Ausgabe 
8.8.1902 Zweites Blatt
 
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mehrere Bostanweisungen mit kleineren Beträgen, bei| denen nicht telegraphisch nachgefragt wird, und das

war ste um so erzürnter, da August, Plischke beim Dienstantritt heilig beteuert hatte, fein Mannesbild an­

* Selbstinficierung mit Tuberkelgift. Aus Paris wird berichtet: Dr. med. Barnault, welcher sich am 15.

Resultat ist dasselbe. Ferner: Etwa 10 bis 12 Betrugs- sehen zu können. Madame überraschte aber die Züchtige Juli zum zweiten Male mit Rinder- Tuberkeln inficiert ement pre fälle sollen jährlich im Reichspostgebiet vorkommen und eines Abends in der Küche, wo sie einen schmucken hat, um zu beweisen, daß die Theorie Kochs, die Kinder- 16 Haus gebracht

wegen solcher Lappalien schafft man eine so erschwerende Behandlungsweise der Postanweisungen? Daß durch solche Verzögerungen mit telegraphischen Nachfragen Zeit- und Geldverluste für die betreffenden Empfänger entstehen können, namentlich z. B. für Reisende, die ihre Route genau vorher festzulegen pflegen, dürfte den maßgebenden Stellen doch klar sein. Nach dieser Er­kenntnis wird es sich wohl empfehlen, die zwecklose Ver­fügung wieder aufzuheben, was wir dem Reichspostamt anheimgeben möchten.

Aus Heffen und Dachbargebieten.

Alsfeld, 7. Aug. Der Amtsgerichtsdiener Konr. Stieler zu Herbst ein wurde zum Kreisdiener bet dem Kreisamt Alsfeld mit Wirkung vom 16. Aug. an ernannt.

tuberkulose sei nicht auf Menschen übertragbar, falsch sei, berichtet nunmehr über seine zweite Infektion und ihre Resultate. Man habe Kaninchen mit Tuberkelgift geimpft, welches den Geschwüren entnommen wurde, die sich an der Infektionsstelle bei Dr. Garnault gebildet hatten. Es traten keine Geschwüre bei den Thüren auf, aber dieselben starben an allgemeiner Tuberkulose. Nach meiner Ansicht", fährt Dr. Garnault fort, giebt mir die zweite Inoculation sehr ernste Chancen des Todes. Ich habe die Gewißheit, daß ich bereits in mir den vollkommenen Beweis für den Irrtum des Prof. Stoch trage. Ich habe geglaubt, mich dieser Gefahr aus­setzen zu sollen, um so auf Kosten meines Lebens nur den eclatanten Beweis zu liefern, daß mein gegen die Theorie Kochs gerichtetes Buch begründet erscheine."

Dragoner mit Braten tractirte. Dem Mädchen wurde gekündigt und dem Dragoner das Haus verboten. Nach 14 Tagen, am vergangenen Sonntag, verwan­delte sich die Hartherzigkeit der Madame plöglich in eine milde Gesinnnung. Die Frau Wirtin hatte näm lich einen in ihrem Hause wohnenden Markthändler, welcher wegen seiner Trunksucht und Rauflust bei Nie­mandem beliebt ist, auf Ermission verklagt, weshalb derselbe am genannten Abend mit mehreren Strolchen gewaltsam in die Wohnung der Wirtin zu dringen versuchte und drohte, dieselbe durchzuprügeln. Ach", rief in Todesangst die Bedrohte zu Auguften, wäre doch jetzt Dein Dragoner hier!"" Madame, ick habe ihn hier," sprach freudig Auguste, und im nächsten Augenblick holte sie den Krieger aus ihrer Kammer hervor. Madame erstaunte zwar nicht wenig über diese Entdeckung, aber hier that * Frankfurt 6. August. Der Musketier Stefan schnelle Hülfe Not, um welche sie flehentlich nun den Winler von der 5. Komp. des 166. Inf.- Regts. in Dragoner bat. Der Letztere zog auch sofort blank, Hanau hatte an seinen Hauptmann einen Brief geöffnete die Thür und ohne daß es zu Thätlichkeiten schrieben, in dem er die Behandlung der Mannschaften kam, entflohen die Strolche, als sie den strammen durch die Unteroffiziere schilderte. Der Brief schloß mit Soldaten erblickten, sofort aus dem Hause. Noch an den Worten: Wenn der Hauptmann da nicht demselben Abend feierten die drei Versöhnung. Auguste eingreifen kann, so richte ich ein Schreiben blieb wieder, und zwar mit erhöhtem Lohn, bei der an den Herrn Oberst." Der Angeklagte will nicht Hausbesitzerin, welche ihrem Schußpatron gegen renitente gewußt haben, daß er Beschwerden nur mündlich vor Mieter versicherte, daß von nun an Haus und Küche bringen dürfe. Ferner behauptet er, der Vicefeldwebel für ihn offen ständen, da es sich gezeigt hätte, daß er habe ihm damit gedroht, er( W.) befinde sich innerhalb nicht allein in der Liebe, sondern auch als Beschützer 14 Tagen auf Festung, wenn er einen Unteroffizier gut zu verwenden ist. melden würde. Der Vicefeldwebel stellt in Abrede, daß er jemals etwas derartiges gesagt habe. Der An­geflagte wurde vom Kriegsgericht insgesamt zu vier Wochen strengem Arrest berurteilt.

