war von einer heruntergekommenen aber adelichen Familie
und hatte— leider eine alltägliche e durch Spiel ſein Vermögen zu Grunde geri„ f di
Gattin Herz gebrochen. Noch ſchlimmer als dieß, er war unrettbar der Schande verfallen und für die Geſellſchaft verloren, da er als Betrüger ertappt worden war. Her⸗ untergebracht, in jeglichem Sinne des Worts, mit einer ganz geringen Jahresrente, die nur eben zum Auskommen
hinreichte, lebte er, wie es mir erinnerlich iſt, ſchwelge⸗
riſch, üppig und in vollſter Vergeſſenheit von Allem, außer ſeinem eigenen Ich. Und, o! gebe doch Gott, daß ſonſt Keiner ſei— arm oder reich, hoch oder niedrig— der den geheiligten Namen„Vater“ ſo ausſprechen kann wie
ich, ohne Gefühl von Zärtlichkeit, ohne die leiſeſte An⸗
wandlung von Liebe und Ehrfurcht, die ſich wie ein Fa⸗ den um ſein Gedächtniß ſchlänge, um den väterlichen Segen daran zu knüpfen. g Nelly war unſerer ſeligen Mutter, welche gleichfalls eine Irländerin war, aus ihrer Heimath gefolgt, und zeigte vielleicht nur um unſertwillen Anhänglichkeit an unſern Vater und duldende Ergebung in ſeine Gewohn⸗ heiten und Launen, um uns nahe zu bleiben. Sie war ein derbes Weib und zeigte, ihrer Race im Allgemeinen unähnlich, nur wenig äußerliche Beweiſe von Anhänglich⸗ keit. Wenn Sie des Abends ihre Arbeit gethan, ſo unter; richtete ſie uns bisweilen im ABC und lehrte uns Wörter von drei Buchſtaben buchſtabirenz die übrige Zeit ſchalteten und walteten wir für uns ſelbſt und unterwieſen uns gegenſeitig, ſo daß wir im Verlaufe der Zeit endlich leſen konnten. Ebenſo ging es mit dem Schreiben. Nelly brachte uns die Anfangsgründe bei, und Gabriele, mit wunderbarem Vermögen ſchneller Auffaſſung begabt, wußte gar bald mit dem Unterrichte für ſich und mich zu rathen. Die einzigen Bücher im Hauſe waren ein Kochbuch, eine Fibel, welche Nelly geliehen hatte, eine rieſige Geſchichte von England, welche ihr gewöhnlich als Fußſchemel diente, und eine alte Bibel von der nämlichen Größe voll kunſt⸗ voller Bilder. Hätte ich doch jetzt dieſes geſegnete Buch in Gold gebunden vor mir liegen und mit Diamanten be⸗ ſetzt! Es eröffnete damals eine neue Epoche meines Le— bens. Gedacht hatte ich bereits, nun begann ich zu ver— ſtehen; und das göttliche Licht ging meiner Seele auf,
376 a als Nelly, das niedrige Werkzeug der Gnade, in einfachen
hüteten, ſämmtlich auf der Erde ſitzend; und ich pflegte
Engel gerade ſo ausſehen müͤſſe wie Gabriele, wenn auch
hegte, die ich damals beſaß. Sie las gern von der Kö⸗
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Worten Alles erklärte, was nöthig warz denn bei aller unausſprechlichen Herrlichkeit Jeſu und ſeiner Etlöſung iſt unſer Glaube ſehr einfach. Nachts träumte ich von Jeſu und von Engeln, und von Hirten, die ihre Heerden
Nelly zu fragen, ob ſie nicht der Meinung ſei, daß ein
mit glänzenden Flügeln? Aber Nelly pflegte zu ſagen, Gabriele ſei zu ſtolz für einen Engel, und werde wohl nie einer werden, es ſei denn, daß ſie mehr Gefallen an der Bibel gewönne; und es war nur zu wahr, daß meine geliebte Schweſter nicht dieſelbe Vorliebe für heilige Dinge
nigin Beß und vom trotzigen König Hal; wenn wir aber zur Kirche gingen und den Geſang hörten, ſo war ſie viel lebhafter bewegt als ich, und ſtieß laute Seufzer aus.
Endlich vertraute mir Gabriele, welche ſeit mehreren 8
Tagen in tiefes Nachdenken verſunken war, ohne ein
Wort zu ſprechen, ihren Entſchluß, unſern Vater zu bitten, de
er möge uns zur Schule ſchicken.
„Warum ſollte ich ihn nicht bitten, Ruth?“ ſagte ſie,„ich wundere mich, daß wir noch niemals zuvor da⸗ ran gedacht haben— nur iſt er leider immer elend, oder raucht oder trinkt.“ Ich bemerkte, daß ihr ſchöner Mund ſich verzog, da ſie in einem verächtlichen Tone ſprach, und ich war der Meinung, daß Jeſus nicht ſo gelehrt hätte; doch ich ſcheute mich zu ſprechen— und ſo weinte ich, und fiel allein auf die Kniee und betete fuͤr meine Schweſter. 8 f
Als Gabriele ihre Bitte angebracht, legte der Vater das Zeitungsblatt nieder, nahm die Cigarre aus dem Munde, und blickte ganz verdutzt die Sprecherin an; doch wurde ſein Blick zuſehends ernſter und beobachtender, als er anhub:„Ei, Mädchen, wie alt biſt Du?
