Ausgabe 
11.9.1902 Zweites Blatt
 
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diese Zeit zu gewährende Lohn soll nach dem Durchschnitts-| lohn berechnet werden. Die Einführung dieses Urlaubs der Arbeiter wird voraussichtlich nach dem 1. April 1903 er­folgen.

Köniz Georg von Sachsen hielt heute Nach mittag 2.30 Uhr unter Glockengeläute seinen feierlichen Einzug in die festlich geschmückte Stadt. Auf die Ansprache des Oberbürgermeisters Beck erwiderte der König: Nach seiner Thronbesteigung sei es sein innigfter Wunsch gewesen, vor Allem der ersten Handels- und Industriestadt des Landes Chemnitz, einen Besuch abzustatten. Heute Abend bringt die Arbeiterschaft in einer Anzahl von 9000 Mann dem Könige einen Fackelzug dar.

Die sächsische Staatsbahnverwaltung will einen Versuch mit der Einführung von Motorwagen auf normalspurigen Strecken machen. Es werden gegen­wärtig drei solcher Wagen gebaut und sollen am 1. Mai 1903 in Betrieb genommen werden. Auch wird die Ver­wendung von Motorwagen für schmalspurige Linien er­wogen, die wegen der vielen Nebenbahnen in Sachsen besonders häufig sind. Im Dezember d. Is. wird die

Generaldirektion der Staatsbahnen zehn Personenwagen mit elektrischer Beleuchtung versuchsweise einstellen. Die neuen Wagen sind bereits im Bau begriffen.

Konstantinopel, 10. Sept. Der italienische Bot­schafter protestierte energisch bei der Pforte gegen das Vor­gehen des Gouverneurs von Janina, welcher sich der Er­öffnung des neuen dort etablierten italienischen Bostamtes widersetzt.

Giessener Cagesneuigkeiten.

** Die neue Rechtschreibung. Die amtliche Ausgabe der neuen deutschen Rechtschreibung ist jetzt im Druck erschienen. Die Einführung in den Schulen soll erst zu Ostern des nächsten Jahres erfolgen; doch ist die Anwendung der neuen Schreibweise schon jetzt gestattet. Der leitende Grundsatz, nach dem bei der Neubildung unserer Rechtschreibung gearbeitet wurde, war, eine Ortographie zu schaffen, in der alle deutschen Länder, auch Desterreich und die Schweiz, mit den Eigentümlich feiten ihrer Schreibweisen möglichst zu ihrem Rechte tommen. Infolgedessen sind manche Infonsequenzen zu verzeichnen, so z. B., daß fortan giebst", gibst" zu schreiben ist unter Wegfall des Dehnungs- e, während die Endsilben ,,- teren",-terung" mit Dehnungs- e ge­schrieben werden. Späterer Zeit bleibt also noch ein gutes Stück Arbeit vorbehalten. Von den Einzelbe­stimmungen der neuen Rechtschreibung sei erwähnt, daß ,, th" in den deutschen Wörtern nicht mehr geschrieben wird; es heißt fortan ,, tun" anstatt ,, thun" und ,, Tür" anstatt ,, Thür". Ausgenommen von dieser Regel sind aber einige deutsche Eigennahmen, von denen einige das h" behalten müssen, einige jedoch auch eben so gut verlieren, wie behalten dürfen. Eine doppelte Schreibweise ist auch freigegeben für die zweite Person derjenigen Zeitwörter, deren Stamm auf einen S.- Laut endigt; so bleiben also z. B. neben den Formen ,, du lieft", du wächst", die veralteten ,, du liesest" und" du wächsest" bestehen. Am vielseitigsten und schwierigsten bleibt auch in der neuen Rechtschreibung das Kapitel über die Anfangsbuchstaben. Im Allgemeinen ist die Stimmung für die kleinen Anfangsbuchstaben gemäß der Vorschrift: In zweifelhaften Fällen schreibe man mit kleinen Anfangsbuchstaben." Indessen soll

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hatte. Durch den Brodem in der Küche hatte sich die Farbe aufgelöst und die schädlichen Erscheinungen hervorgerufen.

