Ausgabe 
11.2.1852
 
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Ringe abſchneiden wollte, ſtand ſie auf und ging zu Hauſe, un bat noch dreißig Jahre gelebt. Und nun iſt ſie doch todt, und Jahrhunderte ſind darüber hingegangen, und

am Ende iſt ein Tag wie ein Jahr, und der Tod iſt kein

Unglück, bloß eine Nothwendigkeit. Wenn Deine kleine Victorie groß wird, und Du ſchickteſt ſie in eine Erzieh ungsanſtalt, und ſie hatte Alles gelernt, was ſie brauchte, ſo nähmſt Du ſie wieder zurück, damit ſie im Vaterhauſe das Leben genießen und anwenden lernte. Wie würde es Dich aber verdrießen, Gunderle, wenn ſie ſich ſträubte, heimzukommen. Sieh' ſo mag's dem lieben Gott auch ſein, wenn ſeine ausgeſendeten Lehrlinge nicht in ſein Reich zurück wollen.

Sie küßte leiſe die Hand der Kranken, die ſie ihr gedrückt hatte, und fuhr, da dieſe fromm lächelte, fort: Die Sträflinge im Feſtungsgraben mögen nicht Alle gar ſo ſchlimm geweſen ſein. Die Armuth iſt eine arge Ver⸗ ſucherin, Gunderle! mich dauerten ſie, und wenn der Sol⸗ dat mit dem Gewehre den Rücken wendete, warf ich ihnen geſchwind ein paar Batzen zu. Einer war ſo jung und hübſch, daß ich mir eine ganze Geſchichte zurecht legte, wie er könnte in dieſes Elend gekommen ſein, ohne daß er von Natur gerade hätte verderbt ſein müſſen. Es mag ein Batzen mehr in ſeine Hand wie in die der Andern ge⸗ fallen ſein, denn er ſah oft zutraulich, wenn auch traurig, zu mir hinauf. Das dauerte einige Tage hintereinander fert. Eines Morgens aber, da die Arbeit gethan war, hatte ich den traurigen Anblick nicht mehr zu ertragen, und ich begoß meine Blumen wieder mit leichterem Her⸗ zen, denn die Arbeiter hatten dieſen Theil des Stadtgra⸗ bens verlaſſen /. 5

Geſtern ſah ich dem Sonnen-Untergange zu, wie er das grüne Land und die Wertach vergoldete, da fiel etwas neben mir zu Erde, ich hob es auf, und fand einen Stein, an dem ein Päckchen gebunden war; in dem Päck⸗ chen lag ein in einen Zettel eingewickelter Ring; der Zet⸗ tel enthielt die Worte:Ihre Güte hat einen armen Un⸗ glücklichen erquickt, nehmen Sie zum Dank dieſen Ring, er bringe Ihnen Glück und Segen.

Hier iſt der Ring, ſagte Elsbeth, indem ſie ihn

vom Finger zog und der Kranken reichte.Iſt das nicht

ein Abenteuer, und ein rührendes?

Der Ring war von Pferdehaar geflochten und darin ſtand mit weißen Buchſtaben das Wort:Hoffnung. Adelgunden ſtrömten die Thränen über die Wangen, als ſie die Inſchrift las. 0

Hoffnung, Hoffnung! ſagte ſie, und drückte den Ring an die Lippen; darauf ſteckte ſie ihn an ihren Mit⸗ telfinger, der ſo abgezehrt war, daß der Ring, der auf den kleinen Finger der Baſe paßte, ihn feſt umſchloß.

Darf ich ihn behalten? ſagte ſie wieder gefaßter.

Wenn es Dir die kleinſte Freude machen kann, gerne, erwiderte Elsbeth.Ich höre das Kind im Nebenzimmer, ſoll ich Dir's bringen?

Adelgunde nickte bejahend, und als ſie das kleine Mädchen neben ſich liegen ſah, ward ſie ruhiger, und ver fiel in einen leichten Schlummer, den ein heftiges Schel len an der Hausthüre unſanft unterbrach. Sie fuhr zit⸗ ternd auf; Elsbeth ſagte ihr: es ſei nur der Vetter, der heim käme, und ſie brauche ſich nicht zu erſchrecken.

Schwere Tritte wurden auf der Treppe gehört. Die Thüre ging raſch auf, und ein ſtarker Mann ſchloß ſie hinter ſich. Man hätte an ſeiner Art und Weiſe nicht errathen, daß er in das Zimmer einer ſchwer Kranken

trat; er warf den Mantel ab und war am Bette ſei⸗ ner Frau.

