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Empfang nimmt! alſo geliebt.
Thereſe Aubert.
Wahrheit und Dichtung in Form einer Memoiren⸗Novelle. Von Charles Nodier.
(Fortſetzung.)
Thereſe drückte meine Hand, führte ſie nach ihrem Munde. Ich küßte ſie, ſie ſchob mich ein wenig zurück. Ihre Lippen waren trocken und brennend. Als ich etwas ausgeruht, und meine innere Bewegung ſich mehr gelegt hatte, bemerkte ich, daß uns Niemand mehr umgab, und daß Thereſe ihr Geſicht mit ihrem Leintuche bedeckt hatte. Ich verſtand, glaubte wenigſtens ihre Abſicht zu verſtehen. Der Gedanke empörte mich, daß ſie mich nicht für fähig halte, ſie zu ſehen, und trotz der Entſtellung durch ihre Krankheit zu lieben.—„Du liebſt Deinen Adolph nicht mehr„, ſagte ich leiſe zu ihr,„weil Du ihn nicht mehr ſehen willſt.„—„Adolph,“ ſagte ſie noch leiſer,„vergiß doch nicht, daß Du Antonie heißſt...“—„Sie ſind alle hinaus,“ fuhr ich fort;„es iſt Niemand als Du und Dein Adolph anweſend, den Du nicht ſehen willſt.“ Sie drückte meine Hand, erhob den Kopf, ließ ihn aber wie— der unter das Tuch zurückſinken, welches ſie wie ein Leichentuch bedeckte. Dieſer Gedanke widerte mich an; ich wollte es daher wegreißen, ſie hielt es feſt.—„Den ich nicht ſehen will!“ liſpelte ſie mit einem Seufzer, der mir in's Herz ſchnitt.„Sage, den ich nicht mehr ſehen kann, und den ich nie mehr ſehen werde. Thereſe iſt für Adolph nicht mehr als ein Geiſt, als der Kopf des Ske⸗ letts, welches auf dem Kirchhofe herumgeworfen wird; denn ſie hat keine Augen mehr!“—„O ſchweige,“ ſagte ich, ſie näher an mich ziehend;„Dein armer Geiſt redet irre; er iſt geſchwächt und verwirrt durch Deine Krank- heit.“—„Wenn er Dich nicht ſelbſt irre leitete, ſo wür⸗ deſt Du mich nicht ſo grauſam täuſchen.“ Sie warf das Tuch vom Geſichte zurück, und wendete ſich gegen mich, wie wenn ſie mich anſähe. Ich ſah keine Augen an ihr, aber weil ich die Folgen der Blattern nicht kannte, ſo machte ich mir auch nur einen ſehr unbeſtimmten Begriff davon.—„Dieß iſt ein ganz gewöhnlicher Fall,“ ſagte ich,„der aber nicht länger als die Krankheit anhält, und der Dich nicht erſchrecken darf.“ Sie lächelte, ergriff meine Finger, führte ſie gegen ihre Augenhöhlen und drückte ſie hinein. Sie waren hohl. Ich erbebte unwill— kurlich, denn ich hätte ihr gern verborgen, was ich em— pfand, aber ſie hielt meine Hände in den ihrigen; ſie drückte ſie lebhaft und ließ ſie dann los, wie wenn ſie mir die Freiheit hätte damit geben wollen. Ich errieth ſie, faßte daher ihre Hände wieder, hielt ſie mit Gewalt feſt, und weinte bitterlich.—„Thereſe, rief ich aus,„wie glücklich ſind die, die ſo lieben wie Du! Wie zart und leicht ſind die Bande derſelben! hätteſt Du den blinden Adolph verlaſſen!“ Sie wollte mich unterbrechen; ich fuhr aber fort:„den Adolph, den Du aufgenommen, er— nährt, gerettet, kaum wage ich mehr zu ſagen, den Du geliebt haſt! hätteſt Du den verlaſſen, weil er noch un⸗ glücklicher geworden iſt! ſo weit ging Dein Mitleiden, aber nicht weiter! Ein Schuß kann auch mich des Ge— ſichts berauben, und Adolph hat dann Niemand, der ihn liebt, führt, der die Gaben der Mildthätigkeit für ihn in So liebſt Du mich alſo, ſo haſt Du O! ich hoffe zwar, daß Du nicht blind biſt; aber wenn Du es wäreſt, würde ich aufhören Dich zu ſehen und für Dich zu leben? Sage, vermöchte ich Dich zu verlaſſen, ohne zu ſterben? Der Blinde hat einen Hund, der ihm voranſchreitet, der ihm dient, der für ihn durch Stellung und Blicke die Mildthätigkeit der Vor— übergehenden anfleht, einen Hund, von dem er geliebt
