Ausgabe 
13.11.1852
 
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Ihnen ſage, daß Eulaliens Ankunft, nach der ich mich ſo ſehr geſehnt hatte, mich mit einem Gefühl der Unruhe, das mir bisher unbekannt war, erfüllte. Ich war nicht ſo behaglich mit Eulalie, wie ich es am Tage vorher ge⸗ weſen. Jetzt, da wir einander gehörten, wagte ich es nicht, irgend einen Anſpruch an ihre Freundlichkeit zu machen; es kam mir vor, als ob ihr Vater, indem er ſie mir gegeben, uns tauſenderlei Einſchränkungen auferlegt hätte; ich hatte das Gefühl, als durfte ich mir kein Wort, keine Zärtlichkeit erlauben. Wohl war ich mir bewußt, daß ſie mehr denn je die meinige ſei, und doch unterſtand ich mich nicht, ſie zu umarmen. Vielleicht hatte ſie die⸗ ſelben Gefühle, denn unſere Haltung war anfangens zu⸗ zückhaltend, wie die unter Perſonen, die weniger genau mit einander bekannt ſind. Allein dieſer Zuſtand konnte nicht länger dauern, die Glückſeligkeit des vergangenen Tages war noch friſch in unſern Gemüthern. Ich rückte näher an Eulalie, und ſuchte ihre Augen mit meinen Lippen, aber dieſe trafen auf eine Binde.

Du biſt verwundet, Eulalie? rief ich erſchrocken.

Ein wenig verwundet, aber nur ganz unbedeutend; daher das grüne Band, das Deinen Mund von meinen Augen trennt.

Grün! grün! O Gott, was bedeutet das? was iſt ein grünes Band?,

Ich habe geſehen, ſagte ſie,ich kann ſehen, und ihre Hand zitterte in der meinig een, als ob ſie mir ein Vergehen oder ein Unglück mitgetheilt hätte.

Du haſt geſehen? rief ich aus.Du kannſt ſehen! O, unglücklicher Menſch, der ich bin! Ja, Du wirſt ſehen, und der Spiegel, der bisher für Dich eine kalte, glatte Fläche geweſen iſt, wird Dir Dein lebendes Bild zeigen; feine obgleich ſtumme Sprache wird eine ſehr belebte ſein: er wird Dir jeden Tag ſagen, daß Du ſchön biſt, und wenn Du zu mir zurückkehrſt, ſo wirſt Du nur Ein Ge⸗ fühl für mich haben, das des Mitleids mit meinem Unglück. Doch was ſage ich? Du wirſt nicht zu mir zurückkehren; denn wo wäre das ſchöne Mädchen, das ihre Zuneigung einem blinden Liebhaber ſchenkte? O, ich Unglücklicher, daß ich blind bin! In meiner Verzweiflung ſtel ich auf die Erde; ſie ſchlang ihre Arme um mich, umwand ihre Fin⸗ ger mit meinem Haar, bedeckte mich mit Küſſen, und ſchluchzte wie ein Kind.

Nein! nein! ich werde nie einen Andern lieben, als Gervais. Du warſt geſtern glücklich in dem Gedanken, daß wir blind wären, weil unſere Liebe dann nie ſich ver⸗ ändern würde. Ich will wieder blind ſein, wenn meine wiedererlangte Sehkraft Dich unglücklich macht. Soll ich die Binde abnehmen und machen, daß das Licht meiner

Augen für immer erliſcht? Schrecklicher Gedanke, eben kam er mir!/

Halt, halt! rief ich,unſere Reden ſind Wahn⸗ ſinn, wir ſind Beide ſchwach und krank, Du aus Uebermaß des Glückes, und ich aus Verzweiflung. Höre mich an, fuhr ich fort und ſetzte mich neben ſie, aber das Herz wollte mir brechen,es iſt eine große Gnade, daß Du Dein Augenlicht wieder erhalten haſt, denn nun biſt Du vollkommen; es liegt Nichts daran, ob ich blind bin oder ſterbe, ich werde verlaſſen ſein, denn das iſt mein Schick⸗ ſal, zu dem Gott mich beſtimmte; aber verſprich mir, daß Du mich nie ſehen willſt, daß Du nie den Verſuch machen willſt, mich zu ſehen: wenn Du mich ſiehſt, ſo wirſt Du, gegen Deinen eigenen Willen, mich mit andern vergleichen, mit Solchen, deren Seele, deren Gedanken in ihren Augen zu leſen ſind, die mit einem einzigen Feuerblick ein Mäd⸗

