Ausgabe 
5.3.1853
 
Einzelbild herunterladen

2 74

Von Ihrer auf dieſes Schreiben erlaſſenen Verfuͤgung wollen Sie uns Nachricht geben.

Darmſtadt den 10. Januar 1853.

G'öͤr tz. Der verlorengegangene Brief. Ein Lebensbild in Novellenform von C. Baldamus. (Fortſetzung.)

Emilie glaubte unter der Laſt ihres Kummers er⸗ drückt zu werden, aber den Eltern zu Liebe gab ſie ſich alle Mühe, ſtark und ſtolz zu erſcheinen, obgleich ihr der Gram beinahe das Herz brach. Sie erwähnte nun Guſtav's niemals wieder, und that als hätte ſie ihn nie gekannt; allein ihre Gedanken beſchäftigten ſich ſchlafend und wachend nur mit ihm. War es denn in der That möglich, daß ſie ihn niemals oder wenigſtens nicht noch einmal wiederſehen ſollte! Jyr Herz ſagte ihr, er würde dann gewiß zu ihr zurückkehren und ſie heimführen; die Vernunft aber flüſterte ihr zu, es ſei Wahnſinn dieß zu denken, und ermahnte ſie, ſich mit Faſſung in das Unver meidliche zu fügen. Noch war ihr dies nicht möglich, ſo ſehr ſie ſich auch anſtrengte. Monat um Monat verſtrich von dem trüben langweiligen Winter; ihre wohlwollenden Eltern ſuchten ſie durch alle möglichen Genüſſe zu zer⸗ ſtreuen, und ſie nahm mechanisch an denſelben Theil, halb aus Gleichgültigkeit über Alles, was mit ihr vor⸗ ging, halb aus Dankbarkeit gegen die gütigen Eltern. Endlich wich der Winter, die Tage wurden langer, die Natur kleidete ſich in ihr ſchönſtes Gewand, allein die Lenzblumen und die lauen Lüfte des Frühlingshimmels riefen keine Blüthe mehr auf Emiliens Wangen wach. Ihre Freuden waren verblüht, in ihrem Lebensfrühling hatte ein jäher Froſt ſeinen zerſtörenden Einfluß geltend gemacht. Die einzige Hoffnung, die ſie noch belebte, war die Hoffnung, welche die Verzweiflung aufrecht erhält.

An einem Morgen, in den erſten Tagen des Juni, führte ein Zufall ihr eine der neueſten Zeitungen aus der Reſidenz zu Geſicht; mechaniſch das Blatt mit den Augen überfliegend, erfaßte ihr Blick unter den Anzeigen einen Namen, bei deſſen Anblick ſie jählings zuſammenbebte. Es war der Name des Mannes, mit welchem ſie in dieſen Tagen vor den Altar hätte treten ſollen. Guſtav benach⸗ richtigte darin Freunde und Bekannte von ſeiner ſo eben vollzogenen Verbindung mit Fräulein Friederike Kettner. Emilie ſtieß keinen Schrei noch Seufzer aus, ſondern ſchlug mit einem Blicke ſtummer Verzweiflung die Hände über dem Kopf zuſammen und ſank in tiefer Ohnmacht zu Boden. Viele Tage lang lag ſie ſehr krank, und manch- mal im wildeſten Delirium; ihre Mutter verpflegte ſie mit der aufopferndſten Zärtlichkeit, und des Vaters einziges Bemühen war, ſie zu tröſten und einigermaßen wieder aufzurichten. Langſam genas Emilie wieder und war von jener Zeit an nicht mehr ſo unglücklich. In Fällen wie der vorliegende muß nicht allein die entſetzliche Erſchütte rung überwunden werden, welche unſere Neigungen er

Snell.

fahren haben, ſondern auch die gewaltige Störung aller geiſtigen Fähigkeiten, welche aus der jähen Trennung unſeres Gemüthslebens von denjenigen Gegenſtänden und derjenigen Zukunft entſpringt, nach denen wir uns ſeither ſo heiß geſehnt haben. Nicht allein das ſchwerverwundete Herz muß geheilt, ſondern dem ganzen Strome unſerer Gedanken und Empfindungen ein neuer Kanal verſchafft werden, damit er das gewohnte Bett der ſtillen Freude wiederfinde. DasSchlimmſte,, wie man es gewöhnlich nennt, iſt übrigens leichter zu ertragen, als die Ungewiß⸗ heit und der Zweifel. So kam es auch, daß Emilie, ob gleich ihr Gemüth nicht mehr die frühere Spannkraft und Heiterkeit wieder erlangte, doch allmählich ſich ganz in ihr Schickſal ergab, und verhältnißmäßig wieder recht ge faßt und munter erſchien.

