Ausgabe 
8.11.1902 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

fehlung.

scherei Werkstätte, allige

innerung.

erobe nach Mah.

Herr,

ang Lindengasse 1.

Bahne

Bahnplombiren 2c.

31, II.

lenfels,

7.

Gegründet 1826.

thaler)

3)

Käse

el- Stangen tete frisch. 0000000

zug!

ne, flaschenreife

che von 60 Pfg. an,

100"

"

Eer und Kisten von

Weingutsbesitzer,

a. Rh.

00000000

it in

Monier

phaltplattenb lag,

Behälter

Baer. Bahnhofstraße 8.

Berlin N.24,

ohn, Sinicuftraße 126.

rch langjährige Lieferungen an ür Boft, Wertmeister, Milidr Förster, Lehrer, Bahn- und eretne, bersendet die nenekte hocharmige Spilret Nähmfchin.

KRONE

iderei und Hausarbeit, itader mschöner Ausstattung, mit u 50 Mk. Diefelbe Maschine erwöchentliche Probezeil. 5jährige Basch- u. Rollmangeln Maschinen macher und Herren- Sucider igen umfonit

Jahren gelieferten Nähmaschine

leder eine gleiche Majchine an enden zu wollen.

0, Oberlandesgerichts- Setretär

Praktikus sagt

RI

flick car Baste

fe, wirksamßte, zuverläffgßte,

angsmittel

" Jhr Ori lafen, Schwaben 1. Uus den Ori ift famos." folge erzielt."- Half beffer blos nur noch Ori." Jede ftdicht und doppelt verpackt. orficht beim Einkauf. Preis

baben. Man laffe fich auch

ut aufreden. Der Oriblafer

usnugung des Ori 60 Pfg. von Ado Bieler,

n O d Marquisen

mpfohlen.

h. Schön,

Liebigstraße.

Nr. 261.

Drittes Blatt.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 30 Pfg., in's Haus gebracht 60 Bfg., durch die Post bezogen biertel­jährlich Mr. 150.

Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Samstag, den 8. November 1902.

Gießener

Jnsertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreife Weglar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.: Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Erbedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 862.

Nenelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei Gießen.

Giessener Cagesneuigkeiten.

** Für die Gastwirte unseres Leserkreises dürfte es von Interesse sein, von den Einrichtungen des aus 15 Landes- und Provinzialverbänden bestehenden Bundes deutscher Gastwirte mit dem Site in Leipzig einiges zu erfahren. Diese angesehene gewerbliche Organisation brachte es in furzer Zeit auf 30 000 Mitglieder. Für jedes ihrer Mitglieder zahlen die Landesverbände im Jahr 15 Pfg. an den Bund. Die Sterbekasse hat in den etwa 10 Jahren ihres Bestehens an die Hinter­bliebenen verstorbener Mitglieder rund 1 670 000 mt. ausbezahlt. Auch in unserm Kreis haben schon vielfach Hinterbliebene von bersicherten Gastwirten die Seg­nungen dieser wohlthätigen Einrichtung erfahren dürfen. Die Kasse weist einen bedeutenden Reservefonds auf; auch besitzt der Bund eine Haftpflichtkasse und ist 3. 3t. auch eine Altersversorgungskasse im Entstehen begriffen.

Telephonprozeß. Bei dem Landgerichte Frankfurt a. M. schwebt ein Prozeß von prinzipieller Bedeutung, der sämtliche Instanzen beschäftigen dürfte, da der Wert des Streitgegenstandes die Berufung an das Reichsgericht er­laubt. Der Redakteur B. in Frankfurt a. M. ließ sich mit der Fernsprechstelle in Karlsruhe verbinden. Während den geführten Gesprächs erhielt er einen starken elektrischen Schlas und sant bewußtlos zu Boden, wobei ihm Blut aus Mung und Nase drang. Nach einiger Zeit erholte er sich wieder, leidet jedoch von da ab an einer schweren Lähmung der rechten Körperhälfte. Auf dem Prozeßwege verlangte er jeßt eine lebenslänglich Rente von 1800 Mt., da nach dem ärztlichen Gutachten eine Wiederherstellung ausgeschlossen ist. Die Richspost lehnt die Haftpflicht für diesen Unfall ab, indem sie ihn als eine unglückselige Folge höherer Gewalt hinstellt und behauptet, daß sie alle Vorkehrungen getroffen habe, um Gefahren für die Menschen beim Gebrauche des Telephons nach Möglichkeit auszuschließen. Die Entscheidung in diesem für alle mit dem Telephon umgehenden Personen interessanten Prozesse werden wir s. 8t. mitteilen.

