genug, auf den Füßen zu ſtehen und er mußte mich eher fortziehen als fuͤhren. Als er mich in mein Zimmer ge— bracht hatte, ſagte er in ſehr bedeutſamem Tone:„Er— innere Dich, daß Du in Gefahr ſtehſt. Wenn Du nicht ſehr vorſichtig biſt, wird das Fieber Dir ſehr verhängniß— voll werden. Lege Dich zu Bette und halte Dich ganz ſtill, bis ich wieder nach Dir ſehe, oder Du wirſt den Morgen nicht mehr erleben!“ Damit drückte er die Thüre zu und verſchloß ſie hinter ſich; ich hörte noch, wie er den Schlüſſel herauszog und die Treppe hinunterging. Dann muß ich ohnmächtig geworden ſein, denn als ich wieder zu mir kam, war es beinahe ſtockfinſtere Nacht, ich lag am Boden und konnte mich anfangs auf gar Nichts beſinnen. Als meine Erinnerung nach und nach wieder— kehrte, kroch ich in's Bette, druckte mein Geſicht tief in die Kiſſen und ließ meiner Angſt und meinem Schmerz in Thränen und Seufzern den Lauf, denn ich liebte meine Gebieterin, Madame, und Herrn Eugen, und ich ahnte, daß ihnen Beiden ein großes Unglück bevorſtand. Ich er— wartete, der Graf werde das Kloſett erbrechen, und Einer von ihnen oder alle Beide werde erſchlagen werden, und ich zweifelte dann nicht, daß dieß bei ihrem jetzigen Zu—⸗ ſtande auch der Gräfin das Leben koſten würde. Sie können ſich alſo denken, was für eine Nacht ich zubrachte, Madame; bald weinte, bald horchte ich, aber ich konnte nichts Ungewöhnliches hören, und begann endlich zu fürchten, der Kampf habe ſtattgefunden, während ich ohn— mächtig dagelegen habe. Aber wie hatte er geendet? Ich hätte eine Welt darum gegeben, wenn ich es gewußt hätte; allein ſo war ich hier auf meiner Stube, eine Ge— fangene, und mußte fürchten, mein Loos noch ſchlimmer zu geſtalten, wenn ich Lärm mache!
„Sehen Sie, Madame, mir war als wolle der Mor— gen gar nicht anbrechen; endlich aber ging die Sonne auf und ich hörte die Leute im Hauſe munter werden. Auch war mir, als hörte ich ein ungewöhnliches Geräuſch und Herumrennen, eine ungewohnte Geſchäftigkeit im Hauſe, das Rollen von Wagen, den Hufſchlag von Pfer— den im Hofe, wie wenn man den Wagen herausführe. Wohin wollte meine Herrſchaft wohl gehen? Ich konnte mir's zwar nicht denken, aber im Ganzen war ich doch zufrieden damit, weil ich mir einbildete, das Zuſammen— treffen und die Erklärung habe nun ſtattgehabt und der Graf wolle das Haus verlaſſen, was mich unter dieſen Umſtänden nicht befremden konnte. Ich bildete mir ein, er habe um ihretwillen Eugen geſchont, und in dieſem Glauben ward ich noch beſtaͤrkt durch meinen Herrn, welcher gleich nachher in mein Zimmer kam und ſagte: „Deine Gebieterin iſt verreist, weil ich fürchtete, ſie moͤchte Dein Fieber erben. Du ſollſt ebenfalls aus dem Hauſe geſchafft werden, ſobald ich es für paſſend halte; einſtweilen erinnere Dich, daß Dein Leben davon abhängt, daß Du
236 e-
Dich ruhig hältſt!“ Er ſtellte mir einen Laib Brod und eine gefüllte Waſſerflaſche auf den Tiſch und ging, die Thüre wieder hinter ſich verſchließend. Ich geſtehe, trotz meiner Anhänglichkeit an Herrn Eugen dauerte mich doch auch der Graf unwillkürlich! Wie ſehr hatten ihn die Er— lebniſſe dieſer einzigen Nacht entſtellt! Seine Wangen waren hohl, die Augen tief eingeſunken, ſeine Züge ver⸗ zerrt und verſtört, und ſeine Geſichtsfarbe ganz die einer Leiche. Es war für ihn gewiß auch ein tödlicher Streich, denn ich wußte, er liebte meine Gebieterin leidenſchaftlich.
