Ausgabe 
23.10.1852
 
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ganze vergangene Nacht habe ich Ihretwegen geweint, iebe Julienne! 5

.Biete, beruhigen Sie ſich! ſagte Julienne kalt. Sie war im höchſten Grade erſchrocken und überraſcht, daß dieſe Ausſage der Nachbarin ſo vollſtändig im Ein⸗ klange ſtand mit den Eröffnungen der Hellſeherin; allein Madame Margot's ſchadenfrohes triumphirendes Beneh⸗ men entrüſtete ſie, und Julienne gleichviel ob was die Alte erzählte, gegründet war oder nicht, wünſchte ſie meilenweit hinweg, um nur nicht mehr ihre boshaften Augen ſehen, oder ihre bittere Stimme hören zu müſſen. Sie war zu ſtolz, um durch irgend welche Fragen zu er⸗ proben, in wie weit der Argwohn ihrer mitfühlenden Nachbarin gegründet ſey, denn ſie liebte André aufrichtig und hielt ihn ihrer Liebe für würdig; nur jetzt wankte ihr Glaube an ſeiner Treue einigermaßen, weil die Aehnlich⸗ keit der beiden Ausſagen über ihn, welche ſie von ver⸗ ſchiedenen Seiten gehort hatte, durch das Geheimuiß be⸗ ſtätigt zu werden ſchien, mit welchem André ſeine abend⸗ lichen Ausgänge umgab. Eine tiefe Wehmuth überkam ſie; ihre glänzende Zukunft umwölkte ſich plötzlich, der Anker, welcher ſie bisher ſicher in einer ruhigen ſchoͤnen Bucht erhalten hatte, ſchien jählings ſeinen Halt verloren zu haben, und ſie trieb nun auf einem fremden wilden Meere rathlos umher. Madame Margot beobachtete das Beben ihrer Lippen und das fieberiſche Erglühen von Ju⸗ lienne's Geſicht, und verwunderte ſich über den tiefen Seelenſchmerz, den ſie angerichtet hatte. 5

Ich habe meine Schuldigkeit gethan, und mein Ge⸗ wiſſen iſt nun weit ruhiger, ſagte ſie und ſchickte ſich zum Gehen an.Thun Sie nun, was Ihnen gut däucht, mein armes Kind; je früher die Sache beigelegt wird, deſto beſſer für alle Theile; und ſollten Sie irgend auf Schwierigkeiten ſtoßen, ſo kommen Sie doch ja zu mir ich will Ihnen ſchon helfen. Hoffentlich iſt's noch nicht zu ſpät, um ein Unglück zu verhüten.

André kam an dieſem Abend ſo unbefangen und wohlgelaunt als nur irgend jemals nach Hauſe. Er be⸗ merkte, daß ſein Frauchen ganz verſtört ausſah und fragte liebevoll, was ihr fehle, liebkoste ſie und verſuchte ſie zu tröſten und wieder aufzuheitern. In unbeſchreiblicher Be⸗ klommenheit hub Julienne zu weinen an, was ſie zwar erleichterte; aber gleichwohl blieb ſie den Reſt des Abends ſchweigſam und traurig. Sie konnte es nicht über ſich gewinnen, ihm zu geſtehen, was ſie gehört habe und wie es ihr darob zu Muthe ſei. Wenn ſie aber ihrem Gatten ſo in die freien, unbefangenen und mitfuͤhlenden Züge blickte, konnte ſie einen innern Vorwurf gegen ſich ſelbſt nicht niederkämpfen; weil ſie jedoch André's geheimniß⸗ volles Thun nicht zu begreifen vermochte, fühlte ſie ſich namenlos gebeugt und unglücklich.

Mehrere Wochen vergingen, und André fand zu ſeinem Gram, daß ſeine junge Frau nicht beſſer wurde. Endlich überzeugte er ſich aus der Eigenthümlichkeit ihrer Krankheit, ihrem ſtillen Weſen und der ſeltſamen hin⸗ brütenden Weiſe, womit ſie, wie er bemerkte, ihn zuweilen betrachtete, daß ſie mehr geiſtig als körperlich litt, und daß er damit in irgend welcher Beziehung ſtehe; er drang daher ernſt und feierlich in ſie, ihm ja Nichts zu ver⸗ hehlen. Dennoch verharrte ſie aber auf ihrem Still⸗ ſchweigen, denn es widerſtrebte ihr, einen ſo ungerechten und beleidigenden Argwohn, als gerade in ihrer Eiferſucht lag, gegen ihren Gatten zu bethätigen. Tag für Tag ſchien ſie mehr hinzuwelken, und André's ſtiller Kummer war ſo tief als ihre Betrübniß. Beinahe entſprang da raus eine gegenſeitige Abneigung. Während die Sachen ſo ſtanden, machte Madame Margot, welche gewöhnlich

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wahrte bald, wie die Sachen ſtanden.

ging inzwiſchen vorüber, ohne daß irgendwie darauf an⸗ geſpielt worden wäre, und beim Weggehen begleitete

André die Alte an die Hausthüre.