* Ein Telegramm aus Bauzen meldet die Verhaftung eines angeblich aus Berlin stammenden Hoch staplers, der sich Dr. Karl Schulz nennt.. Im Besitz des Feitge nommenen wurde eine umfangreiche anarchistische Korrespon denz aufgefunden

* Dresden, 9. Sept. Heute wurden 15 Frauensper­sonen wegen Abtreibung zu Gefängnis, wegen Beihilfe die frühere Hebamme Kolosche zu 4 Jahren Zuchthaus ver­urteilt.

3. B. die Anrede ,, du" und ihr" auch in Zukunft groß| geschrieben werden; es soll fünftig auch heißen: Das Königlich Preußische Zollamt" Königlich Preußisch mit großen Anfangsbuchstaben dagegen z. B. die preußischen" Beamten. Im ersteren Falle find die beiden Eigenschaftswörter Teile von Titeln, im zweiten nicht. Gin ähnlicher Unterschied bleibt in der Schreib­weise derjenigen Eigenschaftswörter, die von Eigen­namen abgeleitet sind. Bezüglich der Fremdwörter wird gesagt, daß ,, für die Schreibung der Fremdwörter sich allgemein giltige Regeln nicht aufstellen lassen". Als Grundsak gilt, die Fremde Schreibweise beizube-* Köln, 9. Sept. Jm benachbarten Herrig er. halten, sofern die fremde Aussprache keine Aenderung schoß sich in seiner Wohnung ein seit langen Jahren erhalten hat; doch sollen fremdwörter, die keine dem dortselbst amtirender Volksschullehrer. Als Motiv Deutschen fremden Laute enthalten, vielfach ganz nach zur That wird angegeben, daß der Lehrer eine aus­deutscher Weise geschrieben werden, wie z. B. Bluſe, wärtige Festlichkeit besuchte und deshalb mehrere Tage Sekretär u. a. Der K- Laut soll aber meist mit" lang den Unterricht ausgesetzt hatte. und der Z- Laut mit ,, z" geschrieben werden. An Stelle bon ,, ce" darf, wenn es den Laut von kz" hat, auch tz gesetzt werden, man darf also ebenso gut wie z. B. Accent und Acciſe, auch Akzent und Akzise schreiben. Sehr zur Nachachtung zu empfehlen ist der Schlußsak der amtlichen Ausgabe: Viele Fremdwörter können durch völlig gleichwertige, gute, deutsche Ausdrücke er­setzt werden; entbehrliche Fremdwörter soll man über­haupt vermeiden."

Vermischtes.

* Die Großmutter als Umzugsgut. Auf einer Station im Osten Deutschlands erschien in den Abend­stunden ein Ehepaar, das sich angelegentlicht erfundigte, ob ein am Morgen zur Beförderung aufgegebener Wagen mit Umzugsgut für sie noch nicht eingegangen sei. Auf die verneinende Antwort des Beamten sicht­liche Bestürzung und längere geheimnisvolle Beratung, mit dem Ergebnis, daß beide Fragesteller sich zögernd entfernten. Am Vor- und Nachmittag des nächsten Tages wurde die Anfrage mit gleichem negativem Er­gebnis wiederholt. Erneute Beratung und als deren Folge endlich gemeinsame Abfahrt nach N, dem nächsten Knotenpunkt in der Richtung, aus der das Umzugsgut erwartet wurde. Bald nach der Abfahrt des Ehepaares verbreitete sich das Gerücht, in dem er warteten Wagen mit Umzugsgut sei, der Fahrgeld­sparnis halber, auch eine franke Großmutter mit ver­laden, über deren Verbleib und Befinden man in berechtigter Sorge sei. Und richtig: In N., wo der Wagen einen unerwarteten Aufenthalt hatte, war der Alten ihre freiwillig(?) übernommene Gefangenschaft unerträglich geworden. Zum nicht geringen Schrecken des Bahnhofspersonals machte sie sich durch Klopfen bemerkbar und wurde nun, nicht gerade von Segens wünschen begrüßt, aus ihrer Haft befreit. Für die fürsorglichen" Verwandten aber dürfte ihre übelan­gebrachte Sparsucht noch ein unerwünschtes Nachspiel haben.

