Ausgabe 
17.12.1853
 
Einzelbild herunterladen

4.

Durch die Straßen von Neapel zog die fünfzigtau ſend Mann ſtarke Nationalgarde. Alle Plaͤtze und Straßen waren von Menſchen gefüllt. In allen Kirchen der Stadt wurden Anſtalten zur Feier des großen Landespatrons, des heiligen Januarius, gemacht. Eine beſondere Leb haftigkeit aber herrſchte am ſonnigen Meergeſtade. Un ter den unzähligen Kähnen, Gondeln und Schiffmühlen ragte ein großer venetianiſcher Kauffahrer hervor. Ma jeſtätiſch flatterte auf ſeinem Maſte der Löwe des heiligen Markus und die Schiffsleute rollten Ballaſt von dem Hafendamme hinab, um ihn auf den ſchwankenden Flößen in das Schiff zu bugſiren. Am ſonnigen Verdecke des Dreimaſters ſtand der gebräunte Schiffsherr in einen feinen perſiſchen Kaftan gehüllt, auf dem Haupte eine venitianiſche Mitra und dichte, blaue Wolken aus ſeinem Bambusrohe vor ſich wirbelnd. Dabei ſchlürfte er von Zeit zu Zeit aus einer blauen Schale von venetianiſchem Glaſe, welche ihm ein dicker Mohr kredenzte.Mis ra, nahm der Kauffahrer das Wort und blinzelte wohlgefällig über den Quai hinüber;Misra, ſiehſt Du das Mädchen auf dem Quai, lieblicher als die Sterne Arabiens, an muthsreicher als die Koͤnigin im Harem des Kalifen?

Misra nickte, und auf das Geſtade zu eilten zwei ſchlanke Geſtalten mit ſuchender Geberde.Geh', wirf Dich in's Boot, Misra, herrſchte der Kauffahrer dem Sclaven zu,und forſche, was die Liebliche mit ihrem Blicke zu erſpähen ſucht. Der liſtige Venetianer hatte ſich nicht verrechnet, der Mohr erfuhr bald aus dem Munde der Einen der beiden Geſtalten, daß ſie ein Schiff ſuchten, um nach Livorno zu ſegeln, wo die Eine ihren Gatten zu finden hoffe.Recht, Signora, ſagte der Mohr,wir lichten am nächſten Morgen die Anker, und ſind die Winde nur halb günſtig, ſo ſind wir in zwei Tagen an Ort und Stelle. Die ältere der beiden Frauen nickte mit dem Kopfe und der Mohr bahnte eine Straße durch die dichte Volksmenge und führte ſeine ſchöne Beute den Hafen hinab, bis in die Gegend, wo das Schiff ſeines Herrn vor Anker lag

Der Schiffsherr ließ ſogleich Südfrüchte und ſüßen Wein auf das Verdeck bringen, und muſterte mit italieni ſchen Feuerblicken die beiden ſchlanken Frauengeſtalten. Er bot alle Redekünſte auf, die beiden Damen zu bewegen, ſich zu entſchleiern. Vergebens, die Aeltere unterhandelte mit ihm um den Preis der Ueberfahrt nach Livorno, und als ſie hierüber ohne Schwierigkeit einig geworden waren, ſchützte ſie Müdigkeit vor, welche ſie nöthigte, ſogleich um eine abgeſonderte Kajüte im Schiffsraume zu bitten. Dort angelangt, warf ſich die jüngere der beiden Frauen auf das Lager, um ihren heißen Thränen freien Lauf zu laſſen. Ach, Anna, rief ſie ſchmerzvoll,wann wird endlich das Unglück müde werden, mich zu verfolgen! Aus den friedlichen Fluren der ſtillen Heimath geleitete es mich in die rauhen Steppen des Moskowiterlandes und wieder an die lachenden Ufer der Veſupſtadt.

Geduld, Signora,, entgegnete die Andere,auch das Unglück ermüdet endlich, den Dulder zu verfolgen und erſieht ſich andere Opfer; denkt Ihr leidet....

Schuldig, fiel Jene ein,wohl habe ich mein Schickſal verdient, und die Nemeſis vergilt den obgleich minder ſchweren Treuebruch, denn ich folgte ja doch nur dem Zuge meines Herzens, und Lauretta wird auch dann nicht verzweifeln, wenn es ihr nie wieder gelänge, ihren Gatten zu finden.

Faſſet Muth,, tröſtete Anna;in Livorno trefft Ihr Kapitän Bollieu ſicher; er ſteht im Dienſte des nigs von Neapel, und eine Namensverwechslung iſt ja

2396

nicht leicht denkbar. Indeß hatte die Jüngere ihren Schleier abgelegt. Da vernahmen die beiden Frauen ein Geräuſch an der Schiffswand, als ob ein Ballen auf den Bretterboden gefallen wäre. Sie ſchracken zuſammen, faßten ſich jedoch ſchnell wieder und legten ſich unausge kleidet auf die beiden in der Kajüte aufgeſpannten Hänge⸗ matten.

