Ausgabe 
2.7.1853
 
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fuͤr die

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M31.

Sonnabend den 2. Juli

1853.

Amtlicher Theil. Oeffentliche Nachricht.

Durch die Verſetzung des Herrn Bergrentmeiſters Textor als Obereinnehmer nach Umſtadt, hat derſelbe den Vorſitz in der Verwaltungs-Commiſſion der von Schrauten⸗ bachiſchen Stiftung niedergelegt, und es hat den Vorſitz in derſelben Herr Reallehrer Müller von hier übernommen. Indem ich dieſes hierdurch zur Kenntniß der betheiligten Gemeinden bringe füge ich an, daß die Verwaltungs-Com⸗ miſſion gedachter Stiftung nunmehr aus folgenden Perſonen beſteht:

1) Hrn. Reallehrer Müller dahier als Vorſitzender, 23 Domainenrath Buß dahier, und 3)M Profeſſor Dr. Sell dahier.

Friedberg den 28. Juni 1853.

Großh. Heſſ. Kreisamt Friedberg de Beauclair.

Der alte Sergeant. Von Dr. Th. Meper. (Fortſetzung.)

Eine neue Schaar Verzweifelter(denn ſie ſahen ſich von andern Truppencolonnen bereits im Rücken bedroht), hatte ſich wieder hinter einer Barrikade aufgeſtaut und wollte ſich nimmer ergeben, trotz der Aufforderung. Leb haft pfiffen die Kugeln, Keiner, weder Freund noch Feind achtete mehr ihrer; da hörte im Getümmel jener junge Offizier hart hinter ſich das Aufſchlagen eines Gewehres auf dem Boden und ein halb unterdrücktesDonnerwetter! Er ſah ſich um, auf der Erde lag der graue Veteran, eine Kugel hatte ihm die Hüfte getroffen. Trotz der Hitze des Gefechtes ergriff der brave Offizier den Alten gleichwohl ſelber unter den Armen und trug ihn ſorglich aus dem mörderiſchen Gewühl bei Seite. Er forſchte genau nach ſeiner Wohnung und wies dann zwei der Kämpfenden an, den Verwundeten dorthin zu ſchaffen. Als man dieſen forttrug, wiederholte der Andere noch einmal fragend die genannte Straße und Hausnummer und verſprach, wenn Alles glücklich vorbei, ſeinen braven Kameraden beſuchen zu wollen. Darauf eilte er, eiferſüchtig auf einige Mobil garden, die ſchon weiter als er vorgedrungen waren, wie der in den Streit hinein. f 8

Wohl ſiegten endlich auch hier die Truppen der

Republik, aber noch lange und gräßlich wüthete ſo der Kampf fort, nur ſelten unterbrachen Pauſen den Donner des Geſchützes und dieſe Pauſen waren ängſtigender als das Gefecht ſelber, weil nach ihnen das Gefecht ſtets grauſamer entbrannte, während ihrer aber die geſammeltere Seele all die gräßliche Verwüſtung an Menſchen und Menſchenwerk überblickt. Hier ſtürzt ein zerſchmetterter Giebel hernieder, dort eine halbe Mauer, faſt hohnlachend noch mit verſtümmeltem modiſchem Flitter, prunkhaften Aushängſchildern und Namen behangen. Zwiſchenein macht ſich in einem der obern Stockwerke unter dem Fenſter ein Ringen von Menſchen auf Tod und Leben bemerkbar; ein Kreuzſtock bricht plötzlich klirrend zuſammen und ein zer lumpter menſchlicher Körper ſtürzt heulend und kopfüber auf die Straße herab; es iſt ein Aufrührer, den die ein gedrungenen erbitterten Truppen aus ſeinem ſichern Ver ſtecke lebendig zum Fenſter hinausgeworfen, weil ſie dem Meuchler den ehrlichen Soldatentod nicht gönnten. Weiber, Kinder, ſcheußlich verſtümmelte Krieger liegen in ihrem Blute an den Mauern hin, mitten im Wege; oft ſo zer ſtreut, daß der Fuß vergebens ſie zu vermeiden ſtrebt und ſtrauchelt. Endlich, endlich, nach viertägigem faſt nie unterbrochenem Morden war der freudloſe Sieg errungen, blutig und erſchöpft athmeten die Ueberwinder tief auf von ihrer Würgarbeit; als Triumphwagen zogen rieſige Leichenbehälter langſam und finſter durch die verwüſteten Straßen, Bürgerblut rauchte von den Herden des ſtolzen Paris, der Tod war hart an ſeinem innerſten Lebenskeime vorbeigeſtreift, Alles zitterte noch von ſeiner Berührung.

Auf reinlichem Lager, im kleinen, wohnlichen Stüb chen lag der verwundete Veteran Frangois Lembert. Die Wände waren rings mit zahlreichen eingerahmten Bildern behangen, die alle denſelben Gegenſtand vorſtellten, nur in verſchiedenen Augenblicken und Lagen aufgefaßt, näm lich den Lieblingshelden Napoleon. Marie kniete am Bette und war bemüht, die Wunde zu reinigen und die Ver bandſtücke zurecht zu legen. Eben erſt hatte der Arzt das Zimmer verlaſſen, ſein Ausſpruch ſchien nicht ſehr günſtig geweſen zu ſein, denn Marie hatte Thränen in den Augen und ſah blaß ans.Der Hallunke hat mich halt doch ſcharf auf's Korn genommen! unterbrach der Vater die peinliche Stille,meine Knochen ſind eben in Rußland auch etwas mürbe geworden. Wär's nur ein Engländer oder ein Ruſſe geweſen, ich wollte den Herrgott bitten, mich mit einem ſo ſchönen Soldatenabſchied hinüber zu Immandiren, aber, beim Teufel! die eigenen Landsleute, eigenes Fleiſch und Blut gewiſſermaßen! Jenun! Nicht