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Nr. 182.
Zweites Blatt. Freitag, den 8. August 1902.
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Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Gießener
11. Jahrgang.
Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfs. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Erbedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
Das Bestehen eines deutsch- englischen
Geheimvertrages
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Die B. Voltsztg." schreibt dazu: Das deutsche Volk steht diesem Vertrage mit höchstem und berechtigtstem Miß trauen gegenüber, was nach der Abtretung Zanzibars an England nicht verwunderlich ist.
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portugiesische Fiebernester zu vermehren; daß uns England aber die Delagoabai überlassen wird, glaubt hier kein Mensch. Hoffentlich wird nach dem Zusammentritte des Reichs tages dem Grafen Bülow Gelegenheit gegeben, sich über möbl. Zimmer im 1 Stod diesen Vertrag zu äußern. Das deutsche Volk hat ein Recht darauf, seinen Inhalt kennen zu lernen.
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Politische Nachrichten.
Berlin, 7. Aug. Zu der Meldung, daß die französische Regierung sich bereit erklärt habe, ihre Truppen aus Shanghai zurückzuziehen, sobald andere Mächte dies Räb ebenfalls thun, erfährt die National- Reitung von unterrichteter Seite, daß die deutsche Regierung auf demselben Standpunkt steht und die Zurückziehung der deutschen Truppen davon abhängig machen würde, daß England, Frankreich und Japan dasselbe gleichfalls thun.
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In der geftrigen Sitzung der Bolltarif Kommission erklärte Staatssekretär Graf Posadowsky, es handle sich doch nicht lediglich um ein CompensationsBeschäft zwischen Landwirtschaft und Induſtrie ſondern um eine Vorlage der verbündeten Regierungen, die sich darnach richten müßten, ob die Säße derart seien, daß ihnen in einem Handelsvertrage freundschaftliche Verhältnisse zu anderen Staaten bleiben oder neue eintreten können.
Gendarmen. Die Schwestern nahmen darauf wieder Besitz von dem Schul- Lokal.
Die Krönung Eduards VII. findet morgen Samstag abend, 9. d. M. bestimmt statt. Das amtliche Programm für die Feierlichkeiten ist:
Die Prozession des Königs und der Königin verläßt den Buckingham- Palast um 11 Uhr. Den Bug eröffnet ein Stabsoffizier zu Pferde an der Spize einer zahlreichen Gardekavallerieeskorte. Dem vergoldeten, und von acht prächtig geschirrten Falben gezogenen Bruntwagen mit dem Königspaare voran reiten der persönliche Stab des Ober- Kommandanten der britischen Armee, die Generale und Flügeladjutanten des Königs, die Offiziere des großen Generalstabes, ferner Prinz Albert von Schleswig- Holstein und der Herzog von Albany. Dann folgen Abteilungen der kolonialen, indischen und englischen Kavallerie. Neben dem Bruntwagen reiten der Herzog von Connaught und sein Sohn Prinz Arthur. Gleich hinter dem Königspaar trägt ein berittener Offizier das Reichsbanner. Dann folgen zahlreiche Wagen mit den obersten Hofchargen. Den Schluß des langen Buges bildet eine starke Eskorte der berittenen Leibgarde- Regimenter.
Ueber 25,000 Mann aller Waffengattungen werden vom Buckingham- Palast nach der Westminster- Abtei Spalier bilden, und wohl an 10,000 Schußleute werden für die Aufrechterhaltung der Ordnung unter den erwarteten großen Voltsmassen sorgen. Diejenigen, die Einladungen zu der Krönung in der Westminster- Abtei erhalten haben, müssen spätestens Wie aus Baden geschrieben wird, hat der land- um 1/210 Uhr vormittags auf ihren Pläzen sein. Dann ständische Ausschuß dem Landtage über die Lage wird die Abtei für das Publikum geschlossen. Eine Stunde der badischen Staatsbahnen einen Bericht erstattet, der später erfolgt die Auffahrt der Prinzen und der Prinzessinnen von dem Regierungsblatte in seinem Wortlaut ver- des englischen Königshauses und der nach London gekommenen Wir brauchen unsere Pläße an der Sonne" nicht durch öffentlicht worden ist und u. A. auch interessante Angaben fremden Fürstlichkeiten in acht Brunfwagen mit zahlreicher des der den verschiedenen deutschen Staaten ent Thronfolgerpaares vor den