Nr. 288.
Erstes Blatt.
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Mittwoch, den 10. Dezember 1902.
Gießener
11. Jahrgang.
Jusertionsprei& Die einfbaltige Vetitzeile für Gießen mie ganz Oberbeffen, die Kreise Weßlar und Marburg 10 Via font 15 Pfg.; Reflemen die Petitzeile 30 resp. 40 Bfg
Voftjet tunge lifte No. 3269.
Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.
Nenelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberhessen und die Kreise Marburg und Weylar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Das deutsch- englische
Ultimatum an Venezuela.
In Caracas haben am Montag Nachmittag die Vertreter Deutschlands und Englands dem venezolanischen Minister des Auswärtigen namens ihrer Regierungen zwei Ultimaten überreicht, die die unverzügliche Befriedigung der deutschen und der englischen Ansprüche in Venezuela verlangen.
Zur Begründung dieses nach allem Vorhergegan genen durchaus notwendigen Schrittes hat der Reichsfanzler Graf Bülow dem Reichstage eine Denkschrift zugehen lassen, der wir entnehmen, daß die bisher als berechtigt von der deutschen Regierung anerkannten Forderungen deutscher Unternehmer in Venezuela sich auf mehr als dreizehn Millionen Bolivares( Francs) belaufen. Teshalb erklärt der Reichskanzler, gegen Venezuela energisch vorgehen zu müssen. Ausdrücklich betont er, daß Deutschland der staatlichen Unabhängigkeit Venezuelas, mit dem es gern freundschaftliche Beziehungen unterhalten wolle, nicht zu nahe treten und sich auch in die inneren Angelegenheiten des Freistaats nicht einmischen nolle. Aber die deutsche Regierung lönne doch ,, das Verhalten der venezolanischen Regierung als ihrer Würde zun iderlaufend nicht länger dulden und glaube daher ihrerseits auf die Erledigung der deutschen Kriegsrefamationen in bestimmter Weise hinwirken zu müssen."
Das ist zunächst durch die Ueberreichung des Ultimatums geschehen, in dem die alsbaldige Zahlung oder befriedigende Erklärungen wegen Festsetzung und Sicherstellung der vorbezeichneten Forderungen verlangt nerde. Sollte auf das Ultimatumt nicht alsbald eine befriedigende Antwort erfolgen, so würde, erklärt der Reichskanzler, die kaiserliche Regierung sich zu ihrem Bedauern genötigt sehen, die Sorge für die Durchsetzung der deutschen Ansprüche selbst zu übernehmen.
Tas deutsche Ultimatum sest als Frist für die Zah lung des Betrages von 1700.000 Bolivares die Zeit von 24 Stunden fest.
Depeschen aus Caracas lassen darauf schließen, daß das Ultimatum von 2 nezuela nicht angenommen worden ist. Es haben nämlich der britische Gesandte und der deutsche Geschäftsträger Caracas veranlassen und sind an Bord der Kriegsschiffe ihrer Länder gegangen. Beide haben, um feindliche Kundgebungen der Bevölkerung zu vermeiden, der venezolanischen Regierung ihre Abreise nicht offiziell angezeigt.
Deutscher Reichstag.
232. Sigung.
CB. Berlin, 9. Dezember.
Antrag Gröber angenommen.
Die Signatur des heutigen Tages war eine jast vollzählige Besetzung von Haus und Tribünen. Selbst die bofloge war gut besucht, vorzugsweise von Herren in Zivil und in der goldstroßenden Uniform der Gardehusaren; u. a. war auch die Gräfin Bülow, die Gemahlin des Reichskanzlers anwesend. Auf der Tagesordnung stand der Antrag Gröber- Bassermann auf eine Aenderung des§ 44 der Geschäftsordnung, deren Wortlaut Sie bereits veröffentlicht haben.