Aus Hessen und nachbargebieten.

** Mainz, 6. Nov. Der Leutnant Siebold vom 87. Inf. Regt., 7. Komp., aus Frankfurt a. M., hier im Schottenhof wohnhaft, hat sich heute Vormittag eine Kugel in den Kopf geschossen. Der Schwerverlegte, an dessen Aufkommen gezweifelt wird, wurde nach dem Lazareth verbracht. S. soll die That aus Schwermut begangen haben.

** Dachsenhausen, 5. Nov. Die Ehefrau des Korb­machers Hermann Eisenbarth dahier geriet mit einem Bein in die Trommel der Dampforeschmaschine. Dabei wurde ihr das Bein von der Trommel unterhalb des Kniees ab­geriffen.

** Elberfeld, 6. Nov. Man meldet uns: Heute erschoß der Flaschenbierhändler Weber seinen Sohn, dann sich selbst. Grund zur That: Der Vater solte wegen Sittlichkeitsverbrechen berhaftet werden.

Befchränkte Verantwortlichkeit.

-

Glossen zum Nizzaer Prozeß Vidal.

In Nizza wurde soeben der Raubmörder Vidal zum Tode verurteilt. Vidal hatte am 12. Dezember 1901 in Toulon eine Frauensperson, Namens Brusselin, ermordet und eines Ringes beraubt, worauf er dann einige Tage später in einem Bahnkoupee zwischen Nizza und Beaulieu ein junges Mädchen, eine Schweizerin Namens Gertrude Hirschbrenner, welche in Monaco bedienstet war, ebenfalls tötete und beraubte und den Leichnam auf das Bahn­geleise warf. Schon zuvor hatte er zwei Frauenspersonen zu ermorden versucht, dieselben jedoch nur verwundet. Der Prozeß hat in der ganzen zivilisierten Welt das größte Aufsehen hervorgerufen und zwar besonders aus dem Grunde, daß Vidal von den ärztlichen Sach­verständigen für einen Menschen von ,, geminderter Zurech­nungsfähigkeit" erklärt worden ist, d. h. man dürfe ihm sein Verbrechen nicht voll zur Schuld legen. Der be­rühmte französische Psychologe Tr. Lacassague war einer von diesen Sachverständigen. Er hat jezt einem Vertreter des ,, Figaro" seine Lehre von der geminderten Verant­wortlichkeit" in erschöpfender Taistellung geschildert.

Man muß unterscheiden, sagt Lacassague, zwischen dem, was veraltete Gesezbücher sagen, und zwischen den Resultaten der Wissenschaft vom Jahre 1902. Lassen wir vor Gericht alles, was über den Bau des Gehirns, über das Gewissen und über den Willen an neuen For­schungsergebnissen da ist, beiseite und beschränken wir uns darauf, zu verlangen, daß man jeden Angeklagten untersuche, dem ein abnormes Verbrechen, ein Delikt, das gleichsam außer seiner Natur liegt, zur Last gelegt wird. Auch unter den Verbrechern gibt es Protektionskinder, nämlich ,, sensationelle" Verbrecher, die schickt man zu uns. Ich meine aber, die Gerechtigkeit sollte feine Unterschiede machen! Sie sollte, wann immer nur das Kleinste Zeichen von Krankhaftigkeit sichtbar wird, zuwarten. Verstehen Sie mich nur recht; ich verlange beileibe nicht, daß man die Vidals nur so herumlaufen lasse; man muß die Wege und Straßen von ihnen säubern, gewiß; doch darf man ihnen darum noch nicht den Kopf vor die Füße legen. Das ist kein therapeutisches Verfahren.

Auf die Frage, welches geistige Gebrechen man bei Vidal gefunden habe: antwortete der Gelehrte: Ich hatte den Geschworenen folgendes zu sagen: Vidal ist der nach­geborene Sohn eines Mannes, der im Alter von 25 Jahren an einer Krankheit gestorben ist, an welcher er schon mehrere Jahre litt. Unter seinen Vorfahren be= finden sich Tuberkulose, Epileptiker. Er selbst überstand im Alter von 16 Jahren einen ungewöhnlich schweren Typhus. Er ist ein leidenschaftlicher Absynthtrinker. Mir genügt das. Gut, die Verbrechen Vidals sind vorbe­dacht und mit den Vorsichtsmaßregeln vollführt, die der Selbsterhaltungstrieb eingibt; ja, aber der Wahn­sinn ist nicht ganz ohne Logik. Sodann, wie soll man denn diesen plöglichen Ausbruch der Kriminalität ganz unbeachtet lassen? Da ist ein Mann, der bis zum 35. Lebensjahre nichts als ein paar geringfügige Uebertre­tungen sich hat zu schulden kommen lassen, und plöß­lich, mit einem Male, vierfacher Mörder! Er hatte Ab­scheu vor Blut, empfand Liebe zu den Tieren, und seine Sensibilität ging so weit, daß er außer stande war, das Geflügel, mit dem er Handel trieb, selbst zu schlachten.