Nun, Gunderle, Du ſiehſt ja heute recht munter

aus, haſt's Mäderle neben Dir, was macht's denn?

Hiermit nahm er das Kind und ſchaukelte es auf dem Arme. Aber alle dieſe Bewegungen waren viel zu

heftig für die kranke Frau; ſie ſchloß die Augen, und

winkte Elsbeth mit der Hand, die Kleine wegzubringen. Der Eheherr gab ſie ihr, und ſetzte ſich neben das Bett nieder.

Willſt Du ſchlafen? fragte er überlaut. Adel⸗ gunde öffnete die Augen und ſagte:Wenn ich könnte.

Es iſt gar nicht möglich, daß eine Frau ſchläft, die gar keine Luft einathmet und keine Bewegung macht, ſagte er,Du ſollteſt verſuchen, täglich ein bischen auf⸗ zuſtehen. Soll ich Dir jetzt Geſellſchaft leiſten? Ich bin nicht ſchläfrig. 5

Gerne, ſagte Adelgunde matt.

Frau Baſe, fuhr er fort, indem er Elsbeth die Hand ſtreichelte,ich bin müde und Sie ſind immer ſo ge⸗ fällig; gehen Sie und ſagen Sie der Crescenz, daß ſie mir mein Bier hierher bringt. 5

Unmöglich, ſagte Elsbeth, Adelgunde kann den Geruch nicht vertragen; Sie brauchen auch mitten in der Nacht kein Bier; gehen Sie liber zu Bette.

Adelgunde fiel ſchnell ein:O mir ſchadet es nicht, und mich freut's, wenn der Herr hier ſitzen bleibt.

Elsbeth ging ohne weitere Einwendung und beſtellte das Bier. ter ruhig ſeine Pfeife an und rauchte. 5 g Adelgunde hüſtelte leiſe, aber ihre Anſtrengung, die üble Wirkung auf ihre kranke Bruſt zu verbergen, war vergebens.

Elsbeth kam wieder, und blickte den Vetter zor⸗ nig an.

Kommen Sie einmal mit mir zum Kinde, ſagte ſie, und zog ihn mit ſich in's Nebenzimmer. Sie ſchickte die Nonne zur Kranken, und zog ihn ſo weit wie möglich von der Thüre weg.

Was fällt Ihnen ein, Herr Vetter,, fuhr ſie leb haft heraus,ſich zu einer Todtkranken zu ſetzen und Ta⸗ back zu rauchen; Sie ſind doch wirklich ein Barbar.

Herr Langenwärter ſah ſeine Baſe überraſcht au. Aber Gundel iſt ja daran gewöhnt, ſagte er unbefangen.

Werden Sie denn nie unterſcheiden lernen, was eine Geſunde und was eine Sterbende aushalten kann?

lAch was eine Sterbende! erwiderte Laugenwärter böſe.Gundel iſt gar nicht ſo krank, doch Ihr habt ſie nach und nach daran gewöhnt, daß ſich Alles nach Ihr richten muß. Sie war früher das einfachſte ſanfteſte Weib von der Welt, aber ſie haben ihr den Kopf verrückt. Und ſeit einiger Zeit nehmen ihre Anſprüche kein Ende.

Herr Langenwärter hatte dieſe Rede ſehr eutſchieden begonnen; doch unter Elsbeth's Blick ſchwand der volle Klang ſeiner Stimme; er war froh, als er am Punkte war, und ſchloß ſie ſchnell; aber es ward ihm nicht ge⸗ ſchenkt. Elsbeth rief eifrig aus:Adelgund's Anſprüche! ſo ſoll Sie doch Gott ſtrafen, wenn Sie ſolch' ein Wort je wieder in den Mund nehmen. Ihr Lebenlang haben Sie nicht gethan, als ob Ihre Frau auch eine Stimme im Rath hätte. Was Sie wollten, geſchah unbedingt; Sie haben nicht einmal erfahren, was Widerſpruch heißt; und jetzt ſcheint mir, wollen Sie es übel nehmen, daß die

Gunderle ohne Ihre Exlaubniß zum Himmel fährt. Ich

hätte ſollen Ihre Frau ſein, nur ſechs Monate lang! Sie ſollten ein anderes Lied von der Ehe ſingen.

Herr Langenwärter hatte nicht nur eine gewiſſe Zu⸗ neigung zu Elsheth, denn ſie war eine unterhaltende leb haft Frau, ſondern auch mehr Reſpekt vor ihr als vor

Während deſſen zündete ſich Herr. Langenwär⸗

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