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wird; und das, was er von einem Thiere erwartet, ver⸗ möchteſt Du nicht von Herzen deſſen erwarten, den Du auserwählt haſt? Nein, Thereſe, Du brauchſt keine Augen, ſo lange Adolph welche hat, um über Dir zu wachen; und wenn er es bedürfte, von Dir geſehen zu werden, von Dir allein ewig, ſo müßteſt Du es der Liebe zu gut halten! Aber hier, in Deinem Herzen, ſiehſt Du ihn denn nicht noch immer?“—„O! immer, immer,“ ſagte Thereſe.„O! ich ſehe Dich ſogar beſſer. Ich habe Dich nie ſo gut geſehen: ich ſehe ſogar die Falte an Deiner Stirne, die Bewegung Deiner Augenwimper, die kleine Schmarre auf Deiner Oberlippe, und werde es ſogar länger ſehen als die anderen Frauen. Aber warum willſt Du Dich an einen Leichnam hängen? Ich falle Dir be—⸗ ſchwerlich?“ ſetzte ſie hinzu.„O! ich kenne meinen Adolph wohl, und würde auf Erden nicht auf ihn Ver⸗ zicht leiſten, wenn ich nicht wüßte, wo ich ihn wieder⸗ fände! Aber ich werde ihn eines Tages wiederfinden, um mich nie mehr von ihm zu trennen. Du darfſt thun, was Du willſt,“ fuhr ſie fort, indem ſie mit ihren Fingern durch meine Haare fuhr;„Du kannſt leben und lieben, dieß iſt ganz in der Ordnung; aber Deine ewige Zukunft gehort ganz allein mir. Dann habe ich auch, und für immer, meine Schönheit, meine Jugend, meine Augen wieder.“ Ich hatte keine Kraft mehr, ihr zu antworten; das Gewicht meiner Schmerzen erdrückte mich. Ich meinte, die Thränen, mit denen ich ihre Hand benetzte, müßten für mich ſprechen; konnte ſie ſie aber nicht fuͤr Mitleiden halten, jenes allgemeine und bequeme Mitleiden, wie es andere Menſchen für Ihresgleichen fühlen, und welches nicht das Leben deſſen, der es fühlt, verbindlich macht? Ihre Hand war aber ſo todtenweiß, ſo kalt! Sie konnte vielleicht meine Thränen nicht einmal fühlen. Ich begriff, daß mir eine verſtändliche Sprache fehlte, da die ſicht— baren Zeichen für ihre Augen verloren waren, das Drücken meiner Hand vielleicht von der ihren, das ſie kaum erwiderte, nicht empfunden werde, meine Sprache mit ihren allgemeinen Ausrufungen und kalten Schwüren, deren ſich Liebende bedienen, um damit zu täuſchen, nicht einmal ſicher zu ihrem Herzen gelange. meinige öffnen mögen, und wünſchte nichts inbrünſtiger, als daß ihre Augen elne Minute, nur eine Minute ſich oͤffnen könnten, damit ſie ſich zu überzeugen vermöchte, daß ich ſie nicht täuſche. O! dieſer Gedanke erregte eine unausſprechliche Wonne in mir, für deſſen Erfüllung ich gern geſtorben wäre! In dieſer Ohnmacht mich verſtänd— lich zu machen, zerriß ich mit meinen Zähnen ihr Leintuch, ich erſtickte meine Seufzer darin, ich trocknete meine Augen damit ab, indem ich mit aller Macht ſie drückte,
um die Thränen zu ſtillen, von denen ſie angefüllt waren. Ich wünſchte ſie zu verlieren!—„Willſt Du,“ ſagte ich zu ihr,„willſt Du, daß ich dieſe
Augen herausreiße, die Dir mißfallen, und daß wir unſer Gebrechen von Stadt zu Stadt ſchleppen, und uns der Gnade des Himmels und mitleidiger Men— ſchen überlaſſen? Sprich, willſt Du, daß ich blind ſei, und daß ich durch zwei Stöße mit meinem Dolche dieſen elenden und unglücklichen Vortheil aufhebe, den die nur zu ungerechte Natur mir heute über Dich verleiht? Dann wird man ſagen: Hier ſind zwei Liebende, die Geliebte, welche die Augen durch die Blattern verloren, der Ge— liebte, der ſich geblendet hat, um ſeiner Geliebten ſich gleich zu machen; ſie durchwandern die Welt, einander getreu und glücklich, denn ihr Glück beſteht darin, daß ſie ſich lieben; dieß wird man ſagen, zweifle nicht daran, und man wird ſich unſeres Elendes erbarmen!“
(Fortſetzung folgt.)
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Friedberg! 2
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(1426) Dae caliſchen ſog. g berg, in Aepfel beſtehend, wird tags 9 0 2 U⁰ Die Ver Thürmen. f Friedberg