** Mainz, 7. August. Der Großherzog, der in ver­gangener Nacht nach London abgereist ist, machte in­folge des furchtbaren Unwetters mehrere Stunden im hiesigen Centralbahnhof Halt und setzte gegen Morgen die Reise nach England fort.

** Mainz, 7. August. Der älteste Beamte der ehe­maligen Hessischen Ludwigsbahn ist der bei der Güter­abfertigung Worms noch thätige Wilhelm Bögel. Seit 1855 ist Bögel Eisenbahner"!

Vermischtes.

* Berlin, 6. August. Im Grunewald bei Pauls­horn hat heute früh ein aus München stammender junger Mann namens Adolf Wiegandt seine Gelt ebte und dann sich selbst erschossen. Er tödtete das Mädchen, dessen Persönlichkeit bisher noch nicht festge­stellt ist, durch einen Schuß ins Herz, um dann seinem Leben durch einen Schuß in die Schläfe ein Ende zu machen. Heute Nachmittag wurden die Leichen aufge­funden.

Infolge eines Automobilunfalles wahnsinnig ge­worden ist ein junges Mädchen in Berlin. Der Wagen war gegen einen Baum gefahren und das Fräulein mit ihrem Begleiter herausgeschleudert worden. Seitdem flagte es über Stopfschmerzen und jetzt mußte die Unglückliche einer Irrenanstalt überwiesen werden.

* Einen Dampfer zu stehlen, dücfte bisher wohl kaum versucht worden sein. Berliner Spizbuben ist es aber geglückt. Der Ruderklub" Wicking" hatte am Montag seinen Trainingdampfer an dem Klubhaus in Nieder- Schöneweide gelassen, als die Mitglieder sich nach Hause begaben. Am nächsten Morgen frnd der Am nächsten Morgen fond der Klub seinen 15 Meter langen Dampfer nicht mehr vor. Wohin das Fahrzeug gebracht wurde, ist noch nicht

bekannt.

Leipzig, 6. Aug. Der Mörder des Schulmäd­chens Anna Klein ist heute von der Kriminal- Polizei in der Person des Optikers Wilhelm Grabisch, geboren am 28. Juni 1882 in Leipzig, ermittelt und verhaftet worden. Er hat ein umfassendes Geständnis abgelegt.

* Wohl der älteste Lehrer in Deutschland ist der Lehrer Schlie in Toitenwinkel bei Rostock. Er ist 90 Jahre alt und versieht noch immer vorschriftsmäßig seinen Dienst in der gefüllten Klasse. 66 Jahre lang ist er bis jetzt Lehrer gewesen.

Mörder ihrer acht Kinder! Die Eheleute Urban in Reifenberg, Sachsen, wurden unter dem Verdacht, ihre acht eigenen Kinder durch Gift bei Seite geschafft zu haben, verhaftet. In vier Fällen wurden die Mord­thaten bereits festgestellt.

