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1 ſchen nur mit einigen ſpärlichen eiſengrauen Locken, in einer Haltung ſprachloſen Grimmes und unbeſchreiblicher Verwirrung, welche durch das ſchallende Gelächter der Umſtehenden ob dieſer plötzlichen Verwandlung ſeines Ichs noch geſteigert wurde. Er warf ſich raſch in eine Fechter— ſtellung, wobei ihm ſein Gefährte den Rücken deckte, und forderte mich zum Boxen heraus. Hierzu hatte ich aber gar keine Luſt, und war in einiger Verlegenheit, wie ich mich aus der Sache ziehen ſollte, als plötzlich die Glocke das Signal zur Abfahrt gab, mein wükhender Gegner ſeine Perücke wieder aufraffte und aufſetzte, und wir Alle hinaus eilten, um unſere Plätze wieder einzunehmen. Das junge Frauenzimmer klammerte ſich feſt an meinen Arm und bat mich leiſe und in dringender Angſt, ſie nicht zu verlaſſen. Ich wartete, bis ſich die beiden Burſchen ihre Sitze genommen hatten, dann führte ich ſie nach dem hinterſten Wagen, worin wir bis zur nächſten Station allein blieben.
„Sind Mrs. Waters und Emily wohl?“ fragte mich das junge Mädchen erröthend, und ſchlug die Augen nieder vor meinem ernſten Blicke, welchen ſie einen Augenblick zu mißdeuten ſchien.
„O ja, gottlob ganz wohl,, entgegnete ich, beinahe ſtotternd;„Sie kennen uns alſo?“
„Ei freilich, gab ſie mir zur Antwort, von meinem Benehmen wieder ganz beruhigt, und ſetzte dann mit einem gewinnenden Lächeln hinzu:„Aber Sie ſcheinen die kleine Mary Kingsford ganz vergeſſen zu haben!“
„Mary Kingsford?“ rief ich verwundert und uͤber— laut;—„Ei wahrlich, ſo iſt es! Aber was für eine Veränderung haben wenige Jahre hervorgebracht!“
„Glauben Sie, Mr. Waters! Ich bin alſo wohl nicht mehr die hübſche kleine Mary Kingsford? verſetzte ſie lächelnd.
„Ei, Sie wiſſen wohl, was ich damit ſagen will, Sie kleines eitles Schmeichelkätzchen!“ ſagte ich vergnügt, denn ich war in der That hocherfreut über das unver— muthete Zuſammentreffen mit der artigen, wohlbekannten Jugendgeſpielin meiner älteſten Tochter. Im Nu waren wir wieder alte vertraute Freunde, faſt wie Vater und Tochter. Ich hätte ſchon vorhin ſagen ſollen, daß die kleine Mary Kingsford zu der Zeit als ich Yorkſhire ver— ließ, eines der hübſcheſten, holdeſten Kinder war, die ich je geſehen, und nicht nur in unſerer Familie, ſondern in jeder andern der Nachbarſchaft ein gerne geſehener Lieb⸗ ling. Sie war das einzige Kind von Philipp Mary Kingsford, eines beſcheidenen, würdigen, ſehr geachteten Ehepaars; ihr Vater war Gärtner bei Sir Pyott Dalzell geweſen, und ihre Mutter hatte des Gatten Gehalt zu einem anſtändigen Betrage erhöht durch den Betrieb einer wohlfeilen Kleinkinderſchule. Die Veränderungen, welche wenige Jahre in dem Aeußern des ſchmucken Kindes her— vorgebracht hatten, erklärten hinlänglich, warum ich ſie nicht auf den erſten Anblick wieder erkannte; aber in dem Augenblicke, wo ich ihren Namen hörte, erkannte ich ſo⸗ gleich wieder die ſeltene Anmuth, die uns ſchon an dem Kinde ſo ſehr gefallen hatte. Die ſanften braunen Augen waren noch dieſelben, obwohl ſie nun noch tiefere Tiefen enthüllten und einen noch ſinnigeren Ausdruck beſaßen; das Haar, obſchon jetzt dunkler von Farbe, hatte noch immer ſeinen goldenen Schein, und dem jugendlich friſchen Geſicht lieh ein ſittiges Erröthen noch höhern Reiz, wäh⸗ rend ihre kleine kindliche Geſtalt nun herangereift und zu weibiſchem Ebenmaaß und Liebreiz entwickelt war. Die friſche Röthe ſchwand von ihren Wangen, als ich be— deutungsvoll auf ihrs Trauerkleider blickte.