Bor Eintritt in die Tagesordnung ergriff der Abg. Singer zur Geschäftsordnung das Wort, um gegen den Antrag Gröber Widerspruch zu erheben. Er erklärte diesen für einen Bruch der Geschäftsordnung und beantragte Abjezzung des Antrags von der Tagesordnung. Der Abg. Bassermann, der mit seinem kleinen schwingenden Tenor ein wenig wirkungsvoller Redner ist, betonte unter Berufung auf den Straßburger Staatsrecht Ih er Laban, daß die Geschäftsordnung nur so lange Giltigkeit hat, als sie der Mehrheit gefällt, und daß diese sonach jederzeit berechtigt ist, sie zu ändern, und setzte dann an der Hand einer Statistit, wonach 80 Prozent der Mitglieder der Freisinnigen Vereinigung und der Sozialdemokratie das Wort zur Geschäftsordnung ergriffen haben, auseinander, daß das Verhalten der Minderheit geradezu eine Verhöhnung der Mehrheit sei, die diese sich nicht länger gefallen lasse. Er sei deshalb, zumal die Zolltarifreform durchgeführt werden müsse, für den Antrag Gröber. Der Abg. Dr. Pachnicke von der Freisinnigen Vereinigung erflärte, daß der Antrag Gröber als ein Jnitiativantrag aufzufassen und daher nach der Reihenfolge zu behandeln sei. Er empfahl daher den Antrag Singer zur Annahme, der indes mit großer Majorität abgelehnt wurde. Hierauf erhielt der Abg. Gröber zur Begründung jeines Antrags das Wort. Er stellte als Merkmal einer guten Geschäftsordnung drei fundamentale Grundsäße auf: jie muß eine geordnete, beschleunigte und würdige Verhandlung ermöglichen, und wo sie diesen Dienst ver fagt, muß sie so lange geändert werden, bis sie richtig funktioniert. Diejenigen, die sich den Anschein geben, als ob ihnen beim Anrufen der Geschäftsordnung ein heiliger Schauer durch den Leib riesele, wollten damit lediglich der
Mehrheit den Willen der Minderheit aufdrängen und sie wollten sich die Brotzollparole für die Propaganda aufsparen. Seine Rede wurde mehrfach von ironischem Gelächter der Linken begleitet. Desto herzlicher war aber das Gelächter im Zentrum und auf der Rechten, als er die Obstruktionsredner und ihre Werke bespöttelte.
Auf Gröber folgte Bebel, der zunächst unter schallen der Heiterkeit des Hauses über die Erholung der Abgeordneten während der letzten Pause und das von der ,, Kreuzzeitung vorgeschlagene Gesundbeten wizelte und dann dem Abg. Gröber vorwarf, er habe noch niemals so schlecht gesprochen, wie heute. Nicht weil sie die Geschäftsordnung für etwas heiliges und Unabänderliches halten, sind die Sozialdemokraten Gegner des Antrags Gröber, sondern weil er die Minderheit unterdrücken wolle. Im Verlaufe seiner Rede wurde er immer leidenschaft licher, sodaß er einmal sogar austief, es sei ein Maßstab für die Unfähigkeit der Abgeordneten, daß dieser Antrag eine so starke Mehrheit gefunden habe.
Die Politik.
Diplomatische Taftlosigkeit.
Jezt haben auch die Engländer eine Affäre, die an die Vorgänge erinnert, welche s. 8t. zu dem Hochverratsprozeß gegen den deutschen Botschafter in Paris, Graf Harry Aruim geführt haben. Der frühere britische Botschafter in Wien Sir Horace Rumbold hat in einer britischen Zeitschrift einen Artikel veröffentlicht, in dem r über eine interessante und wichtige Unterredung mit dem Kaiser von Oesterreich berichtet. Der Bericht enthielt eine Reihe von Mitteilungen, die für den deutschen Kaiser und das deutsche Bolk verlegend waren und zugleich den Kaiser Franz Josef bloßstellen. Wir haben fürzlich über diese Affäre, die auch im Wiener Weichsrat viel Staub aufgewirbelt hat, berichtet. In der lezten Sigung des britischen Oberhauser wurde an den Verfahren des indiskreten Diplomaten scharfe Kritik geübt. Die britische Regierung .will jetzt eine Verordnung erlassen, die der Wichtigtuerei plauderhafter Diplomaten einen Zaum anlegen soll.
Singer demiffioniert.
Der Abg. Singer hat sein Amt als Vorsitzender der Geschäftsordnungskommissmion des Reichstags niedergelegt, unter dem Vorwand, daß die Unterzeichnung des Antrags Gröber( auf Beschränkung der Geschäftsordnungsdebatte) durch die Mehrheit der Kommissionsmitglieder ihm die weitere Führung des Borsizes unmöglich mache. Der wirkliche Grund soll, wie man in Abgeordnetenkreisen versichert, der sein, daß die übrigen Mitglieder der Geschäftsordnungsfommission unter Singers Vorsitz nicht mehr tagen wollen. Als der Abg. Singer neulich Tage nach seiner Ausschließung von der Sizung- die Geschäftsordnungsfommission zusammenberief, leistete fein Mitglied dem Rufe Folge, Singer erschien allein in dem Berathungszimmer.