Mehr als Jahresfriſt war ſeit jenem Junimorgen verfloſſen, an welchem Emilie den unwiderlegbaren zweifel loſen Beweis von dem Treubruch ihres Geliebten erhalten hatte, als ihr ein wohlhabender adelicher Grundbeſitzer aus der Nachbarſchaft ihres Heimathsortes, ein Mann von guter Familie und großem Anſehen, einen Heiraths antrag machte. Er hatte ſie in einer Geſellſchaft geſehen und war von ihrer Schönheit bezaubert worden, ob gleich Emiliens widrige Erlebniſſe bereits den Schmelz der erſten Blüthe davon abgeſtreift hatten; nach wenigen Begegnungen in Geſellſchaften warb er ſodann bei ihrem Vater förmlich um ihre Hand, ehe ſie noch etwas von ſeiner Neigung geahnt hatte. Sie war natürlich wenig geneigt, ein neues Verlöbniß einzugehen und würde den Freier entſchieden abgewieſen haben, hätten ihre Eltern nicht ſo ſehr in ſie gedrungen, dieſe in jeder Hinſicht preis⸗ würdige Verbindung doch ja nicht auszuſchlagen. Dieſem Andringen gab ſie endlich nach, und überredete ſich hiezu durch die Vorſtellung, es ſeie ja nur noch ihr einziger Lebenszweck, den Ihrigen Freude zu machen; bevor ſie aber dem Herrn v. Schönfeld das Jawort gab, verlangte ſie, daß er mit der Geſchichte ihres früheren Verlöbniſſes und mit dem gegenwärtigen Zuſtande ihrer Gefühle be kannt gemacht werde. Sie hegte dabei die geheime Hoff nung, Herr v. Schönfeld werde ſeine Bewerbung auf geben, wenn er erfahre, daß ſie kein Herz mit ihrer Hand wegzugeben habe. Hierin irrte ſie aber gewaltig; Herr v. Schönfeld wußte allerdings, daß es ein WortHerze gebe, das in Romanen und Dramen ſehr häufig vorkomme und gar oft in Predigten citirt werde; allein es war ihm noch niemals in den Sinn gekommen, daß dieſes Ding Herz in irgend einer Beziehung zu ernſteren Lebensge ſchaften ſtehen könnte. Er war daher mit Emiliens Ant wort ebenſo zufrieden, als wenn ſie ihm geſtanden hätte, daß er ihre erſte, innigſte Jugendliebe ſei. Die Hochzeit fand bald darauf ſtatt und die ernſte Braut folgte ihrem Gatten nach der neuen Heimath, dem Rittergute Schön feld⸗Ellerhofen, das mit ſeinem alterthümlichen Schloſſe und ſchönen großen Park in einem der ſchönſten Theile der Rheinprovinz gelegen war.(Fortſetzung folgt.)

Bekanmmachungen von Be⸗ hoͤrden.

dazu eingeladen.

than hat, ſind von dem Unterzeichneten hoͤflichſt

Friedberg den 1. März 1853.

im Salzderg, worin geſchält wird, kann vor der Verſteigerung beliebig eingeſehen werden. Oberros bach den 23. Februar 1853.

N

Bekanntmachung.

(315) Nach hoher Verfügung der Großh. Heſſiſchen Oberſtudien⸗Direktion wird bis den 11. März, Vormittags von 8 bis 12 Uhr, die diesjährige öffentliche Prüfung der Taubſtummen in unſerer Anſtalt auf dem hieſigen Rathhauſe vorgenommen werden. Alle, welche ſich über⸗ zeugen wollen, was der Herr auch in dem ver⸗ floſſenen Schuljahre an dieſen Unglücklichen ge⸗

V

* 2 1 2

...

Roller, Gr. Direktor der Anſtalt.

Verſteiger ung von Eichen⸗Lohrinden im Revier Oberrosbach.

(317) Montag den 14. März l. J., des Vormittags um 10 Uhr, ſoll das Ergebniß der diesjährigen Eichen⸗Lohrinde im Gemeindewald der Gemeinde Oberrosbach, circa 500 Centner, auf dem Rathhauſe daſelbſt an die Meiſtbie⸗ tenden öffentlich verſteigert werden. Der Schlag

* 9

Der Großherzogl. Bürgermeiſter Blecher.

Concurrenzeröffnung.

(320) In der israelitiſchen Gemeinde zu Hochweiſel, im Kreiſe Friedberg, iſt die Stelle eines Religionslehrers mit einem jährlichen Gehalt von 70 fl. nebſt freier Koſt und Logis, odor auch mit 15 0 fl. auf eigene Verköſtigung, erledigt.

Concurrenzfähige Bewerber haben ſich binnen

lich naß degree 10

53 925 J U 0 um haue ein zum? Villwe gebe auf dem Kram hintend verpac zriedberg

Arb (830) De den Kameral⸗ im Baubezirk auer, Zimn ſet⸗, Weißbi Anliefern von und Pflaſterft Tagen an die feigett:

Mittwoch d Uhr, auf dem ngen Gebäm

Donnerfta Ubr, zu Irn Gebäuden zu Niedermörlen, chen, Burggr und Winterft

Freitag der auf dem Raf bauden zu B. Oppershofen.

Ftiedber

Di

Hol (831) Do mittags 9 1 Mollet in Er Mumburger hrſteigert, al

Schle

5 Stuck

Wagner

18 00 Klaft

5