360 chen einnehmen. Ich mochte nicht, daß Du mich mit An⸗

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deren vergleichen könnteſt; ich möchte für Dich das ſein,

was ich dem Gemüthe eines blinden Mädchens war, als men hätteſt Du mich im Traume geſehen. Ich erbitte mir von Dir das Verſprechen, daß Du nie hierher kommen

willſt ohne Deine grüne Augenbinde, daß Du mich jede Woche, oder jeden Monat, oder wenigſtens jedes Jahr

einmal beſuchen willſt, o, verſprich mir wiederzukommen

ohne mich zu ſehen.

5 beſſen, d Ich verſpreche, Dich ſtets zu lieben, ſagte Eulalie mich

und weinte.

Ich war ſo überwältigt, daß meine Sinne mich verließen, und ich fiel zu ihren Füßen. Herr Robert hob mich auf, ſagte mir viele freundliche Worte, umarmte mich und übergab mich der Fürſorge meiner Mutter. Eulalie blieb nicht länger; ſie kam den nächſten Tag und noch mehrere folgende Tage, und jeden Tag berührten meine Lippen die grüne Binde, die mich in meiner Taͤu ſchung erhielt. Ich bildete mir ein, daß ich fortwährend für ſie Derſelbe bleiben würde, ſähe; mit Entzücken ſagte ich zu mir ſelbſt: Meine Culalie beſucht mich noch immer, ohne mich zu ſehen, und ich werde immer von ihr geliebt werden. Eines Tages, als ſie auch zu mir kam, und meine Lippen, wie gewöhn⸗

lich, ihre Augen ſuchten, begegneten ſie ſeidenenen Augen⸗

wimpern unter der grünen Binde.

Ach, rief ich,wenn Du dennoch im Stande

wärſt, mich zu ſehen.

Ich habe Dich geſehen! ſagte ſie lachend,was hätte mir meine Sehkraft genützt, wenn ich Dich nicht hätte ſehen ſollen? Wie konnteſt Du wähnen, der Neu⸗ gierde eines Mädchens, dem plötzlich das Augenlicht wie dergegeben, Grenzen zu ſetzen? 5

Aber das iſt ja unmöglich, Eulalie, Du verſprachſt mir ja

Ich habe Dir Nichts verſprochen, Theuerſter, denn als Du mich bateſt, Dir das Verſprechen zu geben, hatte ich Dich ſchon geſehen.

Du hatteſt mich geſehen und kamſt doch noch zu mir? Aber wen ſahſt Du zuerſt?

Herrn Maunoir, meinen Vater, Julie, dann dieſe große Welt, mit ihren Bäumen und Bergen, den Himmel und die Sonne. 8

Und wen ſahſt Du ſeitdem?

Gabriel Payot, den alten Balmat, den guten Ter⸗ raz, den langen Cachat und Margarethe.

Und keinen Andern? Keinen.

Wie balſamiſch iſt die Luft dieſen Abend! Nimm Deine Binde ab, Du könnteſt wieder blind werden.

Glaubſt Du, daß mich das ſehr betrüben würde? Ich ſage Dir noch einmal, daß mein größtes Glück bei meinem wiedererlangten Geſicht iſt, daß ich im Stande bin, Dich zu ſehen und Dich nun durch das Mittel eines andern Sinnes zu lieben. Dein Bild war in meiner Seele, wie ich es nun mit den Augen ſehe. Dieſe mir wiedergeſchenkte Fähigkeit dient mir nur dazu, Dich noch feſter in mein Herz zu ſchließen; das iſt's, weßhalb ich Werth darauf lege.

Dieſe Worte werde ich nie vergeſſen. Meine Tage verfloſſen nun ruhig und gluͤcklich, denn Hoffnung täuſcht ſo leicht; unſere Lebensweiſe war bedeutend verändert, und Eulalie wußte mich dahin zu bringen, daß ich Auf⸗ regung und abwechſelnde Vergnügungen dem ruhigen Ge⸗ nuſſe, der uns früher erfreut hatte, vorzoge. Nach einer

ſo lange ſie mich nicht

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