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am
Eine Unterredung mit Delarey. )-( Ein Vertreter eines Brüsseler Blattes hatte eine Unterredung mit General Delarey, in der dieser u. a. mitteilte, General Methuen habe ihn um eine Zusammenfunft vor seiner Abreise nach Südafrika gebeten, um ihm seinen Dank für seine Freilassung aus der Gefangenschaft auszudrücken. Auf die Frage, ob er angesichts solcher Erfahrungen Methuen nochmals freilassen würde, antwortete Delarey: Ganz gewiß! Er würde in unserem Feldlager gestorben sein, wenn ich ihn nicht freigelassen hätte. Deshalb war es ein einfaches Gebot der Menschlichteit, ihn freizugeben. Diesem Gebote würde ich auch heute noch folgen müssen!" Botha und Delarey sind übrigens am Dienstag von Brüssel abgereist, um sich über London nach Südafrika zu begeben.
Vom Marseiller Seemannsstreit.
Das Syndikat der französischer Rheder hat die vom Seemannssyndikat gemeinsam mit Bertretern des Marineministers aufgestellten Forderungen der Marseiller, Seeleute abgelehnt. Infolgedessen hat das Seemannssyndikat beschlossen, eine allgemeine Versammlung der Marseiller Arbeiter einzuberufen, um über die Proklamierung des Generalstreiks Beschluß zu fassen. Wie wir schon meldeten, soll dieser Ausstand sämtliche Seeleute Frankreichs umsassen. Auch einzelne Fischer haben ihre Teilnahme an dem Streik bereits in Aussicht gestellt. Ebenso wollen in Marseille wenigstens die Tischler, Bäder und Schlächter mit den Seeleuten streiken.
Kurze politische Nachrichten.
In einer Unterredung mit dem Präsidenten Koosevelt sprach der Vertreter Deutschlands für die Ausstellung in St. Louis, Geh. Ober- Regierungsrat Lewald, die lieberzeugung aus, der Wunsch Kaiser Wilhelms, Deutschland folle auf der Ausstellung gut bertreten sein, werde in Erfüllung gehen.
* Die Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und der päpstlichen Kurie wegen der Errichtung Der katholisch- theologischen Fakultät an der
Universität Straßburg ind endgiltig abgeschlossen und die theologische Fakultät von dem Papste bewilligt worden.
* Die weimarische Landessynode nahm einen Antrag ihres Ausschusses an, wonach in der Frage der Feuerbestattung das Kirchenregiment um die größte Weitherzigkeit ersucht wird. Insbesondere solt l'ei der Beisegung von Aschenresten auf Friedhöfen die Mitwirkung der Kirche gestattet sein.
* Die Revolten in Spanien nehmen kein Ende. In Coruna wurden am Dienstag zwei Gendarmen von einer Anzahl Personen überfallen. Ein Gendarm wurde verwundet; von den Angreifern wurde einer getötet, mehrere andere erlitten Verlegungen.
* Aus Marokko werden neue Thronstreitigkeiten gemeldet. Ein neuer Thronprätendent ist aufgetreten, der sich Hamid ben Mohamed Hassan nennt. Er befindet sich in Tazza, wo er als Herrscher auftritt. Er hat sich des Schatzes, der Geschüße und der Waffenniederlagen bemäch tigt und erhebt gaben.
Der Niedergang des
Parlamentarismus.
WH. Welcher politischen Ueberzeugung man a ch huldigen mag, das Eine wird man nicht in Abrede stellen fönnen, daß der Parlamentarismus entschieden im Niedergang ist. In den romanischen Tariamenten, in Spanien also, Franfreich und Jtalien hat das lebhaftere Temperament und die leidenschaftlichere Natur des Volfes bereits zu tätlichen Auseinandersegungen zwischen den Abgeordneten geführt, wie denn jüngst am Sonnabend das französische Abgeordnetenhaus das erquickliche Schauspiel einer Vorstadt- Keilerei bot, während in den fühleren deutschen Parlamenten der nüttel zum Glück, und wir wollen zujeßen, unberufen, noch keine Rolle gespielt hat. Wir wissen indes nicht, was noch tommen mag.
Da aber der Niedergang des Parlamentarismus in allen tonſtitutionellen Staaten gleichzeitig auftritt, so muß man wohl annehmen, daß diese Erscheinung die Folge einer natürlichen Entwicklung ist.
