Einjähriger, das haben Sie ja ganz hübsch breitgedrückt!"
Trid wird der„ Kattowizzer Zeitung" aus Rußland be. * Ueber einen wenig zarten, aber erfolgreichen Reiserichtet: Vor einigen Tagen standen hunderte von Passagieren auf der kleinen russischen Station Ciechozinet, um nach Warschau fahren zu können. Der eben angekommene und letzte Zug des Tages war aber so beseßt, daß viele die Hoffnung auf Beförderung aufgeben mußten. Als das Gedränge am ärgsten war, erschien beim Stationsvorsteher ein eleganter Herr in Begleitung eines russischen Offiziers und erklärte, er habe Letteren wegen plöglich ausgebrochenen Wahnsinns nach Warschau in eine Nervenheilanstalt zu transportieren und müsse zu diesem Zwecke ein besonderes Abteil erhalten, da er sonst wegen der bei dem Kranken wiederholt ausgebrochenen Tobsuchtsanfälle für nichts einstehen könne. Sofort wurde den beiden ein Abteil erster Klasse angewiesen, mit der Aufschrift„ Besezt" versehen und der Oberkondukteur mit der alleinigen Aufsicht desselben betraut. Als fich der Zug in Bewegung seßte, brachen die beiden Reisegenossen in schallendes Lachen aus, ihr Sniff war gelungen. Während die übrige Reisegesellschaft wegen der drückenden Fülle und Schwüle kein Auge schloß, schnarchten die zwei auf dem bequemen Polster nach Herzensluft. In Warschau angelangt und von der Sanitätswache in Empfang genommen, begann der Irrfinnige seine Augen fürchterlich zu verdrehen; sein Begleiter aber erklärte, man möge ihn den Kranten ganz allein führen lassen, da er seine Launen am besten fenne. Man willfahrte ihm und war froh, einen solch gefährlichen Kranten auf so einfache Weise losgeworden
zu ſein. Höchst vergnügt ging das Paar davon, und bald darauf sah man den" Irren" ganz außerordentlich Freuden des Lebens hingeben. bernünftig in einem eleganten Restaurant sich den
* Eine brutale Scene spielte sich vergangene Woche im Saale der Civilkammer des Mannheimer Landgerichts ab, wo die 1. Straffammer eine Sigung ab.
hielt.
Der Taglöhner Michel Hurrle von Mannheim, der Taglöhner Friz Rosenfeld und die 17jähr. Straßendirne Magdalene Horsch wurden wegen verschiedener Diebstähle verurteilt, Hurrle einschl. früherer Strafen zu einer Gesamtzuchthausstrafe von 3 Jahren 10 Mon., Rosenfeld zu 8 Wochen, Horsch zu 3 Wochen Gefängnis. Hurle hat erst fürzlich bei einer Verurteilung die Richter zu tommen. Schon damals hatte er seinem ehemaligen beschimpft und erklärt, daß er noch hoffe aufs Schaffot Freund Rosenfeld gedroht, er werde ihn falt machen. Während nun gestern der Vorsigende( Landgerichtsrat Stetterer) das Urteil begründete, wandte sich Hurle um und führte einen fürchterlichen Faustschlag nach Rosenfeld, der dessen linkes Auge traf. Das Blut schoß her: bor und eine mächtige Beule entstand. Schußleute verhinderten weitere Grzesse. Welch ein Desperado Hurrle ist, geht aus dem Ausruf hervor, den er nach der That


