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mir, und ich opferte ſie hin,— weniger haarſträubende und handgreifliche Beiſpiele ähnlicher Art kommen ja alle Tage vor. Und nun, meine Herrn! möcht' ich Sie bitten, mich allein zu laſſen!“
„Verſtockter, unbußfertiger Schurke! rief ich un⸗ willkürlich halblaut aus, als er ſich zum Gehen wandte.
Er drehte ſich raſch nach mir um, ſah mir ohne Groll in's Geſicht und erwiderte:„Ein fluch und ver⸗ abſcheuungswürdiger Schurke allerdings— aber kein un⸗ bußfertiger! Ihr Tod allein liegt ſchwer auf meiner Seele, und beunruhigt mein, gegen alles Andere verhärtetes Gewiſſen. Und glauben Sie mir, ehrwürdiger Herr,“ wandte er ſich mit ſeiner früheren Bitterkeit an den Kap⸗ lan,—„glauben Sie mir, es waren neulich nicht die feierlichen Worte des Richters, ſondern ihr bleiches vor— wurfsvolles Bild, das plotzlich neben mir auf der Bank der Angeklagten auftauchte, was jenen jähen Schreck, und jenes Entſetzen in mir verurſachte, die dann jener Richter ſo wohl- und ſelbſtgefällig ſeiner eigenen Leichentons⸗Be⸗ redtſamkeit zuſchrieb. Jedenfalls aber kann ihr Tod nicht mir allein zur Laſt gelegt werden. Die ſie richteten, wollten ja ihrer Erzählung nicht glauben, und doch war ſie ſo wahr wie der Tod. Wären Jene nicht ſo voll Zuver⸗ ſicht auf ihre eigene, niemals irrende und unfehlbare Weisheit geweſen, ſo hätten ſie ſie etwa zu ſchwerer Ker— kerhaft oder einer andern Strafe verurtheilt, welche dem Schaffot nahe kam, aber doch ſpäterhin die Mittel geboten hätte, ihren Irrthum wieder gut zu machen. Allein ich bin müde, meine Herren, und möchte, ich wiederhole es, allein ſein. Leben Sie wohl!“ Damit warf er ſich auf ſeine ſchlechte Pritſche, und wir entfernten uns in aller Stille.
Eine von uns Beiden aufgenommene und unterfer⸗ tigte Urkunde über Juſtin Arnold's Ausſage ward dem Staatsſekretär überreicht und deren Empfang pflichtlich beſcheinigt, begleitet von einer amtlichen Aeußerung des innigſten Bedauerns, daß dieſe Erklärung nicht zeitig ge— nug gemacht worden ſei, um Jane Eccles zu retten. Ueb— rigens ward keine weitere Notiz von der Sache genommen, und die Schilderung von dem, an dem armen jungen Mädchen begangenen Juſtizmorde füllt ohne Zweifel noch immer die Archive des Home Office(Miniſteriums des Innern), und bildet, mit ſehr vielen ähnlichen Beiſpielen der gleichen Art, den düſtern blutigen Hintergrund, auf welchem die Thaten der großen, berühmten und menſchen— freundlichen Männer ſich abheben, welche ſo erfolgreich die blutigen Geſetze aus früherer Zeit von dem Blutdurſt, der Barbarei und drakoniſchen Strenge der Vorzeit ge⸗ reinigt haben.——
Alles nach der Ordnung. Eine Erzählung von W. O. von Horn.
Wer von Euch, liebe Leſer, einmal nach Emmen— dingen ins Badener Land kommt, der wird ein ſchönes Städtchen finden, und wenn er ſich erzählen laßt, wie es in früheren Zeiten dort war, wird er wohl hier und da auch von dem Herrn Amtmann Schloſſer reden hören, der ſo um die Zeit von 1774 bis 1784 dort lebte und amtete. Ein braver Mann, der Amtmann Schloſſer(er war ein Schwager unſres Dichters Goethe!), ſo Einer vom ächten Schrot und Korn. Der machte einmal einen Streich, über den Viele lachten, nur der Izzik nicht, und der Izzik war ein Jüd zu Emmendingen, ſo ein rechter Bauernſchächter, wie's Viele gibt, wenn die Bauern einfältig genug ſind, ſich ſchächten zu laſſen.
