Ausgabe 
27.10.1852
 
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man mich angreift! Sie werden es nicht leicht finden, mich zu Ihren Gunſten umzuſtimmen. Verſuchen Sie es auf jede mögliche Weiſe, wenn Sie Luſt dazu haben; aber ſo wahr ich die Wahrheit weiß, Sie dürften es ſehr be⸗ reuen! Dieß ward mit ſolcher Zuverſicht, ſo kühn und feſt geäußert, und ihr ganzes Benehmen war ſo voll höchſtem Trotz und Selbſtvertrauen, daß ſich André's Grimm in Betroffenheit und wortloſe Verblüfftheit ver⸗ wandelte. Er nahm ſeine höchlich erſchrockene und auf⸗ geregte Frau am Arme, zog ſie aus dem Zimmer, und drohte der Hellſeherin noch im Weggehen, ſie ſolle bald von den Schritten hören, die er ergreifen werde. Bis jetzt war zwiſchen ihm und Julienne noch kein Wort von Verſöhnung geſprochen worden; er war zu ſtolz, um mit ihr Frieden zu e 1 ſich in ihren Augen erechtfertigt hatte, ſo gut er konnte. i

15 boch am ſelben Abend brachte er Marie Co⸗ lonne mit ihren beiden Eltern in ſein Haus, und erzählte ihnen in Gegenwart ſeiner Frau den ganzen Verlauf ſei⸗ ner häuslichen Widerwärtigkeiten bis zu dem Vorfall, der ſich am Morgen zwiſchen ihm und der ſo gerühmten Hell⸗ ſeherin zugetcagen hatte. Dieſe achtbare Familie war ſehr entrüſtet, ließ es aber Julienne nicht entgelten, die vollkommen gemüthskrank in der That auch Mitleid verdiente. Madame Folitton dagegen verſicherte die Co⸗ lonne, es habe gewiß keine Regung von Argwohn oder Eiferſucht ſie veranlaßt, die Hellſeherin zu befragen; ſie habe einen thörichten Streich begangen, welchen ſie lebens⸗ lang bereuen werde, und ſeie nur einer leichtſinnigen Laune, einer ſcherzhaften Regung gefolgt; der Treue ihres Gatten verſichert, würde ſie ſelbſt niemals im Mindeſten verſucht worden ſein, ſich ſelbſt und ihren Mann mit ſolchen Mißverſtändniſſen und falſchen Vorausſetzungen zu peinigen, wäre nicht die Folge ihres leichtſinnigen Schritts dieſes ſcheinbar ſo merkwürdige Zuſammentreffen verſchie⸗ dener Umſtände. Reumüthig bat ſie nun ihren Gatten und Marie um Vergebung.

Es läßt ſich zwar Alles recht gut erklären, ſagte André,aber ich kann jetzt gar nicht begreifen, wie es mir zuvor niemals in den Sinn kommen mochte, daß Ju⸗ lienne meine häufige Abweſenheit und das Geheimniß, worein ich ſie hüllte, übel nehmen oder mißdeuten könnte. Ich hätte mir niemals träumen laſſen, daß aus dem Hehl, welchen ein Gatte aus einer ſo unbedeutenden Sache mache, ſolches Unglück entſpringen könne; nun ſehe ich aber, wie möglich dieß iſt, und werde ihr in Zukunft ge wiß auch nicht das Mindeſte mehr verheimlichen!

Und nun geſtand er ſeiner Frau, er ſey Mitglied eines jener geheimen Klubs geweſen, welche nach der Februarrevolution in ganz Frankreich und beſonders in der Nähe von Paris in ſolcher Unzahl entſtanden ſeien. Dieſer Klub habe ſich in Herrn Colonne's Hauſe verſammelt, welcher der Präſident deſſelben geweſen ſei. Die ganze Geſellſchaft war ja damals ein Strudel entgegengeſetzter und ſich widerſtrebender Parteien, und dieſer Klub, an welchem mehrere der wohlhabendſten Einwohner von St. Cloud theilnahmen, verdankte ſeine Entſtehung dem ge meinſam gefühlten Bedürfniſſe der Freunde der Ruhe und Ordnung, ſich enger zuſammenzuſchließen und an einander anzulehnen, um im Falle eines neuen Ausbruchs nicht rathlos und ungerüſtet zu ſein. Die Fortdauer der bür gerlichen Ruhe hatte übrigens vorerſt die einſtweilige Auf loſung des Klubs veranlaßt, bis vielleicht eine andere Zeit der Unordnung und Gewaltthat eintreten ſollte,und darum, ſchloß André,werde ich in Zukunft meine Abende zu Hauſe verbringen!

