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M. Oktober.
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ntelligenz-Dlatt
0 fuͤr die
Provinz Oberheſſen
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im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Vilbel und Nidda
im Beſonderen.
Mittwoch den 27. Oktober
1852.
Die Hellſeherin. Novellette. (Schluß)
André war ganz außer ſich. Unter Verwünſchungen gegen die alte Margot und die Hellſeherin, und vor Auf⸗ regung zitternd, bat er Julienne, ſich raſch anzukleiden und mit ihm nach Paris zu fahren. Er ließ ſein Gig ein⸗ ſpannen, und einige Minuten ſpäter fuhr er mit ſeiner kleinen Frau, die gewaltig in Sorgen und Angſt war, im raſcheſten Trabe gen Paris. Ehe man ſich's verſah, war die Stadt erreicht, denn André hatte noch niemals ſo ſcharf auf ſein Pferd gepeitſcht. Bald war man in der Rue St. Nicolas, und als André vor der Thüre der Hell⸗ ſeherin geklingelt hatte, erſchien der Greis wieder, mit ſeiner gewohnten ſanften und freundlichen Miene. Sein impoſantes Aeußere voll ruhiger Würde machte den unge⸗ ſtümen grimmigen Ehemann zwar etwas betroffen; er nahm vor ihm den Hut ab und begehrte Mademoiſelle Trompeère zu ſprechenz allein ſeine Stimme und ſein haſtiges Weſen verriethen dem Greiſe ſeine Gemüthsbe— wegung und machten dieſen ſtutzig. Er ſah ſich nach Ju⸗ lienne um, aber dieſe blickte bei Seite, ſo daß er ihr Ge— ſicht nicht ſehen konnte, und er mußte ſich nach einer kurzen Ueberlegung bequemen, beide einzulaſſen. Die Hell⸗ ſeherin ſaß wiederum im ſelben Lehnſtuhle, mit weiblicher Arbeit beſchäftigt, von welcher ſie nun aufblickte, um das herantretende Paar mit einem ſcharfen forſchenden Blicke zu meſſen. Anfangs überflog eine gewiſſe Spannung ihre Züge, als ſie die glühende Wange und den düſtern Blick des gekränkten Gatten ſah; allein ſie faßte ſich raſch wie⸗ der zu anſcheinend vollkommener Gleichgültigkeit.
„Weib, Deine Spiegelfechterei iſt uns theuer zu ſtehen gekommen!“ rief André. f f
„Mein Herr!“ ſiel ihm Mademoiſelle Trompere ernſt in die Rede.
„Dieſer Betrug ſoll Ihnen aber auch ebenſo theuer zu ſtehen kommen, als Anderen!“ fuhr André fort.„Ihre Lügen tragen Saamen— wiſſen Sie das?— und wer⸗ den zu Gift, das überall Unheil und Unſegen verbreitet, wohin es fällt. Wenn Sie nicht ſogleich das lügenhafte Mährchen widerrufen, das Sie meiner thörichten Frau neulich aufgebunden haben, ſo ſollen Sie bald ſehen, daß Sie dießmal an den Unrechten gekommen ſind!“ i
„Ihrer Frau?“ rief die Hellſeherin;„Sie ſind nicht ganz bei Sinnen, lieber Mann 40
„Man könnte über ſolchen Streichen beinahe von Sinnen kommen!“ verſetzte André;„drum nehmen Sie Ihre Reden wohl in Acht. Ja, dieß hier iſt meine Frau, die neulich bei Ihnen war, und Sie werden das nicht leugnen wollen. Sie kam neulich in einer thörichten Laune zu Ihnen, um Sie zu befragen, und Sie banden ihr da⸗ mals gewiſſe Lügen über mich auf, die Sie nun ſelbſt für ſolche anerkennen ſollen. Geſtehen Sie den Streich ein, den Sie der argloſen Frau geſpielt haben, und ich will's dabei bewenden laſſen; weigern Sie ſich aber deſſen, ſo gehe ich ſpornſtreichs zum Polizeipräfekten!“— Der alte Mann ſtand mit irrem Blicke und wie von Blödſinn be— fallen, that- und rathlos dabei; aber ſeine kühnere Spieß⸗ geſellin betrachtete den grimmigen Beſucher mit der größten Kaltblütigkeit und ſah ihm mit unwandelbar feſtem Blick in's Auge.
„Nein, guter Mann,“ erwiderte ſie ſtolz, und lehnte ſich in ihren Armſtuhl zurück,„ich habe den Beruf, die Wahrheit zu entdecken, nicht zu verleugnen. Die Leute ſuchen mich auf, wenn Sie ihren Lebensverlauf durch ge— heime Urſachen geſtört finden, durch Geheimniſſe oder Räthſel, die ſie gerne gelöst ſehen möchten. Auch Ihre Frau hat aus ſehr begründeter und gerechtfertigter Neu⸗ gier ſich der großen wiſſenſchaftlichen Entdeckung bedient, deren Darlegerin ich bin. Monſieur Folitton, Sie be⸗ ſchuldigen mich der Lüge und fordern von mir, ich ſolle verleugnen, was ich als wahr erkenne. Ich habe Ihnen aber nur zu entgegnen, daß ich natürlich Nichts zurück— nehme, was ich geſagt. Wahrſcheinlich wollen Sie da—⸗ durch in den Augen einer Frau, die Sie hintergangen,
als unſchuldig erſcheinen, indem Sie ein Frauenzimmer durch Drohungen zu der Erklärung nöthigen wollen, daß Sie ein treuer Gatte und Wahrheitsfreund ſeien. Aber erfahren Sie, mein Herr, daß ich weder ſchwach noch ſchlecht genug bin, um Ihrem Verlangen zu entſprechen, wenn Sie mich jetzt auch für eine Betrügerin ausgeben möchten!“
„Dann muß ziehen!“ rief André.
„Und ich ebenfalls!“ rief die Hellſeherin.„Ich werde noͤthigenfalls gar nicht anſtehen, aller Welt die Wahrheit der Eröffnungen darzuthun, welche ihre Frau von mir ge— hört hat!“
„Du biſt frech, Weib!“ rief Audré wüthend. „Allerdings, ich habe das mit dem armſeligſten Weſen der Schöpfung gemein, daß ich kühn bin, wennn
ich den Polizeipräfekten zu Rathe