„Ja,, fluſterte ſie mit wehmüthiger unſicherer Stimme,
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—„ja, der Vater iſt todt. Nächſten Donnerſtag ſind's ſechs Monate, daß er ſtarb.— Die Mutter iſt wohl,“ ſetzte ſie nach einer Pauſe heiterer hinzu,— es fehlt ihr gottlob nicht an Geſundheit, aber— am lieben Brode, und ich,“ fuhr ſie fort und verſuchte ein wenig zu lächeln, —„ich gehe nun nach London, um dort mein Heil zu verſuchen!“
„Wie ſoll ich das verſtehen? womit wollen Sie denn Ihr, Glück verſuchen?“ fragte ich.
„Jenun, Sie kennen ja mein Bäschen Sophy Clarke? Wenigſtens ſchrieb ſie mir einmal, ſie ſehe Sie öfters.“— Ich nickte ſtumm und bejahend, denn ich wußte wenig mehr von Sophy Clarke, als daß ſie die ziemlich luſtige und kokette Ladenjungfer eines höchſt achtbaren Zucker— bäckers auf dem Strand war, welchen wir unter dem Namen Morris aufführen wollen.
„Ich ſoll Ladenjungfer neben Sophy werden; frei— lich für den Anfang nicht mit ſo gutem Gehalte wie ſie,“ fuhr Mary Kingsford fort,—„aber ſagen Sie ſelbſt, darf ich nicht von Glück ſagen, daß es mir ſo ergangen iſt, wenn ich nun doch einmal in Dienſt gehen muß? Und war es nicht recht freundlich von Sophy, ſich ſo für mich zu intereſſiren?“
„Nun ja, es mag ſein. Aber wenn ich mich nicht irre, ſo habe ich oder wenigſtens meine Frau ſagen hören, Sie ſeien mit Richard Weſtlake verlobt?— Vergebung, Mary, ich ahnte nicht, daß die Erinnerung daran Ihnen unangenehm oder peinlich ſein könnte.“
„Richard's Vater will mit ſeinem Sohne höher hinaus,“ verſetzte Mary mit einigem Stolz und ziemlicher Empfindlichkeit;—„es iſt Alles aus zwiſchen uns Beiden und wer weiß, ob's nicht beſſer ſo iſt!“
Ich hätte mir dieſe Worte ſelber richtig verdoll— metſchen können auch ohne den halbunterdrückten Seufzer, der ſie begleitete. Die gefährliche Lage eines ſo reizenden, unerfahrenen, argloſen, unbefangenen Weſens inmitten der Verſuchungen und Eitelkeiten, der Verführungen und Nachſtellungen London's gingen mir ſo nahe und beſchäf— tigten mich im Geiſte ſo ſchmerzlich, daß ich kaum wieder den Mund öffnete, bis die verminderte Schnelligkeit des Zuges uns ankündigte, daß wir in der Nähe einer Station ſeien, nach deren Erreichung wir wahrſcheinlich keine weitere Gelegenheit zu einer vertraulichen Unterredung haben würden. Darum richtete ich die Frage an Mary: wo ſie zum erſteu Male mit den beiden Mannern— den Burſchen aus dem Bahnhof von Rugby zuſammenge—
troffen ſei?
„Etwa dreißig oder vierzig Meilen unterhalb Bir— mingham,“ erwiderte Mary.„Sie ſetzten ſich in die Wagenabtheilung, wo ich ſaß; in Birmingham aber ge— lang mir's, ihnen auszuweichen.“
(Fortſetzung folgt.)
Monatsbericht der Blinden-Anſtalt zu Friedberg.
Wenn wir hiermit allen edlen Menſchenfreunden für ihre uns im September geſpendeten Gaben herzlich danken, ſo theilen wir ihnen zu⸗ gleich mit daß unſere Einnahme in genanntem Monat 391 fl. 22% kr. betrug, worunter wieder 100 fl. von einer Freundin zu Dorpat in Rußland waren. Die Ausgabe belief ſich auf 403 fl. 40½% kr., wir mußten demnach 12 fl. 18 kr. leihen, die wir ſomit Schulden haben.
Der Winter iſt vor der Thüre, und da hoffen wir, daß man un- ſerer 31 Blinden nicht vergeſſen werde, beſonders würden Naturalien, Kartoffeln ꝛc., eine große Wohlthat ſein.— Unſere Stiftungsfeier findet den 26. d. M., Mittags 1 Uhr, ſtatt, wozu wir alle Freunde und Gön— ner herzlich einladen. Wir hoffen um ſo mehr auf einen zahlreichen Beſuch, als 3 unſerer erſten Zöglinge entlaſſen werden und unſere Wohl— thäter die erſten Früchte ihrer Ausſaat ernten dürfen. f
Friedberg den 1. Oktober 1853.
J. P. Schäfer, Vorſteher.


