Ausgabe 
20.7.1853
 
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ſchienen. Die eine Geſpielin war ein junges Mädchen, Namens Roſina, welche die Milchſchweſter des Fräuleins geweſen war, und nun die Stelle einer Zofe bei ihr be gleitete; der andere Gefährte war ihr Vetter Eugen de Beaugency, der eine Waiſe und ganz von ihrem Vater abhängig war, weil Eugen's Vater in Folge eines poli tiſchen Vergehens vor der Revolution ſein ganzes Ver mögen verloren hatte. Man ſagte ſich ſogar, die Fa milie Beaugency ſeie auf dem Punkte geweſen, dieſes Schickſal zu theilen, und einige ſchwere Geldbußen, welche ihnen damals auferlegt worden waren, hätten ihr Ver⸗ mögen ſo ſehr heruntergebracht, daß ſie nun ſehr ſpärlich und eingezogen leben mußten. Wie dem nun auch ſein mag, Henriette ſchien ſehr zufrieden mit ihrem Loos. Eugen theilte ihren Unterricht wie ihre Spiele, und ſie wuchſen in wahrhaft geſchwiſterlicher Liebe und Vertraulichkeit auf, während der alte Herr von Beaugency gar nie eine Ahnung gehabt zu haben ſchien, daß zwiſchen den beiden jungen Leuten je ein anderes Gefühl entſtehen könne. Auch hatten die jungen Leutchen ihrer zärtlichen Empfin⸗ dungen gar keinen Hehl, und gerade dieſe Offenheit ſchlä ferte vielleicht des Vaters Argwohn ein. In der That floß ihr Leben ſo ſanft und glatt dahin und ihr Verkehr war ſo zwanglos, daß auch niemals nur der mindeſte Zwiſchenfall ſie ſelber über die Natur ihrer Gefühle auf klärte, während die Zuneigung und Anhänglichkeit Beider an einander unter des Vaters Augen ſo allmälich heran gediehen war, daß jenem ihre unſchuldigen Ausdrücke ge genſeitiger Zärtlichkeit und ihre ſcherzenden Liebkoſungen nur als natürliche Kundgebungen der Beziehung erſchienen, in welcher Beide mit einander ſtunden. Henriettens erſter Kummer war die Trennung von Eugen, als dieſer nach Paris abgehen mußte, um dort die Rechte zu ſtudiren, und es war eine Art Troſt für ſie, daß ihr eigener Kum- mer über dieſen Abſchied kaum geringer war als der ihres Vaters; und als ſie die Wochen und Tage zählte, wie der Zeitpunkt ſeiner Rückkehr wieder herannahte, war der alte Edelmann nicht minder froh als Henriette, daß die Zeit ſo raſch dahinſchwand.

Dieſe Harmonie und dieſes Glück währten einige Jahre ununterbrochen fort; endlich aber ſchien ein, wenn auch anfangs nur unbedeutendes Element der Zwietracht ſich geltend zu machen durch die Ankunft eines gewiſſen Grafen Ruy Gonzalez, welcher eines Tages mit Vater und Tochter von einem ihrer jährlichen Ausflüge nach Katalonien zurückkehrte. Der Graf war ein bildſchöner Mann von ſtattlichem, vornehmem Aeußern, etwa dreißig Jahre alt und dem Vernehmen nach ſehr reich; allein in ſeinen Zügen lag ein Ausdruck von ſtolzer, unbeugſamer Würde und tiefem Ernſt, welche die Leute in weit höherem Maaße abſtießen, als ſein vortheilhaftes Aeußere und ſeine feinen Manieren anzogen. Dieſes unfreundliche Aeußere ſchien jedoch bedeutend gemindert, wo nicht ganz beſeitigt in Gegenwart des Fräuleins von Beaugency, gegen welche er gar bald eine innige Verehrung an den Tag legte, während der Vater offenbar dieſe Werbung ſehr unterſtützte und ermuthigte. Selbſt die junge Dame ſcheint trotz der Anhänglichkeit an ihren Vetter nicht ganz unempfindlich geweſen zu ſein gegen das Bewußtſein, dieſen ſtolzen ſchönen Katalonier unterworfen zu haben, welcher auf Erden herumging wie ein Erzengel, als ware es Herablaſſung von ſeiner Seite, einen Fuß auf dieſelbe geſetzt zu haben. Sie mag deßhalb auch ſeine Bewer bungen nicht auf ſo offene und entſchiedene Weiſe abge lehnt haben, daß ſie denſelben ein Ziel ſteckte, obwohl ſicherlich, wenn ſie dieß gethan hätte, zumal in Anbetracht des Charakters, mit welchem ſie zu thun hatte, die end

