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Badung
Nr. 211.
Zweites Blatt.
Donnerstag, den 11. September 1902.
Abonnement preis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ins Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mt. 1.50.
Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
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t von Adolf Bieler
Gießener
11. Jahrgang.
Jufectionsvreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Fernsprechanschluk Nr. 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei,( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
Sanitäre Vorschriften für den Flaschen
bierhandel.
Wir werden um Aufnahme folgenden Artikels ersucht. Den Geschäftsleuten, namentlich den Wirten, ist feine Kontrolle ihrer Thätigkeit von Seiten der Behörden erspart. Nur der Flaschenbier handel ist nicht kontrollirt. Was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig. Die Wirte werden in der Reinhaltung ihres Ausschanks, ihrer Bierdruckapparate usw. überwacht, um dem Publikum eine Garantie für ein gesundheitliches Getränk zu bieten. Wie steht es nun aber mit dieser Garantie beim Flaschenbierhandel? Sie fehlt vollständig! Da ist es nun von den Behörden in Meiningen verdienstlich, daß sie in dieser Beziehung vorgegangen sind.
"
Auf mehrere Eingaben der Gastwirtevereine Meiningen und Salzungen, so schreibt der Deutsche Gastwirt" vom 30, August, hat der Herr Landrat des Kreises Meiningen eine Revision sämtlicher Flaschenbierhandlungen, sowie der Gast- und Schankwirtschaften vornehmen lassen und nach den hierbei gewonnenen Resultaten ein Kreisgesetz für den Kreis Meiningen, den Handel mit Flaschenbier und die Verwendung von Bierdruckapparaten beim Ausschank von Bier betreffend, entworfen. Der Herr Landrat hat aber dabei den einzig richtigen Weg eingeschlagen und damit ein dankens- und nachahmungswertes Beispiel gegeben, indem er zunächst einer einberufenen Kommission, bestehend aus den Herren Bürgermeistern von Meiningen und Salzungen, dem Herrn Kreisphysitus, den ersten Vorständen des Gastwirteverein Meiningen und Salzungen und zwei Brauereibefizern, den Entwurf zur Begutachtung übergeben hatte. Die Kommission hat nach manchen Henderungen den Entwurf in seiner jeßigen Fassung empfohlen. Wenn nun auch gerade die Mitglieder unseres Gewerbes in manchen Punkten einen recht schweren Standpunkt hatten, so wollten sie doch vorerst im Interesse des Wohles der Allgemeinheit mit dem einstweilen Gebotenen zufrieden sein und weitere, wenn auch noch so berechtigte Bünsche zurüchtehen lassen. Dieses Kreisgesetz möge nun für unsere Kollegen im Herzogthum Sachsen- Meiningen der Unfang einer fommenden besseren Zeit sein! Hoffentlich entschließt sich auch die Landesvertretung, in der Frage der Besteuerung des Flaschenbierhandels recht bald den Weg einzuschlagen, den der Bayerische Landtag und die Königlich Bayerische Regierung so erfolgreich seit mehreren Jahren beschritten hat und der dazu führt, eine Gleichheit in der Belastung des Produktes Bier herbeizuführen.
Sodann folgen im D. Gastw. die Paragraphen über den Handel mit Flaschenbier"
"
In eigener Sache Richter.
Roman von L. Haidheim. ( Nachdruck verboten.)
( Fortsetzung.)
Nie in feinem ganzen Leben hatte Burkard von Frohberg eine Nachricht so unerwartet und so völlig überwältigend getroffen.
Er war auf einen Stuhl gesunken, hielt die Hände vor das Geficht geschlagen und wiegte sich wie in unbeschreiblichem Schmerz hin und her: Joseph! Joseph! Alles, nur das nicht! nur nicht chrlos!
Weiter empfand er zunächst nichts, als dies: Ehrlos! und ben Hefften Jammer darüber. Nie wie ein flüchtiger Schatten einer solchen Möglichkeit in die Gedanken niemals war ihm auch nur gekommen.
Und dann fiel ihm des Großvaters herzlose Grausamkeit gegen diesen Enkel ein bas tiefe Mitleid, das ihn bewogen, an des Alten statt für des Vetters Existenz zu sorgen.