Die Parlamente, wo sie auch entstanden sind, waren überall das Ergebnis eines Kampfes, der sich in manchen Staaten durch Jahrhunderte, jedenfalls aber immer durch ein Menschenalter hinzog. Wo er dann durch einen Sieg des konstitutionellen Systems endigte, da war das Parlament das Wahrzeichen der Volksbefreiung und nur die auserlesensten Männer des Volkes wurden wert be funden, die Bürgerkrone des Abgeordneten zu tragen. Jm Anfange des parlamentarischen Systems aber machen sich auch die Parteizerklüftungen nicht in dem Maße fühlbar, wie nach längerer Wirksamkeit und auf der Suche nach den Abgeordneten wird nach dem Werte des Mannes, nicht aber nach seiner persönlichen Farbe gefragt; aber wie im französischen Revolutionsparlamente die geistvollen Männer der Gironde durch die wilden Persönlichkeiten des Jakobinerklubs abgelöst wurden, so werden in allen anderen Ländern ebenfalls nach längerem Bestehen immer geringwertigere Kräfte in das Par lament gebracht. Die Parlamentsverhandlungen entzünden die Fehden der Wahlkämpfe und die aufgewühlte Volksleidenschaft der Wahlkampagne flingt auch im neuen Barlamente wieder nach. So steigern sich allmählich die Momente, die auf eine Verschlechterung des Barlaments in seinen Mitgliedern und auf eine Verwilde rung der Sitten und Anschauungen hinwirken.
Leider ist auch die deutsche Volksvertretung von dem Geiste der Zeit ergriffen worden und leider wurde auch uns nicht der Anblick wilder entfesselter Leidenschaften erspart. Indes gibt es gegen die Weiterentwicklung die ser Tendenz ein sehr wirksames Schuhmittel und dieses liegt bei der Wählerschaft. Sie muß mehr als seither sich die Persönlichkeit der Mandatsbewerber ansehen und mus vor allem wieder Männer finden, die auch eine ihrer verfassungsmäßigen Souveränität entsprechende Geistesgröße und Größe des Charakters befiben.
Vermischtes.
F[ Die reichste preußische Großstadt] ist, wie aus einer Aufstellung des Charlottenburger Magistrats hervorgeht, auch im Jahre 1901 Frankfurt a. M. geblieben. Das durchschnittlich veranlagte Jahreseinkommen der Steuerzahler betrug dort 4791 Mark gegen 5368 Mart im Vorjahre. An zweiter Stelle folgt die Stadt Charlottenburg, doch ist auch hier, wie überhaupt in den meisten Städten, das durchschnittliche Einkommen von 4283 auf 4054 Mart herabgegangen. Die dritte Stelle nimmt Aachen mit 3878 Mark ein, dann folgen Breslau mit 3320, Königsberg mit 3270, Köln mit 2950, Danzig mit 2903, Essen mit 2781, Elberfeld mit 2780, Stettin mit 2751, Magdeburg mit 2738, Hannover mit 2736, Halle mit 2681, Berlin mit
fuchte nach bem Schreiben und entbedte es glüdlich in ben
hatte.
murmelten Entschuldigung ben Brief feines Sohnes und Derr von Rottenbed nahm mit einer undeuflich geFalten der Dede, die ber Baron um die knie
las ihn nochmals burch
er ein," fagte er
mir lieb, ihn die lane
Also morgen Abend trifft eri
,, es ist
ein Schwarm weiß e Tauben auf freiste durch die erfüllte noch die Luft Driben rom Wirtscha tahoje sla Sternchen lagen verstreut umher, bow ber zarte Duft ober vielmehr hatten beinahe abgeblüht, benn gelbliche ten uf dem Kies des Hofes. Die Linden tanden in Blüte, Strahlen vergoldeten bas rote Dach des Haufes und spiel
Händen
deines
gebe bir alles nach Augen, Augen so schwarz wie das Meer in der Nacht: als Tollait challa sich erhob. Er sprach mit blißenden Vaters nehmen, Alhalla? Sprich, und ich Und noch erstarb nicht das Wort des greisen Chan, deinem Wunsch."
Bih mir
nuliiche
olarin Baton It
ten auf
blumen. war, wie die Morgenröte, erblühten die Augen wie KornSie erwachte und in ihrem Gesicht, das zart und rofig schaftlich glühenden Augen und er medie die Rojalin. ihm Perlen. Und sein Sohn ftand da mit leiden
MaNo nigh


