mitten in einer Winternacht zurück, befahl ihr, ſich ſchnell zur Abreiſe fertig zu machen, ſetzte ſie in einen Wagen, der vor der Thuͤr hielt, und brachte ſie in eiliger Reiſe nach Paris. Dort angekommen fuhr er mit ihr nach dem elenden Hauſe in der Rue Maubuse, wo ſie noch jetzt wohnte, und nach wenigen Stunden verließ er Paris, nachdem er ihr hundert Francs und einen Zettel mit we— nigen darauf geſchriebenen Worten zurückgelaſſen— ſie ſah ihn nicht wieder! Auf den Zettel hatte der herzloſe Räuber die ſchrecklichen Worte geſchrieben:„Die Toch— ter, die ihren Vater verließ, hat keinen Grund, den Lieb— haber zu tadeln, der ſeine Geliebte verläßt.“ f
So war ſie denn wirklich verlaſſen, und wie ver⸗ laſſen!— ich ſchaudere bei dem Gedanken. Und nun in dieſer kalten Einſamkeit brachen die Gewiſſensbiſſe, welche bis dahin von der Stimme der Leidenſchaft unterdrückt waren, mit ihrer ganzen mitleidloſen Gewalt hervor. Das Andenken an die Vergangenheit war noch ſchrecklicher, als die Vorſtellung von der Zukunft. Nicht unverſchuldetes Leid treibt den Menſchen ſo zum Wahnſinn, wie die Qua⸗ len des Gewiſſens. Es kam noch ein anderes Unglück hinzu, eine ſchwere Krankheit— ſie litt körperlich und geiſtig zugleich... 0 5
Doch ich will die Geſchichte ihres Leidens nicht wei— ter ausführen. Es mag genug ſein, daß, als ſie die ſchreck⸗ liche Erzählung geendet, ſie ihr letztes Geldſtück, das ihr noch geblieben, unter ihrem Kiſſen hervorzog und auf ihr ſchlafendes Kind zeigend, ſagte:„Nun, da Du gekommen biſt, mein Vater, wird mir wenigſtens eine Züchtigung erſpart werden: ich werde meine Tochter nicht vor mei⸗ nen Augen ſterben ſehen!“
Ich ſprach zu ihr in der Sprache ihrer Väter, die ſie im fremden Lande nie mehr gehört. Ich erzählte ihr, wie viele Meile ich gereiſt, um die Freude zu genießen, ſie wiederzuſehen, wie gern ich ihr jeden Schmerz vergehe, den ihr Fehltritt mir verurſacht; wie ich fühlte, daß am Ende vielleicht ich, nicht ſie, den größten Tadel verdiene, weil ich nicht Rückſicht genommen auf ihre jugendliche Lei— denſchaft; denn— ſie war ja meine Tochter! Dann bat ich ſie bei ihrer Liebe zu mir, mit frommem Ernſt aus ihrem Gemüthe jeden Gedanken an den Schändlichen, der ſie verführt, zu bannen: dann wollten wir allen früheren Kummer vergeſſen und wieder leben, als ob uns nie ein Leid betroffen.— Allein ſie erklärte alle ſolche Hoffnung für eitel; ſie wiſſe, daß ſie dem Tode nahe ſei, und ſie könne nun in Frieden ſterben, da ſie mich wiedergeſehen und meine Verzeihung erlangt habe. Nur für ihr Kind bat ſie mich zu ſorgen; aber als ſie die lächelnde Kleine in meine Arme legte, hatte ich einen Augenblick den Ge— danken, dieſe Frucht einer unheiligen Verbindung von mir zu ſtoßen, das Kind deſſen, der das Unglück meiner Toch⸗ ter, die Schande meines Hauſes veranlaßt hatte. Doch beſſere Gefühle verſcheuchten dieſen Schatten, denn, Herr, — es war ja meiner Tochter Kind.
Nachdem wir eine Zeit lang freundlich und ruhig mit einander geſprochen und ſie mir erzählt hatte, daß ihr Verführer unter dem Namen Victor Armand bekannt ſei,— ein Name, Herr, den ich Sie bitte nie zu vergeſ— ſen— kam es mir vor, als ob ſie ſich erhole; ihre Stimme ward feſter, ihre Vorſtellungen heiterer, ſie ſprach ſogar von Beſſerung; ich glaubte, daß meine Gegenwart guͤn— ſtig auf ſie wirke, daß ſie würde mit mir ziehen können nach einem ruhigen einſamen Orte, fern von dieſem frem—⸗ den Lande, unter dem ſonnigen Himmel ihrer Heimath. Dort könnte ſie wenigſtens zu vergeſſen lernen, wenn ſie fern wäre von dem Schauplatz ihres Elendes, ihrer Sünde. So ſchwand die Nacht. Aber noch ehe der Morgen an⸗
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brach, bekam ſie einen tödlichen Rückfall. Plötzlich ging
eine große Veränderung mit ihr vor. Mitleidslos ward 0 meine Hoffnung zerſtört! Plötzlich hoͤrte das Herz, das an das meinige gedrückt war, zu ſchlagen auf, ein durchdrin.