Dieſer Tag, Madame, verging mir ruhiger als ich erwartet hatte; als aber mein Geiſt etwas ruhiger ward wegen meiner Gebieterin, begann ich einigermaßen an mich ſelbſt zu denken, und fragte mich betroffen, was denn der Graf mit mir vorhabe. Mir ſchwante, daß er mich wo⸗ möglich nicht mehr mit ihr zuſammenbriugen würde, und dieß allein war mein größter Kummer; dann kam mir der Argwohn, er wolle mich vielleicht irgendwo auf Lebenszeit einſperren, vielleicht in ein Kloſter oder in ein Irrenhaus! — Kaum war dieſe Idee gekommen, ſo wuchs ſie in mir immer mehr heran, bis ſie mich vor Entſetzen beinahe wahnwitzig machte, und ich faßte den Entſchluß, auf die Gefahr hin meinen Hals zu brechen, in der Nacht den Verſuch zu machen, ob ich nicht durch das Fenſter ent⸗ ſpringen könne. Es lag an der Seite des Hauſes, und war nicht ſehr hoch; überdieß befanden ſich unter dem⸗ ſelben Blumenbeete von weicher Erde, welche die Gewalt meines Falls brachen. Ich dachte, wenn ich das Bettzeug zuſammenbinde, den ſo gebildeten Strick an einer eiſernen Stange befeſtige, welche das Gartenfenſter theilte, und mich daran herablaſſe, ſo müſſe ich den Boden wohlbe⸗ halten erreichen. Ich war ein kleines Geſchöpf, und ob⸗ wohl die getheilte Fenſteröffnung nicht weit war, bot ſie doch Raum genug, um mich durchzulaſſen; und als Alles ruhig und nach meiner Schätzung Jedermann im Hauſe zu Bette war, machte ich den Verſuch und dieſer gelang. Ich mußte nur die paar letzten Ellen hinabſpringen und ſank bis über die Knöchel in den weichen Boden ein; allein daran lag mir Nichts— ich war frei, gab Ferſen⸗ geld und lief aus Leibeskräften zu meiner Mutter, welche in der Nähe in einem kleinen Häuschen wohnte,— ſehen Sie dort drüben, jenſeits der Straße. Und nachdem ich ihr erzählt, was mir begegnet war, brachte ſie mich zu Bette und wir verabredeten, wenn irgend Jemand komme und ſich nach mir erkundige, ſo ſo ſolle ſie nur ſagen, ich liege am Fieber darnieder und könne Niemanden ſprechen. Ich wußte wohl, daß man mit Tagesanbruch mich ver— miſſen, weil der Graf mich ohne Zweifel in meinem Zim⸗ mer aufſuchen würde, und überdem mußte man ja die Bettlaken vor dem offenen Fenſter hängen ſehen.
Schluß folgt.)
Mobil!
170) Dien Aftags 2 Uhr, uud wegen W Würger Chriſt Vopuung ver dals: Tiche, ellen, Fäſſer, Peri, ſowie ſo Ich meiftbieten Friedberg
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
I ⏑
Oeffentliche Aufforderung. 1169) Johannes Nau aus Hauswurz iſt dahier arretirt worden, weil folgende Gegen— ſtände, die er von einem ihm unbekannten Manne erkauft haben will: ein Paar graue Buckskin⸗ hoſen mit ſchwarz und weißer Borde, eine Ca— ſimirſhawl mit gewirkten Streifen und Franſen, ein weißer gehäkelter Kanapeeſchoner mit weißen Franſen, eine braune gedruckte Kinderſchürze, zwei farbige Schmutzkittelchen für Kinder von Baumwollenzeug, ein Bieberunterröckchen für Kinder, ein wollenes blau und rothes kleines Halstüchelchen, ein farbiges altes Taſchentuch, ein carrirtes baumwollenes Halstuch mit Fran⸗
ſen, ſieben verſchiedene Mannshemden, theils von Leinwand, theils von Shirting, Alle noch gut, gezeichnet: J: R; P. N; J. Di n ihm gefunden worden ſind. Es iſt zu ver— muthen, daß dieſe Gegenſtände entwendet wor— den und insbeſondere ſcheinen die verſchiedenen Namenszeichen auf den Hemden darauf hinzu— deuten, daß die Entwendung bei einer Wäſcherin geſchehen ſein möge.
Alle, welche Auskunft hierüber zu geben ver— mögen und insbeſondere die Eigenthümer der verzeichneten Gegenſtände, werden aufgefordert, ſchleunige deßfallſige Anzeige bei dem unter- zeichneten Gerichte zu machen.
Friedberg den 25. Juli 1853.
Großherzogl. Landgericht Hofmann.
Hofraithe⸗Verſteigerung.
(1157) Montag den 1. Auguſt d. J., Vor⸗ mittags 10 Uhr, wird in bieſigem Rathhauſe auf freiwilligen Antrag der Heinrich Briels Wittwe deren nachbeſchriebene Hofraithe, als: Gemarkung Stadt Friedberg: Pag. 48 No. 284 Hofraithe, als: Wohnhaus, Scheuer und Ställchen, an Adam Schleuning und Jo— hannes Windecker, öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 23. Juli 1853. In Auftrag: Der Vorſteher des Großh. Ortsgerichts Bender.
Immobiliar-Verſteigerung. (952) Montag den 8. Auguſt d. J., Vor⸗
Det?
Be (1170)
Gewerbſteuer fudet den 3 an und den in dem hiefi Skuer⸗Com: alle hieſigen Vohnungs⸗ ergeben hat ſtgeben ſollt dem oben be das Nöthige wird, da ſpäl ligkeiten ver.
Friedber
St 1172) mittags um bieſigen daz bund Rogge an den Wi Die Beding Offen.
Friedber
1 (1173)
in der Kirch zum Augleihe