Julienne hörte dieſe Erklärung mit einem Gemiſch

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von Vergnügen und Bedauern, bat nochmals demüth Marien um Verzeihung, und lag, ehe ſſie ſich's verſa in den Armen des mitfühlenden jungen Mädchens.

Herr Colonne war höchlich empört über die Schmach, welche man dem Ruf ſeiner einzigen und zärtlich geliebten Tochter 1 anthun wollen; er ſtattete auf dem Heim weg der Madame Margot einen Beſuch ab und hatte eine Unterredung mit ihr, welche der Alten bedeutendes Herz

klopfen verurſachte und an die ſie noch lange gedachte.

Es war eine verdiente Witzigung für das Gelüſte der alten Frau, die Schwächen ihrer Nachbarn aufzudecken und ihnen wo möglich Eins anzuhängen. Herr Colonne war auch feſt entſchloſſen, Mademoiſelle Trompère und ihren Spießgeſellen gerichtlich zu belangen, was aber André nicht billigen wollte, der ſich nun für zufriedenge ſtellt erklärte, nachdem der Irrthum aufgeklärt war; allein Herr Colonne beſtand darauf, er laſſe kein Mitglied ſeiner Familie ungeahndet verunglimpfen; er wollte und wäre es auch nur aus Rückſichten der öffentlichen Wohl⸗ fahrt gerne es ſich tauſend Franken und noch mehr

derſt einmal mit Marie zu Mademoiſelle Trompeère zu gehen und ſie zum Widerruf ihrer Erfindung zu nöthigen. Ich will dann mit meiner Frau ebenfalls mitgehen, ſagte er,dann hat das Weibsbild keine Gelegenheit mehr zu Ausflüchten oder zum Beharren auf ihrer Verläumdung.

Am andern Tage fuhren ſie nach Paris. Herr Co lonne, ein Mann von ſehr lebhaftem und reizbarem Tem⸗ perament, ging mit ſeiner Tochter vorauf zu der Hell ſeherin.

Mein Name iſt Colonne, ſagte er, ohne vieles Ceremoniell, als er der Demoiſelle Trompère und ihrem Vater gegenüber ſtand;dieß hier iſt meine Tochter Marie. Wir haben Beide expreß die Fahrt von St. Cloud hieher

gemacht, um Ihnen zu ſagen, daß Ihre Hellſeherei ſehr mangelhaft iſt, und um Sie zu warnen, in Ihrem Hand⸗

werk nicht allzu vorwitzig zu ſein! Ueberhaupt würden Sie klüger thun, ein anderes, ehrbareres und anſtändi geres Gewerbe zu ergreifen, denn wenn man mit Ver⸗ leumdungen und Lügen umgeht, ſo riskirt man, mit der Polizei und dem Zuchthaus in Berührung zu kommen!

Sehen Sie, Papa! ſagt' ich's Ihnen nicht vorher, wir würden bald eine Fortſetzung zu dem Roman mit den armen Folittons bekommen? fragte die Hellſeherin ſpöttiſch ihren Vater.

Sie werden bald noch andere Folgen erleben, mein Fräulein, wenn Sie nicht alsbald die Verleumdungen gegen meine Tochter zurücknehmen! rief Herr Colonne

hitzig.

Herr Colonne, verſetzte Mademoiſelle Trompere kaltblütig und ſogar herausfordernd,Sie ſind durch ein ſehr natürliches, verzeihliches und Sie ehrendes Vaterge fühl veranlaßt worden, hierher zu kommen, aber Sie ahnen wahrſcheinlich nicht, daß Sie ſelbſt der Hintergan gene ſind!

Nein, das ahne ich nicht, denn ich bin nicht ſe leicht zu hintergehen, verſetzte Herr Colonne mit kaltem Lächeln.

Das iſt Ihre Anſicht, und im Grunde glaubt dieß Jeder von ſich, erwiderte nun die Hellſeherin ebenfalls lächelnd.Indeſſen iſt es dennoch nur allzu wahr: Sie ſind ſeither hintergangen worden. Ihre Tochter und Herr Folitton wiſſen dieß recht gut; ſie ſuchen dem Verdacht eines Liebeshandels zu entgehen, die Eine wegen ihres

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