Die arme Julienne! ſagte Madame Margot, als

ſie Beide allein waren;Sie nehmen ſie gar nicht in Acht; das gute Weibchen ſieht recht übel aus!

Leider ja, verſetzte André traurig;ich möchte nur

wiſſen, was ihr fehlt. Sie will's durchaus nicht gelten laſſen, daß ſie krank ſey, und doch fehlt ihr etwas!

Bah, bah! mein ſanberer Herr! verſuchen Sie nicht, mir'was weiß zu machen! rief Madame Margot und drohte ihm mit dem Finger.Sie wollen nicht wiſſen, was der armen Frau feht? Wie? Na, geh'n Sie mir! ich bin kein heuriges Häschen mehr und laſſe mir kein X für ein U machen Sie leichtfertiger Schelm!

Was wollen Sie damit ſagen? fragte Andrs ernſt.

Damit ſagen? wiederholte ſie ſpöttiſch;na das iſt allerliebſt, Monſieur Folitton! Sie ſpielen ja die liebe Unſchuld meiſterhaft! Sie hätten einen guten Schau⸗ ſpieler gegeben!

Madame Margot, ich bin jetzt nicht in der Laune zu ſcherzen oder Ihre Räthſel zu löſen. Genug, ich ver⸗ ſichere Sie, daß mir Julienne's Krankheit ſehr nahe geht!

Nein, das wird immer beſſer! rief die Alte luſtig. Aber ein Wörtchen im Vertrauen, mein beſter André! Wie mögen Sie erwarten, daß Ihre arme Frau glücklich und vergnügt ausſehen ſoll, wenn ganz St. Cloud weiß, daß Sie ein Verhältniß mit Marie Colonne haben? Ver⸗ ſtanden? a 5

Wie? was? rief André, aber die Alte hatte ſchon die Thüre zugeſchlagen und trippelte kichernd und mit ſchadenfrohem Lachen nach Hauſe. André war wie an⸗ gedonnert. Er hatte unmittelbar nachdem er in's Zimmer getreten war, eine lange und ernſte Unterredung mit ſei⸗ ner Frau, aber ohne einen erheblichen Erfolg; er drang in ſie, ihm Alles zu ſagen, was ſie über ihn erfahren habe, aber Julienne war kalt und ſchweigſam. Andre ward darüber am Ende endlich zornig, und Julienne hatte ihn im Verdachte, er ſtelle ſich nur ſo an, um ſein Unrecht zu bemänteln und zu beſchönigen.

Wir ſcheinen einander noch nicht gekannt zu haben, trotzdem daß wir ſo viele Jahre mit einander umgingen! ſagte André eines Tages ſchmerzlich zu ſeiner Frau.Hätte mir früher Einer prophezeit, daß mein Haus bald nach meiner Hochzeit ſo voll Gram und Leid und Entfremdung würde, ich hätte ihn als einen Narren ausgelacht oder für einen Verläumder gehalten!

O André, André, André! rief das arme Weibchen, und ſank mit lautem Schluchzen an ſeine Bruſt; all ihr heimlicher Stolz, der ihrem Herzen zwar ſo viele Ehre machte, aber auch der Grund ſo bedauerlicher Mißver ſtändniſſe ward, war vollſtändig gebrochen.Ach Andre, warum haben wir jemals Geheimniſſe zwiſchen uns auf kommen laſſen? Warum jemals etwas vor einander zu verbergen geſucht? Ich bin überzeugt, daß unſere Liebe nicht verſiegt iſt und daß in der Bitterkeit der letzten Wochen für jedes von uns ein Räthſel liegt, denn wir haben Beide Geheimniſſe vor einander. Jenun, wie Du mich auch wegen der meinigen ſchelten magſt, ich kann es nicht länger ertragen, unwahr und verſchloſſen gegen Dich zu ſein! Und nun erzählte ſie freilich mit einiger

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