Indeß ſaß der Schiffsherr ſinnend und von Zeit zu Zeit ſein langes Bambusrohr vom Munde entfernend, in ſeiner mit orientaliſchem Luxus verzierten Kajüte. Selt ſame Gedanken durchjagten ſein Gehirn. Die beiden Frauenbilder hatten den, Eindruck auf ſein, für jede Schön heitsform empfängliches Herz nicht verfehlt.

Was ſoll's? rief er brummend, als der liſtige Mohr in ſeine Kajüte trat.

Ali ſei gelobt, rief der Kleine voll liſtiger Scha⸗ denfreude.Herr, was birgt Euer Schiff für zwei Edel ſteine in ſeinen Tiefen. Fatime, die hohe, vor welcher der Prophet im Staube lag, iſt nicht zu vergleichen dieſen Perlen....

Schweig', rief der Kaufherr,Deine Zunge iſt ſtets ſchneller, als Dein Auge.

Mein Auge, entgegnete der Mohr geheimnißvoll, hat ſo eben die Blume des Lebens, die Sonne der Klar heit geſehen, und wäre Dein Diener nicht von der Tonne, die ihm zum Stützpunkt bei ſeinem verwegenen Unter nehmen diente, herabgefallen....

Genug, rief der Kaufherr,mein Entſchluß war gefaßt, ehe ſie mein Schiff betraten, dieſe lieblichſten aller Frauenbilder, rufe ſie, rufe ſie, Mis ra!

Der Mohr ſprang pfeilſchnell in die Kajüte. Der Schiffsherr folgte ihm auf dem Fuße nach und trat mit ihm zugleich in die Kajüte der beiden Frauen. Mit zu⸗ vorkommender Höflichkeit erſuchte er dieſelben, ihm zu folgen, und ſchien zufrieden, als die Aeltere, die er auch für die Schönſte hielt, bereit war, in ſeine Kajüte zurück⸗ zukehren. Dort ergeiff der Venetianer ein kleines Pfeif chen und kaum wirbelte der Ton deſſelben durch die Lüfte, als auch ſchon ein reges Leben auf dem Schiffe begann. Eine Trommel ertönte am Oberdecke, bärtige und wild ausſehende Männer kamen zwiſchen dem Tauwerk und, auf den Schiffstreppen zum Vorſchein und füllten Augen⸗ blicks das den Sonnenſtrahlen ausgeſetzte Verdeck, die Maſten knarrten, das Tauwerk rollte herum, und ſtarke Segel entfalteten ſich vor dem Winde.

Signora, ſagte der Schiffsherr,das Schiff lichtet ſo eben die Anker und wir werden eher die hohe See ge⸗ winnen, als Ihr hofft; ich freue mich, zwei ſo herrliche Blumen in meinem Schiffe zu ſehen, legt doch den Schleier ab, Signora, ſetzte er höflich hinzu,ich bin ein Freund der Schönheit! Betroffen wich Anna zurück vor dem vertraulichen Tone des Schiffsherrn. Dieſer aber, der ſeine Derbheit nicht länger zügeln konnte, griff mit roher Hand nach dem Schleier, und zog ihn vom Geſichte der Zurücktretenden. Wie erſtaunte er aber, als ein beinahe häßliches Geſicht einer bereits ein halbes Jahrhundert überſchreitenden Zofe ihm entgegenſtarrte; dieſe Täuſchung brachte ihn aus der angenommenen Schmiegſamkeit. Fluchend eilte er die Treppe hinab in die Kajute, wo Lauretta, ſchön wie eine dem Meer ent ſtiegene Venus, ſchlummerte.Dieſe war's, rief er mit lauter Stimme,die ich am Meeresgeſtade ſah, und auf deren Hereinlockung der Mohr ausgeſandt war, ja! Doch bald merkte er, daß er zu viel geſprochen hatte; ohne je doch aus der Faſſung zu kommen, ſagte er kaltblütig: Wozu die Maske, Signora, Ihr ſeid nun einmal fur meinen Harem beſtimmt und geht mit mir nach Marokko,

wohin 0 wild.

1 0 nit ſul aun

au e gen 1 gewin, den f hecken die det Schiff.

Meeres p!

Bekallll

Mai! (4901

Wecchen wart

laſſormirüng

dem Soume

J. die Ves

453/

(wa

474 0

ſowis

1467

l. die Anf.

3 fein

pal

3 fein

ho

39 or

Ul. die Lief,

3 fein

vergeben wer

Die Bidir

dem Bureau

hofe dahier;

die Submiſſ

Aufſchriſt chen find.

Den Geb

ſind die

beizuſch

genannten

ber l J.,

Gießen

A 6913 tiſchem Con nand Maxi in Wächter Bönſtadt g.

kann urkun Etwaige binnen 3 J genfalls da Friedrich g Mutatiops⸗

Altenſt

Sg (91) die hieſige Pfund beſf an den W don man

fügen j Doumuſſio lch led

2 in der Wa