Briefbogen Formulare jeder Art. Preislisten

Briefumschläge Rechnungen

Plakate

Ganz unvermutet wird ein blutgieriges ungeheuer aus ihm.

Die alten Jdeen der sozialen Vergeltung sind der Menge sehr teuer. Wenn sich so ein Vidal auf der Straße zeigt, schreit sie: An den Galgen mit ihm! Die Ge­sellschaft übt Rache, anstatt daß sie streben würde, zu gesunden. Was auch immer Lombroso behaupten mag, es gibt keine geborenen Verbrecher. Alle diese Elenden sind zunächst Unglückliche und Kranke. Soweit die An­sichten Lacassague.

Der Nizzaer Gerichtshof ist zu anderen Ergebnissen gekommen. Vidal ist seines Verbrechens für schuldig be funden worden und geht dem Tode durch Henkershand entgegen.

Vermischtes.

[ Was einem Parlamentarier passieren tann.] Der fürzlich verstorbene frühere Reichstagsabgeordnete Lin­gens war ein eifriger Befürworter der Sonntagsruhe. Man war es so gewöhnt, ihn diesen Gegenstand behandeln zu sehen, daß der Gedanke, er könne auch einmal über etwas anderes sprechen, niemals auftauchte.- Sobald man ihn daher im Reichstag reden sah reden hören fonnte man ihn, da er immer mit sehr leiser Stimme sprach, so gut wie gar nicht setzten sich sämtliche Federn der Journaliſtentribüne in Bewegung und schrieben: ,, Ab­geordneter Lingens( sehr schwer verständlich) verbreitet sich über die Sonntagsruhe und wünscht namentlich eine bessere Sonntagsruhe für die und die Beamten"( es wurde dann die Beamtenfategorie genannt, über die gerade de­battiert wurde). Nun kam es eines Tages- so erzählen die ,, M. N. N."- tatsächlich vor, daß der Abgeordnete über ein ganz anderes Thema sprach. In sämtlichen Zei­tungen aber stand wieder: ,, Abg. Lingens( sehr schwer verständlich) verbreitet sich über die Sonntagsruhe usw." Herr Lingens war darüber nicht wenig erstaunt und be­schloß, Maßregeln zu treffen, daß so etwas nicht mehr vorkommen könne. As daher wieder einmal das Uner­wartete Ereignis wurde und Abgeordneter Lingens beim Bostetat einen anderen Gegenstand, als die Sonntagsruhe vorbringen wollte, wandte er sein Gesicht der Journalisten­tribüne zu und begann mit den Worten: Jetzt spreche ich nicht über die Sonntagsruhe." Man scheint ihm aber das nicht geglaubt zu haben, denn am andern Morgen las man in sämtlichen Zeitungen: ,, Abg. Lingens( sehr schwer verständlich) erklärt, über die Sonntagsruhe sprechen zu wollen und befürwortet namentlich eine bessere Sonn­tagsruhe für die Postbeamten." Seitdem hatte Abg. Lin­gens den Versuch, über ein anderes Thema als die Sonn­tagsruhe zu sprechen, als zwecklos aufgegeben.

)[ Eine fürstliche Bantagentin.] Das Stockholmer ,, Aftenbladet" meldet, die Prinzessin Marie, Gattin des Prinzen Waldemar von Dänemark, befinde sich in di­plomatischer Mission in Paris, und zwar im Auftrage des dänischen Hofes. Sie solle die französischen Roha­listen auf welche sie als Schwester des verstorbenen Herzogs von Orleans großen Einfluß habe- veranlassen, für den franko- siamesischen Vertrag, und damit für das weil ihr Gemahl und Ministerium Combes zu stimmen, andere Mitglieder der dänischen Königsfamilie große Sum men Geldes in der Bank von Bangkot angelegt hätten.

-

Geburts-,

Tabellen

Verlobungs-,

Visiten-,

Vermählungs-,

Speise- u. Weinkarten

Todesanzeigen

Beileidskarten

sowie alle sonstigen Buchdruckarbeiten bei mäßigen Preisen und solider Ausführung.

Gießener Verlagsdruckerei.

( vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei) Gießen, Neuenweg 28, im Gasthaus zum Löwen.