Zu spät! zu spät!
Erst ganz zuletzt tam die Erinnerung, daß er unter diesem Verbrechen schmählich an seiner Ehre geschädigt worden. Aber das betonten ja die beiden„ Blutzeugen", das hatte Joseph nie geahnt.
Wie dieser grenzenlose Leichtsinn ihm so ähnlich sah! " Ich gäbe viel darum, ich hätte nie erfahren, was er gefehlt!" fagte er sich ermannend und in seinen Mienen zuckte die bittere Trauer.
Es war gräßlich.- Eben noch vor einer furzen ViertelStunde hatte er sich dem armen Joseph so nahe gefühlt, so herzlich liebevoll, um ihn sich betrübt- und nun- Empfinden wandte sich von dem Toten ab. -jein ganzes
Finster, schwer bedrückt verließ er das Gemach. Sordegni wollte heimwärts- Brucheisen hatte eine ganz furze Strecke denselben Weg mit Burkard Frohberg. So nahm er von dem ersteren Abschied, nicht einmal grüßen lassen konnte er seine Maria.
Ein schrilles Klingeln an der Etagenthür berührte fie in biefer ernſten Stimmung wie ein verlegendes Getöse.
Wer konnte es sein? Joseph hatte in letzter Zeit viele Freunde gehabt. Wenn man Geld hat, fehlt es daran nicht.
Burkard Frohberg fuhr hastig zusammen bei dem leichten silbernen Lachen da draußen, in das sich eine grobe Männer
§ 1. Beschaffung des Abfüllbieres. Bier, welches in Flaschen zum Verkauf kommen soll, muß unmittelbar vom Fasse aus auf die Flaschen abgezogen werden. Trübes, schal gewordenes oder sonst verdorbenes Bier, insbesondere Tropf- und Neigenbier, darf nicht in die für den Handel bestimmten Flaschen abgefüllt werden. § 2. Flaschenreinigungsraum und Abfüllraum. Bieres darf nur in zwei getrennten, rein gehaltenen, gut geDas Reinigen der Bierflaschen und das Abfüllen des lüfteten und genügend hellen Räumen mit festem, für Wasser und Bier undurchlässigem Boden stattfinden. Die Wände der betreffenden Räume sind wenigstens mit Kaltanstrich zu versehen.
§ 3. Reinigen der Flaschen und Geräte. Die zu füllenden Flaschen sind unmittelbar vor dem Füllen sauber zu reinigen; ebenso müssen die zum Abfüllen notwendigen Geräte regelmäßig unmittelbar vor und nach dem Gebrauche gut gereinigt und in der Zeit der Nichtbenutzung vor jeder Unreinlichkeit geschüßt, aufbewahrt werden. Die Reinigung hat in sorgfältiger Weise, soweit möglich, mit einer Flaschenbürste oder unter Verwendung von Porzellanschrot, Sand und dergleichen oder von heißer zweiprozentiger Sodalösung zu erfolgen und sich auf alle Teile der Geräte und Flaschen, insbesondere auch auf die Stöpsel und den Gummischluß zu erstrecken.
Die Verwendung von Blei- oder Emailleschrot zur Reinigung der Flaschen ist verboten.
Die Flaschen müssen von geeigneten, insbesondere nicht mit ansteckenden Krankheiten oder ekelerregenden Wunden behafteten erwachsenen Personen feinesfalls von Schulfindern gespült und es dürfen hierzu nur besondere, ausschließlich für diesen Zweck bestimmte. Gefäße verwendet
werden.
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§ 4. Abfüllen des Bieres.
Das Abfüllen des Bieres hat mittelst Hahnes oder Abfüllapparates zu erfolgen; die Verwendung eines Abfüllschlauches ist verboten.
Schon einmal gebrauchte Kortstopfen und schadhafte, sowie schmußige Gummiringe bei Patentverschlüssen dürfen nicht wieder zum Verschluß der Flaschen verwendet werden.