* Ein eigenartiges Vorkommnis wird aus Meißen er­zählt. Ein dortiger Bürger machte wiederholt die Wahr­nehmung, daß vom Mittagstisch übrig gebliebene und in der Küche aufgehobene Salzkartoffeln am Abend eine rote Farbe zeigten. Eines Tages färbte sich auch der nichtgenossene, eben­falls in der Küche aufbewahrte Kalosbraten rot. Da gleich­zeitig die Frau ertranfte und über Schwindel und Uebelkeit klagte, tam man auf die Vermutung, daß den Speisen Gift zugesezt sein müsse, was sich auch insoferne bestätigte, als eine chemische Unterfuchung des Farbenanstrichs der Küche ergab, daß beim Molen Anilinfarbe Verwendung gefunden

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* Lüdenscheid, 8. Septbr. Die Typus epidemie hat soweit nachgelassen, daß in der nächsten Woche die Die Schüler Schulen wieder eröffnet werden können. aus infizierten Häusern werden jedoch vorläufig noch nicht wieder zum Unterricht zugelassen. Insgesamt sind von 202 Erkrankten 10 gestorben. Kopenhagen, 9. Sept. Hier wurde gestern unter großer Teilnahme ein neues Serum- Institut eröffnet. Die wissenschaftliche Welt war bei der Eröffnung stark ver­treten. Von deutschen Gelehrten waren Prof. Paul Ehr­lich und Karl Weigert aus Frankfurt a. M. als geladene Gäste anwesend.

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Petersburg, 5. Sept. Ein ungewöhnlicher Un­glücksfall trug sich unlängst auf der Südwest bahn zwischen den Stationen Popeljucha und Kryshopol zu. Ein Reisender warf während der Fahrt aus einem Wagen eine große leere Weinflasche hinaus. Sie flog einem Bahn­wärter, der auf seinem Bosten stand, so unglücklich an die Schläfe, daß der Mann auf der Stelle tot war. vorsichtige Werfer ist nicht gefunden worden.

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* Paris, 10. Sept. Ein Telegramm aus Fort Castris meldet, daß die sanitäre Lage in Fort de France äußerst besorgniserregend ist. Der größte Teil der Bevölkerung iſt tranf. Die Ruhr fordert täglich zahlreiche Opfer. Die Aus­wanderung der Bevölkerung ist panifartig. Birfa 80,000 Gin­wohner wollen die Insel verlassen. Die eventuelle Inſtand­segung der Fabriken und Ansiedelungen würde 50 Jahre in Anspruch nehmen.

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Catania, 10 Sept. Der Stramboli ist ebenfalls in Thätigkeit getreten. Unterirdisches Getöse wird v.rnommen und dichte Rauchwolken lagern über der Insel.

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Neapel, 9. Sept Vincenzo Guerriero, der am 25. Mai 1902 zwei Steine gegen den föniglichen Eisen­bahnzug warf wurde heute zu 6 Jahren 8 Monaten Zucht­haus und 800 Lire Geldstrafe verurteilt.

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Halberstadt, 8. Septbr. Infolge Higschlages berunglückten im Manöver 10 Reservisten vom 27. Inf.­Regiment. 2 waren auf der Stelle tot, die übrigen wurden nach Halberstadt zurücktransportiert.

* Paris, 10. Sept. In dem Gewölbe der Bank von Frankreich wurde ein Diebstahl von Goldmünzen im Betrage von einer Viertelmillion entdeckt. Die Polizei ist der Ansicht, daß nur Beamte der Bank den Diebstahl ausgeführt haben können.

* Arad, 10. Sept. Wallachische Zigeuner steckten in der vergangenen Nacht eine Scheune in Brand, in der zahl­reiche Wallfahrer übernachteten. 8 Personen tamen in den Flammen um, 9 erlitten schwere Verlegungen. Die Bande gehörte gerädert zu werden.

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,, Thut denn auch der Herr Bater feire Einwilligung geben?" Welcher Herr Vater?" fprach der 92a jeßt muß man am End dem

verloren nicht fah." Meine Mutter gar seinen Bater fagen.

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fuhr er mit einem lauernden Blid fort, da ihm der Junge hervor

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Aus Vergangenheit

Nr. 211.

Donnerstag, den 11. September

Oberbelitche

1902