Ausgabe 
25.9.1852
 
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Friedberg

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intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Vilbel und Nidda

im Beſonderen.

28.

Sonnabend den 25. September

18532.

Amtlicher Theil.

g Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an die Gr. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Den Ankauf der dießjährigen Remontepferde im Lande.

Nach der in der Darmſtädter Zeitung erſcheinenden Bekanntmachung vom 17. d. M. wird der Ankauf der dieß⸗ jährigen Remogtepferde der Reiterei:

am 11. Oktober zu Grünberg

% 12.Homberg a. d. Ohm

13.Romrod

1 15.Hirzenhain Vormittags 9 Uhr, 16. 7 Altenſtadt

7 18. 7 77 Echzell

19.Butzbach

ſtattfinden. Man trägt Ihnen auf, dieß in den Gemeinden

noch beſonders zu veröffentlichen, auch von Ihrer Seite, ſoweit möglich, zur Beförderung des Geſchäfts mitzuwirken.

Friedberg am 20. September 1852. Müller.

Der Jude. Ein Stück Lebensgeſchichte. (Schluß) l

Der alte Mann hielt inne, und fuhr erſt nach einer langen Pauſe wieder fort:Ich ging bald nach der Rue Maubucse, dieſer elenden, ſchmalen Gaſſe. Ich betrat ein Haus nach dem andern, unbekümmert, daß Einige mich angafften und vielleicht für verrückt hielten, Andere auf mich wie auf einen Diener der Polizei ſtichelten. Endlich ward ich in einem Hauſe berichtet, daß in demſelben ein Frauenzimmer wohne, das nur wenig Franzöſiſch ſpreche. Ich bat den Thürſteher, mir ihr Zimmer zu zeigen, drückte ihm, um ſein Zögern zu beſiegen, einige Geldſtücke in die Hand und folgte ihm dann über eine ſchmutzige finſtere Treppe zu einem Gemache im oberſten Stock. Vor der Thür ſtanden wir ſtill; ſie war offen. Ich ſollte mein Kind, meine geliebte Tochter wiederſehen! 8

Wie ich in das Zimmer eintrat, was ich zuerſt ſah oder ſagte ich weiß es nicht mehr; ich erinnere mich nur, daß ich vor einem niedrigen Bette knie'te, auf wel

chem ein bleiches, abgemagertes, ſchwaches Weſen lag, das meine Hände erfaßte und ſich meine Tochter nannte. Sie erkannte mich wieder, trotz des Kummers und

der Leiden, die mein Haar gebleicht hatten. Ich glaube, wenn mein Gedächtniß mich nicht täuſcht, daß ich ſie nicht wiederkannte, ſo verändert war ſie: ſie war nicht mehr ſchön; ihre Hände waren kalt und ſtarr, als ob die Adern kein Blut mehr hätten; ihr Haar war grau noch nicht fünfundzwanzig Jahre alt, und ganz graues Haar! die Stimme hatte allen Klang verloren. Gott im Him mel, welche Qual! Vor ſechs Jahren hatte ich ſie zuletzt geſehen, und ſechs Jahre hatten eine ſolche Veränderung hervorgebracht, daß der Vater ſein Kind nicht erkannte! Aber ſie! ſie betrachtete mich aufmerkſam, nannte mich bei meinem Namen, gab ſich mir als meine Tochter zu erkennen und ſank dann ſprachlos, ohnmächtig zurück. Nach einer Weile kam ſie wieder zu ſich, und geſtand mir, ſie ſei unglücklicher, als menſchliche Worte es darſtellen könn ten, und ihr Leben hänge nur von meiner Verzeihung ab. Meine Verzeihung! armes Kind! Welches Vaterherz

hätte hart ſein können gegen eine Tochter, die ſechs lange Jahre von demſelben geriſſen und endlich im finſterſten Elend wiedergefunden war? Welcher Vater hätte jetzt daran denken konnen, daß ſie gegen ſeine Ehre, gegen ſeinen Glauben gefehlt? Welcher Vater hätte kalt ihre Thränen ſehen, ihre klagenden Bitten hören können? Wel⸗ cher Vater würde nicht in dieſem ſchrecklichen Augenblicke gehandelt haben, wie ich? ich drückte mein ſündiges Kind an mein zerriſſenes Herz, legte freundlich und mild meine Hand auf ihr Haupt, um ſie zu ſegnen, wie ich ſie in früheren Tagen ſegnete, als ihre Seele noch keine Schuld, ihr Herz noch keine Qual kannte. Nun, da ſie ſo au

meiner Bruſt ruhte, erzählte ſie mir ihre traurige Ge⸗

ſchichte. Sie war zuerſt mit ihrem Verführer nach der

Türkei geflohen; von da kamen ſie auf dem Wege, den

auch ich bei meinen Nachforſchungen gemacht, nach Paris.

Er hatte ſie im Anfange gütig, ſelbſt liebevoll behandelt;

aber als ſie den Boden Frankreichs berührt, änderte ſich

ſein Betragen gegen ſie; ſeine Stimme ward barſch, ſein

Betragen unfreundlich, bis er ſie zuletzt mit völliger Roh⸗

heit behandelte. In Straßburg hatte ſie ihm ein Kind

geboren. Nach der Geburt deſſelben nahm ſein Betragen

wieder mehr die frühere Milde an; er mietheke ihr ſchöne

Zimmer und erwies ihr alle nöthige Aufmerkſamkeit. Als

das Kind ſechs Monate alt war, verließ er ſie auf einige

Wochen, um eine Reiſe zu machen. Unerwartet kam er

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