Flaschen, in denen sich zuvor Petroleum oder andere stark riechende, ungenießbare, gesundheitsschädliche oder efelerregende Flüssigkeiten befunden haben, ferner Flaschen, die am Rande beschäoigt sind und infolgedessen den Ansaz von Schmutz begünstigen oder beim direkten Genuß des Bieres aus ihnen Wunden verursachen können, dürfen zur Abfüllung des Bieres nicht verwendet werden.
ſtimme miſchte:„ Ach, was, nicht zu sprechen! Für uns ist er zu sprechen, melden Sie nur
Und während die Frauenstimme da draußen in ungenierter Weise plaudernd und lachend hörbar blieb, trat die Hauswirtin mit einer Visitenkarte ein:
" Ich kann dem Herrn Grafen-? Er ist vielleicht doch ein Verwandter!" flüsterte sie erschrocken und verwirrt.
Nichts in der Welt hätte Burfard von Frohbergs Gefühlen berlegender sein können, als eine solche Begegnung hier an diesem Sarge.
Er wußte nie bis icßt von seinen Nerven, batte oft darüber gelacht, wenn andere über Nervosität flagten. Jegt plöglich-! Dies was er jegt empfand, das war die höchste Nervenpein, sagte er später.
Und wie hätte Ernst Nepomuf, Graf von Ebern, sich auch im gegenwärtigen Augenblick anders hier einführen sollen, als in feiner bekannten formlosen Weise?
Ohne auf die Rückkehr der Frau zu warten, stand er plöblich mitten im Binimer. Aber das Wort erstarrte ihm im Munde, als er sich Burkard und den beiden ihn ganz fremden älteren Herren gegenüber sah.
Judes, das war nur sefundenlang. Er lachte spöttisch und wandte sich auf den Vorplaz zurück:" Bitte meine Gnädige, Sie treffen alte Freunde-!"
Dann jagte er furz:" Ich sehe, Graf Ebern ist zu Haus, ihm gilt mein Besuch
Burkard von Frohberg faßte sich schon und zwang die heiße Empörung nieder; ia, ihm fam eine wilde Schadenfreude, ein boshaftes Triumphieren, welches dem Feinde die Niederlage mit Wonne gönnt.
" Ja, Graf Joseph von Ebern ist zu Haus, bitte!" sagte er scharf und laut und zeigte einladend auf die Thür zum Nebenzimmer.
Ohne Antwort schritt der„ Afrikaner" darauf zu, öffnete ſie und- blieb starr darin stehen, erschrocken, wie wohl selten im Leben. Ein Sarg? Ein Toter?
Was soll das?" schrie er dann grob auf und seine Augen funkelten wie Tigeraugen auf die zurückbleibenden Männer
" Das soll Sie zunächst lehren, Graf Ebern, Nespekt vor fremder Häuslichkeit zu haben", trat Burfard jest in lodernder Wut heran, aber die Achtung vor der Heiligkeit des Todes ließ ihn dennoch die Stimme dämpfen und dann aber nein, nein, er vermochte es nicht über sich Josephs Schmach vor diesem verachteten Menschen aufzudecken, er nicht; er fonnte es nicht über
§ 6. Aufbewahrung des Flaschenbieres.
Das abgefüllte Bier ist in einem fühlen, luftigen Keller oder einem ähnlichen Raum, keinesfalls in Wohn- oder Schlafräumen oder in Schaufenstern aufzubewahren. Der Aufbewahrungsraum ist reinlich zu halten, und es sind aus demselben alle mit diesem Zwecke unverträglichen Gegenstände fern zu halten.
Politische Nachrichten.
Kaiser Wilhelm über das englische Heer.
Aus London wird telegraphiert: Nach einer Mitteilung des Daily Expreß soll sich Kaiser Wilhelm unlängst einem Spezial- Korrespondenten desselben gegenüber äußerst anerkennend über die seiner Meinung nach unschätzbaren Dienste ausgelassen haben, welche die Miliz während des südafrikanischen Krieges geleistet, und eine in sich geschlossene von der regulären Armee gesonderte Organisation der Miliz befürwortet haben. Armee- Korps paßten nach Ansicht des Kaisers nicht für England, wohl aber eine selbständige Miliz, die organisch mit dem Lande verwachsen sei. Der Kaiser habe einen Plan hierfür auf der Grundlage der österreichischen Landwehr entworfen, der vom Generalstabe ausgearbeitet sei. Eine Kopie desselben befindet sich in Händen eines schottischen, beim Staiser sehr beliebten Lords, der dem Kaiser bei seinem letzten Besuch in London attachtert war.(? Die Red.)