Portalen der Abtei an. hält. Es ergiebt sich daraus, daß die preußischen Eisenbahnangestellten am schlechtesten entlohnt werden. Der persönliche Aufwand auf den Kopf beträgt an direkten Bezügen des Eisenbahnpersonals in Baden 1401, Bayern 1372, Elsaß- Lothringen 1321, Sachsen 1312, Württemberg 1294 und Preußen 1278 Mt. Rechnet man für die Wohlfahrtszwecke bestimmten Ausgaben ein, so werden durchschnittlich an das Eisenbahnpersonal gezahit in Baden 1505, ElsaßLothringen 1432, Sachsen 1418, Bayern 1404, Württemberg 1375 und Preußen 1355 Mk. Die Berliner Volksztg." begleitet die Mitteilung dieser Thatsachen mit der schwer zurückzuweisenden Bemerkung: Für Preußen, das also überall auf der untersten Stufe steht, ist dies Ergebnis um so beschämender, als es seine höheren Eisenbahnbeamten weit besser bezahlt, als andere deutsche Staaten, die Lage der„ niederen" Angestellten also noch schlimmer sein muß, als sie nach den mitgeteilten Durchschnittsberechnungen erscheint nach den mitgeteilten Durchschnittsberechnungen erscheint Gegenüber dem Durchschnitt der deutschen Bahnen ( 1370 Mt. bleibt die Entlohnung des preußischen Eisenbahnpersonals unter Berücksichtigung der Ausgaben für Wohlfahrtszwecke um 15 Mf. pro Kopf zurück; Preußen müßte daher, bei einer Gesamtzamtzahl von ca. 30 000 Angestellten, von vornherein etwa 4 Mill. Mark jährlich mehr an Gehältern usw. zahlen, wenn seine Eisenbahnangestellten durchschnittlich nicht schlechter gestellt sein sollten als diejenigen anderer deutscher Staaten. Wollte Preußen jedoch sein Eisenbahnpersonal ebenso besolden, wie dies in Baden geschieht, so hätte es im Jahre 154 Mt. pro Kopf mehr aufzuwenden, es im Jahre 154 Mt. pro Kopf mehr aufzuwenden, also insgesamt ca. 14 Mill. Mark mehr zu zahlen. Wenn Minister Budde die soziale Lage der Angestellten der preußischen Eisenbahnverwaltung in der That nach Möglichkeit verbessern will, so hat er dazu nur allzu reichliche Gelegenheit.
- Zur Ankunft des Königs von Italien in Berln. Der Polizeipräsident von Windheim hat den Magistrat amtlich davon in Kenntniß gesetzt, daß nach einer Mitteilung des Oberhofmarschallamtes der König von Italien am Mittwoch, den 27. August, in Potsdam eintrifft. Am 28. August begibt sich der Staiser mit seinem Gaste nach Berlin, wo feierlicher Einzug stattfinden soll.
Das Heiratsprogramm der Regierung. In einer Betrachtung über den Fall Löhning schreibt die Köln. Volks- 3tg.":
...
Jedenfalls steht die Regierung vor der Alternative, entweder durch Preisgabe der Hauptbeteiligten" der beleidigten öffentlichen Meinung eine Sühne zu gewähren oder durch konsequente Durchführung der im Löhning'schen Falle maßgebend gewesenen Grundsäge einen großen politischen Sturm zu entfesseln. Will sie z. B. den Vorfall auf den bakatistischen Karren laden, so bleibt ihr nichts übrig, als ein großes, hochnotpeinliches Strafgericht gegen alle hohen Beamten, die sich mißbilligend über die Polenpolitik ausgesprochen haben, und dann wird ein gleiches Verfolgungssystem auch in anderen politischen Fragen eingeleitet werden müssen, wie 3. B. in der Zoll- und Handelspolitik, der Kanalpolitik 2c. Oder will die Regierung den staatlichen Boykott der Feldwebelstöchter aufrecht erhalten, so wird sie das Programm ihrer neuen Heiratspolitit nach ältestem chinesischem Muster entwickeln müssen, damit jeder Beamte genau weiß, wo für ihn die Möglichkeit, Feldwebel- und Subalternbeamtentöchter zu heiraten, anfängt und aufhört. Ob der Finanzminister sich wohl hinreichend flar gemacht hat, welen Suchen er da anschnitt? Er hätte es aber thun müssen, denn„ regieren heißt voraussehen."
Wir glauben nicht, daß die Regierung sich zu groß angelegten Kämpfen aufgelegt fühlt, und deshalb können wir die Meinung der Blätter, daß der Finanzminister zurücktreten werde, nicht als unwahrscheinlich bezeichnen. Dies würde nicht das erste Opfer sein, welches die falsche Instradierung unserer Ostmarkenpolitik fordert, ganz sicher aber auch nicht das letzte. Eine ganz und gar verkehrte und unmögliche Politik muß immer von neuem jedem Beamten die Gelegenheit bieten, Fehler zu begehen, Die Festigkeit" thut es allein nicht; le fräftiger man in eine Dornenhecke hineingreift, desto schwerer berlegt man sich.