* Der Helfer in der Not. Folgendes reizende Ge­schichtchen wird aus Berlin erzählt. In der Ritterstraße wohnt eine Wittwe, welche feinem ihrer Dienstmädchen ein militärisches Verhältniß gestattet. Als sie ein solches bei ihrer neuesten Küchenvorsteherin entdeckte,

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* Serenissimus und Serenissima. Aus Karlsruhe wird berichtet: Heute gab hier das Berliner fleine Theater Schall und Rauch" ein Gastspiel im Stadtgartentheater. Aber nicht ohne daß die Censur ein­gegriffen hätte. Anderwärts wird im Dialog zwischen Serenissimus und Kindermann folgende Szene gesprochen: Serenissimus: Warum wird das Drama an meinem Hoftheater nicht gegeben?"

Kindermann: Die Helden dieses Dramas sind in keiner Weise mit einander verheiratet."

Serenissimus: So! Nun... und?" Kindermann:" Solche Vorgänge sind an einem Hoftheater ganz unmöglich."

Serenissimus:" Beruhigen Sie sich, an einem Hoftheater ist nichts unmöglich.

Gratisbeilagen:

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Gartenbau, sowi Das Blatt erf

* Paris. Die der Seine zugewendete Seite Notre­Dame- Kirche wurde auf Grund alamirender Nachrichten über eine Senfung der Fundamente fachmännisch untersucht. That­sächlich bestand eine große Gefahr für einen Teil der Kirche, da die von der Seine umspülten Fundamente arg gelitten hatten. Die Reparaturen wurden sorglich geheim gehalten. Das Publikum glaubte an belanglose Steinmezarbeiten hinter dem hohen Bretterzaum. In Wahrheit aber wurde eine komplizirte Material- Auswechselung vorgenommen. Erst heute wird frei und offen mitgeteilt, daß die Gefahr bestanden hat, aber jetzt behoben ist.

Kindermann: Durchlaucht geruhen die gestrengen Kunstprinzipien ihrer Durchlaucht der Serenissima zu vergessen."

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Traurige Nahrung. Man hat dieser Tage in Wonarchen- Bufa Oporto die in weiten Streisen peinliche Aufregung ber- fowohl auf der w ursachende Entdeckung gemacht, daß seit Jahren in mehrfach eingehen großem Umfange Fälschungen von Mehl zum Brot- Grafen Bülow ge backen durch starke zusäße von fein vermahlenen Reis- holt den Grafen schalen, Sägeſpänen und Gips stattgefunden haben. Der Mittelpunkt der Fälschung ist das kleine Städtchen bm Kaiser sind d Ovar, südlich von Oporto, von wo aus das schöne Das geftrige Dine Erzeugnis hauptsächlich nach Oporto abgesetzt wurde, es Stunden. Nach ging aber auch nach Lissabon und der Provinz. die Front der vo Einer, der's nicht nötig hat. Aus Tarasp wird und Offiziere ab, berichtet: Die hier weilende Gattin eines Bankdirektors Baron Fredericks traf auf ihrem Spaziergang einen anständig gekleideten trugen. Mit dem! Mann, der ein Schmetterlingsnetz und eine Schachtel hatte Kaiser Wilh mit gefangenen schönen Schmetterlingen trug. Sie großes Intereffe hielt den Unbekannten für einen Mann, der Schmetter- der Ansprache des linge fange, um sie an die Kurgäste zu verkaufen, sprach mar jebe politisch ihn an und ersuchte ihn, er möge ihr für einen zu der Schiffe war Hause weilenden Sohn etliche Exemplare gegen Entgelt früh abgehaltene überlassen. Der Fremde bedauerte, ihrem Wunsche nicht verlaufen. entsprechen zu können, da er nur für sich sammle. Vor ihrem Hotel traf die Dame einen Bekannten, dem sie von dieser Bewegung erzählte, wobei sie sogleich auf den mit dem Fangnez vorübergehenden Mann aufmerksam machte." Ja, verehrte Frau", erwiderte der Bekannte lachend, das glaub' ich wohl, daß der Mann dort feine Schmetterlinge verfaust. Der hat's Gottlob nicht nötig, das ist Lord Rotschild aus London!" Das Opfer eines amerikanischen Duells war, wie nunmehr feststeht, der aus Mehlsack in Ostpreußen gebürtige Ingenieur Reinhold, welcher sich auf der Fahrt nach Lands­berg a. B. in einem Abteil 1. Klaſſe des Berliner D- Zuges erschossen hat. Dem Duell liegt angeblich eine Liebesaffaire zu Grunde; ein Freund bewarb sich um die Gunst von Rheinholds Herzensdame, was schließlich die Herausforderung zu einem amerikanischen Duell zur Folge hatte. Das Todes­loos traf Reinhold, welcher den Freund gefordert hatte. Diese Angaben werden zum Teil durch einen Brief bestätigt, den Reinhold unmittelbar vor Ausführung der unſeligen That an ſeine in Ostpreußen lebende Wutter gerichtet hat der allezeit mit In diesem Schreiben bittet er die Mutter, sie möge ihm nicht fluchen, wenn er freiwillig aus dem Leben scheide; er sei sich vellständig klar über seine Handlung. Die Herausforderung zum Duell nach amerikanister Art habe er selbst veranlaßt Das Loos, zu sterben, sei ihm zugefallen.... Der junge Mann war, wie jetzt bekannt wird, vom 15. Januar bis Ende Juni ds. Js. als Ingenieur, bei dem Deichbauamt in Kaufehnen angestellt und hatte sein gutes Auskommen. Seit 15. Juli war er in gleicher Stellung bei einer Berliner Deichbaufirma beschäftigt und wohnte in Charlottenburg. Mannes aus, der durch seinen Fleiß und seine Begabung set dieser notwend Seine Vorgesetzten stellten ihm das Zeugnis eines braven

