Ausgabe 
26.4.1854
 
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ſchreiben und ihm von ſeiner Krankheit Nachricht geben ſolle, und doch waren ſeine Gedanken beinahe gänzlich mit ſeinem neuen Freunde beſchäftigt. Er ſchrieb an ihn, be⸗ orderte aber, daß die Briefe nur im Falle ſeines Todes ihm überliefert werden ſollten. Auch vermachte er ihm viele von ſeinen Büchern, ſowie ſeine Papiere. Denis kam in Paris gerade noch zur rechten Zeit an, um dem Leichenbegängniſſe des väterlichen Freundes beizuwohnenz man kann ſich denken, was er bei dieſem ſo plötzlichen Verluſt einer Freundſchaft, die ſo viel zu verſprechen ſchien, fühlte. Er folgte der Leiche und widmete die näch ſten Tage ganz einer genauen Durchſicht des handſchrift lichen Nachlaſſes. Lange und tief ſann er über den In halt der Papiere nach; dann war er feſt entſchloſſen, dem Rathe, den ſie enthielten, zu folgen. Von dieſem Tage an war Denis Leverney völlig verändert.

Damals ſammelte ſich zuerſt die Partei der Giron diſten. Ihre geheimen Klubs wurden gehalten und beredte Debatten über ſociale Fragen, für welche die Welt da mals erſt zu erwachen ſchien, zeugten von der Fähigkeit und dem Enthuſiasmus dieſer jungen Partei. Es waren Männer, die ihre Nächte den ſchönen Theorien Plato's und den Träumen Rouſſeau's widmeten. Ein neuer, edler Glaube, die Wiedergeburt der Geſellſchaft, das waren ihre Zwecke; Frankreich ſollte ein Muſterſtaat, die Franzoſen die Lehrer der Welt werden. Die Geſchichte erzählt ihr Schickſal. Leverney war einer der beredteſten und begabteſten Verfechter dieſer neuen Doktrinen. Aber die Leſer des griechiſchen und des franzöſiſchen Philoſophen konnten nicht lange ein bethoͤrtes Volk leiten, deſſen ein zige Hoffnung auf Rettung in der Ausrottung ſeiner Feinde zu beruhen ſchien und welches durch das blutige Triumvirat, Danton, Robespierre, Marat, aufgeſtachelt wurde. Leverney kämpfte mit der gemäßigten Partei für die Rettung des Lebens des Königs; aber ſeine über menſchlichen Anſtrengungen, die ohne Erfolg waren und ſowohl ſeine geiſtige als körperliche Kraft überſtiegen, warfen ihn bald auf das Krankenbette, von dem er noch nicht erſtanden war, als er an ſeinen Vater ſchrieb und ihm ſeinen Beſuch auf dem Schloſſe anmeldete. Er floh, krank am Herzen, hinweg von den tragiſchen Scenen, die in Paris wahrend der Schreckensregierung aufgeführt wurden. Mit Freudenthräͤnen wurde er von dem liebenden Vater empfangen, der ſo lange auf die Rückkehr des theuren Sohnes gehofft hatte.

Das waren glückliche und ruhige Tage, als Vater und Sohn in der ſchönen Gegend umherwandelten und dankbar froh zum Geber alles Guten emporblickten, daß der Wirbelwind der menſchlichen Leidenſchaften ihre glück liche Gegend noch nicht getroffen. Aber gerade wenn der Menſch ſich am ſicherſten glaubt, iſt die Gefahr ihm oft am nächſten. So war es mit Denis Leverney.

An einem lieblichen Abend ging er allein am Ufer des Fluſſes, der durch das Dorf in der Nähe des Schloſſes floß. Er war ermüdet, denn er war weiter gegangen, als er bis jetzt ſeit ſeiner Wiederherſtellung von der Krankheit gewagt hatte. Er ſetzte ſich auf eine Bank um auszuruhen und die Sonne zu ſehen, wie ſie ihre letzten ſchwachen Strahlen über die ſchöne Landſchaft, die vor ihm lag, warf. Die Umriſſe der hohen Berge, die ſich in der Nähe erhoben, erſchienen klar im purpurgefärbten Himmel. In Gedanken verſunken ſaß er da und hörte das Geplätſcher der Wellen, die ſich an den Felſen brachen. Da ging die Sonne unter, und das Zwielicht verbreitete ſich unvermerkt über das Thal, ein ſilberweißer Nebel ſtieg vom Fluſſe auf. Denis verſank tiefer in träumen des Sinnen. Welcher Kontraſt mit der Scene, die er

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hinter ſich gelaſſen hatte! Haben die Dichter nicht recht, die uns rathen, wenn wir wahres Glück ſuchen, die un ruhige Stadt zu fliehen? Wenn wir nicht immer die ländliche Unſchuld, die ſie ſo ſchoͤn ausmalen, finden, ſo ſehen wir doch auf jeden Fall weniger die Wuth menſch licher Leidenſchaft.