Am ungünstigsten ist bei dem ganzen Handel der Militärstaat gestellt. Der nach vielen Tausenden herzerhebenden Begriffe erhält er jetzt von der„ Kamerad
4/2
Der Ausstand der galizischen Feldarbeiter ist nach einer offiziösen Meldung im Abnehmen begriffen; in mehreren Gemeinden haben die Ausgleichsverhandlungen zu einer Einigung geführt. In Ausgleichsverhandlungen zu einer Einigung geführt. In Ubinie( Bezirksgerichtssprengel Radziechow) tamen am Dienstag Ausschreitungen" vor, das Militär stellte die„ Ruhe" wieder her; 15 Verhaftungen wurden vor
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genommen.
Haag, 7. Aug. Zu dem gestrigen Besuch des Präsi denten Krüger bei Steijn in der Villa Norma wird gemeldet: Krüger trat mit ausgestreckter Hand an das Lager Steijns. Leßterer erhob sich mühsam und reichte seine zitternde Rechte Krüger. Dieser spendete dem Kranken unter Thränen Worte des Trostes und der Ermutigung.
Brüssel, 7. Aug. Bis jetzt sind bei der Regierung 14 Concessionsgesuche zur Ausbeutung der Kohlengruben in dem neu entdeckten Becken der Provinz Limburg eingegangen.
Bur Rongregationsbewegung in Frankreich. Brüssel, 7. August. Der Independance belge zufolge sind nicht weniger als 12 Schlösser und sonstige große Be ſigungen von französischen Ordensleu'en Belgien erworben worden. Die letzteren gedenken sich dauernd in Belgien niederzulassen. Der liberale Abgeordnete Janson will die Interpellation über die Anhäufung der Kapitalien in den Klöstern und die Massen- Einwanderung französischer Ordens leute in Belgien beim Wiederzusammentritt der Kammer
bertreten.
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Paris, 7. Aug. Eine Volksmenge von über 500 Personen drang gestern in die Schule von Clermarais sehen waren und überrumpelte die wachthabenden
fonftigen ber Neuzeit en zählende Feldwebel- und Unteroffizierstand, welche ein, schlug 23 Thüren ein, die mit dem Amtssiegel ver
nben Einrichtungen zu ber
Näh. Frankfurterftr. 29,
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Das Krönungszeremoniell in der Abtei ist mit Rücksicht auf den Zustand des Königs wesentlich getürzt worden. Die Verlesung der zehn Gebote und die übliche Predigt fallen weg. Die Eidesleistung, die Salbung, die Ueberreichung der Sporen und des Schwertes, sowie der eigentliche Krönungsaft werden indes in Gemäßheit des für die Krönung am 26. Juni vorgeschriebenen Programms voll
zogen.
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Japan in den Fußtapfen Englands. Die im Stillen Ozean liegende Dano- Insel Marcus- Island welche von Amerika wie von Japan begehrt wird, ist von den Japanern besetzt worden. Der japanische Kreuzer Kisagi" landete dort eine Abteilung Marinemannschaften. Bis dahin war der auf Markus Island erwartete amerifanische Capitän Rosehill baselbst noch nicht eingetroffen.
Giessener Cagesneuigkeiten.
** Eine sonderbare Anordnung im Postanweisungs- Verkehr ist vom Reichspostamt getroffen worden. Es wird darüber Folgendes mitgeteilt: Ginem in Hamburg weilenden Kaufmann wurde von seiner Berliner Firma gestern mitgeteilt, daß eine Geldanweisung mit 300 Mt. Hauptpostlagernd für ihn nach Hamburg abgegangen sei. Als sich daraufhin der Kaufmann heute Morgen nach dem Schalter des Hauptpostamtes begab und seine Legitimation borwies, wurde ihm mitgeteilt, daß die Postanweisung bereits in der Nacht eingetroffen sei, daß er aber gleichwohl das Geld noch nicht ausgezahlt erhalten könne, da nach einer Verordnung des Reichspostamtes bei allen postlagernd gesandten Postanweisungen über 200 Mt. erst an der Aufgabestelle telegraphisch angefragt werden müsse, ob das Geld auch wirklich eingezahlt worden sei. Erst nach Eingang einer bejahenden Antwort könne das Geld ausgegeben werden. Als hierauf der Kaufmann bei dem betreffenden Postdirektor vorstellig wurde, erklärte dieser Herr, daß der Beamte sich lediglich an seine Inftruftion gehalten hätte, eine solche Verfügung des Reichspostamts existiere allerdings. Wir haben keine Veranlassung, an der Richtigkeit dieser Angaben zu zweifeln, müssen aber bekennen, daß wir eine Anordnung, auf die so deutlich das Wort von dem befannten grünen Tisch" paßt, kaum jemals vorgefunden haben. Was soll denn mit der Sache bezweckt werden? Der Herr Poſtdirektor gab an, die Verfügung verfolge den Zweck, dem Schwindel und den Betrügereien, die häufig mit postlagernden Bostanweisungen betrieben wurden, vorzubeugen. Sollte das wirklich der Zweck sein? 3 mal 195 Mt. macht beinahe ebenso viel, wie 3 mal 210 Mt., also wer betrügen will, nimmt einfach