Serenissimus: Reden wir von etwas Anderem!" Diese Stelle fiel hier in Karlsruhe aus, weil sie von der Censur beanstandet wurde. * Kopenhagen. Der Gothenburger Dom, welcher faum hundert Jahre alt ist, zeigt große Risse und droht einzu­stürzen. Maßregeln wurden getroffen, um einer Katastrophe vorzubeugen.

* Das Kaiserliche Generalkonsulat für Belgien teilt mit, daß zufolge einer Königlichen Berordnung vom 5. Juli d. J. im Jahre 1903 in Brüssel eine Allge­meine Ausstellung von Werken lebender belgischer und nicht belgischer Künstler veranstaltet werden wird.

Charleroi, 6. Aug. In Morlanwelz erbrachen Diebe einen Eisenbahnwagen, in welchem sich eine Sendung Dynamit befand und stahlen zahlreiche Dynamit- Patronen. Dynamit zu stehlen, dürfte nicht alle Tage vorkommen.

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Venedig, 6. August. Hier herrscht große Erreg­ung, weil heute früh infolge Sturmes der Thurm von San Stefano große Sprünge zeigt. Die umliegenden Häuſer mußten von den Bewohnern geräumt werden. Man will sofort mit der Abtragung des oberen Teiles beginnen.

Pferdemarkt Gießen

Am Mittwoch, den 10. September findet auf den städtischen Marktanlagen nächst der Rodheimerstraße Pferdemarkt statt. Für Stallungen in der Nähe des Marktes ist ausreichend Sorge getragen; wegen derselben wolle man sich an Herrn Hoflohnkatscher Huhn dahier wenden. Auskunft über sonstige Marftangelegenheiten erteilt Herr Weinhändler August Schwan dahier. Mit dem Pferdemarkt ist eine

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Prämiierung

verbunden, für welche 1565 Mk. zur Verfügung stehen. Der Prämiirungsplan ist von Herrn Oekonomie­rat Schlenke- Hardthof bei Gießen zu erbitten. Die Preisverteilung erfolgt im Anschluß an die Prämiierung um 122 Uhr. Omnibusverbindung von dem Bahnhof nach dem Marktplaß und zurüc Am 11. September, nachmittage 2 Uhr findet in der Turnhalle der Stadtknabenschule eine

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statt von Pferden, Wagen, landwirtschaftlichen Maschinen und Gerätschaften, Haushaltungs- und Ge­brauchsgegenständen. Der Generalvertrieb der Lose à 1 Mt. ist dem Herrn Richard Buchacker dahier übertragen.

Gießen, Juli 1902.

Die Pferdemarktkommission zu Gießen.

Jean Kirch, Stadtverordneter.

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