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Intelligenz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
M 30.
Sonnabend den 15. April
1851.
Des Oſterfeſtes wegen erſcheint naͤchſten Mittwoch keine Nummer dieſes Blattes.
Amtlicher Theil.
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Oeffentliche Nachricht.
Die ſtatutenmäßig in der Woche nach Oſtern ſtatt findende General-Verſammlung des Mathildenſtifts kann eingetretener Hinderniſſe wegen nicht abgehalten werden und wird demnächſt der Termin veröffentlicht werden.
Die Großherzoglichen Bürgermeiſter der betheiligten Gemeinden, ſowie die übrigen Mitglieder des Mathilden— ſtifts werden hierdurch hiervon in Kenntniß geſetzt.
Friedberg am 11. April 1854.
Der Großherzogliche Kreisrath des Kreiſes Friedberg
als Präſident des Mathildenſtifts Müller, Regierungsrath.
Marguerite Devereur. Erzählung. (Fortſetzung.)
Eines Tages ging er in Gedanken verſunken, eine Straße hinab in der Nähe ſeiner Wohnung, um einen ſeiner Freunde aufzuſuchen, als ſeine Aufmerkſamkeit durch einen kleinen Hund angezogen wurde, der offenbar ſeinen Herrn verloren hatte, und in der größten Gefahr war, von einem heranrollenden Wagen überfahren zu werden. „Das kann zu einer kleinen Galanterie führen,“— rief er aus;—„ein ſo hübſches Hündchen hat gewiß eine ſchöne Herrin— aber wenn auch nicht, ich muß es retten!“
Er ſprang vom Trottoir, lief hinzu, riß den Hund weg, konnte aber doch nicht verhindern, daß das Rad des leichten Wagens das eine Hinterbein deſſelben verletzte; er nahm das ſchreiende Thier auf den Arm und wollte eben die Wunde unterſuchen, als er von einem alten Manne, ehrwürdigen Anſehens und in der Kleidung eines Abbé, angeredet wurde:„Empfangen Sie meinen wärm— ſten Dank, junger Mann, fur Ihre Güte und Freundlich⸗ keit. Dieſer kleine Hund gehört mir; ich kaufte ihn kürz— lich auf dem Lande, wo ich mich aufhielt und wo er mir leicht folgte, ohne daß ich zu fürchten hatte, ihn zu ver— lieren. Dieß iſt ſein erſter Tag, wo er in der Stadt auf der Straße iſt, und es wuͤrde ohne Sie ſein letzter ge— weſen ſein. Meine Wohnung iſt hier in der Nähe, und
ich weiß, daß die Ihrige auch nicht weit entfernt iſt. Wenn ich Sie nicht anderer Geſellſchaft entziehe, ſo lade ich Sie ein, mit mir zu gehen, damit ich das Vergnügen haben kann, Ihnen abermals zu danken.“
Denis erwiderte, daß er mit großem Vergnügen die Einladung annehme; ſie gingen nun mit einander und unterhielten ſich über gleichgültige Gegenſtände, bis ſie zur Wohnung des Abbé's gelangten, die, wie er mit Ver— wunderung ſah, der ſeinigen gegenüber war. Sie gingen hinein, das verwundete Bein des Hündchens ward ver— bunden, und der ehrwürdige Geiſtliche, der die Annehm— lichkeiten des Lebens nicht verſchmähete, bewirthete Denis mit einem Glaſe ausgeſuchten Weines, den er kürzlich zum Geſchenk erhalten hatte.
„Sie ſind Student und würden vielleicht gerne meine Bucher ſehen?“ ſagte der Abbé.
Denis nahm dieß Anerbieten gerne an. Es war eine ſchone Sammlung von Büchern, nicht blos in fran— zoͤſiſcher Sprache; eine ausgewähltere Bibliothek von klaſſiſchen Autoren fand ſich vielleicht nicht in einem Pri— vathauſe in Paris, es fehlten auch nicht die berühmteſten engliſchen, deutſchen und italieniſchen Schriftſteller.
„Sie ſind alle zu ihrer Dispoſition,“ ſagte der Abbé, „zum Leſen ſowie zum Nachſchlagen; denn ich weiß, daß Sie ſtudiren; Ihnen mag wohl manchmal ein Buch fehlen, und Sie ſcheuen ſich vielleicht, die öffentlichen Bibliotheken immer zu benutzen.“
„Sie ſind allzu gütig,“ erwiderte Denis; aber wie wiſſen Sie, daß ich Student bin, und daß ich— was keineswegs immer daraus zu folgern iſt— viel ſtudire?“
»Sie wohnen mir gegenüberz, ſagte der alte Mann, „vielleicht kennen Sie mich nicht. Ich habe mich zuletzt einige Zeit auf dem Lande aufgehalten, und wenn ich hier bin, lebe ich ſehr eingezogen und ſtill. Sie ſind län— ger als ein Jahr in Paris. Ich habe Sie lange beob— achtet, und ich bin dem Zufall ſehr dankbar, der mir Ihre Bekanntſchaft verſchafft hat; ſo kann ich Ihnen ſagen, was Sie, wie ich überzeugt bin, ruhig von einem Manne, der viel älter iſt als Sie, anhoͤren werden:
„Ich habe Sie ſeit Monaten nahe beobachtet; Ihre Erſcheinung intereſſirte mich; ich habe keine ältere Perſon in Ihrem Zimmer bemerkt: haben Sie irgend Jemand, auf deſſen Urtheil, Rath oder Leitung Sie ſich ſtützen?—