„Dreizehn ſeit vorigem Monat, erwiderte Gabriele.
„Da biſt Du mächtig groß für Dein Alter, muß ich geſtehen; Du haſt aber von Nelly doch wohl leſen gelernt?“ N
„Das wohl,“ antwortete ſie ganz rnhig,„aber wir möchten doch gern noch etwas lernen.“
(Fortſetzung folgt.)
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
d Guts verſteigerung.
(1806) Montag den 6. Dezember d. J., Vormittags 10 Uhr, wird in hieſigem Rath⸗ hauſe das Petritag 1853 leihfällige Auguſtiner⸗ Schulgut in den Gemarkungen Rockenberg, Op⸗ pershofen, Niederweiſel und Münzenberg, im Ganzen 56% 0 Ortsmorgen enthaltend, wovon 41%ñ0 Morgen in Rockenberger⸗, 6 Morgen in Oppershofer⸗, 1½%0 Morgen in Niederwei⸗ ſeler⸗ und 6% Morgen in Münzenberger Ge⸗ markung liegen, öffentlich meiſtbietend unter fehr vortheilhaften Bedingungen verſteigerl. Friedberg den 17. November 1852. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Hofraithe-Verſteigerung.
(1807) Donnerſtag den 13. Dezember l. J., Vormittags 11 Uhr, wird in hieſigem Rath⸗ hauſe auf freiwilligen Antrag des Bürgers und Glaſermeiſters Chriſtian Wagner deſſen in der Ludwigsſtraße dahier gelegene neuerbaute zwei⸗ ſtöckige Hofraithe, enthaltend 13 Zimmer, 2 Küchen, 3 Kammern, Waſchküche, gut gewölbten Keller, geräumige Stallung mit geſchloſſenem
Hofraum, wegen Veränderung des Wohnſitzes,
öffentlich meiſtbietend unter ſehr vortheilhaften
Bedingungen verſteigert und bemerkt, daß auch
bis zum Verſteigerungstermin ein Handverkauf
mit dem Eigenthümer abgeſchloſſen werden kann.
Friedberg den 17. November 1852.
In Auftrag:
Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
(Butzbach.) Verkauf getragener Montirung, ausrangirten Reitzeugs ꝛc.
(1808) Montag den 29. d. M., des Vor⸗ mittags von 8 bis 12 und des Nachmittags von 1 bis 5 Uhr, ſollen in der hieſtgen Reiter⸗ caſerne eine Anzahl getragener Montirungs⸗ ſtücke, als: Mützen, lederne Handſchuhe, Sporn, Hemden, Unterhoſen, Socken, Halsbinden, Halb⸗ ſtiefeln, Schuhe ꝛc., ſodann ausrangirtes Reit- zeug und Caſernenrequiſiten, wobei viele Bett⸗ und Pferdeteppiche, meiſtbietend gegen gleich⸗ baare Zahlung verſteigert werden.
Indem man dieß zur öffentlichen Kenntniß bringt, erſucht man zugleich die Herren Bür⸗ germeiſter der Umgegend, dieſen Verkauf in den unterhabenden Gemeinden geeignet bekannt ma⸗ chen laſſen zu wollen.
Butzbach den 17. November 1852.
In Auftrag: Cellarius, Oberquartiermeiſter.
Brod⸗, Oel- und Schuhlieferung.
(1831) Montag den 29. d. M., Vormittags um 10 Uhr, wird:
a) die Brodlieferung, und
b)„ Oellieferung aufs I. Semeſter k. J.,
ſodaun c)„Lieferung der Bundſchuhe, Sohlen und Flecke,
auf das Jahr 1853 für die Garniſon dahier, in dem Büreau des Bataillonsverwaltungsraths, auf dem Soumiſſionsweg in Accord gegeben.
Dieß den Intereſſenten mit dem Anfügen zur Nachricht, daß die Lieferung des Oels in ge⸗ laͤutertem Lampenöl beſteht, die Aecordsbedin⸗ gungen von heute an in obengenanntem Büreau eingeſehen werden können und die Soumiſſtons⸗ eröffnung gleich nach Ablauf des obenerwähnten Termins vorgenommen wird:
Friedberg den 18. November 1852.
In Auftrag: Ramſpeck, Oberquartiermeiſter. Mobiliar⸗Verſteigerung.
(1839) ODonmerſtag den 2. Dezember d. J. und die darauf folgenden Tage, von Vormſt⸗ tags 9 bis 12 Uhr und Nachmittags 2 bis 5 Uhr, werden auf Antrag des hieſigen Bürgers Michael Jung und deſſen Kinder in deren Be⸗ hauſung in der großen Köhlergaſſe dahier, erb⸗ abtheilungshalber deren Mobiliarvermögen, be⸗
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gentlich meift * daß ſraſ pon ſic derſ Sfeigllebhaber gusgeboten w.
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