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liche Entwicklung dieſes Verhältniſſes wohl nicht ſo tragiſch geworden wäre, als ſie ſpäter ward. Inzwiſchen fühlte ſich Henriette äußerſt glücklich; genoß ſie doch Vergnü⸗ gungen aller Art, ward ihr auf die verbindlichſte Weiſe gehuldigt, und ſah ſie ja binnen Kurzem der Rückkehr ihres Vetters entgegen! Des Spaniers Stolz machte ihn nämlich äußerſt behutſam, ſo daß er die Möglichkeit einer abſchlägigen Antwort oder auch nur einer Säum niß oder Bedenklichkeit Henriettens, ſeine angebotene Hand anzunehmen, ganz vermied und ſeine Werbung kluger Weiſe bis zu einem Zeitpunkt zu verſchieben Sorge trug, wo ſie gerne angenommen, oder wie er wohl wußte, von Henrietten ſelbſt gewünſcht werden würde. Dieß Alles ging ziemlich gut bis Eugen heimkehrte; nun änderten ſich aber die Verhältniſſe ſehr ſchnell. Die Liebe trug den Sieg über die Eitelkeit davon, und der Spanier begann die gehäſſige Seite ſeines Charakters herauszukehren, nun er ſich von dem jungen Advokaten ausgeſtochen ſah. Als das junge Mädchen dieß wahrnahm, erſchrack ſie nicht wenig und ſuchte das Unheil, welches ſie ahnte, dadurch abzuwenden, daß ſie Zeit zu gewinnen verſuchte; ſie machte alſo den Grafen glauben, die Neigung zwiſchen ihr und Eugen ſchreibe ſich nur von Gewohnheit und blutsverwandtſchaftlicher Vertraulichkeit her, waͤhrend ſie andererſeits Eugen ſtets ihre unwaͤndelbare Treue und Liebe betheuerte. Ihre Furcht vor irgend einem Unheil war ſo groß, daß ſie im Stillen ihren Vater ebenſo täuſchte als den Spanier, und als dieſer entſchloſſen ſchien, den Vortheil nicht ungenützt zu laſſen, welchen ihm des Vetters Abweſenheit eingeräumt hatte, war ſie wahrhaft froh, als des Vetters Aufenthalt zu Ende ging.

(Fortſetzung folgt.)

Kirchenbuchs⸗Auszug von Friedberg. Monat Juni. Getraute:

9. Johann Georg Mörſchel, Burger zu Melbach und Gemeindeeinnehmer zu Altenſtadt, des verſtorbenen Bürgers und Taglöhners zu Melbach Johann Fried rich Mörſchel lediger Sohn, und Anna Margaretha Caroline Friedericke Dauernheim, des verſtorbenen Gr. Grenzeinnehmers Johann Martin Dauernheim eheliche ledige Tochter.

12. Heinrich Raab, Feldwebel im 2. Bataillon des 4. Gr. Heſſ. Infanterieregiments, des verſtorbenen Gr. Kriegskanzleiwärters Johannes Raab zu Darmſtadt ehelicher unverheuratheter Sohn, und Juliane Germer, des verſtorbenen hieſigen Bürgers und Taglöhners Auguſt Germer eheliche unverheurathete Tochter.

19. Valentin Düring, hieſiger Bürger und Bedienter zu Frankfurt, lediger Sohn der Magdalena Düring zu Wieſenfeld, im Großherzogthum Sachſen-Weimar, und Marie Wilhelmine Ferro, des hieſigen Bürgers und Muſikus Samuel Heinrich Karl Ferro eheliche ledige Tochter.

26. Georg Schimpf, hieſiger Bürger und Schreiner, des hieſigen Bürgers und Feldſchuͤtzen Philipp Schimpf ehelicher unverheuratheter Sohn, und Johanne Friede ricke Schmid, des Bürgers und Weingärtners zu Stetten im Königreich Würtenberg, Gottfried Schmid eheliche unverheurathete Tochter.

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