gender Schrei, und die Seele ſchwang ſich zum Himmel auf. Ich blickte in ihr Geſicht und wußte Alles— was
nützte es noch, nach ihrem Pulz zu fühlen, ihre Lippen zu
berühren. Mein Kind war todt!....“
Abermals hielt der Wanderer inne, ſenkte ſein Haupt
auf die Hände und heiße Thränen rannen über die gefurchten
Wangen. Wer kann es ertragen, einen Vater weinen zu
ſehen! ich wandte mich ab, bis er wieder weiter ſprach. „Herr,“ fuhr er mit zitternder Stimme fort,„jetzt
kann ich weinen; damals hatte ich keine Thränen. Und als meine Tochter in's Grab gelegt ward, und an ihrer al
Seite das Kind, denn es überlebte die Mutter nur wenige Stunden, welches Band knüpfte mich da noch an das Le— ben? Wozu war ich noch nütze in der weiten Welt?— Ich hatte Nichts mehr zu lieben, für Nichts mehr zu ſor⸗ gen, Nichts, woran ich hing. Wahr! Aber dennoch trug ich die Laſt des Lebens weiter, denn ich hatte noch Etwas zu vollenden. Unglück, Schande und Tod zu rächen!
2*
Sie Ihr einziges Kind im letzten ſchrecklichen Kampfe ge—
N gaht un ſehen... hatten Sie den Schrei gehört, als ihre Seele.
ſich dem Körper entrang.... hätten Sie den letzten Blick des erlöſchenden Auges geſehen... hätten Sie geſehen, was ich in jener gräßlichen Stunde ſah... auch Sie würden alle milden Gedanken für immer aus Ihrem Her—
zen verbannt haben, Sie würden Glauben, Religion, Mit⸗
leid, Alles ihrem Unglücke geopfert, würden, wie ich, bei dem kalten Leichnam ihres Kindes, den Eid geſchworen
haben, den ich ſchwur, das Gebet gebetet haben, das ich
betete, den Fluch ausgeſprochen haben, den ich ausſprach, würden Gott gebeten haben, wie ich es that, Sie nicht ſterben zu laſſen, bis Ihres Kindes Todesſtunde ge— rächt wäre!
So habe ich ſchreckliche Jahre hindurch— wie viele, weiß ich nicht; ich zahlte ſie nicht— den Räuber geſucht, denn er hält ſich in dieſer Gegend auf, und muß ihn noch ferner ſuchen. Ich ſage Ihnen, ich muß ihn ſuchen, bis
ich ſterbe, und wenn ich Menſchenalter durchlebe, und
wenn ich lebe bis mein Gedächtniß mir vergeht und ich alles, alles Vergangene vergeſſe, mit Ausnahme des einen ſchweren Unglücks, das mich alten Wanderer auf der kal—
ten Erde umhertreibt. Ich werde leben, bis ich ihn finde,
den ich in meiner Seele verflucht habe, und ihn nieder— ſtrecke auf den Boden, um meine geliebte Tochter in des Mörders Blute zu rächen!...“
daß Gott ſprach: Die Rache iſt mein, ich will vergelten!“ „Ich weiß es,“ erwiderte er bitter,„aber Gott hieß uns auch den Löwen unter die Füße treten und dem Dra— chen die Zähne ausreißen.“ N „Und dieß, unglücklicher alter Mann, iſt nun der Zweck Eures Lebens? Ihr wandert in der Welt umher, um eine gottloſe Rache zu üben?“
„Nennen Sie ſie nicht gottlos!“ rief der Alte ent— flammt;„Gott wird mir die Kraft geben, einen Theil des harten Fluches zu erfüllen, der bei'm Tode meines Kindes meinen Lippen entfuhr... Nein! Nein! Bei'm Grabe meines Vaters, bei meinen Hoffnungen auf Erlo— ſung, ich ſchwöre es, ich will nie meiner Tochter Todes kampf vergeſſen, nie dem Feinde vergeben, der ſie mordete!“
„Bringt denn aber,“ fragte ich,„nicht gerade das Andenken an das vergangene Leid mildere Geſinnungen in Eure Bruſt?“
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