Der Kaiser hat die für nächsten Sonntag geplante Reise nach Wilhelmshaven aufgegeben. Der Monarch wird sich um diese Zeit zur Teilnahme an den Flotten- Manövern in Turhaven an Bord der " Hohenzollern" einschiffen. Nach den Flotten- Manövern gedenkt der Kaiser eine Besichtigung der neuen HafenAnlagen in Hamburg vorzunehmen.
Ferien für Fabrikarbeiter sollen nach der ,, Vossischen Zeitung" in den Militärwerfstätten in Spandau eingeführt werden. Dieser Tage wurden die Direktoren der töniglichen Fabrifen in Spandau zu einer Konferenz nach dem Kriegsministerium berufen. Gegenstand der Besprechung war der Gedanke, daß in Zukunft allen Arbeitern jährlich ein Urlaub gewährt werden soll, während dessen Dauer sie feinen Verlust am Einkommen erleiden. Nach dem Ergebnisse der Konferenz ist anzunehmen, daß die Urlaubszeit auf 8 bis 14 Tage bemessen wird. Der für
das Herz bringen. Der Majoratsherr sah verständnislos von einem zum andern.- dann werden diese Herren vielleicht die Güte haben?"
Ich fann es nicht; bitte, ersparen Sie mir, was gesagt werden muß!" hatte Burkard sich ihnen zugewendet, die mißfällig auf den vornehmen Herrn" blickten."
Und während er sprach, sah er mit dumpfem Erstaunen, daß Lenette wirklich eingetreten war, fie, deren Stimme er sofort erkannt, sie, ihm das verhaßteste Weib jezt auf dem ganzen Erben rund! sie, die mit seinem nächsten Feinde zusammen hierher gefommen, sicher, um ihm zu schaden! Aber was hieß denn das Brucheisen fannte sie? Sie erschrat vor dem guten, lieben alten Herrn, sie wollte zurüdweichen, rasch seiner Begrüßung zu entgehen suchen, blaß und rot werdend.
Ebenso überrascht und doch betroffener wie er zeigen wollte, hatte der Afrifaner" bagestanden.
Er wußte es wohl selbst nicht, wie viel Kleinlauter feine ungebildete Sprechweise flang, als er die Hauswirtin, die in ihrer brennenden Neugier immer noch in der offenen Thür stand, fragte: Wann ist der- da drinnen der Herr Graf denn gestorben?"
Eine Antwort wartete er nicht ab, er trat in das andere Zimmer, dicht an den Sarg und die Frau folgte ihm auf seinen Wint. Unterdes trat Lenette zu Burkard.
Baron! Baron Frohberg, verurteilen Sie mich nicht, ich habe nicht eingewilligt, ich. Der Herr Graf
" Sie waren im Begriff, mit dem Herrn Grafen da brinnen gegen mich zu konspirieren? Ich brauche Ihre Entschuldigungen nicht, Frau Mertoni-!" wies er fie eisig talt zurüd.
Mertoni?" wiederholte Brucheisen überrascht und fah Lenette groß und fragend an, in deren Gesicht sich der tödlichste Schrecken malte.
" Ah, Sie tennen die Dame, Brucheisen?" Benettes Augen flehten den alten Herrn unendlich beredt an:„ Schweig! O bitte, schweig!"
Und Brucheisen sah ganz bestürzt- fte vollkommen ver stehend, aber nicht begreifend, von ihr auf Burkard.
Da trat Sordegni plöglich entschlossen vor.
Mir scheint, wir haben Ursache, uns zu dieser Begegnung
31 gratulieren, Baron Frohberg. Herr Brucheisen fennt offenbar die Dame unter einem anderen Namen- und dieser andere ist uns hochwichtig."
Allerdings- allerdings aber mir scheint Frau Konigkh fieht es nicht gern-."
( Fortsetzung folgt.)