Seine Betrachtungen wurden durch eine Stimme in der Nähe unterbrochen, die rief:Wie lange bleibſt Du aus, Vater! Warum kommſt Du nicht nach Hauſe? Es wird kühl und feucht.

Er glaubte die Stimme zu erkennen, wandte ſich um und erblickte eine leichte, graziöſe Geſtalt, die ſich ihm näherte. Es war zu dunkel, um ihr Geſicht zu ſehen, aber er war überzeugt, die Stimme zu kennen.

Iſt das nicht Marguerite Devereux? ſagte er. Ich werde doch wohl meine alte Spielgefährtin wieder erkennen, obwohl fünf Jahre verfloſſen ſind, ſeit ich ſie geſehen habe.

Verzeihen Sie, mein Herrz ſagte Marguerite, in dem ſie ſich furchtſam näherte,mein Vater ſitzt oft Abends hier, ich muß um Entſchuldigung wegen meines Irrthums bitten: ich glaubte, er waͤre es und wollte ihn zum Abendeſſen rufen.

Entſchuldigen Sie ſich nicht, Marguerite; ich bin ſehr erfreut, Ihre Stimme wieder zu hören, obſchon es faſt zu dunkel iſt, um in Ihnen meine hübſche Geſpielin zu erkennen. Ich hätte ſchon längſt meinem alten Freunde Richard einen Beſuch machen ſollen, aber ich bin krank geweſen und noch recht ſchwach, das iſt der erſte Ausgang, den ich allein gewagt habe.

aIch ſah Sie neulich, mein Herr, mit dem Oberſten über das Feld neben dem Schloſſe gehen, aber ich mochte nicht zu Ihnen gehen und Sie anreden.

5Sie hätten nicht ſo furchtſam ſein ſollen, Margue⸗ rite; ich habe meine Freundin nicht vergeſſen. Aber Sie können mir einen großen Gefallen erzeigen. Ich bin zu weit gegangen und habe hier zu lange geſeſſen, ich muß nach Hauſe, und glaube kaum, daß ich die Kraft habe, allein dahin zu kommen. Wollen Sie nicht Ihren Vater oder einen ihrer Brüder bitten, mich auf dem Wege nach dem Schloſſe zu unterſtützen?

O gern, ſagte Marguerite und eilte nach ihrem Hauſe. Bald hörte Denis, wie eine liebliche Stimme ihren jüngeren Bruder rief, und gleich darauf vernahm er nahende Schritte.

Reiche mir Deine Hand, mein guter Knabe, ſagte Denis,denn ich kann von dieſer ſchrägen Bank nicht ohne Hülfe aufkommen. Halt' feſt und ſteh' feſt, oder wir fallen Beide in den Fluß.

Der Knabe ging zu ihm, reichte ihm ſeine Hand, aber indem er ſich zu weit vorüber lehnte, verlor er, als Denis ihn anfaßte, das Gleichgewicht und ſie fielen zu ſammen nieder. Der Knabe rollte neben der Bank hin ab, ward aber durch den Stumpf eines ungefallenen Baumes, an den er ſich anklammerte, aufgehalten; Denis ſtürzte in's Waſſer.

Der Strom war reißend; Denis konnte ſchwimmen, aber die ſchnelle Strömung verhinderte ihn, davon Ge brauch zu machen er war in der höchſten Lebensgefahr; doch ſeine Stunde war noch nicht gekommen.

Der Knabe raffte ſich auf, kletterte zu der Bank hinauf und ſchrie um Hülfe. Nicht ſo Marguerite. Mit wunderbarer Geiſtesgegenwart eilte ſie zum Ufer; ſie wußte, daß etwas weiter unten ein hervorragender Punkt war, wo ihn der Strom hinanwälzen würde; dahin ſtellte ſie ſich, und als er von den Wellen hinangetragen wurde, erfaßte ſie mit ſtarker Hand ſeine Kleider und zog ihn an's

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