War damals Einer zu Emmendingen, der Geld
a t er f haben mußte. Geht er zum Izzick und ſpricht: Kannſt du bu geh vots
r 1750 ſo und ſo viel leihen auf eine ehrliche Hand⸗ de 900 0 f chrift?— ö und d Mai! ruft der Izzik und kratzt ſich hinter den Ohren. ſunen daß er Wo hab' ich Geld. O waih geſchrieen! Geld?— Biſt uf, rau hals gekomme an de Unrechte! f 0 at. Was Du haſt Geld, Izzik, ich weiß es, ſagt der Andere, gegt Jodecus) hilf mir, ſonſt werde ich geſtülpt! hene nuß Uff Ehr, ich hab' keins! ſchreit der Jüd. Wo werd' am Herr A ich Geld hawwe? daß der Der ſchwerbedrängte Emmendinger gibt dem Juden ſubden,, doch zuckerſüße Worte. Endlich ſtellt ſich der Jüd, als ging's fung, ſah ein ihm zu Herzen. Waiſte was, ſagt er, helfe will ich der; f de r S aber ich muß das Geld beim Schlome ſelber lehne und daß! oder dem muß ich zwölf Procentcher gewwe! bug ng bt. Der Emmendinger, der in der Beißzange ſitzt, weil fe 1 er fürchten muß, verklagt und gepfändet zu werden, ver⸗ 00 Zo etwas ſpricht Alles und— Abends hat er das Geld und ſtellt„ gar nicht die Handſchrift aus und der Izzik hat dabei zwanzigmal fun bläſt Trübſ geſagt: Alles nach der Ordnung! Denn das iſt ſo ſein 50 lange Seu Wort, das er überall, wo's nur eben paßt, anbringt. fe, le wi Kaum ſind Dreivierteljahr vorbei, ſo verkauft der at! Emmendinger ſeine Frucht gut und bringt dem Jzik ſein il Geld nebſt den Procentcher und ſagt: Alterchen, hier iſt e dein bones Raſſel, gib mir meine Handſchrift. Alles nach fl der Ordnung, wie du ſelber ſagſt. 6 1. Mai, ruft der Izzik voll Schrecken, die Handſchrift!. Licht hab' ich verlore, und hab' ſtill geſchwiege, weil ich wußt',) Ln habet daß ich's mit em ehrliche Mann zu thun hab? Alles ſuntags 1 ü nach der Ordnung! War ich ehrlich, ſo ſei du's auch.(gt, da 0 Glaubt' ich dir, ſo glaub' du mir und nimm mit der die Nebeula Quittung vorlieb! zuf wickeln. Meinetwegen, ſagt der Emmendinger, der an nichts Ach Got, Arges denkt, und der Jüd ſchreibt die Quittung nämlich ch da ie ſo: Daß mir der ſo und ſo von Emmendingen heut' dato Jetzt era baar und richtig bezahlt hat ſo und ſo viel, beſcheinige iich da, uud d ich andurch. ſörs den M Emmendingen an dem und dem, Anno ſo und ſoviel. urn Amman 5 Jizik.* Alles nach der Ordnung, ſagt Izzik und gibt dem Was 1 Emmendinger die Quittung, der ruhig heimgeht und ſie it ihm die in die große Baſeler Bibel legt, wo die ſchönen Bilder n ſe bei dg drin ſind. Sonntags ſchläft der Emmendinger über dem 0 thut, Was Bibelleſen ein und ſeine Buben blättern in der Bibel nah Nun ſoll den Bildern und die Quittung fällt heraus. iu und laßt Seine Frau, die nicht leſen kann, hebt aber das Amt laden Papier auf und legt's in ihre Nebenlade in der Kiſte. ſuld und ſchſ Ueber lang oder kurz ſucht der Bauer ſeine Quittung( ſchlank und findet ſie nicht. Er ſucht Blatt vor Blatt, aber ſie Der But iſt fort, und die Frau hat kurze Gedanken und denkt nicht en Acker G dran, daß ſie ein Papier aufgehoben und in die Neben- ber zögen lade gelegt hat. Wenn ſich der Emmendinger auch hinter kt! Profich dem Ohre kratzt, ſo iſt er doch ſo einfältig und erzählt's ichen aus! weiter. gon das Me Hört's auch der Jüd und denkt: Holla, nun iſt's Ai halten,
Zeit, mit deiner Handſchrift herauszurücken! Kommt er as von de zu dem Emmendinger und ſagt: Es wär' doch emol Zeit, i wah, der daß de mer mai Geld gäbſt! Alles nach der Ordnung!“ Mu im Sta Was für Geld? fragt erſtaunt der Emmendinger. den cht! Mai, was frogſt ſo kurios? Das Geld, wovon das öh med die Handſchrift lautet! ſagt der Jüd und ſieht dabei ſo Bek ehrlich aus, als könne er kein Waſſer trüben. Au
Was? ruft der Emmendinger, hab' ich dir's nicht ſammt den Prozenten ausbezahlt bei Heller und Pfennig?
Weiß nix dervun, ſagt der Jüd. Willſt du nit bde⸗ zahle, ſo gibt's noch en Amt und beim Amt haßt's: atz Quittung oder bezahlt, Alles noch der Ordnung!— Da- 2
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